Herbsttagung des DDPP für psychotherapeutische Psychosenbehandlung


„Menschen mit Psychosen im Spannungsfeld zwischen Versorgung und Therapie“ war der Titel der Herbsttagung des Deutschen Dachverbandes für psychotherapeutische Psychosenbehandlung (DDPP), die vom 7. bis 9. November 2014 an der Charité in Berlin stattfand. Dieses Mal fand die Tagung in Kooperation mit dem Paritätischen (DPWV) statt, um auch hier die Bedeutung der Zusammenarbeit der unterschiedlichen „Anbieter“ zu verdeutlichen. Die Beiträge setzten sich mit verschiedenen Fragestellungen auseinander, die bereits in der Ankündigung formuliert waren, etwa: „Wie sieht die Arbeit der verschiedenen Berufsgruppen von Menschen mit Psychosen aus“ oder „Welche Inhalte, welche Methoden und welche Sprache prägt den jeweiligen Kontext?“ Dies sind sicherlich Fragen, die in der DGVT seit vielen Jahren ebenfalls immer gestellt werden und aus diesem Grunde ist es nicht verwunderlich, dass ich „viele alte Bekannte“ aus der DGVT getroffen habe, die sich weiterhin für eine andere Versorgung dieses Personenkreises aktiv einsetzen. Gerade weil es etliche, unterschiedliche Konzepte der multiprofessionellen Zusam-menarbeit gibt, erscheint es dringend notwendig, sich mit diesen auseinanderzuset-zen. Diese Konzepte umfassen den ambulanten, den stationären, und auch den „komplementären“ Bereich, aber sie bleiben oft vage und vor allen fehlt es oftmals an Verzahnung, was auch mit der Sektorisierung im deutschen Gesundheitswesen zu tun hat. So ist auch die Frage „Was geschieht eigentlich ‚hinter der Tür‘ des anderen?“ wohl nicht immer geklärt, führt aber sicherlich hin und wieder zu Unter- oder auch zu Doppelversorgung, was für die Betroffenen dann leider ebenfalls zu einer suboptimalen Versorgung führt. Gerade die Kooperation von „alltagsweltlich orientierten“ Helfern in der Eingliede-rungshilfe und Psychotherapeuten aus dem ambulanten und dem stationären Bereich leidet häufig. Die Helfer haben aus den genannten Gründen wenig Kontakt und vor allem wenig Kooperation miteinander und das einander Zuarbeiten, im Sinne der betroffenen Menschen, ist sicher ausbaufähig. Denn, wie die Organisatoren unterstellen, es besteht eine große Sprachlosigkeit, die überwunden werden muss, um die Hilfen zu optimieren. Dem Ziel, einen Interessens- und Wissenstransfer zwischen den unterschiedlichen Gruppen zu ermöglichen und damit eine professionelle Zusammenarbeit zum Selbstverständnis werden zu lassen, sollten die verschiedenen Fallkonferenzen, Workshops und Vorträge dienen. Ich möchte die Themen der verschiedenen Workshops auflisten, um die unterschiedlichen Ansätze zu belegen, auch wenn es immer nur möglich ist, einen dieser Workshops zu besuchen und sich damit auseinander zu setzen.

-         Kontaktgestaltung zwischen PatientIn/KlientIn, BezugsbetreuerIn und PsychotherapeutIn

-         Spektrum der Methodik von Psychotherapie in der Nervenarztpraxis; psycho-dynamisch, verhaltenstherapeutisch

-         Integrierte Psychotherapie-Leistung im Rahmen der Eingliederungshilfe

-         Umsetzung von Elementen des psychotherapeutischen Denkens und Handelns im Berufsalltag?

-         Kurzzeittherapie als Krisenintervention

Bei den verschiedenen, insgesamt sehr interessanten Vorträgen möchte ich auch nur die Themen auflisten, da es mir unmöglich ist, alle Inhalte angemessen zu referieren.

-         Nachdenken über den Begriff der Chronifizierung

-         Familie, soziale Netzwerke und psychiatrische Versorgung am Beispiel der Psykiatri SÖdra Stockholm

-         Psychotherapie bei Menschen mit komplexem Hilfebedarf

-         Denkfallen entschärfen: Metakognitives Training bei Psychosen

-         Psychodynamische Psychotherapie von Menschen mit Psychosen

-         Die Individualisierung von Krankheits- und Genesungskonzepten (auch) in der stationären psychiatrischen Akutbehandlung

Es war wieder einmal ein umfangreiches und spannendes Programm und ich freue mich bereits jetzt auf die nächste Tagung (08.05.- 10.05.2015: Titel: Psychose und Trauma).

Rudi Merod, Bad Tölz


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