Gesundheitsversorgung: Stärkung der Kommunen - Fraktionsbeschluss Bündnis 90/Die Grünen vom 27.09.2016


(wd). Die Bedürfnisse der PatientInnen müssen zum zentralen Maßstab werden, damit aus der reinen Krankenversorgung eine echte Gesundheitsversorgung wird. Doch das Netz der Gesundheitsversorgung trägt nicht mehr in allen Orten gleich gut. In einigen Regionen gibt es inzwischen große Lücken, in anderen zu viel des Guten. Immer deutlicher werden die Defizite eines hauptsächlich auf zentraler Planung und Steuerung basierenden Gesundheitswesens. Es mangelt an Zusammenarbeit im Dienste der PatientInnen. Die Grünen Bundestagsfraktion will die Gesundheitsvorsorger in den Kommunen, vor Ort, besser vernetzen. 

Näher dran: Gesundheitsort Kommune

Die grüne Bundestagsfraktion will den Kommunen mehr Einfluss auf die Gesundheitversorgung geben. Kommunen sind näher beim Menschen als andere Institutionen. Sie gestalten ganz entscheidend das Leben der Menschen vor Ort. Sie sehen die Chance, Hürden zwischen ambulanten Einrichtungen und Krankenhäusern, falsche Anreize und ökonomische Egoismen zu überwinden. Ihr Ziel ist, dass die Bedürfnisse der PatientInnen und Patienten und ihr Gesundheitsnutzen zum zentralen Maßstab werden und so aus der reinen Krankenversorgung eine echte Gesundheitsversorgung wird. Mit Gesundheitsregionen und weiteren Instrumenten wollen sie die Zusammenarbeit stärken und den Blick für die Patienteninteressen schärfen.

Versorgung schaffen mit Gesundheitsregionen

Interessierte Landkreise oder Kommunen sollen durch ein Initiativrecht die Möglichkeit bekommen, sich mit den Krankenkassen vor Ort zu einer „Gesundheitsregion“ zusammenzuschließen: Sie soll die Gesundheitsversorgung in den Städten und Dörfern sicherstellen. Um die konkrete Organisation der Versorgung würde sich ein integriertes Gesundheitsunternehmen (Gesundheitsverbund) kümmern, mit dem „Gesundheitsregion“ einen Vertrag abschließt.

Gesundheitsregionen sollen die Gesundheit der Menschen stärken. Zugleich können so Kassen, Pflegekräfte, Apotheken, Ärzte und Krankenhäuser besser Hand in Hand arbeiten – und die bestehenden Grenzen dabei überwinden.

Kommunale Gesundheitszentren: Hand in Hand für die Patienten

Die grüne Bundestagsfraktion will auch die heutigen medizinischen Versorgungszentren (MVZ) zu Gesundheitszentren ausbauen. Als Herzstück guter Versorgung vor Ort sollen sie die Angebote der Gesundheitsförderung und der Gesundheitsversorgung unter einem Dach vereinen. Die PatientInnen sollen im Mittelpunkt stehen. Das heißt, dass Ärztinnen und Ärzte insbesondere der Primärversorgung (Hausärzte) und anderer Fachgebiete sowie weitere Gesundheitsberufe in einem Haus untergebracht sind. Qualifizierte Pflegekräfte erhalten eine gestärkte Rolle.

Ein starkes Hilfenetz für Pflege

Kommunen müssen die Möglichkeit bekommen, alle Hilfe- und Pflegeangebote vor Ort zu vernetzen und aufeinander abzustimmen. Die Nachbarschaft ist der Lebensraum, in dem sich der Alltag abspielt. Der Raum, der Möglichkeiten bietet, aber auch Versorgungslücken offenbart. Die Grünen wollen, dass Menschen auch bei Hilfe- und Pflegebedarf in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Deshalb ist eine unabhängige, neutrale und mit anderen Unterstützungsangeboten abgestimmte Pflegeberatung vor Ort nötig.

Akteure besser vernetzen

In etlichen Bundesländern gibt es mittlerweile auf kommunaler oder regionaler Ebene Gesundheitskonferenzen. Gemeinsames Ziel der Beteiligten in den Konferenzen: Die Menschen in der Region sollen möglichst lange gesund bleiben und gut versorgt werden. Diese Konferenzen müssen weiter gestärkt werden. Etwa mit einer besseren Vernetzung durch eine bundesweite Plattform der Gesundheitskonferenzen. So können Erfahrungen besser ausgetauscht werden.

Von großer Bedeutung für wirksame kommunale Gesundheitskonferenzen ist darüber hinaus auch ein starker öffentlicher Gesundheitsdienst.

Weitere Informationen finden sie auf der Homepage von Bündnis 90/die Grünen unter www.gruene-bundestag.de/themen/gesundheit.html


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