GESUNDHEITSPOLITISCHE NOTIZEN


Patienteninformation Insomnie: Hilfe gegen schlaflose Nächte? – ÄZQ legt neue Broschüre zum Thema Schlafprobleme vor

Viele Menschen kennen das: Man kriegt nachts kein Auge zu, obwohl man müde ist. Dann fängt man an nachzudenken, wälzt sich im Bett umher und wacht ständig auf. Tagsüber ist man gerädert und bringt nichts zustande. Wer häufig – trotz Müdigkeit – nicht schlafen kann, hat viele Fragen: Woher kommen meine Schlafprobleme? Kann mich die Schlaflosigkeit krank machen? Was kann ich selbst dagegen tun? Helfen Medikamente? Vor diesem Hintergrund hat das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), eine gemeinsame Einrichtung von Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), ein Informationsblatt zur Insomnie „Schlaflose Nächte: Warum? Was hilft?“ entwickelt.

Die neue Patienteninformation beschreibt allgemein verständlich, was eine Insomnie ist und welche Ursachen es dafür geben kann. Außerdem erfahren Betroffene, welche Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten Fachleute aktuell empfehlen – von der Kognitiven Verhaltenstherapie über die medikamentöse Behandlung bis hin zu weiteren hilfreichen Verfahren. Daneben finden sie praktische Tipps, wie sie schon vor Beginn einer Behandlung mit einfachen Verhaltensweisen wieder besser schlafen können.

Das Informationsblatt ist in der Reihe „Kurzinformationen für Patienten“ erschienen. Im Auftrag von BÄK und KBV hat das ÄZQ bislang zu über 75 Themen qualitätsgesicherte Informationen erstellt. Sie informieren evidenzbasiert über Erkrankungen oder andere Gesundheitsthemen. Zu ausgewählten Themen liegen Übersetzungen in Arabisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch und Türkisch vor. Praxen und Kliniken können die Patienteninformationen kostenlos weitergeben oder auslegen.

Die Patienteninformation steht zum Download bereit unter www.baek.de/insomnie

Quelle: BÄKground, Informationsdienst der Bundesärztekammer, September 2018

Kurzinformationen für Patient*innen aktualisiert

Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin hat vier Kurzinformationen für Patient*innen auf den neuesten Stand gebracht. Sie behandeln die Themen Asthma („Asthma – wenn Atmen schwer fällt“), Endometriose („Unterleibsschmerzen, ungewollt kinderlos – habe ich Endometriose?“), Herzschwäche („Herzschwäche – was für Sie wichtig ist“) und Melanom („Schwarzer Hautkrebs: meist gut zu behandeln“). Alle Texte beruhen auf dem derzeit besten verfügbaren Wissen und werden nach einer strengen Methodik erstellt.

Ärzte, Pflegekräfte und andere medizinische Fachleute können die neuen Kurzinformationen kostenlos herunterladen, ausdrucken, an Interessierte weitergeben oder im Wartebereich auslegen.

Weiterführende Links zum Download der jeweiligen Patientenbroschüren auf der BÄK-Webseite unter www.patienten-information.de/kurzinformationen/

Quelle: BÄKground, Dezember 2018

 

Bundesregierung will Gesundheitsforschung fördern

Ende November hat das Bundeskabinett das „Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung“ beschlossen. Mit ihm soll die Gesundheitsforschung an Hochschulen, Universitätskliniken, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in der Wirtschaft gefördert werden. Patientinnen und Patienten sollen mit Hilfe des Programms noch schneller von Innovationen und medizinischem Fortschritt profitieren. So sollen etwa Patientinnen, Patienten, Angehörige und das medizinische Fachpersonal frühzeitig in die Forschung eingebunden werden, um ihre Erfahrungen und Anliegen einbringen zu können. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen sich über die Grenzen von Fachdisziplinen und Institutionen hinweg enger vernetzen und langfristig miteinander kooperieren.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt jährlich rund zwei Milliarden Euro für die Förderung von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung im Förderbereich „Gesundheitsforschung und Gesundheitswirtschaft“ zur Verfügung. Hinzu kommen seitens anderer Ressorts weitere Ausgaben in Höhe von 500 Millionen Euro pro Jahr für Projektförderung, institutionelle Förderung und Ressortforschung.

Das Programm wird das gegenwärtig gültige Programm aus dem Jahr 2010 ablösen und hat eine Laufzeit von zehn Jahren.

Weitere Informationen: www.bmbf.de/de/gesundheitsforschung-136.html

 

Neue S3-Leitlinie zur Gesundheitsversorgung von transsexuellen Menschen

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat eine S3-Leitlinie zur Gesundheitsversorgung von transsexuellen Menschen veröffentlicht: „Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit“. Federführende Fachgesellschaft ist die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS). Schwerpunkt der Leitlinie ist die Diagnostik, Beratung und Behandlung bei gesundheitlichen Belastungen im körperlichen, psychischen und psychosozialen Bereich. „Aus Sicht der Trans-Community kann diese Leitlinie ein wichtiger Schritt im Rahmen einer weiteren Entpathologisierung sein“, hieß es aus der Bundesvereinigung Trans*(BVT*), die ebenfalls an der Leitlinie mitgearbeitet hat. 

Weitere Informationen: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/138-001.html

 

Frauen – Arbeit – Gesundheit: Aktuelle Herausforderungen, neue Perspektiven
Erfolgreiche 3. Frauengesundheitskonferenz 2018

Am 3. September 2018 fand in Hannover bereits zum dritten Mal die Frauengesundheitskonferenz der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) statt. Die Konferenz wurde durch eine visuelle Live-Dokumentation (Graphic Recording) begleitet. In Audio-Mitschnitten und einem Film erhalten Sie Eindrücke vom erfolgreichen Verlauf der 3. Frauengesundheitskonferenz.

Weitere Informationen zum Programm und den Dokumentationen finden Sie unter
www.frauengesundheitsportal.de/konferenzen/frauengesundheitskonferenz-2018/programm/

 

Im Bundestag sieht es ziemlich grau aus
Wieder weniger Frauen im Bundestag. Ver.di fordert neues Gesetz

Vor 100 Jahren konnten Frauen in Deutschland erstmals an Wahlen teilnehmen, aktiv wie passiv. 37 Frauen wurden am 19. Januar 1919 in die Weimarer Nationalversammlung gewählt, das machte einen Frauenanteil von 87 Prozent aus. Getoppt wurde das im westdeutschen Bundestag erstmals 1957, zweistellig ist der Frauenanteil erst seit den 1980er Jahren.

Aktuell liegt der Frauenanteil im Bundestag bei 30,6 Prozent. Verglichen mit dem Bundestagswahlen, die 2013 stattgefunden haben, ist das ein Rückgang um sechs Prozentpunkte. Auch in den meisten Bundesländern sinkt die Zahl der weiblichen Abgeordneten.

Eine wirkungsvolle Quote muss her, wenn das Parlament ein Abbild der Gesellschaft sein will. Deshalb machen sich die ver.di-Frauen für ein Paritätsgesetz mit verbindlichen Frauenquoten bei der Aufstellung von Wahllisten und Direktkandidatinnen und -kandidaten stark. Beispiele dafür gibt es in anderen europäischen Ländern wie Norwegen. 51 Prozent der Deutschen sind weiblich. Entsprechend sollten sie in der Politik repräsentiert sein, auf allen Ebenen. Denn Parlamente treffen Entscheidungen, die sich auf die Gesellschaft auswirken. Wer Gleichberechtigung erreichen will, muss auch dafür sorgen, dass mehr Frauen in den Parlamenten vertreten sind.

Quelle: VER.DI PUBLIK 8 - 2018

 

Anne-Klein-Frauenpreis – Ausgezeichnete Ärztinnen

Der Anne-Klein-Frauenpreis 2019 wird an die hessischen Ärztinnen Kristina Hänel, Natascha Nicklaus und Nora Szász verliehen. Diese drei praktizierenden Ärztinnen verteidigen das Informationsrecht von Frauen. Sie sind nach § 219a angeklagt, gesetzeswidrig für Schwangerschaftsabbrüche zu werben. Die Jury der Heinrich-Böll-Stiftung „würdigt den Mut und konkreten Einsatz der Medizinerinnen, nicht kleinbeizugeben, sondern eine alle Frauen betreffende rechtliche Grundsatzfrage auszufechten, ungeachtet dessen, ob Frauen dieses Recht in Anspruch nehmen wollen oder nicht.“

Der Prozess gegen Kristina Hänel wurde mittlerweile an das Oberlandesgericht in Frankfurt am Main überwiesen, der Prozess gegen Natascha Nicklaus und Nora Szász wird am Landgericht Kassel am 28. Januar 2019 wieder aufgenommen. Die Verleihung des Anne-Klein-Frauenpreises findet am 1. März 2019 in Berlin statt. Dr. Marion Hulverscheidt, Kassel

Quelle: Dr. med. Mabuse, Nr. 237, 44. Jg.

 

 

Welt-Aids-Tag – Noch keine Entwarnung

Fast eine Million Menschen mit HIV sind im vergangen Jahr an Aids gestorben – trotz neuer Forschung, Medikamente und Diagnostik. Zum 30. Welt-Aids-Tag (jährlich am 1. Dezember) sieht die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen deshalb keinen Grund zum Feiern: „Die Welt hat sich an Nachrichten gewöhnt, in denen die Bekämpfung von HIV als Erfolg dargestellt wird. Und sicherlich ist an einigen Orten insbesondere im globalen Norden, die Situation heute nicht mit der vor 30 Jahren vergleichbar. Der allgemeine Eindruck mag sein, das Schlimmste sei vorbei, doch so ist es nicht“, sagte HIV-Expertin Florence Anam. Ärzte ohne Grenzen befürchtet sogar eine Ära der Rückkehr von Aids. Zwar würden heute 75 Prozent der Menschen mit HIV ihren Status kennen, doch das allein reiche nicht aus. Sie müssten behandelt werden – aber die internationale Finanzierung gehe zurück. „Ohne politisches Engagement und kontinuierliche Finanzierung wird es weder eine Ausweitung der Test und Behandlungen noch eine Verringerung der Todesfälle durch Aids geben“, so die Expertin.

Nur die Hälfte der Kinder mit HIV habe 2017 die benötigte medizinische Behandlung erhalten, da in vielen ärmeren Ländern keine kindgerechte antiretrovirale Medikation verfügbar sei. Dabei leben rund 90 Prozent der betroffenen Kinder in den Ländern Subsahara-Afrikas. Insbesondere die Pharmaindustrie müsse mehr und schneller in die Forschung und Entwicklung kindgerechter Präparate investieren, betonte Ärzte ohne Grenzen.

Quelle: Dr. med. Mabuse, Nr. 237, 44. Jg.

 

DGSP-Jahrestagung – Psychische Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe

Vom 15. Bis 17. November 2018 fand in Magdeburg die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e. V. (DGSP) statt. 350 Teilnehmer*innen diskutierten dort das Thema „Sozialpsychiatrische Versorgung unter dem Gesichtspunkt gesellschaftlicher Ungleichheiten“.

Petra Gromann sprach über die Teilhabeplanung nach den Grundsätzen des Bundesteilhabegesetzes und betonte, dass zur Förderung der Teilhabe auch die Veränderung der Lebensbedingungen des Individuums gehöre. Hermann Elgeti zeigte regionale Unterschiede und Potenziale von Sozialpsychiatrischen Diensten als kommunale Pflichtaufgabe auf, während Hans Joachim Salize auf die Ungleichbehandlung und Vernachlässigung marginalisierter Gruppen (z. B. Kinder in prekären Verhältnissen, psychisch Kranke im Strafvollzug oder Flüchtlinge) verwies, die gravierende Folgen für die Gesellschaft habe. Er machte deutlich, dass Handlungsoptionen vorhanden seien, und er appellierte direkt an die Anwesenden, an Veränderungen in ihrem Arbeitsfeld mitzuwirken.

Angelika Lacroix erläuterte, welches Potenzial die Einführung von Genesungsbegleitern in das psychosoziale Versorgungssystem birgt, und Henning Daßler sprach über Empowermentstrategien zur Entwicklung von Hilfsstrukturen. Denn angesichts ökonomischer Zwänge und dem Erleben von „Entmächtigung“ im gemeindepsychiatrischen Alltag gebe es aufseiten der Professionellen häufig keinen Willen zu notwendigen innovativen Veränderungen. Insbesondere durch Netzwerkbildung und fachpolitisches Engagement ließe sich dem entgegenwirken.

In 17 Workshops hatten die Teilnehmer*innen Gelegenheit, sich über Handlungsansätze zur verbesserten Teilhabe in verschiedenen Kontexten auszutauschen. Die Themen reichten hier von der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung über Möglichkeiten der beruflichen Teilhabe im ländlichen Raum oder die Rolle und den Wert von Bildung bis hin zur Diskussion einzelner Modellprojekte und des Capabilities Approach.

Aufgabe der DGSP sei es, sich weiterhin und verstärkt für gesellschaftliche Strukturen einzusetzen, die Menschen nicht ausschließen, so Stefan Corda-Zitzen, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der DGSP: „Soziale Psychiatrie verstehen wir als Psychiatrie im Kontext von Gemeinwesen, sozialen Sicherungssystemen und Politik. Hilfen für psychisch erkrankte Menschen sind in diesem Feld zu organisieren.“ Mit Blick auf die psychisch Erkrankten, die sich heute nicht als Teil der Gesellschaft fühlen, sagt er: „Ihnen wollen wir eine Stimme geben. Ihnen müssen wir beistehen, um sie wieder in die Mitte der Gesellschaft zu holen“.

Insgesamt wurde deutlich, dass es regionale und gesellschaftliche Strukturen sind, die dazu führen können, dass sich Menschen der Gesellschaft nicht zugehörig fühlen. Ein Fazit der Tagung ist: Arbeit in sozialen Einrichtungen erfordert immer auch politische Gestaltung, um sich anwaltschaftlich für die Menschen zu engagieren, die dort Hilfe suchen. Die Tagungsdokumentation findet man unter: www.dgsp-ev.de

Quelle: Dr. med. Mabuse, Nr. 237, 44. Jg.

 

Waltraud Deubert


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