Intergremientreffen am 28. November 2015 in Berlin


Einmal im Jahr kommen VertreterInnen des gesamten DGVT-Verbunds – Fachverband mit Fort- und Weiterbildung und Verlag sowie AusbildungsAkademie – und des DGVT-Berufsverbands (DGVT-BV) zusammen, um sich über die aktuellen Entwicklungen auszutauschen und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Das sogenannte Intergremientreffen fand am 28. November 2015 in Berlin statt. 

Zunächst berichteten Vorstand, Kommissionen und Fachgruppen über ihre aktuellen Projekte und Entwicklungen in ihrem Bereich. Alle Einzelheiten sind nachzulesen in den Rechenschaftsberichten des Vorstands, der Gremien und Fachgruppen von DGVT und DGVT-Berufsverband; beide Berichte werden zur Mitgliederversammlung (MV) 2016 vorgelegt und in der nächsten VPP abgedruckt.

Der Vorstand informierte die TeilnehmerInnen des Intergremientreffens des Weiteren über die Stellungnahmen, mit denen sich DGVT und DGVT-BV im Jahr 2015 zu gesundheits- und sozialpolitischen bzw. berufspolitischen Themen positioniert haben. Berichtet wurde auch über die Mitarbeit an der weiteren Entwicklung von Leitlinien. Auch auf dieses Thema wird der Vorstand im Rechenschaftsbericht der DGVT ausführlich eingehen. Außerdem wird die DGVT ein Gutachten in Auftrag geben zu „neuen ambulanten Versorgungsformen und –angeboten außerhalb der Richtlinienpsychotherapie“. Es geht dabei um eine Sichtung und kritische Bewertung von laufenden Modellen und Entwicklungen.

Einen Überblick über die Entwicklung der AusbildungsAkademie im Jahr 2015 und einen Ausblick auf 2016 gab der Sprecher der AusbildungsAkademie Alfred Luttermann. Derzeit hat die Akademie 849 TN im PP-Bereich und 384 TN im KJP-Bereich plus 238 TN PP und 281 TN KJP bei den Kooperationsinstituten. Die KJP Zahlen bleiben stabil, obwohl beschlossen wurde, keine Bachelor-AbsolventInnen zuzulassen. Die Akademie hat bei der Prüfung im Herbst 2015 17% aller Prüflinge bundesweit gestellt.

Die Ausbildungsreform ist eines der drängendsten Probleme, die die DGVT und die DGVT-AusbildungsAkademie beschäftigt. Hierzu haben sie sich gemeinsam mit den KollegInnen aus dem DGVT-BV bei einer Tagung am 3. Oktober 2015 in Dortmund getroffen und ein Positionspapier erarbeitet, das in der VPP 4/15 abgedruckt war.

Brauchen wir eine psychosoziale Enquete nach dem Vorbild der Psychiatrie-Enquete ist ein Thema, mit dem sich das Forum Beratung der DGVT intensiv beschäftigt. Dabei stellte sich die Frage, ob es nicht bereits eine Fülle von psychosozialer (Armutsberichte, Kinder- und Jugendberichte, Gesundheitsberichte, Stressberichte, Migrationsberichte…) Berichterstattung von unterschiedlichen Stellen (Krankenkassen, Bundestag, Bundesministerien u.a.) gibt und ob eine Enquete dann nicht nur „mehr desselben“ produziert. Nach Sichtung der verschiedenen Berichte durch das Forum Beratung kam man zu der Erkenntnis: Die vorliegenden Berichte über die sehr diversifizierten Felder der psychosozialen Versorgung sind umfassend. Einer zusätzlichen Situationsanalyse bedarf es vermutlich nicht. Die Berichte enthalten sowohl beschreibendes Material als auch Empfehlungen zu Anpassung und Veränderung. In allen Berichten tauchen ähnliche kritische Aspekte auf, die offenbar nur sehr schwer einer Lösung zugeführt werden können. Dazu wäre ein ganzheitlicher Blick auf die gesellschaftliche Situation und ein Handeln quer über die verschiedenen Felder erforderlich. Die kritischen Aspekte sind insbesondere:

  • Stehen angemessene Kapazitäten zur Versorgung der angesprochenen Zielgruppen zur Verfügung (Unter-, Über- oder Fehlversorgung)?
  • Werden die KlientInnen über die Angebotsstrukturen wirklich erreicht (Komm-Struktur, aufsuchende Arbeit, gemeindenahe Angebote, Dunkelziffer)?
  • Welche Inklusionskompetenzen sind erforderlich und wie werden sie gesichert?
  • Wie wird die notwendige Netzwerkarbeit der beteiligten Institutionen/Personen strukturell und wirtschaftlich abgesichert (Teilnahme an Konferenzen, Gesundheitskonferenzen, Psychosoziale Arbeitsgemeinschaften (PSAG), Hilfeplangespräche)?
  • Wie lässt sich eine klientenorientierte Durchlässigkeit der unterschiedlichen Angebots-/Versorgungssektoren organisieren und wie kann man  professionelle und institutionelle Brücken zwischen den Sektoren bauen?
  • Wie kann eine sektorübergreifende eindeutige Finanzierung der Leistungen erreicht werden, die die bestehenden Zuständigkeitskonflikte zwischen den Kostenträgern aufhebt?

Das Forum Beratung wünscht sich, dass die DGVT die Initiative ergreift, ein psychosoziales Positionspapier zu entwickeln, in dem ein gesamtgesellschaftlicher Überblick über die psychosoziale Versorgung verbunden wird mit dem Ziel  gesellschaftliche Kräfte zu bündeln, um in einer gemeinsamen gesellschaftlichen Kraftanstrengung, die oben genannte Fragen endlich zu beantworten. Dazu sollen befreundete Verbände und Organisationen als PartnerInnen gewonnen werden.

Die DGVT stellt sich immer wieder neuen Herausforderungen: Ein weiteres Thema, mit dem sich die DGVT seit einiger Zeit auseinandersetzt, ist die Internettherapie. Dazu hat Mechthild Greive ein umfassendes Papier am Vortag zur Länderkonferenz vorgelegt, das ausführlich diskutiert wurde. Die DGVT wird zu diesem Bereich ein Positionspapier entwickeln und es Anfang 2016 vorlegen. Im Rahmen des Kongresses 2016 wird es zudem ein Länderratsforum geben zum Thema „Neue Medien in der Verhaltenstherapie“, bei dem u. a. Prof. Knaevelsrud auf dem Podium sein wird.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt war, was macht die DGVT aus? Was ist die „Marke DGVT“? Im Rahmen der Workshoptagung fand im März 2015 hierzu bereits ein Workshop statt. Die TeilnehmerInnen gingen dabei folgenden Fragen nach:

Was ist unter dem Etikett „DGVT“ zu verstehen?

Welche Werte haben sich herausgebildet?

Wie spiegeln sich diese Werte in den vier DGVT-Einheiten (DGVT, DGVT-Verlag, DGVT-AusbildungsAkademie und DGVT-Berufsverband) wider?

Der Workshop ergab vier gemeinsame Punkte, die in den vier DGVT-Einheiten unterschiedlich stark ausgeprägt sind:

1)    Gesundheitspolitik/soziale Versorgung

2)    Servicegedanke

3)    VT-Profil

4)    Binnenstruktur Partizipation

Beim Intergremientreffen wurde nun der Punkt „Gesundheitspolitik“ weiter diskutiert mit dem Ziel einer Begriffsklärung. Wie verstehen wir die aktuelle gesundheits- und sozialpolitische Lage, insbesondere mit Blick auf die psychosoziale Versorgung der Bevölkerung und welche Forderungen leiten wir daraus ab?

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit wurde ein Brainstorming mit Themensammlung zu einem ersten Entwurf  zusammengeführt, der dann in den einzelnen Gremien weiter diskutiert werden soll. 

Last but not least stehen in der DGVT Jubiläen an, und zwar 2016 das 30-jährige Bestehen der Fachgruppe „Frauen in der psychosozialen Versorgung“ und 2018 das Jubiläum „50 Jahre DGVT“. Hierzu wurden erste Ideen gesammelt.

Waltraud Deubert

 

 

 

 

 


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