BPtK-Symposium am 17. Oktober 2016 zum Thema „Frauen in die Berufspolitik!“ Das Heft in die eigene Hand nehmen


Bei der letzten Wahl des Vorstandes der Bundespsychotherapeutenkammer war ja bekanntermaßen nur eine Frau gewählt worden – und das bei einem Berufsstand, der zu 72 % weiblich ist (und in Zukunft einen Frauenanteil von 90 % haben wird – Männer werden da zur seltenen Art). Auch das Präsidentenamt in den Landeskammern haben überwiegend Männer inne (67 %). In der DGVT war bis März 2016 der Vorstand ausschließlich mit Männern besetzt – und das in einem Verein, der sich selbst als besonders gesellschaftskritisch und links verortet sieht. Im erweiterten Vorstand findet man nur eine Frau unter 5 Männern, und auch bei den LandessprecherInnen der DGVT sind die Männer mit 15:12 vorne, ebenso bei den LeiterInnen der Ausbildungszentren.

Vor diesem Hintergrund war es (schon längst) Zeit für ein Symposium mit dem programmatischen Titel „Frauen in die Berufspolitik!“, das am 17.10.16 in Berlin von der BPtK veranstaltet wurde. Erstaunlicherweise mussten die Frauen sich diesmal nicht von Männern erzählen lassen, wie es geht und wie man es macht, sondern es beeindruckten eine Reihe von exzellenten Referentinnen. Eine Zusammenfassung der einzelnen Vorträge und die dazugehörigen Präsentationen finden sich auf der Website der BPtK (http://www.bptk.de/aktuell/einzelseite/artikel/das-heft-in.html).

Es gab zu folgenden Punkten einen breiten Konsens:

  • Eine verbindliche Quote ist als "Anschub" unabdingbar.

  • Frauen brauchen Vernetzung und hilfreiche Strukturen. Solche hilfreichen Strukturen (für Familien! - nicht nur für Frauen) sind z.B. Möglichkeiten der Kinderbetreuung, Vertreterlösungen und Aufwandsentschädigungen.

  • Wichtig ist, jüngere interessierte Frauen aktiv anzusprechen und Mentorinnen-Programme zu etablieren.

Die DGVT sollte sich meiner Meinung dringend überlegen, welche dieser Punkte sie zeitnah etablieren kann (es gibt da ja sicher schon Überlegungen zu). Es ist dabei nicht nur Aufgabe der Frauen, für solche Verbesserungen zu sorgen, sondern selbstverständlich eine Aufgabe des Gesamtverbandes. Verbesserungen kommen auch den Männern zugute, von denen man ja hört, dass auch sie verstärkt auf eine Work-Family-Balance achten.

Von Seiten der BPtK wird eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Frauenförderung eingerichtet. Ein erstes Treffen findet am 24.11. in Berlin statt. Erstes Ziel muss eine Quote für die Gremien der BPtK sein.

Ein Schmankerl zum Schluss: Alle ZuhörerInnen waren besonders beeindruckt, als Gesine Agena von den GRÜNEN berichtete, dass es dort eine Redelistenquotierung gebe (Männer und Frauen sprechen abwechselnd), weil Frauen nun mal eher zurückhaltend diskutieren und Männer länger und mehr sprechen, auch wenn längst alles gesagt ist. Diese Erkenntnis fand Dietrich Munz, seines Zeichens BPtK-Präsident, völlig neu und erstaunlich. Beim nächsten DPT werde ich mal die Redezeiten protokollieren - hard data.

Sabine Maur


Zurück