Einsatz von SimulationspatientInnen in der Psychotherapieausbildung – Vorstellung eines Lehrkonzepts


Elena Partschefeld, Swetlana Philipp, Michael Geyer & Bernhard Strauß

Zusammenfassung: In der Literatur zur Psychotherapieforschung wird einerseits davon berichtet, dass zu den Prädiktoren für ungünstige Therapieverläufe mangelnde Empathie, anhaltend negative Gegenübertragung oder technische Fehler zählen (z. B. Mohr, 1995), andererseits wird die Wichtigkeit einer guten Ausbildung von PsychotherapeutInnen betont (z. B. Grawe, 2005). Es ist zu vermuten, dass die Qualität der Psychotherapieausbildung die spätere Qualität der therapeutischen Arbeit wesentlich bestimmt (Reinecker, Schindler & Kaiser, 2009). Deshalb wird kontinuierlich nach Wegen gesucht, therapeutische Fertigkeiten zu lernen und praktisch anzuwenden. Eine Möglichkeit hierfür ist der Einsatz von SimulationspatientInnen (SP) in der Ausbildung. Diese Methodik unterstützt durch praktisches Üben, Modelllernen und konstruktives Feedback die Reflexion des eigenen therapeutischen Handelns. Der Einsatz von SimulationspatientInnen ist eine moderne vielversprechende Lehrmethode, die zunehmend in der Ausbildung der Humanmediziner verwendet wird, in der Psychotherapieausbildung jedoch bislang wenig Anwendung fand. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden an einer Ausbildungseinrichtung für Psychotherapie SP eingesetzt und evaluiert. Angehende, unerfahrene Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen trainierten in den Gesprächen mit SimulationspatientInnen spezifische therapeutische Fertigkeiten wie das Stellen offener Fragen nach Gedanken und Gefühlen, Paraphrasieren oder das Reflektieren von Gefühlen. In dieser Arbeit werden das Lehrkonzept und die Durchführung des Einsatzes von SP beschrieben sowie Empfehlungen für weitere Studien zum Einsatz von SP gegeben.

Schlüsselwörter: SimulationspatientInnen, standardisierte PatientInnen, SchauspielpatientInnen, Psychotherapieausbildung, Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen, therapeutische Fertigkeiten

Use of standardized patients in psychotherapy training: Description of a teaching concept

Abstract:  The available evidence within psychotherapy research indicates that a lack of empathy, continuous negative countertransference or technical errors might predict adverse therapy processes (e.g. Mohr, 1995). Accordingly, the importance of a solid training for psychotherapists is emphasized (e.g. Grawe, 2005). It is argued that the quality of the training of psychotherapists might influence the quality of their later therapeutic work (Reinecker, Schindler & Kaiser, 2009). Therefore, there is a need for improving ways to learn therapeutic skills and to apply these within practical work. One available approach for teaching is the use of simulated or standardized patients (SP) during trainings. Including practical exercises, model learning and constructive feedback, this method supports the reflection of one’s own therapeutic actions. The use of simulated patients is a modern and promising training method which is increasingly used in medical education. However, so far it has not been broadly applied within the training of psychotherapists. Within a research project (performed in a training institute), the method of simulated patients was used and evaluated for the training of psychotherapeutic skills. Trainees in a program for child and adolescent psychotherapy practised therapeutic skills such as asking open questions for thoughts and feelings, paraphrasing or reflecting feelings during interviews with simulated patients. With this paper, the training concept as well as its implementation using simulated patients will be presented including some recommendations for further studies  related to this method.

Key words:

Simulated patients, standardized patients, psychotherapy training, child and adolescent psychotherapy, helping skills

Einführung und theoretischer Hintergrund

In der Psychotherapieausbildungsforschung wird nach Antworten gesucht, wie die Ausbildung zukünftiger PsychotherapeutInnen gestaltet werden sollte, damit die Lehr- und Lernziele der Ausbildungsrichtlinien optimal umgesetzt werden können, diese also schnell zu Experten werden können. Das ist sowohl von allgemeinem gesellschaftlichem Interesse, als auch für die staatliche Anerkennung der Ausbildung und die Bezahlung von Psychotherapie durch die (gesetzlichen) Krankenkassen von Bedeutung. Mit der Anerkennung der Psychotherapie als Heilberuf des öffentlichen Gesundheitswesens verdient die Ausbildung mehr wissenschaftliche Aktivitäten und Programme (Laireiter & Willutzki, 2005). Bislang fehlt jedoch in Deutschland eine fundierte Forschung zu didaktischen Lehrmethoden in der Psychotherapieausbildung. Die Frage, welche Methoden einen Zuwachs an therapeutischen Fertigkeiten bringen, ist bislang unzureichend beantwortet.

Der vorliegende Beitrag widmet sich der Frage, wie ein Lehrkonzept unter Verwendung von SimulationspatientInnen (SP) in der Psychotherapieausbildung gestaltet werden kann. Nach einer kurzen Darstellung der Wurzeln des Einsatzes von SimulationspatientInnen wird darüber berichtet, wie die SP rekrutiert, ausgebildet und in die Lehre integriert werden. Schließlich werden Empfehlungen für den Einsatz von SP in der Psychotherapieausbildung formuliert.

Was sind SimulationspatientInnen und wo werden sie eingesetzt?

Die Begriffe „SimulationspatientInnen“, „SchauspielpatientInnen“ und „Standardisierte PatientInnen“[1] beziehen sich auf eine Lehrmethode, bei der gesunde Laien eine Erkrankung mit den dazu gehörigen Symptomen, wichtigen Persönlichkeitsmerkmalen, einer Lebensgeschichte und entsprechenden Merkmalen der psychosozialen Interaktionen zu Lehrzwecken darstellen (Barrows, 1993). Der Einsatz von SP ist eine moderne Lehrmethode, die die bereits eine weite Verbreitung in der Ausbildung medizinischer Berufe erfahren hat. Mit dieser Methode ist eine starke Verzahnung von theoretischen Ausbildungsinhalten mit praktischen Übungen möglich, die es den Lernenden erlaubt, Erfahrungen zu sammeln, die gut in den klinischen Alltag übertragbar sind. Ein zentrales Element der Lehre mit SP ist eine detaillierte Rückmeldung (Feedback) des SP an den Lernenden über verschiedene Aspekte der Gesprächsführung und die Beziehungsgestaltung. Damit wird die Aufmerksamkeit des Lernenden auf die Stärken und Schwächen in Bezug auf kommunikative Fertigkeiten gelenkt (Howley & Martindale, 2004). Diese strukturierte Rückmeldung der SP ist eine Erfahrung, die im Kontakt mit realen PatientInnen nicht gegeben ist (Sahlmann, Siktas & Mathiak, 2010; Turan, Üner & Elçin, 2009; Park, Son, Kim & May, 2011). Die Lernenden erfahren so mehr über die Wirkung ihres Verhaltens (Philipp & Merten, 2006) und erhalten Einsicht in die Welt des Patienten, was eine Bereicherung der Ausbildung darstellt (Ortwein, Fröhmel & Burger, 2006). Benett, Arnold & Welge (2006) konnten zeigen, dass Medizinstudierende, die von den SP eine Rückmeldung erhalten haben, in der Prüfung bessere Ergebnisse erzielen als die Lernenden, die keine Rückmeldung erhalten haben. Wissenschaftliche Untersuchungen im medizindidaktischen Kontext verweisen darauf, dass die Verwendung von SP im Unterricht einerseits einen Zuwachs an Selbstwirksamkeit, Motivation, Sicherheit und Empathie im Umgang mit PatientInnen bewirkt (Bosse et al., 2008; Doering et al., 2010; Emmert, Hitz, Hallier, Chenot & Simmenroth-Nayda, 2007; Jünger & Köllner, 2003; Nel, 2010; Woods, Pasold, Boateng & Hensel, 2012), andererseits zu einer Zunahme an Wissen, an kommunikativen Fertigkeiten und zum Abbau von negativen kommunikativen Verhaltensweisen führt (Bosse et al., 2008; Emmert et al., 2008; Fritzsche, Engelmann & Wirsching, 2008; Hall et al., 2004; Hausberg et. al, 2012; Jünger & Köllner, 2003; Nel, 2010; Philipp & Merten, 2006). SP werden beispielsweise im Unterricht in der Psychiatrie-, Psychosomatik-, Allgemeinmedizin, in der Psychologieausbildung und in der medizinpsychologischen Lehre eingesetzt. Die SP portraitieren hier unterschiedliche psychische Störungen in unterschiedlichen Gesprächssituationen: z.B. Exploration, Intervention, Beratung, Aufklärung. Das heißt, die Studierenden lernen in den Gesprächen mit SP ein Erstgespräch zu führen (Sahlmann et al., 2010), üben eine motivierende, aufklärende, ressourcenorientierte Gesprächsführung (Schultz, Schönemann, Lauber, Nikendei, Herzog & Jünger, 2007; Wiesmann, Niehörster & Hannich, 2009) oder bereiten sich auf Situationen mit schwierigen PatientInnen vor (Birndorf & Kaye, 2002; Wündrich, Peters, Philipsen, Kopasz, Berger & Voderholzer, 2008).

Da diese Lehr- und Lerninhalte ebenfalls zur Psychotherapieausbildung gehören, stellt sich die Frage, ob der Einsatz von SP in der deutschsprachigen Psychotherapieausbildung ihren Platz finden kann und wirksam zur Entwicklung von therapeutischen Fertigkeiten der AusbildungsteilnehmerInnen (ATN) beitragen kann. Können die didaktischen Elemente des Lernens mit SP - wie das unmittelbare Feedback, praktisches Einüben und Modelllernen - einen Zuwachs therapeutischer Fertigkeiten befördern und für die Reflexion des eigenen therapeutischen Verhaltens in der Psychotherapieausbildung genutzt werden? Noch steht die Forschung aus, die darauf eine Antwort geben könnte.

Kurzer historischer Abriss zum „Lehren und Prüfen mit Simulationspatienten“

Barrows und Abrahamson beschreiben erstmals 1964 den Einsatz von SP in der Prüfung von Medizinstudenten in der Nervenheilkunde an der University of Southern California. Auf der Suche nach einer patientenorientierten Ausbildungs- und Prüfungsmethode der Mediziner wurden zunächst reale PatientInnen eingesetzt, was jedoch viele Nachteile und Unzufriedenheit mit sich brachte. Die Autoren berichteten davon, dass es

(1) schwierig ist, den adäquaten Patienten zum benötigten Zeitpunkt zu finden;

(2) die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, Sprachbarriere, das Bewusstseinslevel, aktuelle Diagnostik oder therapeutische Prozeduren sowie untypische oder fehlende Befunde oft störend wirken können;

(3) die Lehrkörperschaft nicht sicher sein kann, dass alle Fakten, die sie über den Patienten wissen, komplett oder korrekt sind;

(4) man nicht sicher voraussagen kann, wie der Patient, besonders ein lange erkrankter Patient, auf die Studenten reagiert (Barrows & Abrahamson, 1964).

Ebenfalls betonten Vu und Barrows (1994), dass der Einsatz von realen PatientInnen zu Ausbildungs- und Prüfungszwecken fraglich ist, weil er ethische, praktische und messtechnische Probleme mit sich bringt (z.B. Belastung der realen PatientInnen, da sie eine Vielzahl an Studenten aushalten müssen; ein Mangel an Objektivität in den Rückmeldungen). Um diese Nachteile zu minimieren, wurde ein „programmierter Patient“ erfunden (Barrows & Abrahamson, 1964), der die Symptome der Krankheit, die Lebensgeschichte und die neurologischen Befunde des „echten“ Patienten simulierte. Nachdem die SP für die Überprüfung der Kenntnisse und Fertigkeiten der Medizinstudenten in den Prüfungen eingesetzt wurden, erkannte Barrows den Wert der SP für die Lehre. Gleichzeitig gestaltete er Workshops für praktizierende Ärzte zur Verbesserung ihrer neurologischen Fertigkeiten und setzte SP in dieser Lehre ein. Die zugrunde liegende Philosophie des Einsatzes von SP in diesen Workshops war für Barrows das auf der „Erfahrung beruhende Lernen“, „learning by doing“ und die Ermöglichung von unmittelbarem Feedback (Wallace, 1997).

Heutzutage ist die Lehrmethode der SP eine weit verbreitete und akzeptierte Methode in der medizinischen Ausbildung im englischen Sprachraum (Wallace, 1997). Aber die SP werden nicht nur in der Ausbildung der MedizinerInnen eingesetzt, sondern sind in den Ausbildungen von PhysiotherapeutInnen (Black & Marcoux, 2002; Hale, Lewis, Eckert, Wilson & Smith, 2006; Jensen & Richert, 2005), Krankenpflegern und Krankenschwestern (Anderson, Holmes, LeFlore, Nelson & Jenkins, 2010; Ebbert & Connors, 2004; Vessey & Huss, 2002; Yoo & Yoo; 2003), Sanitätern (Nel, 2010), der Pharmazieausbildung (Watson et al., 2004; Watson, Cleland & Bond, 2009), Ernährungswissenschaft (Beshgetoor & Wade, 2007) und Zahnmedizin (Lane & Rollnick, 2007) integriert.

Es gibt eine Studie mit negativen Ergebnissen zum Einsatz von SP. Krahn et al. (2001, 2002) berichten von einer Untersuchung in der psychiatrischen Lehre, in der sowohl SP als auch echte Patienten eingesetzt wurden. Die Studierenden erlebten die SP als weniger authentisch, hatten Schwierigkeiten, Empathie zu empfinden und fühlten sich mit ihnen emotional weniger verbunden.

Im Rahmen des Forschungsgutachtens zur Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (Strauß et al., 2009) wurde der aktuelle Stand der Psychotherapieausbildung in Deutschland aus verschiedenen Perspektiven (AusbildungsteilnehmerInnen [ATN], InstitutsleiterInnen, ExpertInnen, AbsolventInnen, Lehrkräfte, PraxisinhaberInnen usw.) ausführlich beleuchtet. Darin konnte gezeigt werden, dass die Theoretische Ausbildung einen hohen Stellenwert einnimmt, jedoch sowohl Lehrkräfte als auch ATN eine bessere Verbindung von Theorie und Praxis wünschen, also mehr praktische Übungen sowie einen Transfer des theoretischen Wissens in die Praxis. Untersuchungen von Bayer (2007) und Hölzel (2009) stellten fest, dass der Praxisbezug der Theoretischen Ausbildung eine übergeordnete Rolle für die Zufriedenheit der ATN mit der Gesamtausbildung spielte und diese vorhersagte.

Bislang liegen - soweit bekannt - jedoch im deutschsprachigen Raum keine Forschungsergebnisse zum Einsatz von SP in der Psychotherapieausbildung vor. Um diese Lücke zu schließen, hat die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. (DGVT) im Jahr 2010 ein Forschungsstipendium zur „Evaluation des Einsatzes von SimulationspatientInnen in der psychotherapeutischen Ausbildung. Ein Beitrag zur empirischen Fundierung der Psychotherapieausbildung“ ausgeschrieben. Dieses wurde zur Realisierung eines Promotionsvorhabens der Erstautorin auch an eine Forschergruppe des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena vergeben.

Ablauf und Methodik

Am Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie des Uniklinikums der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist seit acht Jahren ein Simulationspatientenprogramm im Rahmen der medizinischen Ausbildung etabliert, so dass gute Voraussetzungen bestanden, dieser Forschungsfrage nachzugehen. Eine weitere günstige Voraussetzung für die Durchführung des Forschungsprojektes war die jahrelange Zusammenarbeit mit der Akademie für Psychotherapie in Erfurt (AfP), die im Oktober 2010 die Zusage für die Teilnahme am Projekt erteilte. Die AfP Erfurt ist ein staatlich anerkanntes Ausbildungsinstitut, das seit Oktober 1999 Ausbildungen zum Psychologischen Psychotherapeuten (PP) und zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (TfP), später auch der Verhaltenstherapie (VT) und der analytischen Psychotherapie anbietet. Die Lehrveranstaltungen mit den SP wurden für alle Verfahren angeboten.

Die Rekrutierung der TeilnehmerInnen der Untersuchung erfolgte im Rahmen verschiedener Veranstaltungen an der Akademie (AfP), wo ihnen das Forschungsprojekt vorgestellt und sie ausführlich über das Lehrkonzept mit SP sowie die hierzu bereits vorhandene Forschung informiert wurden. Die ATN wurden über die Lehr- und Lernziele der Veranstaltung mit SP aufgeklärt, wie zum Beispiel die Entwicklung therapeutischer Fertigkeiten in den praktischen Gesprächen mit SP. Für die ATN sollten keine zusätzlichen Kosten für die Teilnahme an der Veranstaltung entstehen. Als Anreiz für die Teilnahme diente die Anerkennung der Veranstaltung (insgesamt 16h) als Modul Gesprächstechniken in der Psychotherapieausbildung. Allen ATN wurde unabhängig vom Verfahren (VT und TfP), vom Ausbildungsfortschritt (Basis- und vertiefte Ausbildung) und von der Ausbildungsart (KJP sowie PP) die Information über die laufende Studie mit SP per E-Mail zugeschickt und die Möglichkeit eingeräumt, an der Studie teilzunehmen.

Das Interesse der angehenden Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen war viel größer als das der angehenden Psychologischen PsychotherapeutInnen, daher wurde die Studie auf die KJP ausgerichtet, das heißt als SP wurden junge Erwachsene und Jugendliche eingesetzt. Die Lebensgeschichten, Persönlichkeitsmerkmale und die psychischen Störungen, welche die SP in den Gesprächen mit den ATN portraitieren sollten, wurden dementsprechend dem Kindes- und Jugendalter angepasst[2].

SP-Auswahl - Hintergrund und Durchführung

Aus den genannten Gründen wurden nun Jugendliche und junge Erwachsene als SP gesucht. Die Auswahl der SP ist ebenso wichtig wie das spätere Training der SP (Frömel, Wündrich & Voderholzer, 2007; Amado, 2003). Die SP sollten eine rasche Auffassungsgabe (Reflexionsfähigkeit) haben, gute kommunikative Kompetenzen (z.B. gut zuhören können, sich verbal verständlich ausdrücken), Spaß an Rollenspielen haben, zuverlässig und verbindlich sein sowie Vertraulichkeitsaspekte beachten. Wichtig ist auch, dass die SP keine schwerwiegenden gesundheitlichen Probleme aufweisen (Fröhmel, Burger & Ortwein, 2007; Frömel, Wündrich & Voderholzer, 2008). Hilfreich, aber nicht zwingend notwendig sind schauspielerische Erfahrungen (Frömel et al., 2007).

Für die aktuelle Studie wurden die jungen Erwachsenen SP über den Verteiler des Institutes für Psychologie der Universität Jena angeworben. In einem Auswahlverfahren wurden aus 22 Bewerbern vier Psychologiestudentinnen ausgewählt. Mit jedem Bewerber wurde ein halbstündiges Interview abgehalten. Das Interview beinhaltete folgende Fragen und Einschätzungen: Motivation, Flexibilität bezüglich der Termine, Bereitschaft die Tätigkeit als SP in weiteren Semestern auszuführen, aktuelle psychische Belastbarkeit, bereits vorhandene klinische Erfahrungen, Kenntnisse der Störungsbilder, schauspielerische Fähigkeiten sowie Reflexionsfähigkeiten und bereits vorhandene Selbsterfahrungen. Alle ausgewählten Psychologiestudentinnen besaßen Kenntnisse in der Klinischen Psychologie und kannten wichtige psychische Störungsbilder, sie hatten das Fach Psychiatrie als Nebenfach abgeschlossen oder ein Praktikum im klinischen Bereich absolviert. Zwei der Studentinnen waren als Laienschauspielerinnen in einer Theatergruppe aktiv. Als Teilnahmeanreiz für die SP wurde eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 12 € pro Stunde bezahlt. Die vier Jugendlichen (12-14 Jahre) wurden aus dem Bekanntenkreis rekrutiert und sowohl die SP als auch deren Eltern waren mit dem Projekt sehr gut vertraut, als sie ihre Zustimmung für die Teilnahme als SP erteilten.

Die SP-Schulung wurde von einer Mitarbeiterin mit langjähriger Erfahrung in der Ausbildung der SP durchgeführt und dauerte bei den jungen Erwachsenen vier und bei den Jugendlichen sechs Stunden[3]. Inhalt der Ausbildung war: Erläuterungen zum Einsatz von SP, ausführliche Informationen zu den Regeln des konstruktiven Feedbacks, Besprechung der Rollen und mehrfaches Üben / Durchspielen der Rollen, wobei nach jeder Übung auch das Geben von konstruktivem Feedback trainiert wurde. In der Ausbildung wurden auch Grundkenntnisse zu den therapeutischen Fertigkeiten der Explorationsstufe erklärt und die Fragebögen der Studie vorgestellt. Die SP füllten die Fragebögen der Studie aus, um die Items gut kennenzulernen. Die Authentizität der Rolle und das Feedback[4] sind zwei wichtige Variablen, die entscheidend die Qualität der Begegnung der ATN mit den SP beeinflussen (Wind, Dalen, Muijtjens & Rethans, 2004), weshalb die SP gründlich ausgebildet werden müssen (Walker, Armstrong & Jarriel, 2011). Die Befragung von Philipp und Merten (2006) zeigte, dass „der Lernerfolg zum Teil davon abhängig ist, wie praxisnah die Rollen der SP sind, wie gut die SP ihre Rollen spielen und in der Lage sind, das Gespräch zu analysieren und Feedback zu geben.“ Die Art des Feedbacks hat einen entscheidenden Einfluss auf den Lernzuwachs (Hewson & Little, 1998). Es ist wichtig, dass die Schulung der SP beinhaltet, wie die SP die Rolle authentisch darstellen können und sich nach dem Gespräch innerlich von der Rolle distanzieren können.

Theoretische Basis für den Einsatz von SP

Die theoretische Basis des Forschungsprojektes bildete das Drei-Stufen-Modell therapeutischer Fertigkeiten nach Hill (2009). Dieses Modell unterscheidet im therapeutischen Prozess drei Phasen: Exploration, Einsicht und Handlung, denen unterschiedliche therapeutische Fertigkeiten zugeordnet werden. Das Drei-Stufen-Modell (Hill, 2009) basiert auf der klientenzentrierten Psychotherapie nach Rogers (1942, 1957), psychoanalytischen und interpersonalen (Freud, 1940/1949; Teyber, 2006; Yalom, 1980) sowie verhaltenstherapeutischen Theorien (Goldfried & Davidson, 1994; Kazdin, 2001; Watson & Tharp, 2006). Somit integriert das Modell sowohl therapeutische Fertigkeiten der psychodynamischen Psychotherapie, als auch der Verhaltens- und klientenzentrierten Therapie. Das Forschungsprojekt konzentrierte sich auf therapeutische Fertigkeiten in der Stufe Exploration. Diese schließt therapeutische Fertigkeiten wie zum Beispiel das Stellen offener Fragen nach Gedanken und Gefühlen, Paraphrasieren und die Reflexion der Gefühle ein.

Weitere Phasen des Drei-Stufen-Modells nach Hill (2009) sind Einsicht und Handlung. Die Stufe der Einsicht umfasst solche therapeutische Fertigkeiten wie In-Frage-Stellen, offene Fragen nach Einsicht, Interpretation, Offenbarung der eigenen Einsicht (des Therapeuten) und Unmittelbarkeit. Zur Stufe der Handlung gehören therapeutische Fertigkeiten wie offene Fragen nach der Handlung, Prozessberatung, Information geben, Feedback an Patienten, direkte Führung, Offenbarung eigener Strategien. Dabei unterscheidet das Drei-Stufen-Modell vier Typen von Handlung: Entspannung, Verhaltensänderung, Rollenspiele und Entscheidungsfindung.

Ausbildung der Tutoren

Das Ausbildungskonzept für das Forschungsprojekt beinhaltete das Lernen mit SP in Kleingruppen (2-5 Teilnehmer pro Gruppe). Deshalb wurden fünf TutorInnen ausgebildet, die das Lernen mit den SP moderierten. Die TutorInnen waren erfahrene PsychologInnen, PsychotherapeutInnen und SupervisorInnen, die in ca. 5 Stunden auf diese Tätigkeit vorbereitet wurden (Themen: das Drei-Stufen-Modell der therapeutischen Fertigkeiten nach Hill, [2009], therapeutische Fertigkeiten der Explorationsstufe, die Regeln des konstruktiven Feedbacks, Vorstellung der psychischen Störungsbilder der SP, Umgang mit der Kamera, Vorstellung des Ablaufs der Studie etc.).

Ein Beispiel für die Rollen der SP

Jugendlicher, 14 Jahre alt, Depression: Du heißt Johannes, deine Lehrerin empfahl deiner Mutter, sich an einen Psychotherapeuten zu wenden. Du kannst dich seit langem nicht konzentrieren, hast häufig Kopfschmerzen und bist einfach immer müde. Im Unterricht schweifst du oft mit deinen Gedanken ab und deine Leistungen haben sich stark verschlechtert. Deine Mutter ist besorgt, denn während sich deine Kumpels auf dem Fußballfeld austoben, sitzt du allein in deinem Zimmer und starrst apathisch in die Leere. Noch vor ein paar Monaten hättest du keine Trainingsstunde ausgelassen. Heute bist du einfach nur müde - so wie an jedem Tag in den vergangenen Wochen. Der Einstiegssatz auf die (hoffentlich gestellte) Frage, wie es dir geht lautet: „Geht so.“ Die Therapeutin hat 15 Minuten Zeit, für das Gespräch mit dir. Sollten während des Gespräches unerwartete Fragen auftauchen, dann versuchst du zu improvisieren. (Weiterhin wurde mit den Jugendlichen besprochen, auf welche Schule sie gehen, wie sie wohnen, wer im Haushalt lebt und wer weitere wichtige Bezugspersonen sind, welche Hobbys sie haben bzw. hatten, welche Berufe die Eltern haben, welche Gedanken, Sorgen und Ängste sie beschäftigen, wie der Tagesablauf aussieht, wie sich die konkreten körperlichen Beschwerden äußern, sich der Schlaf verändert hat etc.).

Einsatz von Simulationspatienten

Die Veranstaltung mit den SP wurde als Blockveranstaltung durchgeführt (Freitag: 14-19 Uhr, Samstag 9-17 Uhr, insgesamt 16 Unterrichtsstunden):

Die Vermittlung der theoretischen Inhalte dauerte 30 Minuten und enthielt die Einführung in das Drei-Stufen-Modell therapeutischer Fertigkeiten (Hill, 2009) sowie die ausführliche Vorstellung therapeutischer Fertigkeiten der Explorationsstufe. Jeder ATN erhielt zu jeder therapeutischen Fertigkeit der Explorationsstufe ein Arbeitsblatt, welches therapeutischen Fertigkeiten der Explorationsstufe ausführlich erklärte („Offene Fragen nach Gedanken“, „Paraphrasieren“, „Offene Fragen nach Gefühlen“, „Gefühle reflektieren“, „Offenbarung“). Der detaillierte Ablauf der Veranstaltung war wie folgt:

Erster Tag:

  • Begrüßung, Vorstellung der TutorInnen, Erklärung des Ablaufes, Möglichkeit für die ATN, Fragen zu stellen (30 Minuten)
  • Videoaufnahmen von Explorationsgesprächen der ATN mit SP (60 Minuten)
  • theoretische Einheit in Form einer Vorlesung im Plenum (30 Minuten), Inhalte: „Einführung in das Drei-Stufen-Modell nach Hill (2009)“, „Therapeutische Fertigkeiten der Explorationsstufe“
  • Kleingruppen: praktisches Einüben der Explorationsfertigkeiten in den Gesprächen mit SP (2 x à 90 Minuten)

Zweiter Tag:

  • Begrüßung, Rückblick auf den ersten Tag im Plenum (30 Minuten)
  • Kleingruppen: praktisches Einüben der Explorationsfertigkeiten in den Gesprächen mit SP (3 x à 90 Minuten)
  • Videoaufnahmen von Explorationsgesprächen der ATN mit SP (60 Minuten)
  • Abschluss: Rückmeldung der ATN und Austausch zum Einsatz von SP (60 Minuten)

Gespräche mit den SP in Kleingruppen

Das praktische Erlernen der therapeutischen Fertigkeiten in der Explorationsstufe fand in den Kleingruppen in fünf Durchgängen statt. In jedem Durchgang führte jeder ATN der Kleingruppe ein Gespräch mit einem SP durch, also übte jeder ATN mit fünf verschiedenen SP, fünf verschiedene Störungsbilder - immer das Explorationsgespräch. Führte ein ATN das Gespräch mit dem SP durch, so hatten die anderen ATN die Rolle des Beobachters. Die Aufgabe der ATN im Gespräch mit den SP bestand darin, das theoretische Wissen aus der 30-minütigen Vorlesung anzuwenden und somit die therapeutischen Fertigkeiten der Explorationsstufe des Drei-Stufen-Modells (Hill, 2009) praktisch einzuüben. Konkret ging es darum,

(a) im Simulationsgespräch eine Verbindung zur „PatientIn“ zu etablieren und zu versuchen, eine therapeutische Beziehung aufzubauen;

(b) die „PatientIn“ zu ermutigen, über ihre Probleme zu sprechen;

(c) eine Atmosphäre zu schaffen, um das Gespräch auf einer „emotionalen“ Ebene zu führen.

Der ATN sollte der „PatientIn“ ermöglichen, ihre Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken und über die Komplexität ihrer Probleme nachzudenken. Im Simulationsgespräch trainierten die ATN, der „PatientIn“ offene Fragen nach Gedanken und Gefühlen zu stellen, die Gefühle der „PatientIn“ zu reflektieren und das Gesagte der „PatientIn“ zu paraphrasieren. Außerdem sollten die ATN versuchen zu verstehen, was für die PatientIn wirklich wichtig ist, wesentliche Themen in den Erfahrungen und Verhaltensweisen der PatientIn zu identifizieren, sowie im Gespräch mit SP Tiefe anstelle von Oberflächlichkeit zu fördern.

Die ATN, die während des Gespräches die Rolle des Beobachters erhielten, erledigten ebenfalls bestimmte Aufgaben, die sie vom Tutor bekamen. Die Beobachtungsaufträge bezogen sich darauf:

(a) welche Art von Fragen der ATN im Explorationsgespräch mit den SP verwendet (offene vs. geschlossene),

(b) wie der ATN der „PatientIn“ hilft, ihre Gefühle zu erkennen („Reflexion der Gefühle“),

(c) wie der ATN die SP unterstützt, sich über ihre Reaktionen klar zu werden („Paraphrasieren“),

(d) wie der ATN die SP im Gespräch anregt, sich zu öffnen, über ihre Sorgen nachzudenken und weiter zu erzählen und

(e) wie gut es dem ATN gelingt, die Explorationsfertigkeiten im Gespräch mit der SP anzuwenden.

Die Beobachter hielten ihre Gedanken auf einem Arbeitsblatt fest.

Nach dem Gespräch verließ die SP den Raum und hatte die Möglichkeit sich zu sammeln und das Feedback für den angehenden Therapeuten vorzubereiten. Während der kurzen Abwesenheit der SP verhalf die TutorIn dem ATN, das durchgeführte Gespräch mit der SP zu reflektieren und richtete an den ATN Fragen wie: „Was ist Ihnen im Gespräch mit der „PatientIn“ gut gelungen?“, „Was möchten Sie als „TherapeutIn“ das nächste Mal anders machen?“, „Welche Fragen haben Sie an die SP?“. Nach einigen Minuten wurde die SP wieder in den Raum gebeten und gab eine ausführliche elaborierte und konstruktive Rückmeldung an den ATN. Dabei enthielt das Feedback der SP folgende Aspekte:

(a) Einstieg ins Gespräch und Art der Begrüßung,

(b) nonverbale Signale der „TherapeutIn“ (Blick, Haltung, Mimik, Gestik),

(c) wie gut ist es der „TherapeutIn“ gelungen, die Probleme der „PatientIn“ zu explorieren: Fragetechnik des ATN (offen, geschlossen, suggestiv), Reflexion der Emotionen,

(d) Beziehung (Vertrauen, autoritär, partnerschaftlich, distanziert, indirekte Vorwürfe, Schuldzuweisungen, Sympathie) sowie

(e) Empathie: verstand die „TherapeutIn“, was die „PatientIn“ ihr sagte und wie die „PatientIn“ sich im Inneren fühlte; hatte die „PatientIn“ das Gefühl, der „TherapeutIn“ vertrauen zu können.

Dem Feedback der SP folgte die Rückmeldung der Beobachter an den ATN. Im nächsten Durchgang war eine andere SP mit einer anderen psychischen Störung anwesend.

Fazit für die Praxis

Der Einsatz von SP in der Psychotherapieausbildung ist neu und bringt große Vorteile mit sich. Die Übungssituation mit SP ist sehr nah an der Realität therapeutischer Gespräche ausgerichtet. Durch die große Praxisnähe stellt der Unterricht mit den SP eine sinnvolle Ergänzung zu den anderen Lehrformen dar (Sahlmann et al., 2010) und ermöglicht den Transfer des Erlernten in den Berufsalltag. Das Ausprobieren therapeutischer Fertigkeiten an SP geschieht ohne Schaden und Belastung für „echte“ PatientInnen und ist ethisch vertretbar. Im vorliegenden Forschungsprojekt bescheinigten die ATN den SP hohe Authentizität. Das konstruktive Feedback von SP ermöglicht das Bewusstwerden unerwünschter therapeutischer Verhaltensmuster und hilft, eigene Stärken zu entdecken.

                                                                                                                             Mit Hilfe von SP können nicht nur kommunikative therapeutische Fertigkeiten vermittelt werden, sondern auch diagnostische Kompetenzen. In der vorliegenden Studie übten die Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen Explorationsfertigkeiten. Dazu gehören solche Fertigkeiten wie Gefühle reflektieren, Paraphrasieren oder das Stellen offener Fragen. Selbstverständlich können SP auch zum Üben komplexerer therapeutischer Fertigkeiten wie zum Beispiel das Anwenden einer Intervention eingesetzt werden oder zum Üben des Ablaufs solcher kognitiver Prozesse wie „Hypothesen aufstellen“.

Ebenfalls können SP in Abhängigkeit vom Verfahren (Verhaltenstherapie oder psychodynamische Psychotherapie) zum Einüben von verfahrenstypischen therapeutischen Fertigkeiten verwendet werden: so zum Beispiel zum Üben von therapeutischer Fertigkeiten nach dem Drei-Stufen-Modell (Hill, 2009). Hill unterscheidet in der Stufe der Einsicht das Deuten und Interpretieren, die für die psychodynamische Psychotherapie typisch sind. Weiterhin ist der Einsatz von SP für das Einüben der Durchführung einer Situationsanalyse nach SORKC-Modell für verschiedene Störungsbilder bei verhaltenstherapeutisch orientierten AusbildungsteilnehmerInnen möglich. Somit kann der Einsatz von SP ganz spezifisch für jedes therapeutische Verfahren erfolgen.

Weiterhin ermöglicht der Einsatz von SP das Erlernen ressourcenorientierter oder motivierender Gesprächsführung und die kognitive Umstrukturierung. Ebenfalls können Situationen mit „schwierigen PatientInnen“ geübt werden: zum Beispiel Situationen, in denen die PatientIn manipulatives Verhalten zeigt, negative Reaktionen gegenüber der TherapeutIn hat oder suizidal ist. Ebenfalls bietet sich der Einsatz von SP für die Vorbereitung auf „schwierige therapeutische Situationen“ an, in denen zum Beispiel innere Werte und Meinungen der PatientIn bezüglich Religion oder Geschlechterrollen im Konflikt mit denen der TherapeutIn stehen. Viele schwierige Situationen werden von PsychotherapeutInnen als Überforderung oder als bedrohlich erlebt, treiben den „empathischen Angstschweiß auf die Stirn“ und stellen einen therapeutischen Risikofaktor dar (Heidenreich & Noyon, 2012, S. 530). Zu den Aufgaben der Psychotherapieausbildung gehört es, die angehenden PsychotherapeutInnen für diese schwierige Situationen gut vorzubereiten. Der Einsatz von SP ist ein effektiver Weg, frühzeitig zu lernen mit schwierigen therapeutischen Situationen umzugehen.

Für die organisatorische Umsetzung der Arbeit mit SP in der Therapieausbildung sind verschiedene Fragen zu klären: Welche Gruppengröße und welche Anzahl an Gesprächen ist empfehlenswert? Sollte mit Videofeedback gearbeitet werden und wenn ja, dann bei jedem Gespräch? Wer sollte bei der Auswertung von Videoaufnahmen anwesend sein? Dozent, SP und weitere Teilnehmer? Wer gibt Feedback dazu? Durch das Verfolgen der Videoauswertung werden die Selbstkonfrontation und das therapeutische Wachstum gefördert (Hill, Stahl & Roffman, 2007). Die ATN im vorliegenden Forschungsprojekt berichteten über positive Erfahrungen mit der Auswertung der Videos und bewerteten dies als bereichernd. Dieses Ergebnis ähnelt dem Fazit der Studie von Hill und Lent (2006), die das Erlernen therapeutischer Fertigkeiten verbunden mit dem Beobachten des eigenen therapeutischen Gespräches auf Video empfehlen.

Eine weitere didaktische Fragestellung bezieht sich darauf, ob AnfängerInnen oder Erfahrene ähnlich vom Üben mit SP profitieren? In der berichteten Studie nahmen ATN aus den ersten Semestern teil. Unsere Empfehlung geht dahin, dass der Einsatz von SP am Anfang der Psychotherapieausbildung nicht nur hilfreich, sondern notwendig ist und als ein „Präpraktikum“ vor der ersten Begegnung mit den „echten“ PatientInnen erfolgen sollte. In der Literatur findet man Hinweise darauf, dass unerfahrene PsychotherapieausbildungsteilnehmerInnen Gefühle der Unsicherheit, Angst und Hemmungen vor dem ersten Gespräch mit einem echten Patienten (Hill, Sullivan, Knox & Schlosser, 2007) haben. Das bestätigen auch unsere Erfahrungen. Bosse et al. (2008) sowie Nel (2010) teilen als Ergebnis ihrer Untersuchungen mit, dass sich die ATN nach dem Einsatz von SP sicherer im Umgang mit PatientInnen fühlten. Die Rückmeldung der ATN im vorliegenden Forschungsprojekt in Form von offenen Antworten bei der Auswertung des Einsatzes von SP beinhaltete solche Aussagen der ATN wie: „die Lehrmethode der SP hat mir Sicherheit gegeben“, „hat mir geholfen Unsicherheiten abzubauen“, „hat mir ermöglicht, ein positives Bild meiner therapeutischen Fähigkeiten zu gewinnen“, „die Gespräche mit SP haben mir die Angst genommen und meine Zweifel entkräftet“. Diese Aussagen bezeugen ebenfalls, dass der Einsatz von SP sehr hilfreich für Anfänger in der Psychotherapieausbildung ist. Dementsprechend sehen wir den Einsatz von SP in der Psychotherapieausbildung besonders bei den ATN vor den ersten Einzeltherapiesitzungen mit „echten“ Patienten als förderlich an. Wenn andere Themen geübt werden sollen, wie der Umgang mit Widerstand oder Blockaden, dann kann diese Methode auch für höhere Semester empfohlen werden.

Obwohl der Einsatz von SP mit finanziellen und zeitlichen Aufwand verbunden ist (es müssen sowohl SP als auch TutorInnen bezahlt werden, die in Kleingruppen relativ wenig ATN unterrichten), bringt er viele Vorteile für die Lernenden und trägt bedeutsam zur Entwicklung therapeutischer Fertigkeiten bei.

Soweit uns bekannt ist, war die Evaluation des Einsatzes von SP im Rahmen dieses Forschungsprojektes erstmalig in der Psychotherapieausbildung im deutschen Sprachraum. Wir hoffen, dass wir mit der Vorstellung des Lehrkonzeptes zum Einsatz von SP weitere ForscherInnen dazu motivieren können, die Wirksamkeit und das Anwendungsspektrum des Einsatzes von SP in der Psychotherapieausbildung zu untersuchen und wollen interessierte Lehrkräfte und die Ausbildungseinrichtungen dazu ermutigen SP einzusetzen. Viele Fragen bezüglich des Einsatzes von SP in der Psychotherapieausbildung sind noch offen und erfordern weitere Forschungen. Eine solche Frage könnte sein, wie viel Training mit SP notwendig ist, um die therapeutischen Fertigkeiten zu entwickeln: sind zum Beispiel zwei (selbst geführte) Gespräche der ATN mit SP schon ausreichend, um die Qualität der therapeutischen Beziehung zu verbessern? Welche Effekte erreicht das Training mit SP im Vergleich zum Rollenspiel oder im Vergleich zu anderen didaktischen Lehrmethoden? Welche Gruppengröße im Verhältnis zur Anzahl der geübten vs. beobachteten Gespräche ist sinnvoll? Weitere Replikationen der Ergebnisse des vorliegenden Forschungsprojektes sind notwendig, um die Robustheit der Wirksamkeit des Einsatzes von SP zu belegen.

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Über die Autoren

Elena Partschefeld, Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin in der Ausbildung (Kognitive Verhaltenstherapie).

Dr. Swetlana Philipp unterrichtet am Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie im Bereich Medizinische Psychologie, ist Kommunikationstrainerin und Ausbilderin für SchauspielpatientInnen.

Prof. Dr. Michael Geyer ist Professor emeritus für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität Leipzig und leitet aktuell die Akademie für Psychotherapie (AfP) in Erfurt.

Prof. Dr. Bernhard Strauß, Dipl. Psych., ist Direktor des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena, Psychologischer Psychotherapeut und Psychoanalytiker und President elect der Special Interest Group der Society für Psychotherapy Research, die sich mit „Therapist Training and Development“ befasst.

Korrespondenzadresse

Dipl.-Psych. Elena Partschefeld
Universitätsklinikum Jena
Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie
Stoystraße 3
D-07740 Jena
E-Mail: elena.partschefeld@med.uni-jena.de


1 Es gibt keine einheitliche Begriffsverwendung. Häufig wird der Begriff „Standardisierte PatientInnen“ verwendet, wenn SP in Prüfungssituationen eingesetzt werden und möglichst „einheitlich“ reagieren sollen. Einige Autoren verwenden den Begriff „SchauspielpatientInnen“, wenn tatsächlich BerufsschauspielerInnen zum Einsatz kommen und grenzen sie damit vom Einsatz von LaienschauspielerInnen ab. Hier wird durchgehend der Begriff „SimulationspatientIn“ verwendet, der mit SP abgekürzt wird.

[2] Im Forschungsprojekt wurde dementsprechend auch die Vergleichsgruppe aus der KJP-Ausbildungsgruppe rekrutiert.

[3] Es gibt keine allgemeinen Standards, wie viel Training für SP notwendig bzw. ausreichend ist (Amado, 2003).

[4] Das Feedback, das die SP den Lernenden geben, stellt einen wesentlichen Teil der Lehrmethode der SP dar, weshalb in der Schulung dem Feedback besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss (Rockenbauch et al., 2008). Die SP können trainiert werden, die erbrachten Leistungen der ATN zu beurteilen und in Form des Feedbacks an die Studierenden zu geben (Blake, Gusella, Greaven & Wakefield, 2006).


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