PsychotherapeutInnen in der Großorganisation ver.di


VPP-Rubrik „Informationen aus der Gewerkschaft ver.di“

Die DGVT hat eine historisch gewachsene enge Beziehung zur Gewerkschaft ver.di, wie auch schon zur Vorgängergewerkschaft ÖTV. Fast alle Bereiche des Öffentlichen Dienstes, des Gesundheitswesens, der Kirchlichen Träger oder der Wohlfahrtsverbände, in denen PP oder KJP arbeiten, fallen in die Tarifzuständigkeit von ver.di. Ver.di ist die Gewerkschaft, in der die meisten PP und KJP organisiert sind.

Klaus Thomsen wird an dieser Stelle regelmäßig zu wichtigen gewerkschaftlichen Themen, die die angestellten DGVT-Mitglieder betreffen, berichten.


Ver.di wurde nach langen Vorverhandlungen 2001 aus den Altgewerkschaften ÖTV, DAG, HBV, der Postgewerkschaft und der IG Medien gegründet. Ver.di hat aktuell knapp über 2 Mio. Mitglieder. Das breite Spektrum von mehreren hundert Berufen ist 13 Fachbereichen zugeordnet, die einerseits wie Einzelgewerkschaften agieren und für ihren Bereich autonom Tarifverträge abschließen, andererseits aber auch wieder in die ver.di-Gesamtstruktur integriert sind, die sich nach 10 Landesbezirken aufgliedert, die teilweise mehrere Bundesländer umfassen. Diese Doppelhierarchie ist in ver.di unter dem Begriff „Matrix“ bekannt und führt zu einem sehr komplexen Organigramm.

PsychotherapeutInnen werden federführend vom Fachbereich 3 „Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen“ vertreten. Die Tarifabteilung dieses Fachbereiches koordiniert z. B. auch alle Tarifprojekte, von denen unsere Berufe betroffen sind, denn Psychotherapeuten findet man auch in anderen Fachbereichen wie Sozialversicherungen, Bund/Länder, Gemeinden oder Bildung/ Wissenschaft/Forschung. Die ver.di-Bundesfachkommission PP/KJP ist direkt dem Vorstand des Fachbereiches 3 zugeordnet und hat dort einen kooptierten Sitz.

Die besonders bekannten Flächentarife des Öffentlichen Dienstes TVöD-kommunal, TVöD-Bund und TV-L (=Bundesländer) werden aber nicht vom Fachbereich 3 direkt verhandelt, sondern hauptsächlich vom Tarifsekretariat ÖD und das gehört organisatorisch zu den Fachbereichen 6 und 7. Hier zeigt die „Matrix“ ihre Tücken, denn als recht kleine Berufsgruppe müssen sich die PsychotherapeutInnen nicht nur im Fachbereich 3 Gehör verschaffen, sondern unsere Belange müssen über den „Dreier“ an die entscheidenden Verhandler in anderen Fachbereichen weitertransportiert werden. Bei den Tarifverhandlungen zu diesen Flächentarifen entscheiden letztendlich Tarifkommissionen, die über hundert Personen umfassen, von denen wiederum weniger als ein Fünftel aus dem Gesundheitsbereich kommen.

Neben der Fachkommission PP/KJP gibt es noch eine aktive PiA-AG im Fachbereich 3. Die Fachkommission versucht, die Interessen der Berufsgruppe in offizielle ver.di-Politik zu formen. Dazu wurden über die letzten 15 Jahre Beschlüsse auf Bundeskonferenzen vorbereitet und gefasst, mehrere Broschüren veröffentlicht und drei Tagungen (zwei mit der BPtK) ausgerichtet. Unsere Fachkommission ist zwar nur eine von vielen, aber eine der rührigsten und sie hat es geschafft, dass unsere Berufe innerhalb von ver.di inzwischen sehr bekannt sind.

Diese Bekanntheit hat sich leider nur sehr zäh in entsprechende Tariferfolge umsetzen lassen. Zwar gab es schon 1998 eine erste Entgeltordnung in einem Konzerntarif, in der die Psychologischen Psychotherapeuten seinerzeit explizit eine Gleichstellung mit Fachärzten erfuhren, aber danach wurden die Verhandlungen immer schwieriger. Besonders in den Flächentarifen ist der Weg unendlich lang. Eine Einordnung der Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen in das Berufeverzeichnis im Bereich Soziales und Erziehung geriet unglücklich. Sie wurden dort ohne Rücksprache mit der Fachkommission dem wahrscheinlich ausgestorbenen Beruf der „Psychagogen“ gleichgestellt und landeten in der Entgeltgruppe 11, weit entfernt von der Forderung nach EG 15. Das konnte glücklicherweise im Mai 2016 wieder korrigiert werden, aber dieses Mal wurde die Eingruppierung für die PP und KJP im Kommunalbereich (Gemeinden und Kreise) in die EG 14 ausverhandelt, wieder ohne rechtzeitige Rücksprache mit der Fachkommission. Befriedigend daran ist aber die Gleichstellung aller PsychotherapeutInnen, denn es wird nicht nach Erststudium unterschieden. Der Kampf um die EG 15 wird weitergeführt. Endgültiges Ziel ist die „facharztäquivalente“ Vergütung für PP und KJP, wie sie in mehreren Beschlüssen von ver.di gefordert wird.

Vorverhandlungen zur Weiterentwicklung der Entgeltordnung der Länder haben begonnen

Ver.di und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) haben im Hinblick auf die Entgeltverhandlungen 2019, anlässlich der auch die Entgeltordnung wieder angepasst werden soll, mit Vorgesprächen begonnen. In fünf paritätisch besetzten Arbeitsgruppen (6 : 6 VerhandlerInnen beider Seiten) sollen wesentliche Regelungsinhalte vorab geklärt werden. Der ver.di-Fachkommission PP/KJP ist es dieses Mal gelungen, einen ihrer Vertreter in die Arbeitsgruppe 2 zu entsenden. Dr. Harry de Maddalena, Personalrat am Uniklinikum Tübingen, hat es in einer Sitzung am 4./5. Oktober 2017 erreicht, dass die Wünsche der Psychologischen PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen offiziell auf die Agenda gesetzt wurden. In der Anlage A (=Entgeltordnung des TV-L) sollen im Teil II (=Tätigkeitsmerkmale für besondere Beschäftigtengruppen) unter Ziffer 2 (=Ärzte, Apotheker, Tierärzte und Zahnärzte) ein zusätzlicher Unterabschnitt für PP und KJP eingefügt werden „…da diese mit den Fachärzten vergleichbar sind (= EG 15). In der Zeit nach dem Praktikum, aber vor der Approbation Eingruppierung in die EG 14.“

Soweit ist unsere Berufsgruppe bei Verhandlungen zu den Entgeltordnungen der Flächentarife im Öffentlichen Dienst noch nie gekommen. Im Mai 2016 wurde die Fachkommission PP/KJP von einer ausverhandelten Lösung (EG 14) für die EGO im TVöD (Kommunalbereich) überrascht. Es bestand nur noch die Gelegenheit, redaktionell Einfluss zu nehmen, so dass der irreführende Text zur speziellen Tätigkeitsbeschreibung korrigiert werden konnte. Das Protokoll der o. g. Arbeitsgruppe 1 ist aber noch kein Verhandlungserfolg, denn bislang hat die Arbeitgeberseite die Eingruppierungswünsche für die PsychotherapeutInnen nur zur Kenntnis genommen. Dennoch ist durch die Teilnahme unseres Kollegen an den Vorverhandlungen dieses Mal sichergestellt, dass frühere Fehler aus den TVöD-Verhandlungen einfach übertragen werden. Man darf aber davon ausgehen, dass die Arbeitgeber der Länderverwaltungen darauf bestehen werden, die Zuordnung der EG 14 zu übernehmen.

Vom TV-L betroffen sind PsychotherapeutInnen in Universitäten und Unikliniken vieler Bundesländer, im Strafvollzug, Schulbehörden, Polizeibehörden und anderen Landesinstitutionen. In Baden-Württemberg unterliegen auch die Landespsychiatrien dem TV-L.

Im Hinblick auf die nächsten Verhandlungstermine der Arbeitsgruppen ab Ende Januar 2018 wäre es sehr hilfreich, wenn sich PsychotherapeutInnen, für die der TV-L gilt, regional zusammenschlössen und mit Aktionen auf sich aufmerksam machten.

Werden Sie Mitglied bei ver.di

Viele Eintritte bei ver.di mit dem Verweis auf die laufenden Eingruppierungsverhandlungen könnten sehr hilfreich sein. Die Fachkommission wie auch der DGVT-Berufsverband nehmen entsprechende Hinweise auf Aktionen (in den sozialen Medien, kleine Kundgebungen oder kollektive Eintritte) gern entgegen. Sie können sehr dabei helfen, unserem Kollegen in den Vorverhandlungen den Rücken zu stärken.

 

Über den Autor:

Klaus Thomsen ist Sprecher der ver.di-Bundesfachkommission Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen (FK PP/KJP) und gleichzeitig Mitglied im Ausschuss „Psychotherapie in Institutionen“ der Bundespsychotherapeutenkammer (PTI). Er arbeitet als angestellter Psychotherapeut in einer Rehaklinik an der Ostsee und als Vertragspsychotherapeut mit halbem Kassensitz in Flensburg.

E-Mail: info@thomsen-psychotherapie.de

 


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