„Zwischen Körper und Seele“ Bericht über die 19. DGVT-Workshoptagung im April 2013 in Tübingen


„Zwischen Körper und Seele - Somatoforme Störungen und körperliche Erkrankungen in der Psychotherapie“ – so lautete der Titel der 19. Workshoptagung der DGVT, die vom 11. bis zum 13. April 2013 in Tübingen stattfand. 215 TeilnehmerInnen nutzten die Gelegenheit, sich in insgesamt 17 Workshops, sechs Fallseminaren und zwei Vorträgen zu diesem Thema fortzubilden und zusätzlich kollegialen Austausch zu pflegen. 

Das Programm bildete die gesamte Bandbreite des titelgebenden Bereichs ab: In den Workshops und Fallseminaren wurde sowohl die psychotherapeutische Behandlung von Krankheitsängsten, unklaren körperlichen Beschwerden und körperdysmorpher Störung als auch die begleitende Therapie bei körperlichen Erkrankungen und Problemen wie Tinnitus, Haut- und Krebserkrankungen und Schmerzstörungen behandelt. Neben der Möglichkeit, in den Workshops durch ausgewiesene ExpertInnen neuen Input zu bekommen, wurde insbesondere die Gelegenheit, in den Fallseminaren eigene Behandlungsfälle einzubringen und mit ReferentIn und KollegInnen zu besprechen, als äußerst bereichernd erlebt.

Zwei Fachvorträge beleuchteten die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen im Bereich der somatoformen Störungen. Professor Wolfgang Hiller von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz stellte die Entwicklung der Diagnose „Somatoforme Störung“ im Laufe vieler Jahrzehnte dar und ging vor allem auf die Änderungen im Zuge des DSM-V ein. Hier stellte er die Vorteile einer konzeptuellen Perspektive gegenüber einer diagnosebezogenen Sichtweise heraus und zeigte die therapeutischen Implikationen auf.

Dr. Michael Witthöft, ebenfalls aus Mainz, befasste sich in seinem Vortrag mit dem Einfluss von Emotionswahrnehmung und -regulation bei der Entstehung und Aufrechterhaltung somatoformer Störungen. Hier zeigte er deutlich die mangelnde Befundlage des immer noch verbreiteten Alexithymie-Konzeptes auf. Das Erleben somatoformer Beschwerden scheint eher mit einer verminderten Interozeption und einem verstärkten Einsatz dysfunktionaler Regulationsstrategien in Verbindung zu stehen. Hier können neue Entwicklungen der Verhaltenstherapie gewinnbringend in der Behandlung eingesetzt werden, um die ungünstigen Prozesse zu unterbrechen.

In einem weiteren assoziierten und sehr gut besuchten öffentlichen Vortrag stellte Professor Ulrich Bartmann aus Würzburg die Lauftherapie und ihre Vorzüge in gewohnt engagierter und laufbegeisterter Art dar.

Neben der fachlichen Komponente spielte auch das Vereinsleben der DGVT eine wesentliche Rolle bei dieser Workshoptagung. Zusätzlich zur Mitgliederversammlung gab es ein Treffen der DGVT-AusbildungsteilnehmerInnen, eine Veranstaltung zu aktuellen Entwicklungen der Gesundheitspolitik und Beratungstische des Fachverbands und des jungen Berufsverbandes.

Oliver Kunz

im Namen der Aus- und Weiterbildungskommission der DGVT, die für die Planung der Workshoptagung zuständig ist

 

 

 

 

 

 


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