Rechenschaftsbericht des Ethikbeirats für das Berichtsjahr 2020


Die Arbeit des Ethikbeirats im Jahr 2020 war beeinträchtigt durch die Hygieneregelungen wegen Corona. Es war lediglich ein Präsenztreffen möglich. Sonst hat sich der Ethikbeirat in dieser Zeit in Telefonkonferenzen ausgetauscht.

Im Berichtszeitraum sind zwei Beschwerden gegen Mitglieder der DGVT eingegangen. Im Zuge der Bearbeitung dieser wurde deutlich, dass für Beschwerden, die gleichzeitig bei den Kammern anhängig sind, ein einheitliches Verfahren erforderlich ist. In Absprache mit dem Vorstand wird der/die Beschuldigte über die Beschuldigung informiert. Wenn eindeutig ein Verstoß gegen unsere ethischen Rahmenrichtlinien vorgeworfen wird, wird die Mitgliedschaft auf ruhend gestellt, bis die Kammer entschieden hat. Ruhende Mitgliedschaft bedeutet, dass man in dieser Zeit auch keine Aufträge von Seiten der DGVT oder der Akademie bekommt. Das Ruhen der Mitgliedschaft bedeutet auch ein Aussetzen des aktiven und passiven Wahlrechts. Es ergeht weiterhin die Aufforderung, uns ausführlich über den Beschwerdegang bei der Kammer schriftlich auf dem Laufenden zu halten. Falls das Verfahren bei der Kammer eingestellt wird, müssen wir entscheiden, ob wir dieser Entscheidung der Kammer folgen wollen oder das Verfahren dann in bekannter Weise fortsetzen.

Der Ethikbeirat vertritt die DGVT beim Verbändetreffen gegen Grenzverletzungen und sexuellem Missbrauch in Psychotherapie und Beratung. Es fanden ein Treffen im Jahr 2020 statt, an dem wir teilnahmen. Bei den Verbänden landen immer wieder Anfragen zu den Berufsrechtsverfahren der Kammern. So wird eine hohe Unzufriedenheit über die unterschiedliche Handhabung der Informierung von BeschwerdeführerInnen bekundet. Teilweise werden Auskünfte zum Ausgang von Berufsrechtsverfahren ganz verweigert. Es ist eine Tagung mit den Kammern zu diesem Thema geplant.

Bei der Besetzung des Ethikbeirats wird es in Zukunft Änderungen geben: Die Wahlperiode von Silvia Höppner läuft in diesem Jahr aus. Georg Zilly und Johannes Broil werden die Arbeit engagiert fortsetzen. Wir kündigen aber erneut an, dass auch wir nach Ablauf unserer Wahlperiode nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Die Mitgliederversammlung wird sich also mit der Frage der Neubesetzung des Ethikbeirats beschäftigen müssen.

Ergänzend stellen wir hier noch unser Antwortschreiben an die Landesarbeitsgemeinschaft Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt in Sachsen zur Verfügung, das die Arbeit des Ethikbeirats beschreibt:

An die Landesarbeitsgemeinschaft Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt in Sachsen „Gerne beantworten wir Ihre Anfrage von Anfang Dezember 2020. DGVT und DGVT-BV haben schon sehr früh einen Ethikbeirat als Satzungsorgan eingeführt. Beschwerden über Grenzverletzungen in der beruflichen Tätigkeit der Mitglieder werden vom Ethikbeirat bearbeitet.

Betroffene können sich an die Geschäftsstelle in Tübingen wenden, die die Beschwerde über den Vorstand zur Bearbeitung an den Ethikbeirat weitergibt. DGVT und DGVT-BV haben ethische Rahmenrichtlinien und eine Verfahrensordnung festgeschrieben, die bei der Bearbeitung angewandt werden. Daraus wird deutlich, wie wir verfahren. Durch die Etablierung von Beschwerdeverfahren in den Kammern ist das Beschwerdeaufkommen bei der DGVT deutlich zurückgegangen. Es ist sicher auch empfehlenswert, diesen Weg zu gehen, da die Kammern Fehlverhalten ganz anders sanktionieren können. Was der DGVT als stärkstes Mittel nur zur Verfügung steht, ist die Aufkündigung der Mitgliedschaft.

In der letzten Zeit gehen vermehrt Beschwerden parallel zu einem Beschwerdeverfahren bei den Kammern ein. Wir haben uns entschlossen, in diesen Fällen nicht neben der Kammer zu ermitteln. Scheint uns die Beschwerde genügend begründet, so belegen wir den Beschuldigten mit einem Ruhen der Mitgliedschaft und fordern dazu auf, uns über den Fortgang des Kammerverfahrens zu informieren. Bis zum Abschluss des Kammerverfahrens ist auch das aktive und passive Wahlrecht ausgesetzt.

Zur Prävention von übergriffigem Verhalten im beruflichen Kontext hat der Ethikbeirat Strategien aufgezeigt und diese in Veranstaltungen auf dem DGVT-Kongress vorgestellt. Fortbildungsveranstaltungen dazu und ein sich verbesserndes Wissen um die Gefahren waren hilfreich, um zumindest im institutionellen Rahmen Präventionsstrategien zu entwickeln. Für eine psychotherapeutische Einzelpraxis hat der Ethikbeirat zwar Empfehlungen beschrieben. Durch die klare Trennung von Beruflichen und Privaten ist schon einiges erreicht. In aller Regel fehlt aber in einer Einzelpraxis z.B. eine unabhängige Person, die einbezogen werden kann. Es könnten auch die beruflichen Standards und Beschwerdeinstanzen im Therapievertrag benannt werden.“

Der Ethikbeirat:

Johannes Broil, Georg Zilly


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