Bericht der Landesgruppe Rheinland-Palz (Rosa Beilage zur VPP 3/2015)


Am 22.6.15 traf sich die DGVT-Landesgruppe Rheinland-Pfalz in Mainz. Wir werden uns bemühen, das nächste Treffen (voraussichtlich Ende 2015 oder Anfang 2016) in der Region Trier bzw. Pfalz stattfinden zu lassen (aufgrund der langen Anfahrtszeiten). Als Gast war Kerstin Burgdorf von der DGVT-BV-Bundesgeschäftsstelle in Tübingen anwesend. Sie stellte die Änderungen vor, die mit dem neuen Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) auf psychotherapeutische Praxen zukommen werden.

Im Folgenden sind die wichtigsten Änderungen zusammengefasst:

  • Ab 140 % Überversorgung droht der Aufkauf bzw. die Stilllegung von Praxissitzen durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV). In Rheinland-Pfalz sind nach dieser Rechnung 62 Sitze "zu viel", d.h. gefährdet. Herr Roscher von der evangelischen Erziehungsberatungs-stelle in Mainz wies darauf hin, wie absurd dies anmutet, da sie sehr viele Therapieanfragen bekämen und nicht wüssten, an wen sie überhaupt verweisen sollten, da alle KJP im Umkreis ausgebucht seien.
  • Die Umgehensweise der KVen mit diesem Thema ist sehr unterschiedlich und derzeit noch nicht vorhersehbar. Es wurde vorgeschlagen, dass die Landeskammern unbedingt noch einmal die Wartezeiten erheben sollten. Sabine Maur bat um eine Differenzierung der Wartezeiten nach PP und KJP, da die Wartezeiten im KJP-Bereich häufig sogar noch länger seien als die der PP.
  • Wichtig sei auch, unter den Niedergelassenen publik zu machen, wie man Sitze schützen könne. Auch sei zu überlegen, wie Praxisabgeber und solche, die auf der Suche nach einem Praxissitz sind, zusammengebracht werden können.
  • Das sog. "Verzichtsmodell" ist eine Option des Verkaufs eines Praxissitzes, ohne dass die KV den Sitz einbehalten kann. Dieses Verfahren ist allerdings relativ aufwändig und erfordert drei aktive KollegInnen. Ein Erfahrungsbericht dazu ist in der Rosa Beilage 4-2014 (S. 55) zu finden (http://www.dgvt.de/fileadmin/user_upload/ Dokumente/Rosa_Beilage/Rosa_ Beilage_Heft_4-2014.pdf).
  • Mit den neuen gesetzlichen Regelungen sollen auch "vorbereitende und ergänzende Maßnahmen" zur Therapie delegiert werden können. Bisher war nur die Delegation der Testdiagnostik möglich. Zunächst ist dies eine begrüßenswerte Erweiterung, allerdings sind die Inhalte wie auch die Honorierung derzeit noch völlig ungeklärt, ebenso die Frage, wer mit welcher Qualifikation solche Maßnahmen durchführen darf. Es ist hier darauf zu achten, dass es nicht indirekt zu einer Abwertung psychotherapeutischer Aufgaben kommt.
  • Die im GKV-VSG vorgesehenen Befugniserweiterungen für PsychotherapeutInnen werden frühestens ab 2017 in Kraft treten. Der G-BA muss zunächst die genaue Ausgestaltung formulieren. Zudem müssen die Niedergelassenen entsprechend informiert werden durch die KVen (genauer Ablauf, Formulare). Insgesamt werden die Befugniserweiterungen als ein Fortschritt für den Berufsstand gesehen. Leider sei die Verordnung von Ergotherapie und Logopädie nicht ins Gesetz aufgenommen worden.
  • Die psychotherapeutische Sprechstunde werde wohl frühestens Mitte 2016 kommen. Es sei sehr wichtig, dass die Kammern und Verbände Forderungen bzgl. der Gestaltung der Sprechstunde stellen, natürlich auch mit angemessener Honorierung. Das Angebot einer Sprechstunde soll zunächst freiwillig sein. Berufspolitisch ist es aber wichtig, dass unser Berufsstand hier aktiv wird und Best Practice-Modelle erarbeitet.
  • Die KV wird in Zukunft strenger kontrollieren, ob die Versorgungsaufträge erfüllt werden. In RLP ist dies bereits jetzt der Fall.
  • Es wird eine Vereinfachung des Gutachter-Verfahrens kommen, die genaue Ausgestaltung ist noch unklar. Voraussichtlich wird u.a. der der 15(+4)-Antragsschritt wegfallen. Der G-BA ist dazu aufgefordert, bis Januar 2017 die Bedarfsplanungs-Richtlinie zu überarbeiten mit dem Ziel, „eine bedarfsgerechte und wohnortnahe Versorgung sicherzustellen“.
  • MVZs dürfen in Zukunft auch von Psychotherapeuten geleitet werden.
  • Die neuen Konditionen zum Jobsharing sind eine wirkliche Verbesserung, weil die Kapazitätsobergrenze angehoben wird (genaue Stundenzahl noch nicht festgelegt). Dies wird auch zu einer Verbesserung der Versorgung führen. Der DGVT-BV arbeitet an der Be-reitstellung von Jobsharing-Verträgen.

Sabine Maur
Landessprecherin Rheinland-Pfalz


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