Bericht über die 16. DGVT-Praxistage der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie am 4. und 5. November 2017 in Berlin


„Spiel-Raum-Therapie“, so das Motto der 16. DGVT-Praxistage der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Berlin. Dass es wichtig ist, dem Spiel Platz in der therapeutischen Arbeit einzuräumen, geht aus dem Zitat von Hans Zulliger „Das Spiel ist die Sprache des Kindes“ hervor. Nur so können wir wirklich verstehen, was uns unsere Patientinnen und Patienten mitteilen wollen. Das Spiel ist Teil ihrer Lebenswelt. Uns in ihrer Welt zurechtzufinden erfordert somit auch, uns in ihrer Spielwelt zurechtzufinden. Deswegen war es der Vorbereitungsgruppe, bestehend aus VertreterInnen der Fachgruppe Kinder und Jugendliche, der Aus- und Weiterbildungskommission (AWK), des gastgebenden Ausbildungszentrums in Berlin sowie hauptamtlichen Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle in Tübingen, nicht nur wichtig, ein umfangreiches und vielfältiges Programm zu bieten, sondern auch das gewisse Ambiente mithilfe kreativer Aussteller zu schaffen. Somit erhoben wir an diesem Wochenende das Spiel auch zu unserer Lebenswelt. Der Kerngedanke hinter dem „verspielten“ Motto war es, jegliche Art von Spielen – egal ob Rollenspiele, freies Spielen, Gesellschaftsspiele oder Kartenspiele – als Medium zwischen TherapeutIn und PatientIn nutzbar machen zu können, um so nicht nur die Ausdrucks- und Bewältigungsmöglichkeiten des Kindes zu erkennen, sondern auch besser auf die jungen PatientInnen eingehen zu können. Und so fanden sich über 200 TeilnehmerInnen, ReferentInnen und das Organisationsteam am 04. und 05. November 2017 an der EBC Hochschule in Berlin-Schöneberg ein. 

Die 16. Praxistage starteten mit dem Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Rolf Oerter mit dem Titel „Nur wer spielt, ist ganz Mensch – Ein theoretischer Zugang mit großen praktischen Konsequenzen“. Prof. Dr. Oerter gelang es, durch einen lebendigen Vortrag Interesse an den unterschiedlichen Ebenen des Spiels bei der Zuhörerschaft zu wecken. Durch wissenschaftliche Erkenntnisse bot er einen Einblick in die biologischen und evolutionären Vorteile, die das Spiel bietet. So ergaben sich bspw. Hinweise darauf, dass sich im Spiel deutlich geringere Ermüdungszustände zeigen, die sich zukünftig nicht nur in der Arbeit mit Kindern als nützlich erweisen können.

Rund um das Thema Spiel-Raum-Therapie drehten sich auch anschließend die 14 angebotenen Workshops, die mit 19-26 TeilnehmerInnen ausnahmslos gut besucht waren. Die Inhalte umfassten u. a. die Einsatzmöglichkeiten des therapeutischen Puppenspiels und deren Bedeutung; das Eltern-Kind-Spiel-Training – Ein Programm zur Beziehungsstärkung und Ressourcenaktivierung; die Parent-Child Interaction Therapy (PCIT); die kinderorientierte Familientherapie; und Gesellschaftsspiele als Intervention in Therapie und Beratung. Die TeilnehmerInnen zeigten ein reges Interesse an den angebotenen Themen und gaben in der Evaluation unter anderem an, sie hätten gern die Möglichkeit gehabt, mehr als zwei Workshops zu besuchen.

An dieser Stelle sollen beispielhaft zwei Workshops genauer beschrieben werden:

Im Kurzworkshop von Hiltrud Bierbaum-Luttermann ging es um die Nutzbarmachung des Spiels als Trancephänomen. Die Dozentin veranschaulichte die hypnotherapeutische Wirkung des Spiels und verdeutlichte ihre Ausführungen durch Übungen. Durch den Einbezug von Videobeispielen gestaltete sie das Lernumfeld für die TeilnehmerInnen sehr lebendig. Außerdem machte sie auch die Relevanz eines achtsamen und bedürfnisorientierten Eingehens auf unsere PatientInnen deutlich. Der Workshop von Frau Bierbaum-Luttermann war ausgebucht und wurde von den TeilnehmerInnen sehr gut angenommen.

Iris Schulte-Pankoke gestaltete am Sonntag einen sehr lebendigen Langworkshop zum Titel „Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß“. Hier gab es für die TeilnehmerInnen eine Einführung in die Ego-State-Therapie. Der Fokus lag vor allem in der Psychoedukation sowie dem Eruieren der Ego-States unserer PatientInnen. Mithilfe der Geschichte des Rumpelstilzchens zeigte die Dozentin eine Möglichkeit auf, die Theorie der Ego-States auch den PatientInnen greifbar zu machen. Es gab für die TeilnehmerInnen vielfach die Möglichkeit, sich untereinander und auch mit der Dozentin über eigene Fälle auszutauschen, Fragen zu stellen sowie die Arbeit der Dozentin im Rollenspiel mitzuerleben. Der Workshop von Frau Schulte-Pankoke war mit 24 TeilnehmerInnen ebenfalls sehr gut besucht und wurde in der Evaluation von den Anwesenden bestens bewertet.

Vom Thema abweichend, doch nicht minder wichtig, ist der alljährlich Workshop für alle InteressentInnen einer Ausbildung im Bereich Psychotherapie bei der DGVT mit dem Titel „Der Weg ist das Ziel oder: Was soll ich nur nach dem Studium machen? Ein Workshop für Studierende mit Interesse an einer Psychotherapie-/Verhaltenstherapie-Ausbildung“. Nina Engstermann, Eva-Maria Greiner und Gerd Per konnten nicht nur einen Überblick über die psychosozialen und therapeutischen Berufsfelder geben, sondern auch die Ausbildung zum/zur Psychologischen PsychotherapeutIn bzw. Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn bei der DGVT näher beleuchten, um sich anschließend den kritischen Fragen der TeilnehmerInnen zu stellen. 

Die Fachgruppe KiJu stellte sich und ihre Arbeit am Samstagabend vor. Das Interesse an dem Treffen war so groß, dass der Raum leider nicht ausreichend Platz für alle Interessierten bot. Alfred Luttermann gab hier nochmals eine kurze Einführung in das Thema Spiel-Raum-Therapie und veranschaulichte den Anwesenden, wie bestimmte Therapieziele im spielerischen Setting erreicht werden können. Er machte deutlich, dass das Spiel oftmals in seiner Relevanz unterschätzt werde und forderte die anwesenden Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen dazu auf, in Zukunft mehr hinter der Entscheidung zum Spiel zu stehen und dies auch den Familien gegenüber kompetent zu vertreten.

Die hohen Besucherzahlen der Tagung unterstreichen noch einmal die Bedeutung des Themas „Spiel“ in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Das Gesamtfeedback der TeilnehmerInnen zeigt, dass die Tagung sehr gut angenommen wurde. Vor allem die Auswahl der Themen und ReferentInnen sowie die positive Stimmung kamen bei den TeilnehmerInnen besonders gut an. Allerdings hätten sich sowohl die ReferentInnen als auch die TeilnehmerInnen mehr Zeit zum Austausch von Ideen und Themen gewünscht. Einige negative Rückmeldungen gab es auch zu den engen Räumlichkeiten der Veranstaltung, worauf in Zukunft noch mehr geachtet werden soll.

Das Organisations-Team der DGVT-Praxistage freut sich auf die 17. DGVT-Praxistage am 03. und 04. November 2018 in Münster, bei denen es um das Thema „Am Limit – Therapeutische Grenzsituationen“ gehen wird.

Karolin Stengel (Sprecherin FG KiJu)

 


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