Psychotherapeutenverbände tagten in München

GK II diskutiert Varianten der Ausbildungsreform


Eingeladen zu dieser ersten Sitzung der Psychotherapeutenverbände des GK II im Jahr 2013 hatten die Deutsche Fachgesellschaft für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie e.V. (DFT), die Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation Deutschland e.V. (AVM) sowie der Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenspsychotherapeuten (bkj) als turnusgemäß gastgebende Verbände.

Der erste Sitzungstag am 20.4.2013 in München diente vorwiegend den Berichten der einzelnen Verbände und dem Austausch über die aktuellen Themen des Berufsstands. U.a. wurden hier Themen angesprochen, die  für die niedergelassenen KollegInnen relevant sind: Erleichterung des Gutachterverfahrens und Weiterentwicklung der Psychotherapie-Richtlinie, Empfehlungen an den Dachverband der PKVen, Mindeststandards für vertragliche Psychotherapie-Leistungen festzulegen, Erleichterungen für die Gruppenpsychotherapie.

Die PiA-Vertreter berichteten von dem nach den oft zitierten Arbeitsgerichts-Urteilen aus Hamburg und Hamm zur Vergütung in Kliniken stark spürbar werdenden Spannungsfeld zwischen der Bezahlung der PiA in Kliniken und dem Abbau von Klinikplätzen. Man müsse auch zweistufige Novellierungsmodelle der Psychotherapeutenausbildung weiterdenken (in Bezug auf den Zugang zur Psychotherapeutenausbildung und die Vergütung in den Kliniken). Hier sehe man mögliche Parallelen zum Rettungssanitätergesetz, in dem erst vor kurzem eine Finanzierung dieser Ausbildung auf bundesgesetzlicher Ebene beschlossen wurde.

Der GK II als Gremium, dem die meisten der psychotherapeutischen Fach- und Berufsverbände in Deutschland angehören, arbeitet auf Basis von Verfahrensregeln, die beim Treffen in München in Bezug auf die Regularien für die Aufnahme neuer Verbände aktualisiert wurden.

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Themas „Ausbildungsreform“, hierzu war Prof. Jürgen Körner (Internationale Psychoanalytische Universität Berlin) eingeladen, der in einem anschaulichen Referat sein Modell eines Direktstudiums vorstellte. Körner formulierte Maximen für ein Direktstudium, ausgehend von den Fragen „Was macht einen guten Psychotherapeuten aus? Welche Aufgaben hat er zu bewältigen?“

Das Modell Körners zeichnet sich insbesondere durch den breit angelegten, humanistischen Zugang zum Studium aus und durch eine Art „Studium Generale“ in den ersten Semestern, um ein möglichst hohes Bildungsniveau zu gewährleisten.

In der Diskussion, die die äußerst gegensätzlichen Grundeinstellungen zu Tage treten ließ, wurde u.a. kritisiert, dass eine Abkoppelung vom sog. Störungswissen und speziell von den notwendigen psychologischen Grundlagenfächern in einem möglichen neuen Direktstudium, wie Körner es vorschlägt, ein großes Risiko darstelle. Insgesamt wurde deutlich, dass die Diskussion noch lange nicht beendet sein wird. Klar wurde aber auch, dass gerade die Wissenschaftlichkeit des Ansatzes in der Psychotherapieausbildung und ein breites Fundament an Wissensvermittlung vor dem Beginn der eigentlichen psychotherapeutischen Ausbildung als äußerst wichtig angesehen wird.

Ein weiterer TOP war der Vorstellung eines Papiers von Norbert Bowe (BVVP) gewidmet, das sich kritisch mit den Grundzügen des Leitlinien-Prozesses beschäftigt. Da Leitlinien eine zunehmend wichtige Rolle spielen für die Ausgestaltung der Versorgung und vermutlich auch eine immer größere Verbindlichkeit erlangen werden, ist es wichtig, dass die Psychotherapeuten, Verbände und Kammern diese Entwicklungen ernst nehmen und engagiert und konstruktiv begleiten. Beschlossen wurde, dass der GK II zu einem der nächsten Treffen die BPtK einlädt, um das Thema Leitlinien ausführlich beraten zu können.

Kerstin Burgdorf, Heiner Vogel


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