KBV-Honorarbericht: Psychotherapeuten haben geringstes Einkommen aller Facharztgruppen


Der aktuelle Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)[1] bringt die ungleiche Verteilung der Honorare der somatischen Facharztgruppen gegenüber den PsychotherapeutInnen deutlich zum Vorschein: das durchschnittlich verfügbare Nettoeinkommen eines Allgemeinmediziners lag im 1. Halbjahr 2011 bei 30.105 Euro netto (davon sind noch Krankenversicherung und Altersvorsorge abzuziehen), während PsychotherapeutInnen im 1. Halbjahr 2011 durchschnittlich nur 15.947 Euro verdienten. PsychotherapeutInnen haben somit die geringsten Einkommen aller Arztgruppen!

Die vorliegende Studie ist der erste Bericht der KBV dieser Art. Mit dem Ziel der Transparenz der Vergütung hat die KBV nach Vorgabe des mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz 2010 neu ins Sozialgesetzbuch (SGB) V eingeführten § 87 c regelmäßig über die Ergebnisse der Honorarverteilung, über die Gesamtvergütungen, über die Bereinigungssummen und über das Honorar je Arzt und je Arztgruppe zu berichten. Im vorliegenden Berichtszeitraum werden die Umsätze der Arztgruppen in den Kassenärztlichen Vereinigungen für das 1. Halbjahr 2011 analysiert, gleichzeitig werden die Praxisgewinne aufgrund der vom Zentralinstitut der KBV für das Jahr 2008 erhobenen Kostensätze ermittelt.

Die KBV vermutet in ihrem Bericht, dass „der im Vergleich zu anderen Abrechnungsgruppen geringe Honorarumsatz aus einer unterdurchschnittlichen Tätigkeit der Psychotherapeuten im Vergleich zu den Kalkulationsannahmen des EBM bzw. zu den Grundsätzen der Vollauslastung einer psychotherapeutischen Praxis in der Rechtsprechung des BSG zur angemessenen Höhe der Vergütung psycho-therapeutischer Leistungen resultiert“.

Dass diese Vermutung nicht belegbar ist, hat im Grunde der Bericht des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) vom März dieses Jahres gezeigt (http://www.zi.de/cms/presse/2012/16-maerz-2012/ ). In diesem Bericht des ZI wurde deutlich, dass die Arbeitszeiten der Psychotherapeuten mit 47 Wochenstunden nur geringfügig unter denen aller anderen Arztgruppen (52 Stunden) liegen. Zudem sind PsychotherapeutInnen im Vergleich mit anderen Arztgruppen besonders selten nur in Teilzeit tätig und PsychotherapeutInnen stellen die Arztgruppe dar, die den geringsten Anteil an unter-durchschnittlichen Fallzahlen haben. Dass der ZI-Bericht vom März in der KBV nicht vorliegt und den Autoren des KBV-Honorarberichts nicht bekannt ist, kann man gar nicht glauben.

Das eklatant geringe Einkommen der PsychotherapeutInnen im Vergleich zu den anderen Arztgruppen lässt sich entgegen der erwähnten KBV-Hypothese, die sich wie aufgezeigt als vorgeschützt und unzutreffend entlarven lässt, vorwiegend mit der seit Jahren nicht weiterentwickelten EBM-Honorar-Struktur für unsere Fachgruppe erklären. Die Zahlen belegen, dass das vom Bundessozialgericht in mehreren Urteilen festgelegte Mindesthonorar zum Schutz der Psychotherapeuten noch keinesfalls erreicht wird: Die Rechtsprechung des BSG sieht vor, dass ein Psychotherapeut bei maximalem Arbeitseinsatz mindestens ein durchschnittliches fachärztliches Einkommen erzielen können muss.

Die vorliegenden Daten zeigen jedoch ein anderes Bild: ein Psychotherapeut könnte unter dem aktuellen EBM ein durchschnitt-liches Einkommen einer vergleichbaren Facharztgruppe nur erreichen, wenn er seine Arbeitszeiten (47 Std./Woche, wie vom ZI dargelegt) verdoppeln würde!

Wir empfehlen unseren Mitgliedern weiterhin, regelmäßig Widerspruch gegen den Honorarbescheid einzulegen. Ein Musterschreiben ist über die Bundesgeschäftsstelle des DGVT-Berufsverbands erhältlich.

Kerstin Burgdorf


[1] Der Honorarbericht ist auf der Homepage der KBV veröffentlicht: www.kbv.de.


Zurück