Psychotherapeut*innen in Ausbildung protestieren


DGVT unterstützt Forderungen nach angemessener Entlohnung und sozialrechtlichen Verbesserungen in der Psychotherapie-Ausbildung

Im Rahmen des bundesweiten Protestes für eine Reform der Ausbildung protestierten Psychotherapeut*innen in Ausbildung (PiA) am 5. Mai 2018 in Hamburg in Kooperation mit der Psychologie-Fachschaft der Universität Hamburg auf dem Jungfernstieg. Im April und Mai fanden bundesweit in 16 Städten Protestkundgebungen der Psychotherapeut*innen in Ausbildung (PiA) statt. Der psychotherapeutische Nachwuchs machte damit auf Missstände in der Ausbildung aufmerksam, für die seit Jahren seitens der Politik Verbesserungen in Aussicht gestellt wurden – ohne dass bis heute tatsächlich etwas davon umgesetzt worden wäre.

Die PiAs wollen sich nicht mehr länger mit der Ankündigung einer Ausbildungsreform vertrösten lassen. Eine solche wird seit langem diskutiert. „Im Koalitionsvertrag ist der Abschluss der Reform in dieser Legislatur vorgesehen. Entsprechende Übergangsfristen werden jedoch dazu führen, dass PiAs voraussichtlich in den nächsten 12 bis 15 Jahren weiterhin unter den prekären Ausbildungsbedingungen arbeiten werden müssen“, heißt es in einer Resolution, die zusammen mit mehr als 22.500 Unterschriften am 6. Juni an Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags übergeben wurde (siehe hierzu Bericht von Benjamin Seifert und Mechthild Leidl im Anschluss).

Daher müssten umgehend Übergangsregelungen bis zur endgültigen Reform der Ausbildung geschaffen werden, fordern die PiAs. Wichtige Kernpunkte müssten dabei eine angemessene Bezahlung der praktischen Tätigkeit, die Regelung des sozialrechtlichen Status von PiAs sowie deren Einbezug bei der Ausbildungsreform sein. Im Rahmen der Psychotherapie-Ausbildung absolvieren PiAs unter anderem 1800 Stunden in einer Klinik. Bis heute gibt es trotz zahlreicher Initiativen in der Vergangenheit keine einheitliche Regelung für die Vergütung dieser Tätigkeit. PiAs sprechen von einer „Null- bis Kaum-Honorierung ihrer Arbeit“, obwohl sie in den Kliniken vollwertige Leistungen in der Patientenversorgung, verantwortlich und überwiegend selbständig erbrächten.

Die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT), die mit ihrer DGVT-AusbildungsAkademie bundesweit an 19 Standorten Ausbildungsgänge in Psychologischer Psychotherapie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie anbietet, unterstützt die Forderungen der PiAs seit langem mit großem Nachdruck. Wie die Gewerkschaft Verdi sieht die DGVT dringenden Handlungsbedarf, der keinen weiteren Aufschub duldet. Zumindest eine Untergrenze für die Entlohnung von Psychotherapeut*innen in Ausbildung hätte seitens der Politik längst festgesetzt werden müssen, wie von der  DGVT bereits vor Jahren gefordert. Die prekäre Situation der privaten Selbstfinanzierung in der langjährigen Ausbildung darf nicht länger fortbestehen. Dabei geht es nicht nur um eine faire Bezahlung für geleistete Arbeit, sondern auch um die Frage, ob sich in Zukunft noch genügend Nachwuchs für diesen Beruf finden lässt.

Die DGVT begrüßt die neuerliche bundesweite Initiative der PiAs sowie die jüngsten Forderungen der PiAs an der Charité Berlin und fordert die zuständigen Gesundheitspolitiker*innen, Krankenhäuser und sonstigen Beteiligten auf, kurzfristig für eine Verbesserung der Situation zu sorgen.

Waltraud Deubert

 

PiA übergeben Petiton an Gesundheitsausschus

Zur Unterstützung der PiA-Forderungen wurde im Rahmen des halbjährlich stattfindenden verbändeübergreifenden PiA-Politik-Treffens (PPT) eine Petition auf der Plattform „WeAct“ gestartet, die sich an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Bundestages richtet. Bis zur Übergabe haben 25.515 Personen diese Petition namentlich unterstützt.

Am Morgen des 6. Juni 2018 versammelten sich etwa 50 PiA und Approbierte vor dem Deutschen Bundestag zu einer Protestveranstaltung. Die beiden Mitglieder des Bundestages Dirk Heidenblut (SPD) und Maria Klein-Schmeink (Grüne) gesellten sich zu den Protestierenden, um mit ihnen zu diskutieren, und signalisierten ihre Unterstützung für die Belange der PiA und der Petition.

Die Anwesenden betonten im Austausch mit den beiden Politikern vor allem, dass im Reformprozess im Rahmen von Übergangsregelungen die Bezahlung der jetzigen PiA gesetzlich geregelt werden müsse. Die Finanzierung der Weiterbildung dürfe zudem nicht auf den Schultern der zukünftigen PiW ausgetragen werden.

Da aktuell jährlich über 2.000 PiA im bisherigen System ihre Ausbildung beginnen und sich aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen mit geringem bis gar keinem Lohn in der Praktischen Tätigkeit meist in prekäre Lagen bringen, müssen zwingend mit der Reform auch Verbesserungen für die aktuellen PiA erwirkt werden. Die beiden Politiker nannten diese  nun seit beinahe 20 Jahren bestehende Situation für die PiA einen unhaltbaren Zustand und sicherten zu, sich für zeitnahe Verbesserungen einzusetzen.

Beide zeigten sich darüber hinaus offen dafür, im weiteren Reformprozess auch Vertreter der PiA einzubeziehen.

Anschließend begab sich das Organisations-Team des PPT (dem auch Mechthild Leidl und Benjamin Seifert von der PiA-AG der DGVT angehören) in das Paul-Löbe-Haus, wo wir Erwin Rüddel (CDU), den Vorsitzenden des Ausschusses für Gesundheit des Deutschen Bundestages, die 25.515 Unterschriften auf zwei 6m langen Papierrollen übergaben. Herr Rüddel versprach uns anschließend, den Ausschussmitgliedern von unserer Petition und den darin enthaltenen Forderungen zu berichten.

Vor dem Gebäude des Bundestages warteten wir dann auf Jens Spahn, der auf dem Weg zur Sitzung des Gesundheitsausschusses direkt an den Protestierenden und ihren Transparenten vorbeilief, und konnten kurz mit ihm sprechen. Er sicherte uns zu, dass die Reform des Psychotherapeutengesetzes baldmöglichst erfolgen solle und im Herbst mit weiteren konkreten Vorschlägen des Ministeriums zu rechnen sei.

Wir sind gespannt!

 

Mechthild Leidl (München) und Benjamin Seifert (Berlin) für die DGVT-PiA-AG

 

 


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