Zwischen den Welten - Laudatio auf Prof. Dr. Bernd Röhrle zur Verleihung des DGVT-Preises 2012


Es ist mir eine besondere Freude, anlässlich der Verleihung des DGVT-Preises 2012 an Bernd Röhrle die Laudatio für einen Freund, Mitstreiter und Kollegen halten zu dürfen, der heute „für seine innovative Weiterentwicklung der Psychotherapie in gesellschaftlicher und gesundheitspolitischer Verantwortung“ geehrt werden soll. Mit ihm wird ein verdienstvoller, hoch aktiver und produktiver Wissenschaftler, Praktiker und ein „Brückenbauer zwischen unterschiedlichen Welten“ geehrt, dessen akademische Karriere ihm keineswegs in die Wiege gelegt schien.

Bernd wurde  1947 in Konstanz geboren als Sohn der Verwaltungsangestellten Liselotte Röhrle und des Kochs Bui Van Luan. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein vietnamesischer Vater war noch Analphabet, Fischer und dem Elend über das Militär entkommen. Ihm hat Bernd vermutlich zu verdanken, dass er selbst ein exzellenter Koch geworden ist. Freunde , die vor Jahren von Bernd bekocht worden sind, schwärmen noch heute davon, und meinen nie so ausgefeilt und köstlich gegessen zu haben.

Dank seiner von ihm als ehrgeizig beschriebenen Mutter und der für die asiatische Community als typisch geltenden Bildungsaspiration konnte Bernd das Alexander von Humboldt-Gymnasium in Konstanz besuchen.

Als Halbvietnamese war er früh gezwungen wahrzunehmen, was es bedeutet, zu den ‚Andersartigen zu gehören‘ und auf die Toleranz der anderen angewiesen zu sein. Wäre er dem Wunsch seiner Mutter gefolgt, dann hätte ein Missionar aus ihm werden sollen. Wenn auch nicht wirklich -  irgendwie ist er es später dann doch geworden.

Eine erste Station auf diesem Weg hätte seine Mitgliedschaft als Georgspfadfinder sein können, wo die Regel galt: „Jeden Tag eine gute Tat“. Die Mitgliedschaft in dieser freiwilligen, sich im Wesentlichen unpolitisch verstehenden Erziehungsbewegung, die offen ist für alle Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, ohne Unterschied von Herkunft, Rasse und Glaubensbekenntnis, vermittelte ihm wichtige Inklusionserfahrungen, das Gefühl dazu zu gehören und ein Gespür für die Bedeutung der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen. Ziel der Georgspfadfinder ist es, zur positiven Entwicklung junger Menschen beizutragen, damit sie alle ihre geistigen, körperlichen und sozialen Fähigkeiten entfalten können, um zu Persönlichkeiten heranzuwachsen, die sich als verantwortungsbewusste Bürger für das Wohl ihrer örtlichen, nationalen und internationalen Gemeinschaften einsetzen.

Dieses Ziel ist bei Bernd in vollem Umfang erreicht worden, auch wenn er das mit der täglichen guten Tat nach eigener Einschätzung  nicht immer hinbekommen hat.

Als Angehöriger der 68er-Generation suchte er nach dem Abitur, auch geschult durch einen kommunistischen Lehrer,  neue Herausforderungen innerhalb der Psychologie und seiner Zusatzfächer Philosophie und Soziologie. Er beschäftigte sich vor allem mit Themenfeldern und Bereichen, in denen er sein soziales Interesse einbringen konnte.

In der klinischen Psychologie interessierten ihn die sozialen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen, unter denen psychisches Leid entsteht, aber auch die damals mit der neu entstehenden Verhaltenstherapie aufkommende Chance zu Entwicklung einer emanzipatorischen Identität. Verhaltenstherapie faszinierte Bernd, wie er einmal in einem Interview zum Besten gab, „weil sie übbar erschien, weil sie graduierbar war und weil die Lebensumwelten und der Lebenskontext der Betroffenen als prinzipiell veränderbar in den Mittelpunkt rückten. Es wurde also ein im Ansatz emanzipatorisches Moment mitgeliefert. Und das hat die VT attraktiv gemacht, neben der vorhin schon angedeuteten, neuen sozialen Identität, die man so vermittelt bekam.“

All das, vor allem aber die Diskussionen bei seinem ersten Verhaltenstherapie-Kongress 1969 in München trugen zu einer – wie er es nannte – neuen sozialen Identität bei und verschafften ihm ein bis heute ungebrochenes Commitment mit der DGVT, deren Mitglied er bereits 1969 geworden ist. 1976 bis 1981 war er Mitglied im Vorstand der DGVT. Ab 1983 engagierte er sich in der gesundheitspolitischen Kommission der DGVT und zwischen 2000 und 2006 war er  Mitglied im Preiskuratorium der DGVT. Vielleicht noch wichtiger ist seine regelmäßige Beteiligung bei den DGVT-Kongressen durch die Gestaltung zahlreicher Symposien und die Präsentation von Einzelvorträgen. Dabei standen und stehen in den letzten Jahren vor allem Themen zur Gesundheitsförderung und Prävention im Mittelpunkt; sei es im Kontext von Arbeit und Arbeitslosigkeit, im Bereich der Prävention psychischer Störungen, der Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen, der Entfaltung präventiver Potentiale durch die Verbesserung von Erziehungsfertigkeiten und Lebenskompetenzen etc.

Darüber hinaus ist Bernd Röhrle sicher einer der Hauptautoren des DGVT-Verlags mit Bänden zu „Sozialen Netzwerken und Stützsystemen“, einem mehrbändigen voluminösen Handbuch zur therapeutischen Beziehung (gemeinsam mit Mathias Hermer) sowie  als Herausgeber der Reihe „Fortschritte der Gemeindepsychologie und Gesundheitsförderung“ zu der er selbst sechs Bände beigesteuert hat. Seit mehr als 20 Jahren ist Bernd als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für die Inhalte der Zeitschrift „Verhaltens­therapie und psychosoziale Praxis“ mitverantwortlich und hat selbst zahlreiche Beiträge beigesteuert.

Bei Bernd Röhrle handelt es sich um einen klinisch erfahrenen, gesprächspsychotherapeutisch und verhaltenstherapeutisch ausgebildeten Wissenschaftler und approbierten Psychologischen Psychotherapeuten,  der nach seinem Studium der Psychologie zunächst als Wissenschaftlicher Angestellter im Psychologischen Institut der Universität Tübingen, anschließend als wissenschaftlicher Assistent und Hochschulassistent im Psychologischen Institut der Heidelberger Universität wissenschaftlich gearbeitet hat, bevor er 1989 bis 1992 mit der Vertretung der mit halber Stelle zur Besetzung ausstehenden Professur (C3) beauftragt wurde. Seit 1993 ist er Professor für Klinische Psychologie an der Philipps-Universität Marburg; seit 2007 bekleidet er dort eine W2-Professur. 1999 bis 2002 vertrat er den C4-Lehrstuhl für Klinische Psychologie an der Phillips-Universität Marburg und 2001 bis 2002 die Professur für Klinische Psychologie an der Universität Trier.

Bernd Röhrles Werk umfasst Untersuchungen zur klinischen Diagnostik, zur Diagnostik depressiver Störungen, zur Praxis und Organisierung der psychosozialen Versorgung und ihrer rechtlichen Voraussetzungen, zu gesundheitspolitischen Aspekten der Klinischen Psychologie, zur Prävention und Therapie psychischer Störungen, zur ökologischen Psychologie, insbesondere aber zu Schwerpunktthemen einer gemeindepsychologisch orientierten Klinischen Psychologie: Hier hat er mit ungewöhnlicher Akribie, hoher wissenschaftlicher Kompetenz, fundiertem theoretischen Wissen und mit klaren empirischen Untersuchungsdesigns Fragen zur salutogenen, umweltpsychologischen, aber auch stresstheoretischen Bedeutung sozialer Stützsysteme und sozialer Netzwerke untersucht. Ferner hat Bernd (handlungstheoretisch fundiert) soziale Interaktionen beim Problemlösen und die psychosozialen Folgen von Arbeitslosigkeit erforscht und wichtige Lehr- und Handbuchbeiträge sowie Originalbeiträge zur Gemeindepsychologie, zur Coping-Forschung, zur Depressionsforschung und -diagnostik, zur Kognitiven Verhaltenstherapie und zur Evaluation von Behandlungseinrichtungen vorgelegt. Insbesondere mit seinen Arbeiten zur Netzwerkforschung und zu sozialen Stützsystemen hat Bernd nicht nur für die Klinische Psychologie wichtige Impulse geben können, sondern auch den interdisziplinären Diskurs nachhaltig stimuliert.

Wichtige empirische Forschungsarbeiten sind in renommierten Fachzeitschriften – wie z.B. in „Diagnostica“ oder in der „Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie“ oder im „Journal of Social and Personal Relationships“ – erschienen. Mit seiner Habilitationsschrift hat Bernd eine umfassende Monographie vorgelegt, die einen bedeutsamen und  innovationsträchtigen Bereich der klinisch-psychologischen und gemeindepsychologischen Forschung beleuchtet: Die Analyse der "sozialen Dimension" und der "sozialen Einbettung" menschlichen Verhaltens und Erlebens steht im Mittelpunkt der Untersuchung "Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung", bei der neben umfangreichen theoretischen Diskursen eine Fülle internationaler Empirie aufgearbeitet und in einer metaanalytischen Betrachtung verdichtet wird.

Folgt man den sog. Citation Indizes (z.B. in Google Scholar), dann dürften Bernd Röhrles bei Campus erschienene Habilitationsschrift „Soziale Netzwerke“ sowie der bei Beltz erschienene Buchband über „Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung“ und der bei der DGVT erschienene Band über „Netzwerkinterventionen“ die einflussreichsten seiner fast unüberschaubaren Schriften sein.

Mit bewunderndem Stauen habe ich seiner akademischen Vita entnommen, dass sein Schriftenverzeichnis derzeit fünf Monografien, 19 z. T. sehr bedeutende Herausgeberwerke, 75 Buch- und weitere 35 Zeitschriftenbeiträge sowie darüber hinaus verschiedene Expertisen und eine stattliche Anzahl von Vorträgen umfasst, die ein breites inhaltliches Spektrum von Arbeiten zur Gesundheits- und Gemeindepsychologie, zur Klinischen Psychologie, zu sozialen Netzwerken und sozialer Unterstützung sowie zur Gesundheitsförderung und Prävention abdecken. Aus der Erfahrung heraus, dass trotz vieler Verbesserungen im kurativen  bzw. therapeutischen Bereich die Zahl der Störungen und Erkrankungen nicht zurückgeht, sondern zumindest in einigen Bereichen wie Suchter­krankungen, depressiven Störungen etc. zunimmt, hat sich Bernd In den letzten Jahren schwerpunktmäßig mit Fragen der Prävention und Gesundheitsförderung und hier vor allem mit der Förderung der Kinder und Jugendgesundheit befasst. Seine Themen lassen sich sowohl der Gemeindepsychologie als auch der inzwischen bekannteren Multidisziplin „Public Health“ zuordnen.

Jemandem, der wie ich aus der klinischen Psychologie kommt, aber seit fast 20 Jahren einen multidisziplinären Public Health-Studiengang leitet, erscheint es ziemlich befremdlich, wahrnehmen zu müssen, wie viele Themen, die innerhalb der deutschen Psychologie zu keiner nachhaltigen Strukturentwicklung geführt haben – wie etwa die Ansätze zur Gemeindepsychologie oder Themen, die innerhalb der Klinischen Psychologie als Randthemen gelten (wie die Prävention und Gesundheitsförderung oder gemeindebezogene Interventionen) – heute den Kern der seit den 80er Jahren in Deutschland neu belebten und international hoch erfolgreichen Multidisziplin „Public Health“ bilden.

Public Health ist nach eigenem disziplinären Selbstverständnis „Wissenschaft und Praxis der Gesundheitsförderung und der Systemge­staltung des Gesundheitswesens“.  Die Aktivitäten dieses multidisziplinären Fachgebiets konzen­trieren sich auf das Verständnis und die Determinanten von Gesundheit und Krankheiten, auf Fragen der Bedarfsgerechtigkeit, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit von Gesund­heitsförderung, Prävention, Krankheitsbewältigung, Rehabilitation und Pflege.

Public Health analysiert und beeinflusst insgesamt die hinter den individuellen Krankheitsfällen epidemiologisch fassbaren Risikostrukturen, Verursachungszusammenhänge und Bewältigungsmöglichkeiten mit dem Ziel,  Maßnahmen für die Gesundheitsförderung und die Prävention wie auch für die Krankenversorgung zu erarbeiten.

Zu all dem leistet Bernd Röhrle seit vielen Jahren substanzielle Beiträge.

Ich würde mir wünschen, dass die Bezüge zwischen Public Health und der DGVT bzw. der klinischen Psychologie und Psychotherapie zukünftig sichtbarer und enger werden und dass die Psychologie ihre Neuentwicklungen nicht einfach wegwirft, sondern sich – wo möglich – als Teil multidisziplinärer Public Health-Aktivitäten einbringt. Strukturelle und auf Veränderungen des Gesundheitsverhaltens abzielende „Interventionen in Settings“ wie Gemeinden, Betrieben, Kindergärten und Schulen gelten als Kernelemente erfolgreicher Primärprävention und Gesundheitsförderung.

Bernd hat die damit verbundenen Chancen  seit vielen Jahren erkannt; doch unsere gemeinsame Herkunftsdisziplin strengt sich nicht genügend an, sie auch zu nutzen.

Während in der Medizin der Wert von Gesundheitsförderung und Prävention erkannt wird und zu dem Schluss geführt hat, ein so benanntes neues Pflichtfach in die Mediziner-Ausbildung einzuführen und entsprechende Professuren einzurichten, sehe ich in der Psychologie weit und breit keine analogen Aktivitäten. Lieber Bernd, hier warten neue Aufgaben auf Dich, auf uns und auf die DGVT.

Bei der inhaltlichen Breite der Themen, die Bernd in seiner wissenschaftlichen Laufbahn bearbeitet hat, bleiben als rote Fäden aus meiner Sicht einige wichtige Idiosynkrasien:

  • Welche Themen Bernd immer bearbeitet hat, er hat sie mit äußerster Akribie und mit einer mir sonst nie begegneten Gründlichkeit bearbeitet. Seine Literaturverzeichnisse gleichen Kompendien und bei dem spürbaren Bedürfnis, „wirklich nichts zu übersehen“, ist es fast erstaunlich, dass er so viele Arbeiten zum Abschluss gebracht hat. Vor einiger Zeit habe ich Bernd mal gefragt, ob er Veranstaltungsfolien zum Thema „Prävention psychischer Störungen hat“. Zehn Minuten später bekam ich eine Mail mit einer etwa 600 Seiten umfassenden Sammlung  einschlägiger Powerpoint-Folien.
  • Sein Oeuvre weist ihn als jemanden aus, der immer wieder am Rand des Mainstream Themen und Lösungsansätze entdeckt hat. Dass diese Themen nur scheinbar Randthemen sind, sollte mit dem Verweis auf die Entwicklungen im Public Health-Bereich deutlich geworden sein; zugleich aber hat sich Bernd seinem akademischen Selbstverständnis  entsprechend als empirisch arbeitender Wissenschaftler gesehen, was sich ihn in der Kombination von beidem nicht selten als Grenzgänger bzw. als jemanden empfinden ließ, der den gewählten Szenen nur halb zugehörig ist. Zeigt sich hier vielleicht eine späte Auswirkung der frühen Inklusions- und Exklusions-Erfahrung als Halbvietnamese im Nachkriegsdeutschland?

Ich persönlich habe diese Doppelverpflichtung bei Bernd immer geschätzt, etwa wenn er sich schon sehr früh um die Evidenzbasierung von Präventions- und Gesundheitsförderungsprogrammen und -aktivitäten gekümmert hat. Entsprechend findet man bei ihm verschiedenste Metaanalysen und Wirksamkeitsstudien zu Drogenprogrammen, zu Interventionsprogrammen bei Partnerschaftsproblemen, zur Abschätzung des Effekts, den soziale Netzwerke auf Psychotherapieerfolge haben bzw. zur Wirksamkeit von Maßnahmen zur Prävention psychischer Störungen.

Darüber hinaus hat Bernd mit anderen auch neue Programme, etwa zur Bewältigung von Einsamkeit oder zu dissoziativen Störungen, entwickelt und evaluiert.

Bei all seiner Begeisterung für die Möglichkeiten, durch Prävention und Gesundheitsförderung  und Netzwerkförderung zur Senkung der Neuerkrankungsraten psychischer Störungen beizutragen, mag es erstaunen, dass Bernd sein Interesse an der praktisch-therapeutischen Arbeit und an Supervision nie verloren hat. Die Liste seiner Weiterbildungsaktivitäten für Berufspraktiker und die der Weiterbildungen, die er im Rahmen von Ausbildungscurricula zum Psychologischen Psychotherapeuten angeboten hat, umfasst allein neun Seiten und weist ihn als gefragten Therapeuten und Supervisor in Heidelberg, Marburg, Friedrichshafen, Köln und Bonn aus.

Eine Beurteilung von Bernd Röhrles wissenschaftlicher Arbeit wäre unvollständig,  bliebe unerwähnt, dass er eine wichtige Rolle als Förderer des wissenschaftlichen Nachwuchses hat. In unserem Berliner Ausbildungsinstitut der DGVT und an meiner Uni, der FU Berlin, lerne ich immer wieder ehemalige Studierende von Bernd kennen. Sie alle haben sich intensiv und engagiert betreut und menschlich geachtet gefühlt.  In diesem Klima sind hoch interessante inhaltlich und methodisch anspruchsvolle Diplomarbeiten entstanden. Er muss wohl ein guter akademischer Lehrer und jemand sein, dem es gelingt, auch in einer überwiegend pragmatisch sich orientierenden Generation Menschen für kommunitäre Aktivitäten und soziales Engagement zu begeistern.

Mit der Zuschreibung "wichtiger Förderer" kann vielleicht auch Bernds umfangreiches gesundheits- und berufspolitisches Engagement beschrieben werden, das er als langjähriges Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie oder als Planer wissenschaftlicher Kongresse und Tagungen gezeigt hat. Diese Aktivitäten sind eine andere Art der Nachwuchs- und Netzwerkförderung, deren Bedeutung nicht übersehen werden sollte.

Eine andere Art von Netzwerkförderung ist sein unermüdliches Engagement als Koordinator des Deutschen Netzwerks für Psychische Gesundheit (German Network for Mental Health - GNMH). Dabei handelt es sich um eine offene Organisation von Interessengruppen, Wohlfahrtsorganisationen und WissenschaftlerInnen, die sich für die Prävention psychischer Störungen und die Förderung psychischer Gesundheit einsetzen. Zusammen mit vielen internationalen Organisationen baut das Deutsche Netzwerk für Psychische Gesundheit eine Struktur in Bereichen der Politik, Wohlfahrt bzw. sozialen Diensten und Wissenschaft auf, um dieser Idee mehr Bedeutung als in der Vergangenheit zukommen zu lassen. Das Netzwerk vermittelt Informationen, organisiert und beteiligt sich an Tagungen und Fortbildungsmaßnahmen, entwickelt Vorschläge für neue politische Strategien und Gesetzesinitiativen im Bereich der Prävention psychischer Störungen und Förderung psychischer Gesundheit u.v.m. Ich kann allen nur empfehlen, dort Mitglied zu werden. Die von den Mitgliedern bearbeiteten Themen reichen von Alte Menschen, Angst und Depression über Arbeitslosigkeit, Beratungswesen, Drogen, Eheliche Beziehungen, Einsamkeit, Essstörungen, Gemeindeorientierte Prävention, Gesundheitsförderung im Betrieb bis zu Gewalt, Scheidung, Stressbewältigung und Selbsthilfe. Zudem hat sich Bernd über Jahre im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gemeindepsychologische Forschung und Praxis und (für die DGVT) im Aktionsbündnis Seelische Gesundheit für Gleichberechtigung, Inklusion und Partizipationsmöglichkeiten für Menschen mit psychischen Erkrankungen eingesetzt.

Bernd Röhrle ist ein mehr als würdiger Preisträger, ein kluger und produktiver Wissenschaftler, ein überzeugender Netzwerker und zudem ein höchst angenehmer, bescheiden gebliebener Zeitgenosse.

Dieter Kleiber

Dieter Kleiber ist Professor an der freien Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie. Er leitet den Arbeitsbereich Public Health: Prävention und psychosoziale Gesundheitsforschung.

Kontakt: E-Mail: dieter.kleiber@fu-berlin.de


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