Informationen zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter den Vorgaben der neuen Psychotherapie-Richtlinie


Für KJP sind einige Punkte der Reform der Psychotherapie-Richtlinie von besonderem Interesse. Alle Regelungen der Psychotherapie-Richtlinie gelten grundsätzlich auch für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Die Besonderheiten sowie weitere Neuerungen für KJP sind folgende: 

Soziales Umfeld

Neu bei der psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist u.a., dass künftig „relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld“ in die Behandlung einbezogen werden können. Damit sind erstmals auch andere Personen als Eltern und Partner denkbar. Anmerkung: Schon bisher  wurde die Möglichkeit, Bezugspersonenstunden in Anspruch zu nehmen, teils großzügig ausgelegt auch für Lehrer und Erzieher. Dies wurde nun klargestellt mit der neuen Formulierung in § 9 der Psychotherapie-Richtlinie (neu):

Bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen kann es notwendig werden, für die Behandlung der Störung relevante Bezugspersonen auch aus dem sozialen Umfeld einzubeziehen.“

Bezugspersonenstunden

Für Bezugspersonenstunden gilt derzeit die Regelung in § 9 Psychotherapie-Verein-barung:

  1. Bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen ist es häufig notwendig, Gespräche unter psychodynamischen bzw. verhaltenstherapeutischen Gesichtspunkten zur Einbeziehung von Bezugspersonen in das Therapiekonzept zu führen. 

  2. In der Begründung zum Antrag ist anzugeben, ob und in welchem Umfang eine solche Einbeziehung der Bezugspersonen als notwendig angesehen wird. 

  3. Die für diese Einbeziehung vorgesehene Stundenzahl soll ein Verhältnis von 1:4  zur Stundenzahl des Patienten möglichst nicht überschreiten.

  4. Die in diesem Verhältnis für die Einbeziehung der Bezugspersonen bewilligte Stundenzahl ist der Stundenzahl für die Behandlung des Patienten hinzuzurechnen.

  5. Ist eine höhere Stundenzahl für die Einbeziehung der Bezugspersonen therapeutisch geboten, ist dies zu begründen.

  6. Wird hierfür eine höhere Stundenzahl bewilligt, so reduziert sich die Stundenzahl für die Behandlung des Patienten entsprechend. 

  7. Stellt sich im Verlauf  der Einbeziehung von Bezugspersonen heraus, dass eine Psychotherapie der Bezugsperson notwendig ist, bedarf es dafür eines eigenen Antrags.

  8. Es ist derzeit nicht damit zu rechnen, dass diese Regelung in § 9 der Psychotherapie-Vereinbarung (s.o.) geändert werden soll von den Vertragspartnern des Bundesmantelvertrags (KBV und Kassen).

Bitte gehen Sie daher von der bisherigen Verfahrensweise aus, dass Bezugspersonenstunden im Verhältnis 4:1 vorgesehen sind. „Diese Relation kann in besonderen Fällen verändert werden, wenn dies aus therapeutischen Gründen unerlässlich erscheint und im Bericht vom Therapeuten begründet wird“ (vgl. Faber/Haarstrick, Kommentar zur PT-Richtlinie, 10. Aufl., S. 55).

Altersgrenzen

Im Sinne der Richtlinie sind Kinder Personen, die noch nicht 14 Jahre alt sind und Jugendliche Personen, die 14, aber noch nicht 21 Jahre alt sind.

Neben dieser Klarstellung wurde auch eine Ausnahmeregelung hinzugefügt:

§ 1 Abs. 4 Psychotherapie-Richtlinie (neu):

Eine mit Mitteln der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie begonnene Behandlung kann auch erst nach Vollendung des 21. Lebensjahres abgeschlossen werden, wenn damit der Therapieerfolg abgesichert wird. Grundsätzlich haben Patienten ab 18 Jahren Anspruch auf eine Erwachsenentherapie – dann gelten die Regelungen für Erwachsene.

Sprechstunde

Bei Kindern und Jugendlichen können im Krankheitsfall bis zu 250 Minuten Psychotherapeutische Sprechstunde stattfinden, 100 Minuten können dabei auch mit relevanten Bezugspersonen ohne Anwesenheit des Kindes oder Jugendlichen stattfinden.

Probatorik

Bei Kindern und Jugendlichen können 2 bis 6 probatorische Sitzungen durchgeführt werden. Relevante Bezugspersonen können einbezogen werden.

Rezidivprophylaxe

Bei Kindern und Jugendlichen können, bei Hinzuziehung von relevanten Bezugspersonen, bei einer Behandlungsdauer von 40 oder mehr Stunden maximal 10 Stunden, bei 60 oder mehr Stunden maximal 20 Stunden für die Rezidivprophylaxe genutzt werden.

Kerstin Burgdorf


Zurück