Großes Interesse an Kassenwatch-Plattform

Der DGVT-Berufsverband Psychosoziale Berufe (DGVT-BV) hat bei einer Veranstaltung in Mainz am 10. September 2019 seine interaktive Datenbank „Kassenwatch“ vorgestellt. Mit ihr werden Fälle ungerechtfertigter Ablehnungen der Kostenübernahme für psychotherapeutische Behandlungen seitens der Krankenkassen dokumentiert und eine Vernetzung unter den Betroffenen hergestellt. Das Projekt stieß bei den Teilnehmer*innen auf großes Interesse.


Organisiert wurde das Treffen von den beiden DGVT-Landessprecherinnen für Rheinland-Pfalz, Dr. Andrea Benecke und Kathrin Macha. Eingeladen für einen Vortrag war die Initiatorin von „Kassenwatch“: Dr. Felicitas Bergmann, niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin.

Schon in der einleitenden Gesprächsrunde wurde deutlich, dass es teils große Probleme mit der Kostenerstattung in der Psychotherapie gibt. Inzwischen übernehmen die Krankenkassen offenkundig solche Kosten nur noch in Ausnahmefällen. Die Ablehnung wird mit teilweise hanebüchenen Argumenten begründet. Berichtet wurde sogar von Fällen, in denen Anträge ungeöffnet von den Kassen wieder zurückgeschickt wurden.

Dabei ist die Rechtslage unverändert und eindeutig: Gesetzlich Versicherte haben das Recht, sich bei zu langen Wartezeiten von Kassentherapeut*innen in privaten Praxen behandeln zu lassen und sich die Kosten von der Krankenkasse erstatten zu lassen. Dieses sogenannte Kostenerstattungsverfahren, das früher in mehr als 80 Prozent der beantragten Fälle erfolgreich vollzogen wurde, wird mittlerweile von den Krankenkassen sabotiert. Zumeist wird auf die Einrichtung der sogenannten Terminservicestellen verwiesen, wodurch nun alle Patient*innen versorgt seien.

In Wirklichkeit bieten diese Stellen bestenfalls den Zugang zu einer Erstberatung. Eine anschließende zeitnahe Therapie ist damit aber keineswegs gesichert. Im Gegenteil belegen aktuelle Untersuchungen angesichts des Mangels an niedergelassenen Psychotherapeut*innen weiterhin in vielen Regionen Deutschlands monatelange Wartezeiten, die für viele Hilfesuchende eine zusätzliche Belastung darstellen und den Behandlungserfolg erschweren. Statt ihren Versicherten Wege zur Therapie aufzuzeigen und sie zu unterstützen, setzen die Krankenkassen offenkundig auf Kostenminimierung um buchstäblich jeden Preis.

Diesem unhaltbaren Zustand soll „Kassenwatch“ entgegenwirken, indem dort online Fallmeldungen zu Ablehnungen, Verzögerungen und Rechnungskürzungen durch Krankenkassen in der Kostenerstattung eingetragen werden können (https://kassenwatch.de/). Damit bietet die Plattform Psychotherapeut*innen, die in der Kostenerstattung tätig sind, Zugriff auf Informationen, kollegialen Austausch sowie Expert*innen-Rat. Es ergibt sich zudem ein Überblick, welche Krankenkassen regional wie agieren. Registrierte Mitglieder, die dort Eintragungen vornehmen, können so dazu beitragen, den Druck auf die Krankenkassen zu erhöhen. Vorgestellt wurden bei der Veranstaltung in Mainz auch Einzelfälle, bei denen die Existenz von „Kassenwatch“ bereits eine Wirkung auf die Kassen entfaltet hat.

In einer regen Diskussion tauschten sich die Anwesenden über ihre Erfahrungen aus und begrüßten die Möglichkeit zur Vernetzung. Felicitas Bergmann erläuterte die rechtlichen Aspekte und die Möglichkeiten, sich gegen eine Ablehnung des Kosterstattungsverfahrens zur Wehr zu setzen. Deutlich wurde aber auch: Für das Ziel, Patient*innen einen besseren und transparenteren Zugang zu psychotherapeutischen Angeboten zu schaffen und die Kassen dazu zu bringen, ihren Verpflichtungen nachzukommen, wird es eine dem tatsächlichen Bedarf entsprechende Zahl zusätzlicher Niederlassungsmöglichkeiten für Psychotherapeut*innen bundesweit brauchen - eine der zentralen politischen Forderungen des DGVT-Berufsverbands.

Tübingen, im September 2019


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