Gleichstellung in Kliniken: Viele Verbesserungen sind vor Ort möglich

Fachtagung in Berlin behandelt spezielle Themen und Anliegen von angestellten PsychotherapeutInnen


Ein bekanntes und immer wieder diskutiertes Thema in den Landespsychotherapeutenkammern und in der Bundespsychotherapeutenkammer ist eine bessere Vertretung der Mitglieder, die nicht niedergelassen sind, sondern als Angestellte arbeiten. Während eine Gleichstellung mit Fachärzten für niedergelassene KollegInnen mit der Einführung des Psychotherapeutengesetzes 1998 gut gelang, gibt es aus der Sicht der angestellten KollegInnen noch viel Nachholbedarf. Auf einer Fachtagung für Leitende PsychotherapeutInnen in Anstellung am 18. Januar in Berlin wurden diese Themen diskutiert.

Auf der Veranstaltung von ver.di und der Bundespsychotherapeutenkammer wurden die ca. 70 TeilnehmerInnen von Ellen Paschke (ver.di-Bundesvorstand) und Dr. Dietrich Munz (BPtK-Vorstand) begrüßt. Munz betonte in seiner Begrüßung, dass viele junge KollegInnen bevorzugt Tätigkeiten als Niedergelassene anstreben. Die Tätigkeit als PsychotherapeutIn in einer Einrichtung ist dabei meist nur eine Station auf dem Weg dahin. Gründe dafür könnten negative Erfahrungen sein, die während der praktischen Ausbildung als PiA gemacht werden, die ungünstigen Aufstiegsmöglichkeiten und vor allem auch die schlechtere Bezahlung. Auch die Tatsache, dass in der Ausbildung überwiegend niedergelassene PsychotherapeutInnen tätig sind und damit ein Schwerpunkt in der Wissensvermittlung in diesem Bereich liegt, tut ein Übriges dazu. Heiner Vogel (Ausschuss Psychotherapie in Institutionen (PTI) der BPtK und Fachkommission PP/KJP bei ver.di) führte durch die weitere Veranstaltung.

Aus juristischer Sicht wurde das Thema „Facharztgleichstellung von PsychotherapeutInnen“ vom Geschäftsführer der hessischen Landeskammer, Johann Rautschka-Rücker, behandelt. Er erläuterte und bewertete die vorliegenden gesetzlichen Bestimmungen, die zu diesem Thema herangezogen werden können. Im SGB V wird ganz grundlegend Krankenbehandlung als ärztliche Behandlung, einschließlich Psychotherapie als ärztliche und psychotherapeutische Behandlung, gesehen. Dabei besteht Interpretationsbedarf, auf welche Bereiche dieser Paragraph angewendet werden kann. Die Leitung einer Einrichtung kann beispielsweise nur durch einen Arzt ausgeführt werden. Unstrittig ist, dass Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen Diagnosen und Indikationen stellen können und Behandlungen eigenverantwortlich durchführen dürfen. Ein interessanter Diskussionspunkt ist die Frage, ob in einer möglichen Novellierung des Psychotherapeutengesetzes angestrebt werden sollte, dass PPs und KJPs auch Verordnungen, Krankschreibungen und Einweisungen durchführen dürfen (nach entsprechenden Weiterqualifikationen), um der Gleichstellung faktisch näher zu kommen. Als Fazit stellte Rautschka-Rücker fest, dass es dringend einer Klarstellung durch den Gesetz-geber bedarf, die aber nicht vor der Wahl im September 2013 erwartet werden kann.

Als Vertreterin des Bereichs Tarifpolitik von ver.di wies Gabriele Gröschl-Bahr darauf hin, dass Verhandlungen insgesamt aufgrund von Out-Sourcing-Bestrebungen der Arbeitgeber und der damit verbundenen Tarifflucht deutlich schwieriger geworden seien. Seit der Einführung des TVöD und des TV-L sei von Arbeitgeberseite immer wieder die Einführung der Entgeltordnung verzögert worden. Anders als noch im BAT müssten dabei inzwischen über 80 neue Berufsfelder eingeordnet werden. Dies betrifft insbesondere auch den Bereich der Psychologischen PsychotherapeutInnen und der Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen, die immer noch in ihren Grundberufen, meist als Diplom-PsychologInnen, eingruppiert werden. Somit liegt hier bisher keinesfalls die gesetzliche Gleichstellung mit Ärzten vor, die als Fachärzte höher eingruppiert werden.

Erfolgreiche Beispiele in Tarifarbeit und betrieblicher Mitbestimmung wurden von den beiden PsychotherapeutInnen und Betriebs- bzw. Personalräten, Juliane Dohren und Klaus Thomsen, dargestellt. In den Pfalz-Kliniken konnte so zum Beispiel eine geregelte Ausbildung für PsychotherapeutInnen mit einer Bezahlung von 1200.- € im ersten Jahr und in EG 13 bis zur Approbation erreicht werden. Die KollegInnen mit Approbation werden in EG 14 eingruppiert und erhalten eine Zulage auf EG 15, wenn sie Leitungsfunktionen bekleiden. Klaus Thomsen stellte den weithin bekannten Tarif der Damp-Kliniken dar und wichtige Schritte zum Erreichen dieses Erfolges mit einer geregelten Eingruppierung auch von PPs. Aus seiner Sicht wichtig war dazu das breite gewerkschaftliche Engagement der psychotherapeutischen KollegInnen. Allerdings wurden auch Probleme aufgezeigt, die nun nach der Übernahme durch den Helios-Konzern zu beklagen sind.

Im letzten Programmpunkt wurden in einer Podiumsdiskussion zentrale Aspekte herausgearbeitet, nachdem noch Peter Missel und Tilman Kluttig Impulsreferate zu den Bereichen Sucht-Reha und Psychiatrie gehalten hatten. Als wichtig wurde die Ausgestaltung einer Novellierung des Psychotherapeutengesetzes bewertet, die in der nächsten Legislaturperiode möglich und aus verschiedenen Gründen auch notwendig ist. Im Rahmen der Tarifgestaltung ist ein möglichst breites gewerkschaftliches Engagement der KollegInnen wichtig, um die Notwendigkeit der Einführung einer Entgeltordnung zu unterstützen, in der auch PPs und KJPs berücksichtigt werden. Hilfreich könnte dabei die vermehrte Erkenntnis auf Arbeitgeberseite sein, dass in Zeiten des deutlich ansteigenden Ärztemangels von PPs und KJPs ein Großteil der Aufgaben übernommen werden müssen. Schließlich sollten auch in Landeskrankenhausgesetzen Aufgabenbereiche von PsychotherapeutInnen noch besser abgebildet werden.

Die einführenden Worte von Heiner Vogel können gleichzeitig auch als Resümee dienen: Die Stellung von Psychotherapeuten in den Kliniken hängt von vielen formalen und informellen Regelungen ab. Die formalen Regelungen verhindern häufig gar nicht eine Gleichstellung von PP/KJP mit Fachärzten. Allerdings müssen sie vor Ort entsprechend "gelebt" werden. Das verlangt den Einsatz der KollegInnen vor Ort - als Leitende Psychologen/Psychotherapeuten, als Betriebs-/Personalräte und auch als Stellenbewerber bei der Verhandlung ums Gehalt. Zwar ist es weiterhin wichtig, dass es Verbesserungen bei der gesetzlichen Gleichstellung und der tariflichen Einordnung gibt. Die Best-Practice-Beispiele, die auf der Tagung vorgestellt wurden, zeigen aber, dass es durchaus viele Entwicklungsmöglichkeiten gibt, die bereits jetzt bestehen und vor Ort von den KollegInnen auch genutzt werden können. Die Tagung hat in diesem Sinne viele Anregungen gegeben, die hoffentlich in der einen oder anderen Einrichtungen für die KollegInnen Früchte tragen werden.

Aus meiner Sicht war die Veranstaltung sehr hilfreich, um viele angestellte KollegInnen zu erreichen, die verschiedenen Argumentationslinien auszutauschen und weiter zu entwickeln. Eine Vernetzung insgesamt scheint mir sehr wichtig, weil das Wissen über Verhältnisse in anderen Einrichtungen oft vor Ort die Überzeugungsarbeit erleichtert. Andererseits besteht bestimmt weiterhin großer Bedarf, diese Diskussion noch mehr auszuweiten. Die nun anstehende Befragung durch die Kammer kann noch weitere wichtige Erkenntnisse bzw. unterstützende Fakten liefern. 

Christian Hartl

Der Autor ist Klinischer Neuropsychologe in der Fachklinik für Forensik im Bezirksklinikum Regensburg. Er kandidierte auf der Gemeinschaftsliste „Bayerns Vielfalt“(DGVT u.a.) für die Kammerwahl 2012 in Bayern.


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