World Health Summit: Globale Probleme der Gesundheitsversorgung


1500 ExpertInnen aus aller Welt tagten in Berlin

Im Oktober fand in Berlin der vierte World Health Summit mit rund 1.500 TeilnehmerInnen aus 90 Nationen statt. Er gilt international als bedeutendstes Forum für globale Gesundheitsfragen. Der World Health Summit steht unter der Schirmherrschaft der deutschen Bundeskanzlerin und des französischen Staatspräsidenten.

ExpertInnen aus Wissenschaft, Gesundheitswesen, Wirtschaft, Politik diskutierten über die gesundheitspolitischen Herausforderungen in einer globalisierten Welt. Der Kongress fand zum vierten Mal statt und stand unter dem Motto „Research for Health and Sustainable Development“ - „Gesundheitsforschung und nachhaltige Entwicklung“. Zentrale Themen waren die globale Gesundheitsversorgung für das 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund von Wirtschafts- und Finanzkrisen, die Herausforderungen für die Forschung in Zeiten des rapiden Anstiegs chronischer Krankheiten sowie die Chancen und Gefahren einer digitalen Gesundheitsversorgung.

Derzeit erhalten mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung keine angemessene medizinische Versorgung. Der demographische Wandel in allen Teilen der Welt führt zu einer rasch steigenden Belastung durch chronische Krankheiten. Die Zusammenführung aller Akteure aus der Gesundheitsforschung und dem Gesundheitswesen soll konstruktive interaktive Partnerschaften befördern. Es besteht dringender Bedarf an einem sektorübergreifenden Ansatz und einer multidisziplinären Forschung, um alle Kräfte wie die akademische Medizin, die Gesellschaften, die Regierungen und die Industrie einzubeziehen. Die immensen Probleme für die weltweite Gesundheitsversorgung können nur gemeinsam gelöst werden.

Es ging nicht nur um die medizinische Versorgung, sondern es wurden auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen unter die Lupe genommen. Um die Ziele zu erreichen, stellte man sich die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in den medizinischen Alltag übertragen werden können und welchen Beitrag die Politik und Wirtschaft dazu leisten müssen. Deutlich wurde, dass die Prävention eine zentrale Rolle spielen muss, denn nur so sind die Herausforderungen, alle Menschen medizinisch zu versorgen, zukünftig zu bewältigen. Zur Prävention zählen auch Aufklärung und Erziehung. So beschäftigten sich die TeilnehmerInnen in den vier Tagen neben den sozialen Determinanten der Gesundheit vor allem mit nichtübertragbaren Krankheiten wie Diabetes, psychische Erkrankungen, Adipositas und Alkoholismus.

Befragt nach den wichtigsten gesundheitspolitischen Herausforderungen in einer globalisierten Welt, haben einige der ReferentInnen für das Internet-Portal „Gerechte Gesundheit“ Stellung genommen.  „Wir müssen uns mit den politischen, sozialen und kommerziellen Gesundheitsfaktoren beschäftigen“, so Ilona Kickbusch, Direktorin des Global Health Programme am Graduate Institute of International and Development Studies, Genf. Peter Agre, Nobelpreisträger für Chemie 2003 und Direktor des Johns Hopkins Malaria Research Institute, USA, wies darauf hin, dass „die regelmäßige Bereitstellung von Hilfsmaßnahmen vorübergehende Entlastung bringt und das Gewissen der Geberländer erleichtert. Solange aber die ärmsten Länder der Welt nicht in der Lage sind, sich selbst aus der Armut zu befreien, werden zyklische, von außen gesteuerte Kampagnen unweigerlich immer wieder zurück zum Ausgangspunkt führen.“

Der Entwicklungsexperte Hans R. Herren, Entwicklungsexperte und ehemaliger Leiter des International Centre of Insect Physiology and Ecology in Kenia, wies darauf hin, wie Nahrungsproduktion, Ernährung und globale Gesundheit miteinander verknüpft sind und was an unserem derzeit mangelhaften System geändert werden müsste. Peter Piot, Direktor der London School of Hygiene and Tropical Medicine, sieht in der zunehmenden Verstädterung und einer immer älter werdenden Bevölkerung die Ursache für den Anstieg von nichtübertragbaren Krankheiten wie Krebs, Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten. Auf politischer Ebene müssen Regierungen und Geldgeber überzeugt werden, zusammenzuarbeiten und strategische Maßnahmen zu ergreifen, um wirksame Gesundheitssysteme aufzubauen, die universalen Zugang zu Diagnostik, Behandlung und Versorgung ermöglichen. „Krankheiten kennen keine Grenze. Niemand ist eine Insel - weder Menschen noch Länder können sich isolieren!“

Weitere Teilnehmer am World Health Summit waren u.a. Josef Ackermann (Präsident des Verwaltungsrats, Zurich Insurance Group), Michael Bloomberg (Bürgermeister, New York), Annette Schavan (Bundesministerin für Bildung und Forschung), Daniel Bahr (Bundesminister für Gesundheit), Aaron Ciechanover (Nobelpreis für Chemie 2004) und Zsuzsanna Jakab (Regional Director, WHO Regional Office Europe).

Waltraud Deubert


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