Bericht vom DGVT(-BV)-Landesgruppentreffen Rheinland-Pfalz mit Fortbildung „Meine Rolle als Psychotherapeut*in in der Klimakrise“

Am Freitag, 2. Juli 2021 fand das DGVT(-BV)-Landesgruppentreffen mit Fortbildung „Meine Rolle als Psychotherapeut*in in der Klimakrise" in Form einer Videokonferenz statt. Andrea Benecke, DGVT(-BV)-Landessprecherin in Rheinland-Pfalz und Ulrich Bestle begrüßten die 25 Teilnehmer*innen sowie die heutigen Referent*innen Kathrin Macha, DGVT(-BV)-Landessprecherin in Rheinland-Pfalz sowie Sina Hoffmann und Julia Schützler. Alle drei Referent*innen sind bei den Psychologists / Psychotherapists for Future Mainz aktiv.


Zunächst wurden Fakten zur menschengemachten Klimakrise (menschengemacht heißt: von Menschen aus dem globalen Norden) sowie deren Auswirkungen auf Gesellschaft, Gesundheit und Psyche sehr eindrücklich thematisiert. Daran anschließend wurden alle Teilnehmer*innen gebeten, über ein Online-Tool ihre aktuellen Emotionen zu diesen eben gehörten Informationen zu benennen. Genannt wurden u.a. Traurigkeit, Wut, Resignation, Angst und Scham. Die Vortragenden ordneten diese Emotionen neben weiteren unter den „Klimaemotionen“ ein und betonten die Angemessenheit dieser in Anbetracht der existenziellen Krise – immer vor dem Hintergrund der bekannten Abgrenzung zu pathologischen Ausprägungen.

Dargestellt wurden dann die zugrundeliegenden relevanten psychologischen Mechanismen, die zum einen die Untätigkeit von Menschen – trotz Wissens um die aktuelle Lage – erläutern, aber auch notwendig sind, um den politischen Diskurs und die Wirkung von Medien nachzuvollziehen. Hier wurde bspw. die psychologische Distanz der Klimakrise, die die aktive Auseinandersetzung erschwert, sowie die kognitive Dissonanz und deren Reduktion oder der Bestätigungsfehler als Informationsverzerrung erläutert. Diese sozialpsychologischen Mechanismen erklären unser eigenes Verhalten, den Einfluss der Politik und der Medien und sind Grundlagenwissen für eine gelungene Klimakommunikation. Hierzu lernten die Teilnehmenden konkrete Vorgehensweisen, um die Dringlichkeit der Klimakrise im öffentlichen und privaten Diskurs zu platzieren. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die neutrale Berücksichtigung unterschiedlicher Werte des Gegenübers wichtig, um zum jeweiligen Wertesystem kongruent die Wichtigkeit hervorzuheben. Das bedeutet, dass wir den individuellen Deutungszusammenhang („Frame“) verschiedener Personen bei der Informationsvermittlung im Blick haben sollten. Darüber hinaus gibt es allgemein verbreitete Deutungsrahmen – hierfür z.B. ist ein Framing wie „Erderhitzung“ statt „Erderwärmung“ und „Klimakrise“ statt „Klimawandel“ wichtig, um das kognitive Netzwerk zu aktivieren, das die Bedrohung präsenter macht.

Besprochen wurde dann, wie Klimaresilienz gefördert werden kann. Klimaresilienz meint die Anpassungsfähigkeit des Menschen oder der Gesellschaft an die Belastungen durch die Klimakrise, bspw. durch persönliche/gesellschaftliche Neuorganisation oder Weiterentwicklung hinsichtlich der Nachhaltigkeit. Klimaresilienz kann durch verschiedene Aspekte gefördert werden: Neben dem breiten Bewusstwerden der Klimakrise überhaupt, was durch entsprechende Klimakommunikation gelingen kann, durch einen emotionalen Umgang mit der Klimakrise und deren Folgen. Zudem durch Förderung individuellen Umweltverhaltens, Selbstwirksamkeitserleben und nachhaltigen Aktivismus wie z.B. Burnoutprophylaxe. Und schließlich, allem zugrundeliegend und am wichtigsten: durch die sozialökologische Transformation der Gesellschaft – wofür es politischen Engagements bedarf.

Welche Rolle kann unser Berufsstand bei der Klimakrise also einnehmen? Folgt man dem Gedanken, dass die Klimakrise vor allem im globalen Süden bereits und hier zunehmend zu einer Gesundheits-, Gesellschafts- und Menschenrechtskrise führt, kann man konstatieren, dass Gesundheit zu fördern und zu erhalten sowie die Erhaltung und Weiterentwicklung der soziokulturellen Lebensgrundlagen zu unseren Berufsaufgaben laut Muster-Berufsordnung gehören. Interessant ist, dass auch die Kammern als Körperschaften des öffentlichen Rechts an das Staatsziel Umweltschutz gebunden sind. Durch die hervorragende fachliche Kompetenz bzgl. menschlichen Handelns können bspw. Veränderungsprozesse auf politischer Ebene angestoßen und Personen darin unterstützt werden, hierfür nachhaltig einzustehen.   

Diese spannende Veranstaltung war Teil einer Veranstaltungsreihe der DGVT(-BV)-Landesgruppe Rheinland-Pfalz. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe sind weitere interessante Veranstaltungen geplant, für die Sie sich bereits anmelden können. Detaillierte Informationen finden Sie im Flyer zur Veranstaltungsreihe.


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