Neues zur Ausbildungsreform


In der letzten Ausgabe der Rosa Beilage haben wir ausführlich über die am 25. Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) in München gefassten Beschlüsse zur künftigen Ausbildung von PsychotherapeutInnen berichtet. Mehrheitlich wurde ein Modell verabschiedet, das anstelle der bisherigen postgradualen Ausbildung die Einrichtung eines Psychotherapie-Hochschulstudiums vorsieht, das mit einem Staatsexamen mit Approbation abschließt. Unsere Vorbehalte gegen eine Direktausbildung, die sich vor allem auf die besonders umstrittene Frage des Zeitpunkts der Approbation beziehen, konnten auch auf dem DPT nicht ausgeräumt werden. Die Stellungnahmen von DGVT, DGVT-AusbildungsAkademie und DGVT-Berufs-verband hierzu sind ebenfalls in der Rosa Beilage 4/14, S. 8 ff. abgedruckt. Die DGVT wird den Gesetzgebungsprozess engagiert und kritisch-konstruktiv begleiten und darauf achten, dass die Novellierung der Psychotherapieausbildung nicht zu einem Qualitätsverlust in der beruflichen Qualifikation der PsychotherapeutInnen und damit in der PatientInnenversorgung führt und die eigentlichen akuten Ziele der Reformdiskussionen Eingang in den Gesetzgebungsprozess finden: Einerseits eine Verbesserung der Situation der AusbildungsteilnehmerInnen, speziell bei der Vergütung der Praktischen Tätigkeit in psychiatrisch-klinischen Einrichtungen, die oft ohne Bezahlung läuft, und andererseits eine Lösung der Zugangsfrage: In der Folge der Bologna-Reform der Studiengänge kam es in den letzten Jahren zu einer über die Bundeslandgrenzen hinweg problematischen Verwirrung bei den Zugangskriterien für die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Immerhin hat der DPT auch beschlossen, eine Lösung der akut bestehenden Zugangsproblematik sofort anzustreben und den ganzen Reformprozess davon abhängig zu machen, dass sich die Finanzierungsfragen zuverlässig lösen lassen.

Aufgrund des o. g. DPT-Beschlusses hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und die Verbände zu einem Treffen am 5. Februar 2015 eingeladen, um in „einen Diskussionsprozess einzutreten mit dem Ziel einer Reform der Psychotherapeutenausbildung“. Es ist vorgesehen, dass die BPtK bei diesem Termin den Beschluss des DPT vorstellt und anschließend als Einstieg in die Diskussion die Deutsche Gesellschaft für Psychologie die von ihr erarbeiteten Vorstellungen zur Struktur eines Direktstudiums Psychotherapie erläutert.

Die BPtK ihrerseits hat einen Projektplan erstellt, dessen Ziel die Präzisierung der Forderungen des 25. DPT an eine Reform als Grundlage für die Mitwirkung an den Vorarbeiten des BMG und dem sich anschließenden Gesetzgebungsverfahrens. Sie kommt ihrer Informationspflicht nach durch verschiedene anberaumte Termine mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Verbände staatlich anerkannter Institute (BAG), den Fach- und Berufsverbänden im GK II, der Bundeskonferenz PiA sowie der relevanten Organisationen der Hochschullehrer im Laufe des Februars 2015.

Zur Lösung der Zugangsproblematik fordert die BPtK, durch eine bundeseinheitliche Verwaltungsvorschrift der Bundesländer den Master als Zugangsvoraussetzung für eine Psychotherapeutenausbildung sicherzustellen. Mit Blick auf die unterschiedliche Zugangspraxis der Bundesländer, stellt die BPtK in ihrer Stellungnahme unmissverständlich klar, dass für die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen keine Absenkung im Qualitätsniveau der Ausbildung hinnehmbar ist und eine solche auch im geltenden Gesetz nicht angelegt ist. Vielmehr werde bereits in der Gesetzesbegründung (zum Psychotherapeutengesetz von 1998!) darauf hingewiesen, dass gerade Kinder und Jugendliche gemäß Grundgesetz besonders schützenswert sind. Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen ist somit nur mit einem Qualitäts- bzw. Ausbildungsniveau, das dem der Behandlung von Erwachsenen entspricht, angemessen möglich.

Die Bundespsychotherapeutenkammer vertritt die Auffassung, dass bereits nach heutiger Rechtslage die Zulassung zur Psychotherapieausbildung mit einem Bachelorabschluss nicht rechtmäßig sei. Daraus leitet sie die Forderung an die Bundesländer ab, ihre Verwaltungspraxis so zu gestalten, dass nur ein Masterabschluss den Zugang zur Psychotherapieausbildung ermöglicht.

Einige Bundesländer haben allerdings schon deutlich gemacht, dass sie die Rechtslage anders sehen und eine Verwaltungsvorschrift nicht ausreichend ist, sondern nur eine Gesetzesänderung den allseits gewünschten Masterzugang sicherstellen kann.

Die DGVT-AusbildungsAkademie sieht es deshalb als dringlich an, mit einer Gesetzesänderung – unabhängig von der Gestaltung einer Direktausbildung – im ersten Schritt eindeutige Klarheit in der Zulassungsfrage herzustellen.

Dass die hohe Qualität der Psychotherapieausbildung, gerade auch der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, nur auf Grundlage ausreichender wissenschaftlicher Vorkenntnisse gesichert bleiben kann, ist aus fachlicher Sicht ohne Einschränkung richtig. Es muss daher das unbedingte Ziel sein, hier neben dem Diplom schnell und eindeutig eine Masterqualifikation als Zugangsvoraussetzung zu etablieren. Deshalb muss jetzt im ersten Schritt zügig in den anstehenden Gesprächen mit politischen Verantwortungsträgern auf eine gesetzliche Regelung gedrängt werden, unabhängig von der Weiterentwicklung des Psychotherapeutengesetzes. Die derzeitige Rechtslage bietet keine hinreichende Grundlage für eine einheitliche Verwaltungspraxis, und die Zeit bis zu einer etwaigen umfassenden Novellierung des PsychThG kann aus den beschriebenen Qualitätsgründen nicht abgewartet werden. Zur konkreten Ausgestaltung einer solchen Gesetzesänderung liegen mittlerweile diverse Vorschläge vor.


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