10. DGVT-Interview mit UTE SONNTAG, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes


geführt im Juli 2021 in Hannover von Steffen Fliegel

Der DGVT-Vorstand hat Steffen Fliegel beauftragt, in loser Reihenfolge wichtige frühere und heutige Förderer des Verbandes und der Verhaltenstherapie zu interviewen. Damit sollen zum einen eine Ehrung und Wertschätzung dieser Kolleginnen und Kollegen für ihr Engagement zum Ausdruck kommen, zum anderen können die heutigen Mitglieder mehr über die Historie, die Wurzeln und die zum Teil sehr spannungsgeladenen Entwicklungslinien der DGVT und der Verhaltenstherapie in Deutschland erfahren.

Im ersten Interview kamen Peter Gottwald und Dietmar Schulte zu Wort (VPP 4/2010), das zweite Gespräch galt Eva Jaeggi und Jarg Bergold (VPP 1/2012), das dritte Heiner Keupp und Christoph Kraiker (VPP 1/2014), das vierte Dieter Kleiber (VPP 3/2014), das fünfte galt Armin Kuhr (VPP 1/2016), das sechste Sybille Krämer (VPP 1/2018), das siebte Interview wurde mit Bernhard Scholten (VPP 3/2019), das achte mit Waltraud Deubert geführt (VPP 1/2020), das neunte mit Frank Nestmann (VPP 3/2021), das zehnte Interview nun mit Ute Sonntag.

Steffen Fliegel:

Liebe Ute, es ist mir eine ganz, ganz große Freude, heute hier in Hannover bei dir in der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen zu sein. Aber nicht diese Landesvereinigung ist das Thema, sondern die große Würdigung, die dir zuteil wurde. Da möchte ich dir ganz herzlich gratulieren, dass du diese Auszeichnung, nämlich das Bundesverdienstkreuz, genauer: das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der BRD“, für dein Engagement bekommen hast. Und da ich dich so lange kenne, wir werden ja noch über deinen Lebensweg sprechen, weiß ich, wie sehr du diese Ehrung verdient hast. Sag doch bitte mal, wofür genau dir diese Auszeichnung verliehen wurde.

 

Ute Sonntag:

Ja, gerne. Danke schön für deine Glückwünsche. Der Verdienstorden oder das Bundesverdienstkreuz wird für ehrenamtliche Arbeit verliehen. Ich habe den Orden bekommen für 35 Jahren ehrenamtliche Arbeit im Frauen- und Mädchengesundheitsbereich. Es wurde im Vorfeld sehr genau recherchiert, bevor die Verleihung erfolgte. Viele der Gruppierungen, in denen ich aktiv war und bin, wurden um Stellungnahmen gebeten. Und es war natürlich klar, dass ich auch zu Frauen- und Mädchengesundheit beruflich tätig bin, aber eben auch sehr viel ehrenamtlich. Und ich muss sagen, ich bin erst mal aus allen Wolken gefallen, als ich die Nachricht zu meiner Ehrung bekommen habe, habe mich dann aber tatsächlich sehr geehrt gefühlt und das Bundesverdienstkreuz dann auch gerne angenommen. Gleichzeitig habe ich es als eine Verpflichtung für meine weitere Arbeit verstanden und fühle mich jetzt doppelt motiviert, weiterzumachen.

 

Steffen Fliegel:

Wir kommen gleich noch mal etwas ausführlicher auf diese inhaltliche Arbeit zurück. Da wir uns aber schon von der Uni Bochum her kennen, wo du ja Psychologie studiert hast, habe ich die Frage: Als du den Abschluss 1980 als Diplom-Psychologin in Bochum gemacht hast, hattest du da schon eine Idee, in welche Richtung deine berufliche Arbeit gehen wird?

 

Ute Sonntag:

Ich habe meine berufliche Tätigkeit nach dem Studium ja in einer Beratungsstelle für Krebsbetroffene begonnen, habe zunächst also kurativ gearbeitet. Die Beratungsstelle wurde von einer Selbsthilfegruppe getragen. Und da habe ich sofort ein wichtiges Element der Versorgung kennengelernt, nämlich Selbsthilfe und professionelles Arbeiten miteinander zu vereinbaren. Das ist nicht leicht, damals habe ich aber sehr viel gelernt, auch für mein ganzes späteres berufliches Leben.

 

Steffen Fliegel:

Und dann gab es ja von früh an bereits dein gesundheitspolitisches Interesse.

 

Ute Sonntag:

Ja, da hast du recht, ich habe mich immer auch gesundheitspolitisch engagiert, und auch das habe ich damals in Bochum gelernt, und zwar in einem DGVT-Arbeitskreis. Während des Studiums fing das bereits an, wir hatten ja zusammen parallel zur VT- Grundausbildung diesen DGVT-Arbeitskreis. Und das gab mir schon eine sehr starke gesundheitspolitische Orientierung, die mir auch dann geholfen hat, meine weiteren Arbeitsstellen zu strukturieren. Ich habe in der Beratungsstelle für Krebsbetroffene nicht nur Beratung gemacht, sondern immer auch geschaut, wenn bestimmte Probleme häufig auftreten, was das mit der Gesundheitsversorgung zu tun hat. Wir hatten auch ein Gremium mit der Selbsthilfegruppe und Playern der Gesundheitsversorgung wie dem Gesundheitsamt, Krankenhäusern oder Krankenkassen, in dem wir versucht haben, Strukturelles in der Versorgung zu verändern, um die individuellen Probleme zu verkleinern. Und diese Herangehensweise, die habe ich im Studium beigebracht bekommen, von dir, von Alexa Franke und durch den Arbeitskreis.

 

Steffen Fliegel:

Du bist dann ja nach der Arbeit in der Krebsberatungsstelle in die Wissenschaft gegangen …

 

Ute Sonntag:

… Ja, ich bin von Bochum aus nach Bremen gezogen und habe in einem bundesfinanzierten Projekt mitgearbeitet, das am BIPS angesiedelt war, dem Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin. Unter der Leitung von Ulrike Maschewsky-Schneider haben wir fünf Jahre eine qualitative, sozialwissenschaftlich ausgerichtete Forschungsstudie zum Gesundheitshandeln von jungen Müttern durchgeführt.

 

Steffen Fliegel:

Du hast Arbeit im Gesundheitsbereich sowohl mit Praxis als auch mit Wissenschaft verbunden. Das heißt, du bist ein gutes Beispiel dafür, wie Wissenschaft und Praxis auch verzahnt werden können?

 

Ute Sonntag:

Ja, genau das hat mich interessiert. Dieses Projekt „Gesundheitshandeln von Frauen“ ist ein gutes Beispiel für die Verzahnung. Auf Grundlage der Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie haben wir ein Umsetzungsprojekt gestartet, und zwar nicht als Volkshochschulkurs, wie es angedacht war, sondern, und dafür habe ich mich sehr stark eingesetzt, indem wir einen Gesundheitstreffpunkt für Frauen in einem Bremer Brennpunktstadtteil aufgebaut haben. Denn wir wollten nicht ein Angebot für sozial gut gestellte Frauen machen. Auch sozial schlechter gestellte Frauen sollten angesprochen werden – und sie machten den Treffpunkt zu ihrem eigenen. Partizipation, ein breiter Gesundheitsbegriff, Gesundheitsförderung mit Frauen und immer auch den Bezug zur Wissenschaft beibehalten.

 

 

Steffen Fliegel:

Du hast fünf Jahre an der Universität Oldenburg gearbeitet. Damals waren in den Wissenschaftsbereichen, vor allen an den Unis, wenige Frauen. Hast du Erfahrungen gemacht, dass du als Frau, als Wissenschaftlerin, dir erst mal bestimmte Positionen erkämpfen musstest, oder war in deinen Bereichen schon viel Gender-Offenheit vorhanden?

 

Ute Sonntag:

In dem Forschungsprojekt zum Gesundheitshandeln war es ein reines Frauenteam, es war ja auch ein Frauenthema. Aber in dem damaligen Team der Klinischen Psychologie der Uni Oldenburg war ich die erste Frau. Die Stelle wurde auf Betreiben der Gleichstellungsbeauftragten ein zweites Mal ausgeschrieben, da habe ich mich dann beworben und wurde eingestellt. Die Uni war damals und ist immer noch ein reiner Männerbetrieb, strukturell eine der letzten patriarchalen Hochburgen, vom Prozedere, von den Prozessen her und so weiter. Daher habe ich in den letzten Jahren mit engagierten Mitgliedern des Arbeitskreises Gesundheitsfördernde Hochschulen viel zu Gender und gesundheitsfördernder Hochschule auf den Weg gebracht.

Zurück nach Oldenburg: Meine ersten Amtshandlungen institutioneller Art oder frauenförderungstechnischer Art an der Uni bestanden darin, mich in Besetzungskommissionen zu engagieren und dort dafür zu sorgen, dass auch Frauen eingestellt wurden. Ich habe in den Kommissionen, wenn Stellen zu besetzen waren, erst mal mit der ganzen Kommission Kriterien erarbeitet, an denen dann die Bewerbungen abgearbeitet wurden. Und das hat dann dazu geführt, dass mehrere Frauen eingestellt wurden.

 

Steffen Fliegel:

Was waren denn genau deine Aufgaben als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Oldenburg?

 

Ute Sonntag:

Ich war im Bereich Klinische Psychologie bei Professor Wilfried Belschner tätig, der im Hauptstudium der Psychologie Gesundheitsförderung als weiteren Schwerpunkt aufbauen wollte. Das gab es damals kaum, und ich habe dann Gesundheitsförderung gelehrt und diesen ganzen Bereich in der Hochschule mit ihm zusammen beackert. Wir hatten auch Drittmittelforschung im Gesundheitsförderungsbereich, so dass dieses Fach mehr und mehr etabliert wurde. Auch gab es einen Forschungsverbund Gesundheitswissenschaften Niedersachsen. Darin waren einige wenige Hochschulen, die sich schon damals der Gesundheitsförderung verschrieben hatten, zusammengeschlossen, so auch Oldenburg.  

 

Steffen Fliegel:

Durch Peter Gottwald und Wilfried Belschner hatte die Klinische Psychologie in Oldenburg durchaus einen engen Bezug zur DGVT. Peter Gottwald gehörte ja zu den Mitbegründern des DGVT-Vorgängers, der GVT, Gesellschaft zur Förderung der Verhaltenstherapie, beide waren ja auch nicht so „psychotherapielastig“. War für dich damals die Psychotherapie ein wichtiges Thema, da du ja eher in der Gesundheitsförderung deinen Schwerpunkt hattest?

 

Ute Sonntag:

Ich habe im Studium Gesprächs- und Verhaltenstherapie gelernt, das habe ich dann in der Beratungsstelle für Krebsbetroffene auch angewandt. Mein Vater hatte mir damals angeboten zu helfen, eine eigene Praxis einzurichten, so dass ich selbstständig arbeiten könnte. Das habe ich immer abgelehnt.

 

Steffen Fliegel:

Warum?

 

Ute Sonntag:

Ich habe in der DGVT die Diskussionen um die Versorgung von Patient*innen sehr leidenschaftlich mitgeführt. Und mir war von Anfang an klar, dass die psychotherapeutische Versorgung in Einzelpraxen sehr große Schwächen vom System her hat. Ich wollte weder vereinzelt alleine arbeiten, noch wollte ich individualistisch arbeiten. Ich habe damals schon bevorzugt, und dafür haben wir ja auch in der DGVT gekämpft, dass es Gesundheitszentren gibt, die multiprofessionell arbeiten, und wo zusammen bestimmte Probleme bearbeitet werden. Ich finde, die rein individuelle Ebene reicht oft nicht, um wirklich zu Erfolgen zu kommen. Und von daher war diese Idee, sich selbstständig zu machen mit einer eigenen Praxis, eigentlich nie eine Option für mich, sondern ich habe immer für eine multiprofessionelle Versorgung mit sehr breit angelegten Hilfen gekämpft und ich finde es auch heute noch sinnvoll. Nichtsdestotrotz wünsche ich mir heute in der Fachgruppe Frauen der DGVT auch niedergelassene Kolleginnen, die mitarbeiten. Es ist eine wichtige Gruppe, die und deren Interessen und Sichtweisen auch in der AG-Arbeit repräsentiert sein sollten.

 

Steffen Fliegel:

Bei den Funktionen und Mitgliedschaften, die dich dein berufliches und ehrenamtliches Leben begleitet haben, spielte das Thema „Frauen“ eine ganz entscheidende Rolle, zum Beispiel Frauengesundheit in Tenever, das Expertinnen-Netzwerk Frauen Aktiv Contra Tabak (FACT), in der DGVT die AG Frauen in der psychosozialen Versorgung, eine Fachgruppe, die du mitgegründet und koordiniert hast. Hinzu kommen die NRW-Enquete-Kommission „Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung“, Nationales Netzwerk Frauen und Gesundheit usw. Was hat dich da motiviert, warum hast du dich mit dem Thema Frauen in deiner beruflichen und ehrenamtlichen Arbeit so sehr beschäftigt?

 

Ute Sonntag:

Da muss ich ein bisschen weiter ausholen. Ich habe schon in meinem Studium eine Frauengruppe gehabt. Das war ein Konzept, das aus den USA kam, Consciousness-Raising-Groups (Gruppen zur Bewusstseinsbildung). Da haben wir den Slogan der Frauenbewegung mit Inhalt gefüllt, dass das Persönliche auch politisch ist. Wir haben uns einerseits über persönliche Dinge unterhalten, haben das aber immer auch politisch analysiert. Und da ist mir die Diskriminierung von Frauen bewusst geworden, ja, ich habe es bewusst erlebt. Das fing ja schon in den Seminaren an, wie viele Frauen haben sich gemeldet und haben geredet (sehr wenige!), wie viele Männer und so weiter. Ich bin dann erst mal ganz unspezifisch in der Frauenbewegung aktiv gewesen. Ich war im Frauenbuchladen in Bochum, im Frauenkollektiv, das waren damals die Zentren der Frauenbewegung. Da gab es das Wissen um Gynäkologen und Gynäkologinnen, die nicht gut gearbeitet haben und um solche, die frauenorientiert arbeiteten, da wurde die Scheidungsberatung durchgeführt, wie auch die Fahrten nach Holland zu Schwangerschaftsabbrüchen organisiert und so weiter.

 

Steffen Fliegel:

Was ist Dein innerer Antrieb für dieses Engagement?

 

Ute Sonntag:

Ich habe einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Das habe ich von meinen Eltern, besonders von meinem Vater mitbekommen. Der hat immer darauf geachtet, sehr gerecht zu sein. Er war leitender Angestellter und hat zum Beispiel immer Weihnachtspräsente bekommen, so als Vorgesetzter. Die hat er immer an alle weitergegeben. Und ich habe eine protestantische Arbeitsethik. Zum einen arbeite ich gerne, auch viel, suche und sehe auch den Sinn in der Arbeit, eben auch den Gerechtigkeitssinn. Der trägt mich ein Stück weit, um dann wirklich auch aktiv zu werden und zu sagen: Da müssen wir jetzt was ändern, das können wir so nicht lassen.

 

Steffen Fliegel:

 Also, das Gerechtigkeitsgefühl wird nicht nur angesprochen, es ist auch ein Handlungsimpuls da, das zu verändern, wenn Ungerechtigkeit passiert?

 

Ute Sonntag:

 Ja. das fing bei mir an in der Mittelstufe im Gymnasium. Da war ich Klassensprecherin und habe für gerechte Benotung für alle gekämpft. Und so hat sich das dann fortgesetzt. Ich war dann in der Frauenbewegung, ich war in der Anti-AKW-Bewegung, in der Friedensbewegung, aber eben nicht als Organisatorin, sondern als jemand, die mitgemacht hat. Und dann hat sich das mehr und mehr hin orientiert zum Gesundheitsbereich. Um das dort einzubringen und umzusetzen, wo ich mich auskannte.

 

Steffen Fliegel:

Wenn ich jetzt mal ganz lerntheoretisch denke, musst du ja auch Erfolge gehabt haben, dass du das beibehalten hast und es dich immer wieder angetrieben hat, für die Rechte von Frauen einzustehen und zu schauen, dass die umgesetzt werden. Wo konntest du die Erfolge deines Handelns spüren?

 

Ute Sonntag:

In diesen Consciousness-Raising-Gruppen hatten wir viele Aha-Erlebnisse. Es hat viel Freude gemacht, Dinge, Systeme und Machtspiele zu durchschauen. Das war die Grundlage. Wir haben ja auch viel theoretische Literatur gelesen. Und mein Credo: ich bin keine Einzelkämpferin, ich vernetze mich, und ich motiviere andere, mitzumachen, das kann ich gut. Und so haben wir immer in Gruppen begeisterter Frauen mit viel Kreativität gearbeitet. Und die DGVT hat da ja auch eine gute Portion abbekommen. Wenn ich an die Anfänge der Frauen-AG denke, da hatten wir bei den Kongressen durchgezählt, wie viele Männer und wie viele Frauen halten die Eröffnungsvorträge? Es waren bis dahin 13 Männer. Und dann haben wir quasi spielerisch den Antrag an die Mitgliederversammlung entwickelt, die nächsten dreizehn Mal müssten es Frauen sein, und danach immer abwechselnd. Das hat ja richtig viel in Bewegung gesetzt. Eigentlich haben wir das gemacht, um eine Sensibilisierung für das Thema zu erreichen. Dass der Antrag dann wirklich durchgekommen ist, das war irre. Und das sind solche Erfolgserlebnisse, die dann natürlich auch motivieren, weiterzumachen.

 

Steffen Fliegel:

Da sitzt jetzt jemand vor dir, der sich ertappt fühlt, weil ich ja damals im DGVT-Vorstand war. Und ich erinnere mich auch an die Auseinandersetzungen, die wir geführt haben. Ich würde auch im Nachhinein sagen, dass dies ein durchaus sinnvoller Weg war. Wenn ich aber die damalige fachliche Ebene sehe, gab es eine eher männerdominierte Fachgesellschaft - auch, was die Psychotherapie angeht. Es hat uns ganz schön ins Schwitzen gebracht. Die Sensibilisierung für Gleichberechtigung habt ihr geschafft. Und die hat sich in der DGVT schnell ausgebreitet. Und heute ist es umgekehrt, ja auch in der ganzen Psycho-Szene. Daher kann ich nur im Nachhinein sagen, wirklich alle Achtung für die Arbeit der Frauen-AG, in der du ja maßgeblich mitgewirkt hast. Magst du vielleicht noch mal sagen, wer in dieser DGVT-AG noch besonders aktiv war in der Zusammenarbeit mit dir?

 

Ute Sonntag:

Das waren sehr, sehr viele: Dodo Rerrich, Christine Harder, Eva Arnold und viele mehr. Aber besonders erwähnen möchte ich zum Beispiel Irmgard Vogt, die unser erstes sehr heikles Thema stark mitgetragen hat, nämlich „Sexuelle Übergriffe in Therapie und Beratung“.

 

Steffen Fliegel:

Irmgard ist ja immer noch aktiv in der DGVT. Und auch mit diesem herausfordernden Thema wart ihr sehr erfolgreich.

 

Ute Sonntag:

Dieses Thema „Sexuelle Übergriffe in Therapie und Beratung“ hat sie sehr stark mit bearbeitet und mitgeprägt. Wir haben viele betroffene Frauen beraten, waren auch eine Weile Anlaufstelle, und das war ein Thema, was damals ja noch gar nicht auf der Agenda stand.

 

Steffen Fliegel:

Die Frauen-AG hat das Missbrauchsthema in die Politik eingebracht, und die Bundesregierung ja auch darauf reagiert und es aufgegriffen ……

 

Ute Sonntag:

….und wir haben es geschafft, ein Gesetz zu verändern. Das ist auch nicht so einfach, aber nicht nur die Frauen-AG der DGVT, sondern viele Gruppen zusammen. Wir haben uns da mit vielen zusammengetan.

 

Steffen Fliegel:

Aber initiativ wart ihr.

 

Ute Sonntag:

Ja. Und das war schon ein sehr großer Erfolg, dass da ein neuer Paragraf eingefügt wurde für diese Belange, den es vorher nicht gab. Da war auch Monika Bormann zum Beispiel sehr aktiv, die ja heute im Vorstand ist. Sie hat damals auch viel Arbeit investiert, gerade was die gesetzliche Änderung anging.

 

Steffen Fliegel:

Ich möchte noch mal zurückkommen auf Deine Ehrung. Vielleicht magst du konkreter beschreiben, wofür du die Ehrung bekommen hast.

 

Ute Sonntag:

Alles begann mit der Gründung der AG Frauen in der psychosozialen Versorgung der DGVT 1986. Ich habe von Beginn an die AG koordiniert, die Treffen und Tagungen organisiert und regelmäßige Rundbriefe zusammengestellt. Die Frauen-AG traf sich mit den Fachgruppen Frauen und Gesundheit in der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie und dem Fachbereich “Frauen- und geschlechtsspezifische Gesundheitsforschung” in der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention. Wir fanden diese Austauschtreffen so anregend, dass wir den Kreis erweiterten und daraus entstand das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit (NNW), das ich auch von Beginn an koordiniert habe. Das NNW ist ein Zusammenschluss von mittlerweile 17 Organisationen, die sich bundes- oder landesweit für Frauen- und Mädchengesundheit engagieren. Dazu gehören der Deutsche Ärztinnenbund, die Hebammenverbände, pro familia Bundesverband, die Frauengesundheitszentren, der Arbeitskreis Frauengesundheit, mehrere landesweite Netzwerke zu Frauen und Gesundheit, Lachesis, der Heilpraktikerinnenverband, und viele mehr. Die Organisationen schicken Delegierte zu den Treffen. Damit war ein Netzwerk entstanden, das auch politisch Einfluss nehmen wollte. Wir haben etwa erreicht, dass der erste Frauengesundheitsbericht geschrieben wurde und 2001 erschien. Viele der Delegierten im NNW haben aktiv daran mitgewirkt.

Neben diesen Netzwerken, die ich mitgegründet und koordiniert habe, habe ich in vielen Frauenprojekten und Frauenorganisationen lange Jahre ehrenamtlich mitgearbeitet, in Beiräten wie im feministischen Frauengesundheitszentrum Frankfurt, in Vorständen wie in der Frauenberatung Verden und vieles mehr.

 

 

 

Steffen Fliegel:

Gibt es noch ein Beispiel für die Arbeit des NNW?

 

Ute Sonntag:

Wir haben zum Beispiel, das ist jetzt schon lange her, die BZgA-Schriften untersucht, ob sie gegendert sind oder nicht. Und einige waren es, die meisten waren es nicht. Dann haben wir einen Brief geschrieben mit genauen Belegen, und darum gebeten, dass das sich ändert. Wir haben nie Antwort bekommen, aber wir haben auf anderen Wegen erfahren, dass das im Haus, in der BZgA, hohe Wellen geschlagen hat.  Jetzt haben wir die BZgA wieder gerade im Visier. Sie hat einen Sexualaufklärungs-Werkzeugkasten mit vielen Broschüren neu überarbeitet. Da haben sie ein Körper-ABC wieder herausgegeben, das keine Erfahrungen der Frauengesundheitsbewegung aufgreift. Die diskriminierenden Begriffe wie Schamlippen oder Brustwarzen oder so werden da unkommentiert weiter benutzt. Wir haben in der Frauengesundheitsbewegung eine große Diskussion darum, dass das Jungfernhäutchen ein Mythos ist. In diesem Heft steht nichts davon. Und da gab es eine große Protestwelle vieler, weil es eben ein wichtiges und sensibles Thema ist. Und das NNW hat auch eine Stellungnahme dazu verfasst. Anderes Beispiel: Als die Forschungsverbünde Rehawissenschaften entstanden, haben wir Eingaben gemacht, damit Frauenaspekte Berücksichtigung fanden und die Arbeit gendersensibel gemacht wurde. Mit einigem Erfolg, da die eingereichten Forschungsvorhaben „nachrüsten“ mussten und Genderaspekte einfügen mussten. Auch die gesundheitsziele.de haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass sie zu wenig geschlechtssensibel arbeiten.

 

Steffen Fliegel:

An was für einem wichtigen Thema arbeitest du aktuell? Gibt es etwas, was dich besonders beschäftigt?

 

Ute Sonntag:

Wir haben im Nationalen Netzwerk Wahlprüfsteine für die Bundestagswahl gemacht und haben allen Parteien Fragen gestellt. Die Fragen, die Antworten der Parteien sowie ein längeres Papier mit unseren Forderungen und Empfehlungen sind auf der Website des NNW zu finden.  Das NNW war Mitglied einer bundesweiten Planungsgruppe, die Ende August einen Fachkongress „150 Jahre § 218 StGB“ durchgeführt hat. Die Abschlusserklärung kann mitgezeichnet werden. Dieses Thema muss politisch weiterbearbeitet werden. Durch die Tatsache, dass der Schwangerschaftsabbruch im Strafgesetzbuch verankert ist, ist er generell strafbar und nur unter gewissen Umständen legalisiert. Dadurch werden Frauen kriminalisiert und die Versorgungslage verschlechtert sich. Frauen müssen weite Wege auf sich nehmen, um einen Abbruch machen zu können, viele Einrichtungen lehnen es ab, Abbrüche durchzuführen. Abbrüche durchzuführen, wird nicht mehr gelehrt, so dass der medizinische Nachwuchs fehlt, wenn der Generationswechsel stattfindet.

 

Steffen Fliegel:

Unglaublich, was du alles machst, gemacht hast, initiiert hat, alle Achtung! Und es ist ja eine sehr politische Arbeit, die du gerade beschreibst.

 

Ute Sonntag:

Ja.

 

Steffen Fliegel:

Gibt es auch Bereiche, wo du direkt mit betroffenen Menschen Kontakt hast? Dein beruflicher Anfang war ja die Krebsberatungsstelle, da sind ja schon viele Initiativen für dich auch für die Versorgung ausgegangen. Und dann hat sich das ja sehr auf politische Initiativen, Netzwerkarbeit usw. hin entwickelt, was natürlich letztlich irgendwann in der Umsetzung wieder Menschen erreicht und zugutekommt, die unter bestimmten Problemen leiden.

 

Ute Sonntag:

Also, ich mache jetzt keine Beratung und Therapie mehr. Meist habe ich mit Multiplikator*innen zu tun. Aber ich habe eine andere ehrenamtliche Arbeit, über die ich auch Kontakt mit den Menschen vor Ort habe: Ich bin sechs Jahre im Verwaltungsrat der BARMER gewesen, danach im Verwaltungsrat des Medizinischen Dienstes Niedersachsen. Und als Verwaltungsratsmitglied bin ich schon einige Male angerufen worden, wenn es Probleme mit der Krankenkasse oder dann mit dem Medizinischen Dienst gab, also sei es jetzt Pflegegradbestimmung oder auch anderes. Da habe ich dann versucht zu vermitteln oder mir das angehört und geschaut, wo liegen da unter Umständen die Fehler. Ich verstehe mich dabei als Versichertenvertreterin. Diese Verwaltungsratsarbeit im Medizinischen Dienst, als ich damit anfing, hatte ich wenig Vorstellung davon, was der Medizinische Dienst konkret macht und bin dann am Anfang bei den Kolleg*innen in den verschiedenen Sparten mitgegangen und mitgefahren und habe mir die ganze Praxis angeguckt, damit ich dann im Verwaltungsrat qualifiziert mitreden kann.

 

Steffen Fliegel:

Für mich stellt sich deine berufliche Entwicklung so dar, dass du mit der direkten Praxis mit leidenden betroffenen Menschen deinen beruflichen Weg begonnen hast. Dass du danach über die Wissenschaft zur gesundheitspolitischen Arbeit gekommen bist. Wobei es ja unglaublich viele Stationen gibt, von dem, was du gerade beschrieben hast. Bist du eine Frau, die gerne neue Initiativen entwickelt, aufgreift, aber immer wieder auch bestrebt ist, neue Projekte zu schaffen, in Angriff zu nehmen, und wenn sie dann laufen, sie andere machen zu lassen?

 

Ute Sonntag:

 Nein. Also, es gibt ja viele Leute, die Impulse setzen, und dann interessiert sie das nicht mehr. Also, ich bin ja bei den Netzwerken, die ich gegründet habe, immer noch dabei und auch meistens in koordinierender Funktion. In den 1980er, 1990er Jahren sind die gegründet worden, und das mache ich jetzt immer noch. Also, da gibt es eine ganz hohe Verbindlichkeit und Kontinuität drin. Ich versuche die Netzwerke, die es gibt, weiterhin gut zu koordinieren. Und das ist nach so vielen Jahren eine kleine Kunst.

 

Steffen Fliegel:

Das macht ja auch Sinn, mit deiner Erfahrung diese Netzwerke in ihrer Arbeit zu begleiten, ihnen eine Kontinuität zu geben, auch wenn jüngere Leute nachkommen, die dann von deiner Erfahrung lernen und profitieren können.

 

Steffen Fliegel:

Ich würde gerne mit dir noch über die DGVT reden, zu der du ja, wie ich auch, noch eine enge Verbindung hast, den Verband schon viele, viele Jahre begleitest, weißt du noch, seit wann du Mitglied bist?

 

Ute Sonntag:

 Weiß ich nicht genau, es ist aber im Studium gewesen.

 

Steffen Fliegel:

 Also Ende der 1970er.

 

Ute Sonntag:

Das war in der Zeit, als wir den Arbeitskreis hatten. Da habe ich ja angefangen, Protokoll zu schreiben für die Mitgliederversammlung und so was.

 

Steffen Fliegel:

Genau. Und du bist dann ja immer aktiv geblieben, hast die DGVT mit ihren ganzen Höhen und Tiefen, ihren positiven Entwicklungen und auch Konflikten begleitet. Vorhin hast du mir gesagt, dass du es eigentlich gut findest, dass dieser Verband es immer wieder geschafft hat, trotz der Spagate, die wir vielleicht gleich noch mal benennen können, zu überleben. Jetzt haben wir gerade das zehntausendste Mitglied begrüßt. So viele Mitglieder hatte die DGVT noch nie, davon träumen viele Fachverbände. Wenn du mal so einen kurzen Rückblick machst, was findest du denn gut an der DGVT, dass du so lange Mitglied geblieben bist?

 

Ute Sonntag:

 Also, für mich war die DGVT immer wichtig als gesundheitspolitischer Verband. Also, das war damals ja eine Kooperation auch mit der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie und mit der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie. Da wurden viele fortschrittliche Stellungnahmen gemacht und fortschrittliche politische Initiativen ergriffen. Es wurden Papiere erstellt, die ich wichtig finde, also zur gemeindenahen Versorgung usw. Und das hat mir eine Orientierung gegeben für meine Arbeit, und ich fand es auch eine sinnvolle inhaltliche Impulssetzung für die Zukunft. Das war immer auch meine Identität im Verband. Und das Spannungsfeld war ja dann, dass es auch das Interesse gab, ein Psychotherapieverband zu sein für Psychologinnen und Psychologen, die Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen werden wollten, also dazu auszubilden und auch für die, die fertig sind, Berufspolitik zu machen. Auf der einen Seite Gesundheitspolitik, auf der anderen Seite Berufspolitik, das hat sich manchmal gebissen. Und es gab zwei Lager. Ich habe mich immer zu dem gesundheitspolitischen Lager zugehörig gefühlt. Ich finde die jetzige Konstruktion mit einem Fachverband und einem Berufsverband einen sehr guten Kompromiss. Ich finde es sehr erstaunlich, dass die DGVT nicht zerrissen wurde. Und das ist schon eine Leistung, diese beiden Strömungen, wie soll ich das sagen …

 

Steffen Fliegel:

 …. als Spagat irgendwie hinzubekommen.

 

Ute Sonntag:

Ja, beide sind ein bisschen domestiziert worden, das Wort habe ich gerade gesucht. Und dadurch geht es. Also, dass die Auswüchse eingehegt wurden, die zu einer Sprengung oder zu einer Trennung geführt hätten, und dass jetzt in beiden Lagern Realpolitik gemacht wird. Das, glaube ich, ist der Grund für den Erfolg.

 

Steffen Fliegel:

Aber trotzdem ist es ja vielleicht nicht genügend gelungen, die beiden Bereiche zu verbinden. Das erlebe ich auch im Ausbildungsbereich, wo die Verbindung hätte hergestellt werden können. Da sind zu wenig gesundheitspolitisches Denken oder auch gemeindepsychologische Perspektiven in die Curricula eingeflossen. Die Frauen-AG hat schon dazu beigetragen, dass mehr auf eine gute Parität zwischen Referentinnen und Referenten geachtet wird. Dadurch bekamen natürlich die Auszubildenden auch viele Impulse durch Referentinnen und eben nicht nur durch Referenten. Aber wenn man jetzt mal die Versorgungsebene sieht, glaube ich, dass es aufgrund des vorgegebenen, sehr stark an psychotherapeutischen Inhalten orientierten Curriculums Defizite gibt. Hier finde ich, könnte noch mehr passieren.

 

Ute Sonntag:

Das sehe ich auch so. Und die Frauen-AG versucht ja auch, Brückenschläge herzustellen. Also, zum Beispiel haben wir beim Kongress im März ja ein Symposium gehabt zu häuslicher Gewalt. Wir meinen, dass die, die Psychotherapie mit Frauen durchführen, auch ein Wissen über häusliche Gewalt und die damit verbundenen Dynamiken haben sollten. Es sollte die Kür für die Psychotherapie sein, auch über den Tellerrand zu schauen, das Wissen und die Kompetenzen erhöhen. Auch bieten wir jetzt im Juli noch einen kurzen einstündigen Workshop zum Thema „Körperwissen und Begriffe des Frauenkörpers“ an, mit Hinblick auf diese BZgA-Broschüre. Das ist ein Wissen nicht nur für Psychotherapeutinnen, die Sexualberatung machen, wir sehen es auch als Hintergrundwissen für alle an.

 

Steffen Fliegel:

Wenn von der Frauen-AG spezielle Vorschläge für Aus- und Weiterbildung kämen, und ich denke auch speziell an unsere zukünftige Weiterbildung, sollte das wirklich sehr konkret formuliert sein. Und es wäre auch wichtig, dass ihr die Referentinnen dazu benennt. Denn daran scheitert es oft, dass die Themen im Raum stehen, aber die Ausbildungsleitungen oder die Curriculumsverantwortlichen gar nicht wissen, wen sie fragen sollen. Ich selbst sehe auch ein Defizit bei einem Thema, wo wir ja auch in der Vergangenheit miteinander zu tun hatten, nämlich den sexuellen Missbrauch in Beratung und Therapie. Eigentlich ein Pflichtthema, kein optionales Thema. Es findet tatsächlich nicht in allen Ausbildungen statt. Es wird manchmal in die Selbsterfahrung transportiert, was ja durchaus auch Sinn macht. Es soll nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vermittelt werden, es soll eine Haltung geschaffen werden, mit der dann die Leute, die jetzt in der Ausbildung sind, in ihr berufliches Handeln gehen. Die Ausbildung ist sicherlich genau der Ort für dieses Thema.

 

Ute Sonntag:

Eva Arnold und Irmgard Vogt haben dafür im DGVT-Verlag ein Buch herausgegeben, mit dem man das Thema in Selbsterfahrung erarbeiten kann.

 

Steffen Fliegel:

Ich selbst habe ja auch in einer VPP vor ein paar Jahren ein sehr konkretes Seminarkonzept für die Selbsterfahrung beschrieben, mit dem ich das Thema sehr praxisnah und erfolgreich vermitteln konnte. Das ist für mich so ein Beispiel, dass wir bestimmte Themen, die auch dem Versorgungskontext erwachsen, trotz guter Ideen nur schwer umsetzen können. Auch wenn die Curricula so gefüllt sind, meine ich, dass wir gerade als DGVT es schaffen sollten, uns wichtige Inhalte in der Ausbildung anzubieten. Vielleicht kann das ja auch die Frauen-AG noch mal aufgreifen ……

 

Ute Sonntag:

…. wofür wir ja schon Initiativen ergriffen hatten, die aber nicht sehr weit geführt haben. Das ist sehr schwer im Ausbildungsbereich. Aber wir arbeiten aktuell gerade wieder daran.

 

Steffen Fliegel:

Liebe Ute, wenn du mal in die Zukunft der DGVT blicken könntest, gäbe es Wünsche, die du an deinen, an unseren Verband hättest, so aus deiner Erfahrung und auch deinem beruflichen Handeln heraus?

 

Ute Sonntag:

 Also, ich würde mir wünschen, dass die Gender- und Kultursensibilität selbstverständlich würde, also Diversity-Dimensionen einfach insgesamt Einzug halten, dass das gar nicht mehr diskutiert wird, dass das sozusagen …

 

Steffen Fliegel:

…. verinnerlicht ist …..

 

Ute Sonntag:

….und selbstverständlich umgesetzt wird. Das würde ich mir sehr wünschen, da würde die DGVT auch modellhaft gut vorangehen vor anderen Verbänden, es wäre dann auch schon ein Alleinstellungsmerkmal. Ich würde mir auch wünschen, dass der gesundheitspolitische Teil des Verbandes Einfluss auf die Gesundheitspolitik in Deutschland haben könnte, also auch vielleicht mehr Einfluss, und wir wirklich zu solchen Versorgungszentren kommen, weil ich das auch für die Zukunft der Versorgung halte. Ein Aufgeben der Segmentierung und eine gute Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen. Das wären meine Wünsche, zu einer Gesundheitsversorgung zu kommen, die nicht so teuer ist, trotzdem effektiv ist und nach modernen Richtlinien funktioniert und ganzheitlich ist.

 

Steffen Fliegel

Ich danke dir im Namen des DGVT-Vorstands herzlich für das spannende Interview, mit dem du einen spannenden Einblick in dein berufliches Leben gegeben hast, für das dir das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Ich freue mich sehr darüber, dass die DGVT, die uns beiden so wichtig ist, da ein paar Impulse einbringen konnte. Ich wünsche dir für die demnächst „nur noch“ ehrenamtliche Arbeit viel Freude und dass das Private, das du dir so sehr verdient hast, auch genügend Platz haben wird.  


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