Psychotherapeutische Behandlung von Bundeswehrsoldaten

Die Bundespsychotherapeutenkammer und das Verteidigungsministerium haben eine Vereinbarung getroffen, die es ermöglicht, psychisch kranke SoldatInnen schneller zu versorgen.


Mit dem Ziel, dass psychisch kranke SoldatInnen zukünftig schneller einen "zivilen" psychotherapeutischen Behandlungsplatz erhalten können, haben das Verteidigungsministerium und die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) am 9. September eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Diese trat am 16. September in Kraft. Damit können ab sofort auch PsychotherapeutInnen ohne KV-Zulassung SoldatInnen behandeln. D. h. SoldatInnen mit psychischen Erkrankungen können nun in einem geregelten Verfahren auch Psychotherapeuten in Privatpraxen konsultieren.

Traumatisierte SoldatInnen sollen damit nach Aussagen Richters deutlich leichter einen ambulanten Behandlungsplatz finden, da sie nicht mehr ausschließlich auf die überlaufenen Praxen der für die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung zugelassenen Psychotherapeuten angewiesen sind.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, hat in einem Artikel (Bundeswehr-Journal vom Oktober 2013) zum Vertragsschluss zwischen Bundespsychotherapeutenkammer und dem Bundesministerium der Verteidigung darauf hingewiesen, dass es immer wieder vorgekommen sei, dass Soldatinnen oder Soldaten von Truppenärzten Probesitzungen bei Therapeuten verschrieben bekamen, eine Langzeittherapie aber von der Bundeswehr als nicht genehmigungsfähig abgelehnt wurde, weil diese Therapeuten nicht über die erforderliche Zulassung verfügten. Zudem wies er kritisch darauf hin, „dass der Vertragsschluss die Problematik der Vakanzen im Bereich der Psychiater und Psychotherapeuten mit entsprechender Erfahrung innerhalb der Bundeswehr nicht löse“.

Antrags- und Genehmigungsverfahren

Das Antrags- und Genehmigungsverfahren für die Behandlung von Bundeswehrsoldaten hat die Besonderheit, dass der Truppenarzt hier die zentrale Rolle spielt. Der Truppenarzt überweist an den Psychotherapeuten und stellt nach Diagnose- und Indikationsstellung durch den Psychotherapeuten (für die ersten 25 Stunden ist nur eine kurze, formlose Begründung notwendig und kein Bericht an den Gutachter) einen Behandlungsausweis aus. Dieser Behandlungsausweis entspricht der Genehmigung der Psychotherapie und stellt die Kostenübernahmeerklärung dar.

Details zum formalen Ablauf der Behandlung von Bundeswehrsoldaten finden sich einer Information der Bundespsychotherapeutenkammer, vgl. www.bptk.de.

BPtK plant Fortbildungen

In den nächsten Monaten will die BPtK gemeinsam mit der Bundeswehr eine erste Fortbildungsveranstaltung (voraussichtlich in Berlin) durchführen und rechtzeitig ankündigen. Diese Fortbildung wird ein Angebot an Psychotherapeuten sein, die sich insbesondere über die spezifischen Aspekte der Behandlung von SoldatInnen informieren wollen. Es sollen dann in verschiedenen Regionen weitere Veranstaltungen durchgeführt werden. Die Veranstaltungen sind auch offen für Vertragspsychotherapeuten. Eine Teilnahme an der Fortbildung ist nicht Voraussetzung für die Behandlung von SoldatInnen.

Kerstin Burgdorf


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