Rechenschaftsbericht der Aus- und Weiterbildungskommission (AWK) für das Berichtsjahr 2020


Jahresprogramm im 18. Jahr des Bereiches Fort- und Weiterbildung der DGVT

Themenseminare:

2020 waren insgesamt 44 Themenseminare auf der FW-Homepage ausgeschrieben (vgl. Jahr 2019: 37 Themenseminare). Davon haben 15 im Präsenzformat und 17 als Online-Seminar stattgefunden. Zehn Themenseminare wurden aufgrund der Corona-Pandemie nicht durchgeführt (diese waren aber „ausgebucht“), zwei Seminare mussten aufgrund mangelnder Anmeldungen abgesagt werden. Insgesamt haben 490 Personen an den Themenseminaren teilgenommen, davon 324 Mitglieder und 166 Nicht-Mitglieder. Im Vergleich zu 2019 ist die tatsächliche Teilnehmer*innenzahl der Themenseminare um ca. 23 Prozent gesunken. Dieser Rückgang lässt sich auf die oben genannten pandemiebedingten Seminarabsagen zurückführen. Hätten die zehn „ausgebuchten“ Themenseminare stattfinden dürfen, würde die Gesamtteilnahme 638 Personen betragen. Das entspricht in etwa derselben Teilnehmer*innenzahl aus dem Vorjahr (vgl. Jahr 2019: 631; Jahr 2018 392; Jahr 2017: 385; Jahr 2016: 210).

Seminarreihen:

Auch 2020 konnten viele bereits etablierte Angebote aus der Rubrik „Seminarreihen“ stattfinden. Besonders gefragt waren dabei „Traumatherapie (DGVT)“ in München, „Zusatzqualifikation in EMDR zur Therapie posttraumatischer Belastungsstörungen bei Erwachsenen“ in Münster, „Verhaltenstherapie in Gruppen“ in Konstanz, „Psychotraumatologie im Kindes- und Jugendalter“ in Münster und „Supervision (DGVT)“ in Dortmund. Ebenso konnten die bereits seit langem bei der DGVT angebotenen Seminarreihen wie „Paartherapie – Einführung / Aufbau“ in Berlin und „Spieltherapeutische Interventionen“ in Reutlingen wie geplant starten. Hingegen zum ersten Mal startete die Seminarreihe „Akzeptanz- und Commitment Therapie – eine Einführung“ in Dresden. Einige Veranstaltungen mussten aufgrund der Corona-Pandemie im Onlineformat durchgeführt oder um einige Monate nach Hinten verschoben werden.

Interaktive Fortbildung:

Im Rahmen der Interaktiven Fortbildung wurden auf der FW-Homepage insgesamt zwei Fachartikel online gestellt: „Cognitive Processing Therapy zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung“ sowie „Spüre, dass du lebst! Nichtsuizidale Selbstverletzungen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter“. Insgesamt haben im Jahr 2020 176 Personen die Lernerfolgskontrolle (Multiple-Choice-Fragen) zum Erhalt von Fortbildungspunkten durchgeführt. Hierbei sei erwähnt, dass die Interaktive Fortbildung aufgrund der Neugestaltung der FW-Homepage mehrere Monate nicht nutzbar war. 

Tagungen der DGVT Fort- und Weiterbildung

Aufgrund der Corona-Pandemie musste die vom 26. – 28. März 2020 vorgesehene DGVT-Workshoptagung zum Thema „Change it – Veränderungsprozesse in der Psychotherapie“ in Köln kurzfristig abgesagt werden. Die geplante Sommerakademie zum Thema „Mit den passenden Worten“ vom 18. – 20. Juni 2020 konnte pandemiebedingt in Rostock-Warnemünde ebenfalls nicht stattfinden. Beide Tagungsprogramme sollen in den Folgejahren erneut angeboten werden.

Am 12. September 2020 fand die 8. Tagung Psychotherapie-State-of-the-Art zum Thema „Was uns bewegt? Emotionen!“ online statt. Das Thema der Tagung war in diesem Jahr nicht nur ein passender inhaltlicher Titel, sondern lieferte auch eine treffende Beschreibung der Organisation im Vorfeld der Tagung. Zunächst bestand das Bedauern darüber, dass die Tagung aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie ursprünglich geplant in Potsdam stattfinden konnte. Es folgte die Ungewissheit, ob es andere Wege der Tagungsdurchführung geben könnte und letztlich die Freude darüber, dass die Tagung online angeboten werden konnte.

Hierbei ist zum einen dem Team der DGVT-Geschäftsstelle zu danken, die flexibel und in kurzer Zeit die ursprünglich geplante zweitägige Präsenzveranstaltung in eine eintägige Online-Tagung mit einem Eröffnungsvortrag und vier Workshops überführte. Zum anderen ist den Dozent*innen zu danken, die sich bereit erklärten, komplexe Inhalte und erfahrungsbasierte Übungen auf die digitale Lernform anzupassen. Zur großen Freude nahmen 120 Teilnehmer*innen an der ausgebuchten Tagung teil.

Ziel der Tagung war es, einen störungsübergreifenden Zugang zur therapeutischen Arbeit mit problematischen Emotionen zu vermitteln und entsprechende Methoden praxisnah zu vermitteln. Problematische Emotionen können sowohl als Teil der psychischen Symptomatik als auch als aufrechterhaltende Bedingung der Störung von Interesse bei einer Behandlung sein. 

In ihrem Eröffnungsvortrag „Imagery Rescripting – Evidenz und Einsatzmöglichkeiten am Beispiel der Posttraumatischen Belastungsstörung“ referierte Christine Knaevelsrud, Professorin für Klinisch-Psychologische Intervention an der Freien Universität Berlin und approbierte Psychologische Psychotherapeutin, Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit und Wirkmechanismen als auch Hinweise zu Interventionscharakteristika von Imagery Rescripting-Verfahren. Hierbei handele es sich um imaginative Verfahren, durch die negative Bewertungen und Bedeutungen vergangener belastender Ereignisse verändert werden können. Wirksamkeitsbelege lägen neben dem Einsatz bei der Posttraumatischen Belastungsstörung auch für die Behandlung von anderen Störungen wie z. B. Soziale Phobie oder Depression vor. Zum Ende des Vortrags stellte Christine Knaevelsrud die Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy (IRRT) von Schmucker als auch die Cognitive Restructuring and Imagery Modification (CRIM), ein Verfahren zur Reduktion des Gefühls des Beschmutzt-Seins, vor.

Im Anschluss an den Eröffnungsvortrag fanden vier fünfstündige Workshops statt, in denen der therapeutische Umgang mit Gefühlen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wurde. Hierbei konnten die Dozent*innen ihren Vortrag trotz des neuen Formats durch bewährte Lernmethoden wie Kleingruppen oder erfahrungsbasierte Übungen bereichern. Hiltrud Bierbaum-Luttermann aus Berlin stellte in ihrem Workshop „Die Botschaft von Bohnen, Bechern und Papier“ Impact-Techniken und Strategien aus der Hypnotherapie in der Arbeit mit Familien und Eltern vor. Anhand von Beispielen, Demonstrationen und kleinen Übungen wurden Wege vorgestellt, durch die Kombination der beiden Ansätze ein vertieftes emotionales Erleben zu erreichen, das über den rein kognitiven Ansatz hinausgeht. Im zweiten Workshop „Emotionsfokussierte Therapie (EFT) – Emotionale Verarbeitung als Motor therapeutischer Veränderung“ gab Imke Herrmann aus München einen Einblick in die EFT nach Leslie Greenberg, in deren Fokus die Veränderung der emotionalen Verarbeitung steht, z. B. durch die Arbeit mit Stühlen und die Fokussierung auf emotionsassoziierte Körperprozesse. In Workshop 3 stellte Frauke Niehues aus Gießen die Hypnose und Hypnotherapie vor, wobei ein Fokus auf den MINIMAX-Interventionen von Manfred Prior („minimale Interventionen mit maximaler Wirkung“), Metaphern und Impacttechniken lag. Auch Norbert Schneider aus Fürth fokussierte sich in seinem Workshop „Die Arbeit mit Emotionen in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)“ auf die therapeutische Bearbeitung emotionaler Prozesse. Nach einer Einführung zur Bezugsrahmentheorie und zum Hexaflex bezog er sich vor allem auf Emotionen im Rahmen der emotionalen Vermeidung und Akzeptanz sowie auf Emotionen in Bezug auf die kognitive Defusion.

Zum ersten Mal in der Geschichte fand eine DGVT-Tagung online statt. Ohne größere technische Probleme konnten die Teilnehmer*innen ihr Fachwissen über emotionsfokussierte Therapiemöglichkeiten erweitern, wobei wie gewohnt auf abwechslungsreiche didaktische Methoden wie Präsentation, Kleingruppenarbeit, Therapiedemonstrationen und praktische Übungen zurückgegriffen werden konnte. Auch wenn alternative Möglichkeiten, z. B. über die Chatfunktion, gesucht wurden, war der kollegiale Austausch im Vergleich zu einer Präsenzveranstaltung eingeschränkt. Emotionen wie Neugier, Freude und Enthusiasmus werden das Organisationsteam wieder darin unterstützen, ein interessantes und abwechslungsreiches Programm für die nächste Tagung zu entwickeln.

Pandemiebedingt konnten die 19. DGVT-Praxistage der Kinder- und Jugendpsychotherapie mit dem Thema: „Von A wie Angst bis Z wie Zeugnis – Schule meets Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie“ in der gewohnten Präsenzform vom 07. – 08. November 2020 nicht stattfinden. Mit viel Einsatz aller Beteiligten wurde die gesamte Tagung um ein Jahr auf den 27. – 28. November 2021 in Magdeburg verschoben. Stattdessen planten die Kolleg*innen der Planungsgruppe (Vertreter*innen aus der Fachgruppe Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie sowie der AWK) und Milana Kirsch aus der Geschäftsstelle in diesem Jahr erstmalig eine auf die aktuelle Situation bezogene KiJu-Onlinetagung zum Thema „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in schwierigen Zeiten“.

Und so saßen während des Lockdown-light am 07. November 2020 insgesamt 75 Teilnehmer*innen vor ihren Bildschirmen. Die Veranstaltung widmete sich den Veränderungen und Neuerungen seit Ausbruch der Corona-Pandemie im beruflichen Alltag der Kinder und Jugendlichenpsychotherapeut*innen. Für den Eröffnungsvortrag: „Kinderarmut vor und während der Pandemie – Ausmaß und Folgen“ konnte Dr. Andreas Aust gewonnen werden. Im Anschluss konnten die Teilnehmer*innen wählen zwischen zwei Workshops: Melanie Gräßer „Erfolgreiche Videosprechstunden mit Kindern und Jugendlichen durchführen, die Spaß machen und helfen“ und Christina Valentiner-Branth „Spielend durch die Krise“ oder drei Impulsvorträgen: Stefanie Schmidt „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter, Verena Delle Donne, Petra Wurzbacher „Erziehungs- und Familienberatung in Zeiten einer Pandemie“ und  Jean Ochel „Was Achtsamkeit bei Kindern bewirkt und welche Rolle digitale Medien dabei in der Krise spielen“.

Die Teilnahme an der Evaluation der Onlinetagung war gering, aber positiv. Besonders gut wurden die Organisation der DGVT-Geschäftsstelle und die technische Betreuung bewertet. Das Planungsteam der Onlinetagung hat sich sehr über die rege Teilnahme gefreut und war erstaunt, dass das Leitmotiv „von Praktiker*innen für Praktiker*innen“ sowie der kollegiale Austausch trotz des neuen Formates erhalten blieben.

Tagungen der DGVT Fort- und Weiterbildung 2021:

03. – 05. Juni 2021:

9. Sommerakademie der DGVT Fort- und Weiterbildung mit dem Titel „Mit den passenden Worten“ in Rostock-Warnemünde

15. – 16. Oktober 2021:

 

DGVT-Fachtagung in Kooperation mit der DGSF und SG: Systemische Therapie meets Verhaltenstherapie – an evolving affair – „Ich sehe was, was Du nicht siehst …“ in Erlangen

27. – 28. November 2021:

19. DGVT-Praxistage der Kinder- und Jugendlichenpsycho-therapie mit dem Titel „Von A wie Angst bis Z wie Zeugnis – Schule meets Psychotherapie“ in Magdeburg

Sitzungen und Gremientreffen

Aufgrund der Corona-Pandemie und dem Ausfall der Mitgliederversammlung in 2020 blieben folgende AWK-Mitglieder ohne erneute Wahl im Amt: Nina Engstermann, Eva-Maria Greiner, Anke Heier, Gerd Per und Kristin Pfeifer. Tobias Büttner und Daniel Surall sind noch von der letzten Wahlperiode im Amt.

Im Jahr 2020 hat die Aus- und Weiterbildungskommission der DGVT mehrfach in Form von Telefon- und Videokonferenzen getagt. Pandemiebedingt waren viele, zum Teil kurzfristige Entscheidungen über das Zustandekommen des Seminar- und Bildungsangebots notwendig. Die mehrstündigen und angekündigten AKW-Sitzungen fanden am 21. Juni 2020 und am 27. November 2020 online statt. Themen der Sitzungen waren die intensive Planung des Jahresprogrammes und der Tagungen, die Neukonzeption der Homepage und Organisatorisches.

Die Aus- und Weiterbildungskommission:

Tobias Büttner, Nina T. Engstermann, Eva-Maria Greiner, Anke Heier, Gerhard Per, Kristin Pfeifer, Daniel Surall


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