Rechenschaftsbericht des Vorstands des DGVT-Berufsverbands Psychosoziale Berufe e.V. für das Berichtsjahr 2020


Die politische Arbeit des Vorstandes wird unterstützt von den Kommissionen, den Fachgruppen, den Landessprecher*innen des DGVT-Berufsverbands und den Delegierten in den Psychotherapeutenkammern sowie in den Kassenärztlichen Vereinigungen. Die Rechenschaftsberichte werden ebenfalls zur MV veröffentlicht. 

An dieser Stelle seien die Schwerpunkte der Arbeit des DGVT-Berufsverbands für den Berichtszeitraum genannt:

Das Jahr 2020 brachte mit der Pandemie auch viele Veränderungen und Herausforderungen für die Psychotherapie und die psychosoziale Versorgung insgesamt. Unser Verband versuchte den Mitgliedern hier Unterstützung anzubieten und war in vielfältigen Kontexten berufspolitisch aktiv.

  • Beratung: Gemeinsam mit der DGVT fördert der DGVT-Berufsverband ein Projekt der DGfB (Deutsche Gesellschaft für Beratung) zur Entwicklung eines Qualifikationsrahmens für Beratung („Counselling“). Dabei fördert der DGVT-BV über 25 Prozent dieses Forschungsprojekts. Der Qualifikationsrahmen soll Beratungskompetenzen in der Berufspraxis überprüfbar und sichtbar machen.
  • Psychotherapie: Unser Berufsstand hat es auch in dieser schwierigen Pandemie-Situation geschafft, die psychotherapeutische Versorgung aufrecht zu erhalten. Dies war möglich u.a. durch die Ausweitung der Videosprechstunde. Die Psychotherapeutischen Praxen haben auch hierdurch in der Pandemie einen wichtigen Beitrag zur Versorgung geleistet. Der DGVT-Berufsverband stellte den Mitgliedern von Beginn der Pandemie an Praxishilfen zur Verfügung, um die vielfältigen organisatorischen und rechtlichen Anforderungen zu erfüllen. Hierzu wurde eine Sonderseite auf der Homepage unseres Verbands eingerichtet, die laufend aktualisiert wird.
  • Der Berichtszeitraum war geprägt durch zahlreiche Gesetzesinitiativen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) insbesondere zur Weiterentwicklung der Digitalisierung im Gesundheitswesen, die wir begleiteten und kommentierten in verschiedenen Stellungnahmen gemeinsam mit der DGVT, u.a.: Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz“ (DVPMG). Im April 2021 wurde die IT-Sicherheitsrichtlinie veröffentlicht, zu der der Gesetzgeber die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verpflichtet hat und die einen Standard der Datensicherheit für Praxen festschreibt. Praxisinhaber*innen sind gemäß der Richtlinie dazu verpflichtet, die Einhaltung der Anforderungen so umzusetzen, dass IT-Sicherheitsrisiken auf ein Minimum reduziert werden.
  • Ein zentraler Punkt der Arbeit unseres Verbands war die weitere Diskussion um die Ausbildungsreform, und die Verabschiedung des Psychotherapeutenausbildungsreformgesetzes (PsychThGAusbRefG) und der Approbationsordnung im September 2020.
  • Die weitergehende Umsetzung der Psychotherapie-Richtlinien-Änderungen aus 2017 durch die KBV und die KVen hat uns im Berichtszeitraum ebenso beschäftigt. Auf den 2019 neu geschaffenen Sitzen konnten zum Teil bis heute noch nicht endgültig mit der Versorgung der Patient*innen begonnen werden, da noch viele Widerspruchsverfahren zu entscheiden sind. Unser Verband hat hier eine Vielzahl an Beratungen für Mitglieder durchgeführt.
  • Mit dem Projekt „Kassenwatch“ haben wir 2020 Protestschreiben an Krankenkassen und Aufsichtsbehörden zu einzelnen Antragssituationen formuliert, mit denen sich die Patient*innen konfrontiert sehen. Mit der Plattform „Kassenwatch“ und der Datenbank wollen wir einen Beitrag leisten, problematische Umgangsweisen der Kassen mit Anträgen auf Kostenerstattung aufzudecken. Kassenwatch dient dazu, den Krankenkassen zu verdeutlichen, dass alle Versicherten Anspruch auf eine angemessene und zeitnahe Versorgung haben und die Politik zum Handeln zu bewegen, sich für eine ausreichende Versorgung einzusetzen. Die Plattform hat mittlerweile 800 Nutzer*innen. Ein regelmäßiger Newsletter, der von über 1000 Kolleg*innen abonniert ist, begleitet die Arbeit der Kostenerstattungs-Praxen und kommentiert die Probleme mit den Krankenkassen kontinuierlich.
  • Wir setzten uns im Berichtszeitraum weiterhin für angemessene und gerechte Honorare für niedergelassene Psychotherapeut*innen ein und unterstützten die Mitglieder beim quartalsweisen Honorarwiderspruch mit juristischer Expertise in der Bundesgeschäftsstelle. Der DGVT-Berufsverband unterstützte weiterhin Klagen in mehreren Bundesländern über Verbände-Kooperationen.
  • Der Datenschutz und die Umsetzung der Telematik-Infrastruktur (TI) haben unsere Mitglieder und unseren Verband ausführlich beschäftigt. Für unsere niedergelassenen Mitglieder haben wir verschiedene Handlungsanleitungen für den Praxisalltag erarbeitet. Im Januar 2020 haben wir uns in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Spahn gewandt und gefordert, dass die Honorarkürzungen für diejenigen Vertragsbehandler*innen, die sich bislang aus Sorge um die Sicherheit schützenswerter Patient*innendaten nicht an die TI haben anschließen lassen, sofort ausgesetzt werden. Bereits einbehaltene Honorarkürzungen sollen rückgängig gemacht werden. Anfang 2021 hat unser Verband an Gesprächen mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten teilgenommen. Im Rahmen einer Initiative der GK II Verbände wurden die Bedenken aus Sicht unserer Berufsgruppe insbesondere hinsichtlich des Datenschutzes bei der Nutzung der ePA eingebracht. Die Gespräche werden fortgesetzt.
  • Wir engagierten uns weiterhin für eine angemessene Vergütung der angestellten Kolleg*innen im Rahmen der ver.di-Fachkommission PP/KJP. Nachdem seit 1.1.2017 für alle PP/KJP, die dem kommunalen TVöD angeschlossen sind, bereits die Entgeltgruppe 14 galt, kam es 2019 auch im TV-L zu einer Verbesserung, in dem Psychotherapeut*innen nun in der Entgeltgruppe 14 geführt werden („Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen jeweils mit abgeschlossener wissenschaftlicher Hochschulbildung und mit Approbation und entsprechender Tätigkeit“).
    Anlässlich des Tags der Angestellten in Bayern, den unser Verband gemeinsam mit dem VPP Bayern organisiert hatte, wurden viele zentrale Themen der Angestellten diskutiert. Ein ausführlicher Bericht mit Vortrags-Folien ist auf unserer Homepage veröffentlicht.
  • Weitere Themen, mit denen sich die Fachgruppe Angestellte des DGVTBerufsverbands im Jahr 2020 beschäftigt hat, waren die Chancen und Fragen der neuen Muster-Weiterbildungsordnung für Psychotherapeut*innen. Diese wird durch die zwingende Vorschrift verantwortlicher weiterbildungsbefugter Psychotherapeut*innen in den Kliniken zu einer Verbesserung der Position der Psychotherapeut*innen in den Einrichtungen führen. Dies wird jedoch – das lässt sich absehen – einige Zeit / mehrere Jahre brauchen, bis das in allen Einrichtungen nachvollzogen sein wird.
    Ein weiteres Thema war, inwiefern angestellte Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen im Spannungsfeld zwischen Direktions- und Berufsrecht stehen. Das Direktionsrecht ergibt sich aus dem Arbeitsrecht, der Arbeitgeber ist dazu berechtigt, seinen Arbeitnehmer*innen Anweisungen zu erteilen. Für Psychotherapeut*innen regelt zusätzlich auch eine bindende Berufsordnung die Art und Weise der Berufsausübung.
    Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik-Richtlinie: Im Laufe diesen Jahres werden verbindliche Mindeststellenvorgaben vom Gemeinsamen Bundesausschuss für die Psychotherapeut*innen (PP/KJP) im Rahmen der PPP-RL in Kraft treten können. Der Termin war eigentlich Ende 2020 gewesen (laut reformiertem Psychotherapeutengesetz).
  • Die Mitgliederberatung unserer Bundesgeschäftsstelle in Tübingen wurde zu den verschiedenen berufsbezogenen Bereichen im vergangenen Jahr wieder intensiv genutzt. Die Corona-Pandemie stellte uns auch hier vor vielfältige Herausforderungen angesichts des erhöhten Beratungsbedarfs unserer Mitglieder.
  • Die Politik auf Landespsychotherapeutenkammer- sowie Bundespsychotherapeutenkammer-Ebene ist ein weiterer Schwerpunkt des verbandlichen Engagements. Wir berichteten hierzu regelmäßig in unseren Verbandspublikationen (VPP /Newsletter). Hierzu berichtet der Länderrat in seinem Rechenschaftsbericht.
  • Die Themen der Digitalisierung im Gesundheitswesen nimmt u. a. die Fachgruppe E-Health im DGVT-BV in den Fokus. Die Fachgruppe beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den fachlich-inhaltlichen Aspekten von E-Health und den Chancen und Risiken entsprechender Angebote in Psychotherapie, Beratung und Prävention. Hier wurden Fragen des Daten- und Patient*innenrechteschutzes, der Implementierung der Telematik, des Einsatzes von digitalen Medien in Praxen (DIGAs) und die Gefahren der geplanten elektronischen Patient*innenakte (ePA) u.v.m. diskutiert und kommentiert.

Wir bedanken uns bei unseren ehrenamtlich tätigen Kolleg*innen in den Gremien und Fachgruppen und bei unserem Team in der Bundesgeschäftsstelle für die große und engagierte Unterstützung in dieser gesellschaftlich und politisch herausfordernden Zeit.

Der geschäftsführende Vorstand:

Oliver Kunz, Wolfgang Schreck


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