The American Way: Die Psychotherapieausbildung in den USA

Im Zusammenhang mit der Vereinheitlichung des europäischen Hochschulsystems, dem so genannten Bologna-Prozess, werden derzeit die Abschlüsse Bachelor und Master eingeführt. Diese Abschlüsse haben im US-amerikanischen System eine lange Tradition, und es wird dargestellt, was diese Abschlüsse dort in der Psychologie bedeuten. Es wird geschildert, wie der Zugang zur Ausbildung in Psychotherapie in den USA geregelt ist, welche Rahmenbedingungen der Psychotherapieausbildung dort relevant sind und an welchen Institutionen sie durchgeführt wird.


Die wichtigsten Regelungen für die Ausübung psychotherapeutischer Tätigkeiten werden zusammengefasst. Insbesondere, wenn in Deutschland eine bessere Verzahnung von Forschung und therapeutischer Praxis angestrebt werden soll, erscheint ein Vergleich mit dem amerikanischen System besonders informativ zu sein.

- Eine Expertise im Auftrag der DGVT -
Abstract: As part of the unification of the European university system – the so called Bologna process – Bachelor and Master degrees are currently introduced in Germany. These degrees have a long tradition in the American System and we show what their relevance is for psychologists there. We outline how the access to training as a psychotherapist is regulated in the United States, what regulatory framework is relevant for training, and which institutions provide training. The most important regulations for the practice of psychotherapy are summarized. We suggest that it may be particularly informative to study the American system if a better integration of research and practice are to be implemented in Germany.

Hintergrund: Bologna-Prozess und Vergleich mit den USA

Aus Sicht der klinischen Psychologinnen und Psychologen stellt sich im so genannten Bologna-Prozess die spezielle Frage nach der Voraussetzung zum Beginn der Psychotherapieausbildung. Möglicherweise ist hier sogar noch eine Klarstellung des Gesetzgebers erforderlich (siehe Alpers, 2006).
Auf der Basis des novellierten Hochschulrahmengesetzes (HRG) existieren schon seit 1999 „Strukturvorgaben für die Einführung von Bachelor-/Bakkalaureus- und Master-/Magisterstudiengängen“ (Kultusministerkonferenz, 10.10.2003). Da eines der Ziele ihrer Einführung in Deutschland eine verbesserte Internationalisierung ist, werden die neuen Studienabschlüsse sicherlich auch Ähnlichkeiten mit den angloamerikanischen „Originalen“ haben (siehe die Internetseiten der amerikanischen Psychologischen Gesellschaft, American Psychological Association [APA], 2004). Master und Bachelor sind seit langem die üblichen Studienabschlüsse im angloamerikanischen Universitätssystem.
Es dürfte daher Manchen erstaunen, dass ein US-Bachelor mit dem Hauptfach Psychologie keineswegs zu einer psychologischen Berufstätigkeit qualifiziert; ohne weitere akademische Studienabschlüsse gibt es auch keine Karriereoptionen im Fach Psychologie (Alpers & Vogel, 2004). Dementsprechend ist auch die Mitgliedschaft in der American Psychological Association und das Führen des Titles "Psychologe" den promovierten Absolventen vorbehalten[1]. Daher bewerben sich viele Bachelor-Absolventen für so genannte Graduate Studies, d.h. Promotionsprogramme oder Master-Studiengänge in Psychologie. Aktuelle Zahlen zeigen, dass ca. 30 % der Bachelor-Absolventen mit Psychologie-Major bereits ein Jahr nach dem Abschluss wieder in einem weiterführenden Studiengang eingeschrieben sind (Tabelle 375 - http://nces.ed.gov/programs/digest/d05/tables/dt05_375.asp). Dies ist jedoch nicht beschränkt auf das Fach Psychologie[2].
Wer in den USA einen Master in Psychologie erwirbt, kann in verantwortlicher Position beispielsweise Testungen und Beratungen durchführen, psychotherapeutische Tätigkeiten im engeren Sinne werden jedoch in der Regel nur unter Supervision der promovierten (d.h. impliziert, der zur Heilkunde zugelassenen) Kollegen erfolgen. Eine eigenverantwortliche psychotherapeutische Tätigkeit setzt in der Regel den Doktorgrad voraus (dort „Ph.D.“), der im Rahmen eines Promotionsstudienganges klinische Psychologie erworben wurde[3]. Eine Ausnahme von dieser Regel ist ein Promotions-Abschluss („Psy.D.“, Doctor of Psychology) von praxisorientierten Instituten (Professional Schools of Psychology, siehe Norcross & Castle, 2002), die stark praxis- und weniger forschungsorientiert sind[4]. Im weitesten Sinne ähneln Professional Schools unseren Fachhochschulen, Sie decken aber nicht notwendigerweise dasselbe Fächerspektrum ab wie die typischen FH's in Deutschland, sondern sind typischerweise fachspezifisch. Auch zwischen den Promotionsprogrammen in der klinischen Psychologie gibt es erhebliche Unterschiede, die sich unter anderem in Rankings abbilden lassen (siehe z.B. Matson et al., 2005).

Regelungen zur Zulassung als Psychotherapeut/-in in den USA

Die Ausbildung zum Psychotherapeuten in den USA weist einige grundsätzliche Unterschiede zum deutschen System auf. Erstens besteht auf gesetzlicher Ebene kein Unterschied zwischen Behandlern für Erwachsene oder Kinder und Jugendliche. Jeder lizensierte klinische Psychologe[5], der auch „Health Service Provider“ (HSP)[6] ist (siehe unten), hat die Erlaubnis, sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche zu therapieren. In der Praxis gibt es jedoch Unterschiede in den Curricula der klinischen Schwerpunkte der Universitäten, und Studenten wählen sich die Universität gemäß diesen Schwerpunkten aus. Allerdings wird von einem HSP erwartet, dass er Wissen zu allen psychischen Störungen und in allen Altersgruppen besitzt und dass er/sie Patienten mit Störungen außerhalb seiner/seine Expertise an andere Kollegen überweist oder die Therapie unter adäquater Supervision durchführt. Zweitens regelt in den USA kein nationales Gesetz die Psychotherapie, sondern jeder Bundesstaat regelt sie eigenständig. Ohne Ausnahme hat jeder Bundesstaat ein solches Gesetz, die Vergleichbarkeit auf föderaler Ebene wird nicht von irgendeiner höheren politischen Instanz gewährleistet, sondern ergibt sich einerseits dadurch, dass alle Staaten die Akkreditierung durch die American Psychological Association erwarten, was eine gemeinsame Basis definiert. Zweitens werden USA-weit formelle Richtlinien vom so genannten Council of Graduate Departments of Psychology (COGDOP; http://psych.wfu.edu/cogdop/), dem alle klinischen Direktoren/Vorstände angehören, ausgearbeitet.
Die folgenden Voraussetzungen beziehen sich auf die gesetzlichen Regelungen des US Bundesstaates Massachusetts (251 Commonwealth of Massachusetts Board of Registration of Psychologists). Andere Bundesstaaten haben leicht abweichende Regelungen.

1. Voraussetzungen für Health Service Provider

Ein Psychotherapeut mit HSP-Status muss insbesondere die folgenden Voraussetzungen erfüllen:
(1) die Person muss einen Doktorgrad von einer anerkannten und akreditierten Institution[7] (öffentlichen oder privaten Universitäten oder – meist privaten – "Professional Schools" (s.o.) haben (welche Institutionen ein solches anbieten, kann man bei der APA erfahren http://www.apa.org/ed/accreditation/clinpsyal.html)
(2) die Ausbildung muss mit dem Studienschwerpunkt klinische Psychologie ("clinical program") durchgeführt werden, welches eine kohärente Entität mit Lehrkräften innerhalb dieser Institution ist
(3) das Studium muss ein klar organisiertes Curriculum mit festgelegten Veranstaltungen haben
(4) mindestens die Hälfte der Supervisionsstunden müssen von einem oder mehreren Psychologen durchgeführt werden (die andere Hälfte kann bei Supervisoren anderer Berufsgruppen mit HSP-Status gemacht werden)
(5) mindesten 25% des Trainings muss aus direktem Kontakt mit dem Patienten bestehen (mindestens 400 Stunden)
(6) das Training muss mindestens 1 Stunde Supervision für je 16 Arbeitsstunden (im direkten und persönlichen Kontakt) einschließen.

2. Umfang, Struktur und Inhalte

Im Folgenden werden Umfang, Struktur und Inhalte der Psychotherapieausbildung dargestellt. Die Ausbildung setzt üblicherweise einen Bachelor-Abschluss einer Universität voraus, der jedoch in einem beliebigen Studienschwerpunkt erworben sein kann. Sie beginnt dann mit dem Studium in einem klinisch-psychologischen Studienschwerpunkt (ein „clinical program“), was in der Regel 4 bis 6 Jahre lang dauert und mit einem Doktortitel endet (Ph.D. oder Psy.D) (der Masterabschluss kann nahezu beiläufig erworben werden, was für die Promovenden jedoch kaum relevant ist). Während dieser Zeit werden verschiedene kürzere Praktika abgeleistet, in der er/sie supervidierte Therapien durchführt. Danach muss ein (in der Regel) 1-jähriges Postgraduiertenpraktikum („Internship“) abgeleistet werden, während dessen Supervisionsstunden angesammelt werden. Die Ausbildung endet mit der Lizenzprüfung, mit der man (wenn alle anderen Voraussetzungen vorliegen) auch HSP wird. Diese Lizensprüfung ist jedoch nicht mit der deutschen Approbationsprüfung zu verwechseln, die sich spezifisch auf die Ausübung der Psychotherapie bezieht. Die Lizenzprüfung betrifft alle Anwendungsformen der Psychologie[8].
Die national einheitliche Lizenzprüfung, "Examination for Professional Practice in Psychology (EPPP)", ist eine aus 200 Multiple-Choice-Fragen bestehende computerisierte Prüfung, die von der "Association of State and Provincial Psychology Boards" (ASPPB, siehe http://www.asppb.org/) gestellt wird[9]. Mitglieder dieser Organisation sind die zuständigen Kontrollgremien ("Boards") aller Bundesstaaten der USA (und aller kanadischen Provinzen). Da die rechtlichen Bedingungen für die Ausübung der Heilkunde in den einzelnen Staaten zum Teil divergieren, gibt es einige zusätzliche Fragen, die vom Board des jeweiligen Staates gestellt werden.

(a) Ausbildung während des Studiums

Die meisten akademischen Ausbildungen folgen in den USA dem so genannten Boulder Modell, auch Scientist-Practitioner-Modell, welches eine intensive Verknüpfung von Theorie, Forschung und Praxis fordert (siehe Davison, 1998). Ein klinisches Programm muss die folgenden Inhalte einschließen (siehe ein Beispiel für einen Bundesstaat http://www.mass.gov/dpl/boards/py/cmr/25103.htm  und die Umsetzung dessen an einer beispielhaften Universität http://www.bu.edu/psych/graduate/clinical/program/coursework.shtml).
(1) Biologische Verhaltensgrundlagen (Physiologie, vergleichende Psychologie, Neuropsychologie, Wahrnehmung und Empfinden und Psychopharmakologie)
(2) Kognitiv-affektive Verhaltensgrundlagen (Lernen, Denken, Motivation und Emotion)
(3) Soziale Verhaltensgrundlagen (Sozialpsychologie, Gruppenprozesse, Organisation und Systemtheorie), kulturelle Vielfalt („cultural diversity“)
(4) Interindividuelle Unterschiede (Persönlichkeitstheorie, Entwicklungspsychologie, Psychische Störungen).
Aufbauend auf diesen Grundlagen werden spezifische therapeutische Techniken im Rahmen von Seminaren/Übungen vermittelt. Das praktische Training findet jedoch hauptsächlich während der Praktika und des längeren Internships statt (siehe unten, b).
Außerdem werden im Studium Praktika von zusammen mindestens 4 Monaten und mindestens 16 Wochenstunden therapeutischer Arbeit mit mindestens 1 Stunde Supervision pro Woche verlangt. Diese Praktika können erst nach einem akademischen Jahr eines Vollzeitstudiums angetreten werden.

(b) Ausbildung nach dem Ph.D./Psy.D.-Studium

Nachdem alle Veranstaltungen des Studiums abgeschlossen sind, erfolgen supervidierte Therapien im Rahmen eines Internships und einer Post-Doktoranden Stelle.
Das Internship ist in der Regel vollzeit/ganztags und dauert ca. 1 Jahr (1600 Stunden, welche innerhalb von  mindestens 10 Monaten abgeleistet werden). Es gibtalternativ aber auch 2-jährige Halbzeitinternships. Es wird gern gesehen, wenn die Doktorarbeit bereits vor dem Internship abgeschlossen ist, dies muss aber gesetzlich nicht der Fall sein. Studenten, die bis auf die Dissertation alle Erfordernisse im Studium abgedeckt haben, werden als „ABD“ (all but dissertation) bezeichnet. Die Plätze für das Internship werden nicht durch das Ausbildungsprogramm der Hochschule direkt vergeben/vermittelt, sondern beruhen auf individuellen Arrangements. In Frage kommen hauptsächlich stationäre psychiatrische Einrichtungen. Es gibt während des Internships unterschiedliche Aufgabenbereiche („Rotations“) um ein gewisses Trainingsspektrum abzudecken. Im Gegensatz zum deutschen System kommt es hierbei nicht auf die Supervision durch einen Mediziner an, was aber häufig vorkommt.
Nach dem Internship und der Doktorarbeit müssen die Post-Docs dann auch supervidierte Therapien durchgeführen (nochmals 1600 Stunden, die innerhalb von mindestens 10 Monaten und höchstens 36 Monaten abgeleistet werden müssen). Dies erfolgt häufig im ambulanten Setting, kann aber auch stationär sein. Alle Supervisionen müssen von einem lizensierten Psychologen mit HSP-Status erfolgen (sowohl im Studium, Internship als auch während der Postdoktoranden-Zeit). Die Therapiestunden müssen nicht innerhalb der Ambulanz/Klinik der Universität durchgeführt werden; dies kann überall erfolgen, wo es Patienten gibt. Bei diesen Therapien im Rahmen der Ausbildung ist eine Kostenerstattung durch z.B. HMOs (Health Management Organizations) möglich, falls der Supervisor Teil der HMO-Provider-List ist.

Staatlich definierte Rahmenregelungen und unterschiedliche Ausbildungsgänge

Jeder US Bundesstaat hat seine eigenen Regelungen (z.B. Kalifornien, siehe http://www.psychboard.ca.gov/licensing/license.html) die im Prinzip ähnlich sind, aber sich in einigen Details unterscheiden (Links zu den einzelnen Boards der Bundesstaaten finden sich hier: http://http://www.asppb.org). Beispielsweise unterscheiden sich die Regelungen der Bundesstaaten darin, welche Veranstaltungen im Studium abgedeckt werden müssen, um für die Lizenzprüfung zugelassen werden zu können. Die Regelungen werden vom so genannten Lisencing Board für Psychologen getroffen, das sehr gemischt zusammengesetzt ist (wenige Akademiker, viele Praktiker und vor allem einflussreiche Rechtsexperten). Dieses Board ist auch die Kontrollinstanz.
Wenn ein ausgebildeter Therapeut den Bundesstaat wechselt, muss er die Lizenz im neuen Bundesstaat beantragen. Die Lizenzprüfung selbst muss in der Regel nicht nochmals wiederholt werden. Allerdings müssen sämtliche Unterlagen nochmals zur Prüfung an das Board eingereicht werden (welches bestimmt, ob man noch zusätzlich Kurse belegen muss, oder eventuell zusätzliche supervidierte Therapiestunden abzuleisten hat etc.). Da sich die einzelnen Staaten darin unterscheiden, welche Studieninhalte abgedeckt werden müssen, kann es durchaus sein, dass zugelassene Therapeuten, welche den Bundesstaat wechseln, noch einzelne Veranstaltungen belegen müssen. Die Lizenz ist direkt übertragbar, wenn der Therapeut Mitglied des „American Board of Professional Psychology“ ist (ABPP). Dies ist eine freiwillige Zusatzqualifikation für Psychotherapeuten.

Institutionen, an denen die Ausbildung erfolgt

Die Therapieausbildung ist Teil der akademischen Ausbildung zum klinischen Psychologen. Wie oben erwähnt, beginnt die praktische Ausbildung bereits während des Studiums und wird während des 1-jährigen Internships und der Post-Doktoranden-Zeit weitergeführt. Neben den öffentlichen Universitäten gibt es private Universitäten und Professional Schools. Inwiefern diese mit privaten Therapieausbildungsinstituten, wie wir sie in Deutschland kennen, vergleichbar sind, bedarf einer gesonderten Analyse.

Das Erbringen psychotherapeutischer Leistungen

Zunächst muss festgestellt werden, dass die Anforderungen an psychologische Leistungserbringer zunächst nur Psychologen betreffen. Psychotherapeutisch arbeiten im weiteren Sinne dürfen aber in den USA Psychiater, Psychologen (klinischer und Beratungspsychologe) und Sozialarbeiter. Sozialarbeiter mit einem Studienabschluss in Social Work (auch hier notwendiger Weise der Ph.D. oder DSW, Doctor of Social Work, es gibt auch Master’s of Social Work und LCSW, licensed clinical social work) können therapeutisch arbeiten, wenn sie die Voraussetzungen, Lizenz usw. der entsprechenden Berufsverbände erfüllen. Ihre Tätigkeitsfelder sind nicht sehr scharf von denen der psychologischen Psychotherapeuten abgrenzbar, die Ausbildungsgänge sehr wohl. Ein Studienabschluss (B.A.) in Social Work ermöglicht allerdings keinesfalls die Aufnahme in ein psychologisches Promotions-Therapieausbildungsprogramm.
Psychologen müssen den HSP-Status besitzen (siehe oben), um Psychotherapie abzurechnen. Ohne HSP-Status darf man nur unter Supervision einer Person mit HSP-Status psychotherapeutisch arbeiten. In einigen wenigen Bundesstaaten kann man lizenzierter Psychologe sein, ohne den HSP-Status zu besitzen (etwa in Massachusetts, wenn man alle Anforderungen erfüllt, aber kein Internship hat).

Leistungserbringung für die Kostenträger durch Psychotherapeuten

Es gibt keine gesetzlichen Regelungen dafür, in welchem Umfang Psychotherapeuten, die keine Ärzte sind, ambulante psychotherapeutische Leistungen für die Kostenträger (HMO’s oder andere) erbringen können. Einige Therapeuten bewerben sich bei den Kostenträgern, um auf deren „Listen“ zu kommen. Andere vermeiden es und bitten die Patienten, dies direkt mit ihren Versicherungen abzuklären. Prinzipiell ist es möglich, die Kosten für Psychotherapie, die durch einen Therapeuten mit HSP-Status erbracht wurde, von den Versicherungen erstatten zu lassen. Die Regelungen einzelner Versicherungen erfordern jedoch spezielle Zusatzversicherungen.

Regelungen für die psychotherapeutische Tätigkeit im stationären Bereich

Es gibt keine prinzipiellen Unterschiede zwischen der ambulanten und der stationären Behandlung. Ein Psychologe, der im stationären Bereich arbeitet, benötigt auch den HSP-Status (oder er muss von einem HSP supervidiert werden). Wie die Leistungen abgerechnet werden, hat damit nichts zu tun.
Welche Therapie in welchem Umfang für welche Patienten bezahlt wird, ist nicht gesetzlich geregelt, die HMO’s bestimmen das. Letztendlich kommt es auf Art und Umfang der Versicherungsverträge und auf die Verhandlung/Absprache mit den Trägern an. Viele HMOs sehen für die stationäre Behandlung Fallpauschalen vor.

Verfahrensorientierung der Psychotherapieausbildung und deren Zulassung

Die klinischen Promotions und Psychotherapie-Programme einzelner Hochschulen mit ihren Praktika, Internships sowie die Post-Doc-Stellen unterscheiden sich in der theoretischen Orientierung. Allerdings müssen sich alle zukünftigen Therapeuten demselben Lizenztest unterziehen, und jedes klinische Programm muss dieselben grundlegenden Kurse des Bundesstaates abdecken.
Die allergrößte Mehrheit der Ausbildungen ist schwerpunktmäßig behavioral orientiert. Es gibt daneben wenige tiefenpsychologisch orientierten Programme, aber kaum andere Therapierichtungen.

Unterschiede zwischen den verschiedenen US-amerikanischen Bundesstaaten

Zum einen sind die akademischen Voraussetzungen leicht unterschiedlich (d.h., manchmal sind einige Kurse nicht erforderlich, die in anderen Bundesstaaten erforderlich sind). Zum anderen sind die Regelungen und Definitionen des HSP leicht unterschiedlich. Außerdem unterscheidet sich der cut-off, um das Lizenzexamen zu bestehen (einige Bundesstaaten verlangen 70%, andere 75% richtige Antworten). Der Lizenztest in einem gegebenen Jahr ist allerdings in allen Bundesstaaten derselbe. Die Fragen dieser schriftlichen Prüfung werden also von Psychologen gestellt.
Eine weitere Besonderheit ist, dass klinische Psychologen (mit HSP) in manchen Bundesstaaten (Louisiana und New Mexico) nach einem zusätzlichen Kurs Medikamente verschreiben können.

Weitere Besonderheiten bezüglich Master-Titel

Jeder unabhängig arbeitende klinische Psychologe, der Therapien durchführt, muss einen Doktortitel (Ph.D. oder Psy.D.) haben. Der Masters-Titel befähigt nicht zur unabhängigen therapeutischen Arbeit. In der Regel erwerben Ph.D.-Studenten einen M.A. im Verlauf ihres Studiums ohne bedeutsamen Mehraufwand. Einige klinische Programme haben außerdem auch ein getrenntes „Masters-Programm“ welches ein sehr kurzes Studium ist und primär der weiteren Qualifizierung für Studenten dient, die gerne in ein Ph.D.-Programm gehen wollen, aber ihre Konkurrenzfähigkeit noch stärker ausbauen wollen. Zum Beispiel ist das Master-Programm an der Boston University 1 Jahr lang und besteht aus nur 8 Kursen, welche gemeinsam mit den Promotionsstudenten belegt werden können.

Fazit

In den USA hat das Bachelor-/Master-System eine lange Tradition. Die Veranschaulichung, wie hier die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten erfolgt, soll zur Klärung beitragen, wie sich die Umsetzung des Bologna-Prozesses in Deutschland ausgestaltet werden könnte. Es wird beim Vergleich der Systeme deutlich, dass die im Bologna-Prozess angestrebte Internationalisierung trotz der neuen akademischen Abschlüsse nicht notwendiger Weise in den tatsächlichen Qualifikationen, die mit den Bachelor- und Master-Studienabschlüssen erzielt werden, erreicht wird. Das US-amerikanische Beispiel zeigt vor allem mit Blick auf die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten, die dort im Rahmen der Promotionsstudiengänge erfolgt, große Unterschiede auf, sowohl zum deutschen Status Quo, als auch zum bisher Erreichten in der laufenden Reform.
Im Rahmen der Veränderungen im Bologna-Prozess in Deutschland ist aus der Perspektive der klinischen Psychologie und der Psychotherapeuten insbesondere auf eine bessere Verzahnung von Forschung und therapeutischer Praxis hinzuwirken, wobei man sich durchaus am amerikanischen System orientieren kann. Auf die dortigen Erfahrungen ist vor allem bei der geplanten Einführung von Promotionsstudiengängen an deutschen Universitäten zu achten. Ebenfalls müssen sich Hochschulen, Ausbildungsinstitute und Fachverbände gegenseitig über ihre Ziele unterrichten, nur so kann die allseits bestehende Unzufriedenheit wegen der starken Überlappung von Inhalten des Studiums und der Therapieausbildung (Vogel, Ruggaber, & Kuhr, 2003) behoben werden.


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Dr. Georg W. Alpers 1 & Prof. Dr. Stefan G. Hofmann 2
1 Universität Würzburg, 2 Boston University, USA

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Kontakt:
Dr. Georg W. Alpers
Universität Würzburg
Biologische Psychologie, Klinische Psychologie  und Psychotherapie
Marcusstraße 9-11
97070 Würzburg

Tel.: 0931-312840
Sekr.:   0931/312842
Fax:     0931/312733

alpers(at)psychologie.uni-wuerzburg(dot)de

Literatur
Alpers, G. W. (2006). Bachelor und Master kommen – aber wie und wann? Verhaltenstherapie und Psychosoziale Praxis, 38, 205-208.
Alpers, G. W. & Vogel, H. (2004). Bachelor oder Master, wer wird Psychotherapeut? Was die Neufassung der Studienabschlüsse für die Psychotherapieausbildung bedeutet. Psychotherapeutenjournal, 3, 315-319.
American Psychological Association [APA]. (2004). Education Directorate: Who do I want to become? Retrieved 11.08.2004, from http://www.apa.org/ed/wanttobecome.html
Davison, G. C. (1998). Being bolder with the Boulder model: The challenge of education and training in empirically supported treatments. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 66, 163-167.
Kultusministerkonferenz. (10.10.2003). Ländergemeinsame Strukturvorgaben gemäß § 9 Abs. 2 HRG für die Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen. Retrieved 16.09.2004, from http://www.kmk.org/hschule/strukvorgaben.pdf
Matson, J. L., Malone, C. J., Gonzalez, M. L., McClure, D. R., Laud, R. B. & Minshawi, N. F. (2005). Clinical psychology Ph.D. program rankings: evaluating eminence on faculty publications and citations. Research in Developmental Disabilities, 26, 503.
Norcross, J. & Castle, P. (2002). Appreciating the PsyD: The facts. Eye on Psi Chi, 7, 22-26.
Vogel, H., Ruggaber, G. & Kuhr, A. (2003). Wünsche an die Novellierung der gesetzlichen Ausbildungsvorgaben. In A. Kuhr & G. Ruggaber (Hrsg.), Psychotherapieausbildung: Der Stand der Dinge (S. 175-190). Tübingen: dgvt-Verlag.


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[1] APA Council Policy Manual: K. Educational Affairs (http://www.apa.org/about/division/cpmeducational.html ): "The title "Professional Psychologist" has been used so widely and persons with such a wide variety of training and experience, that it does not provide the information the public deserves. As a consequence, the APA takes the position and makes it a part of its policy that the use of the title "Professional Psychologist," and its variations such as "Clinical Psychologist," "Counseling Psychologist," "School Psychologist," and "Industrial Psychologist" are reserved for those who have completed a Doctoral Training Program in Psychology in a university, college, or professional school of psychology that is APA or regionally accredited."

[2] APA (http://www.apa.org/ed/graduate/faqs.html ): "About one fourth of those awarded a bachelor’s degree continue in graduate or professional education in psychology or other fields. Some students earn a master’s degree, work for a few years, then return to study for a doctorate in psychology or another field. Other students earn a master’s degree as part of their doctoral program preparation. Still others bypass the master’s degree and work directly on the doctorate. Doctoral programs vary in their practices and admission preferences in this regard."

[3] APA (http://www.apa.org/ed/wanttobecome.html#b ): "Clinical psychologists generally must have completed the Ph.D. or Psy.D. requirements and have served an internship; vocational and guidance counselors usually need 2 years of graduate study in counseling and 1 year of counseling experience."

[4] APA (http://www.apa.org/ed/graduate/faqs.html ): "The two most common doctoral degrees are the Ph.D. degree and the Psy.D degree. A few programs in Colleges of Education may offer the Ed.D. The Ph.D. degree is the oldest doctorate and is generally regarded as the research degree. Although many independent schools of professional psychology award the Ph.D. degree, especially those in university academic departments, they typically have an emphasis on research training and the integration of that with applied or practice training. The Psy.D., first awarded in the late 1960s but increasing in popularity among professional independent programs, is a professional degree in psychology (similar to the MD in medicine). Programs awarding the Psy.D. place major emphasis on preparing their graduates for professional practice as practitioner–scholars but typically with less extensive research training. Presently about 75% of all doctoral degrees in psychology are Ph.D. degrees."

[5] APA (http://www.apa.org/ed/wanttobecome.html#b ): "Psychologists in independent practice or those who offer any type of patient care, including clinical, counseling, and school psychologists, must meet certification or licensing requirements. All states and the District of Columbia have such requirements. Licensing laws vary by state, but generally require a doctorate in psychology, completion of an approved internship, and 1 to 2 years of professional experience. In addition, most states require that applicants pass an examination. Most state boards administer a standardized test and, in many instances, additional oral or essay examinations. Very few states certify those with a master's degree as psychological assistants or associates. Some states require continuing education for license renewal. Most states require that licensed or certified psychologists limit their practice to those areas in which they have developed professional competence through training and experience."

[6] Definition: A Health Service Provider in Psychology is defined as a psychologist, certified/licensed at the independent practice level in his/her state, who is duly trained and experienced in the delivery of direct, preventative, assessment and therapeutic intervention services to individuals whose growth, adjustment, or functioning is actually impaired or is demonstrably at high risk of impairment.

[7] APA (http://www.apa.org/ed/wanttobecome.html#b ): "Most colleges and universities offer a bachelor's degree program in psychology; several hundred offer a master's and/or Ph.D. program. A relatively small number of professional schools of psychology, some affiliated with colleges or universities, offer the Psy.D. The American Psychological Association (APA) presently accredits doctoral training programs in clinical, counseling, and school psychology."

[8] The Practice of Psychology: "The observation, description, evaluation, interpretation and or modification of human behavior by the application of psychological principles, methods, or procedures, for the purpose of preventing or eliminating symptomatic, maladaptive, or undesired behavior and of enhancing interpersonal relationships, work and life adjustment, personal effectiveness, behavioral health and mental health. The practice of psychology includes, but is not limited to, psychological testing and the evaluation or assessment of personal characteristics, such as intelligence, personality, abilities, interests, aptitudes, and neuropsychological functioning; counseling, psychoanalysis, psychotherapy, hypnosis, biofeedback, and behavior analysis and therapy; diagnosis and treatment of mental and emotional disorder or disability, alcoholism and substance abuse, disorders of habit or conduct, as well as of the psychological aspects of physical illness, accident, injury, or disability; and psychoeducational evaluation, therapy, remediation, and consultation. Psychological services may be rendered to individuals, families, groups, organizations, institutions and the public. The practice of psychology shall be construed within the meaning of this definition without regard to whether payment is received for services rendered. The provision of any of the above-mentioned services or activities by any means, including electronic or telephonic, constitutes the practice of psychology."
(http://www.asppb.org/consumerInformation/practice/default.aspx )

[9] Licensure and Certification (http://www.apa.org/topics/psychologycareer.html ): "For independent practice as a psychologist anywhere in the United States or Canada, you must be licensed for such. Before granting you permission to take the licensing exam, the state licensing board will review your educational background. A doctoral degree does not automatically make you eligible; requirements vary from state to state. At a minimum, states require that the doctorate be in psychology or a field of study “primarily psychological in nature - and that it be from a regionally accredited institution. You also must have had at least 2 years of supervised professional experience. Information about state and provincial licensing requirements can be obtained from the American Association of State and Provincial Psychology Boards (ASPPS) at the following addresses: P.O. Box 4389 Montgomery, AL, 36103


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