Bericht über die 18. DGVT-Praxistage der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie am 09. und 10. November 2019 in Konstanz


Bereits im Eröffnungsvortrag mit Dr. Maggie Schauer, deren wissenschaftliche und therapeutische Arbeit am Kompetenzzentrum Psychotraumatologie an der Universität Konstanz sich intensiv mit Traumafolgestörungen auseinandersetzt, wurde deutlich, welchen Einfluss multiple biographische und lebensweltliche Risikofaktoren auf die Entwicklung eines Kindes bzw. Heranwachsenden sowie die psychische Gesundheit haben. Daraus resultierend entwarf Frau Schauer Möglichkeiten der Etablierung evidenzbasierter Methoden zum Schutz von Säuglingen und Kleinkindern vor Missbrauch, Misshandlung und den psychischen Folgen dieser Gewalterfahrungen.

Macht und Ohnmacht als gegenüberliegende Seiten einer Medaille stellen uns in der Therapie vor viele Fragen: Was sind legitime Formen der Einflussnahme und wo beginnt Gewalt – ganz gleich in welchem Setting? Wann wird die Unterlassung zur gewaltsamen Handlung? Welche offen oder versteckt angenehmen sowie furchtbaren Auswirkungen hat Gewalt auf Beziehung und Entwicklung? Wie gut kennen gerade wir Psychotherapeut*innen unser Machtmotiv und sind uns der Gefahren und Facetten des Machtmissbrauchs in der Psychotherapie bewusst? Last, but not least: Auch Therapeut*innen können Opfer (medialer) Gewalt werden. Wie gut sind wir darauf vorbereitet und welche Reaktionsmöglichkeiten haben wir?

Diesen und weiteren Fragen widmeten sich Referent*innen und Teilnehmer*innen in Kurz- und Langworkshops an zwei Tagen. Zwischen aktuellen Forschungsergebnissen, Interventionsansätzen und dem Austausch von Praktiker*innen zu Praktiker*innen wurden Erfahrungen, Fragen und aktuelle Entwicklungen diskutiert.

Aufgrund des Tods von Franz Petermann konnte der von ihm anberaumte Langworkshop „Prävention für Kinder, Jugendliche und ihre Familien“ leider nicht stattfinden. Wir gedenken an dieser Stelle einem großartigen, unermüdlichen und engagierten Kollegen, der unsere Arbeit vielfach bereicherte.

Des Weiteren konnten die Teilnehmer*innen im Fachgruppentreffen mit Günter Ruggaber in intensiven Austausch über die Neuerungen im Zuge der Reform des Psychotherapeutengesetzes kommen und Fragen – auch rund um den Werdegang des Berufes der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen – loswerden.

Und wie haben Teilnehmer*innen die Praxistage erlebt? – Vor allem die gute Atmosphäre und der Umgang miteinander kommen bei den Teilnehmer*innen der Praxistage immer wieder gut an. Besonderes Lob bekam dieses Jahr außerdem das Bio-Catering mit seinem eher vegetarischen Büffet sowie der großen Auswahl an süßem Gebäck. Weniger Zustimmung hingegen fand der Veranstaltungsort an sich. Den Teilnehmer*innen fehlten zum Teil Sitzgelegenheiten in den Pausen. Die Rückmeldungen zu den Workshops fielen sehr unterschiedlich aus. Viele Tagungsbesucher*innen lobten die Fachkompetenz der Referent*innen und hätten sich sogar noch mehr Zeit für die Workshops gewünscht. Andere hingegen vermissten praktische Übungen und Anwendungsbeispiele von Seiten der/des Referent*in. In Zukunft wollen wir daher wieder noch mehr unserem Motto „Von Praktiker*innen für Praktike*innen“ gerecht werden und die Praxisanteile in den Workshops weiter stärken.

Wir möchten an dieser Stelle der Vorbereitungsgruppe, bestehend aus Vertreter*innen der Fachgruppe Kinder und Jugendliche, der Aus- und Weiterbildungskommission (AWK) und des gastgebenden Ausbildungszentrums sowie den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle in Tübingen danken. Sie alle ermöglichten erneut eine gelungene Veranstaltung. Ein besonderes Dankeschön gilt auch den ehrenamtlichen Helfer*innen vor Ort.

Das Organisationsteam der DGVT-Praxistage freut sich bereits jetzt auf die 19. DGVT-Praxistage am 07. und 08. November 2020 in Magdeburg. Dann werden wir uns dem unglaublich spannenden und vielseitigen Themenfeld „Von A wie Angst bis Z wie Zeugnis – Schule meets Psychotherapie“ nähern.


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