GKV und PKV weiter im Gleichschritt?

Experten erwarten keinen baldigen Umschwung in Richtung Bürgerversicherung


Trotz der in letzter Zeit gehäuften Kritik an der privaten Krankenversicherung (PKV) waren sich die meisten PodiumsteilnehmerInnen der Diskussion zur Zukunft der Krankenversicherung auf dem „Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit“ einig, dass es auch 2020 noch eine private Krankenversicherung geben wird.

Die beiden Systeme (PKV und GKV) werden sich weiter annähern, indem sie jeweils Elemente des anderen Systems übernehmen, hieß es bei der Veranstaltung unter dem Motto „Krankenversicherung 2020 – wie sind wir künftig versichert?“. Weder Professor Johann-Matthias Graf von der Schulenburg (Direktor des Instituts für Versicherungsbetriebslehre und Leiter der Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie an der Leibniz-Universität Hannover) noch Dr. Volker Leienbach (Verband der privaten Krankenversicherung) als auch Dr. Doris Pfeifer vom GKV-Spitzenverband rechnen damit, dass bei einem Wechsel der Bundesregierung nach den Wahlen 2013 die heutigen Oppositionsparteien ihre sog. Bürgerversicherung einführen, die einheitliche Leistungen für alle anbieten soll.

Sie erwarten eher einen schleichenden Abschied vom strikt zweigeteilten Versicherungsmarkt. Schon heute profitiert die PKV beispielsweise von Instrumenten zur Kostensenkung wie den Arzneimittelrabatten und die gesetzlichen Krankenkassen ihrerseits bieten seit einigen Jahren Kostenerstattungstarife an. Lediglich die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Birgitt Bender, sprach sich gegen die private Krankenversicherung als eigenständiges System aus.

Nichtsdestotrotz musste selbst der PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach einge-stehen, dass sich die PKV in einzelnen Punkten reformieren muss. Mit Kritik an der PKV meldete sich zuletzt der Kieler Gesundheitsökonom Thomas Drabinski zu Wort. Eine Studie seines Instituts für Mikrodatenanalyse untersuchte die privaten Tarife und kam zu dem Ergebnis, dass 80 % der privaten Tarife weniger leisten als die gesetzliche Krankenversicherung. Bevor die GKV sich freuen konnte, stellte man aber auch gleich klar, dass man damit nicht sagen wolle, dass die gesetzliche Krankenversicherung im Vorteil sei; denn diese sei nicht nachhaltig finanziert. Die Beitragsbelastung der gesetzlich versicherten Arbeitnehmerinnen sei zu hoch, und die der - für die GKV teuren - Rentner dagegen zu niedrig. Die Rentner und Rentnerinnen sollten also mehr einzahlen, da ansonsten die kommende Generation Leistungsausschlüsse hinnehmen müsse.

Die PKV hat vor allen Dingen Nachholbedarf bei den Mindeststandards hinsichtlich des Leistungsumfangs in der ambulanten Psychotherapie und beim Hilfsmittelkatalog. Viele Versicherungen übernehmen nur eingeschränkt Anschlussheilbehandlungen, Psychotherapien oder wichtige medizinische Hilfsmittel.

In diesen Punkten liegt die PKV hinter den Angeboten der gesetzlichen Krankenversicherung, wodurch sie bei der Politik und in der Öffentlichkeit zunehmend unter Druck geraten ist. Die meisten PKV-Unternehmen werden wohl zum Jahresende ihre Tarife entsprechend mit Mindestleistungen versehen.

Nachdem gerade die psychischen Erkrankungen zunehmen, haben die PKV-Versicherten angesichts dieser Versicherungslücken ein hohes finanzielles Risiko.

Waltraud Deubert


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