Zum Tod von Klaus Dörner

Die DGVT ist tief betroffen vom Tod von Klaus Dörner. Unsere Anteilnahme gilt in erster Linie seinen Angehörigen und Hinterbliebenen. Als Psychiater und Psychiatriehistoriker ist Klaus Dörner Wegbereiter für eine humane und soziale Psychiatrie. Er setzte sich maßgeblich ein für eine Psychiatriereform in Deutschland.


 

Prof. Dr. med. Dr. phil. Klaus Dörner, geb. 1933, war lange Zeit als Arzt an der Psychiatrischen Klinik der Universität Hamburg tätig, bevor er von 1980 bis 1998 die Westfälische Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Gütersloh leitete. In dieser Zeit war er auch Lehrender des Faches Psychiatrie an der Universität Witten-Herdecke.

„Klaus Dörner entwickelte sich zum wohl bekanntesten und überzeugendsten Pionier einer konsequenten Sozial- und Gemeindepsychiatrie in der Bundesrepublik. Sein offensiv verfolgtes Ziel war es, die traditionellen, ausgrenzenden Anstaltsstrukturen der Nachkriegszeit zu überwinden“, so Prof. Dr. Meinolf Noeker, Gesundheitsdezernent des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, einem großen Träger psychiatrischer Versorgungseinrichtungen, in einem Nachruf.

Als Arzt und Historiker hat Klaus Dörner zahlreiche Bücher zur Psychiatrie, zur Geschichte der Psychiatrie und zur Medizinethik geschrieben. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Bürger und Irre“ und „Irren ist menschlich“ (gemeinsam mit Ursula Plog). In einem seiner letzten Bücher – „Die Gesundheitsfalle“ – beschreibt er, woran unsere Medizin krankt und stellt zwölf Thesen zu ihrer Heilung auf. Er hat sich immer wieder kritisch mit der Psychotherapie auseinandergesetzt, ihr aber auch einen wichtigen Platz in der psychosozialen und psychiatrischen Versorgung zugewiesen.

In diesem Zusammenhang gab es in den 70er- und 80er-Jahren auch viele Anknüpfungspunkte zwischen Klaus Dörner und dem Vorstand der DGVT. Er trug zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie wesentlich mit dazu bei, dass die DGVT bei allem Engagement für die Psychotherapie das Soziale und das Gesellschaftliche hinsichtlich psychischer Störungen und des Versorgungssystems mit all seinen Facetten nicht aus dem Blick verlor und gleichgewichtig in ihre Satzung aufnahm. Manche frühere Vorstandmitglieder der DGVT werden noch in Erinnerung haben, dass Klaus Dörner die DGVT damals auch bei ihrem Engagement für ein Psychotherapeutengesetz unterstützte.

Menschen mit schwersten psychischen und sozialen Beeinträchtigungen nahm er zeitlebens in seinen beruflichen Blick mit dem Ziel, für sie neben einer adäquaten Behandlung die gleiche Versorgung und die gleiche Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse zu ermöglichen.

Sein Vermächtnis ist seit langem aktenkundig und oft auf der Tagesordnung, und es wird weit über seinen Tod hinaus Wirkung zeigen, auch in der DGVT.

Klaus Dörner starb am 25. September im Alter von 88 Jahren in Gütersloh.

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In Erinnerung an Klaus Dörner möchten wir auch nochmal besonders auf zwei Interviews mit ihm aufmerksam machen, die Steffen Fliegel mit ihm führte:

  

Klaus Dörner im Gespräch mit Steffen Fliegel:
Zum Verhältnis von (Sozial-)Psychiatrie und Psychotherapie: Rückblicke und Visionen

Quelle: Dörner / Fliegel (Interview), Zum Verhältnis von (Sozial-)Psychiatrie und Psychotherapie: Rückblicke und Visionen PiD - Psychotherapie im Dialog 2006; 7(4): 441-445, DOI: 10.1055/s-2006-951822 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

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Klaus Dörner im Gespräch mit Steffen Fliegel:
Das Unerträgliche unerträglich sein lassen

Quelle: Dörner / Fliegel (Interview), Das Unerträgliche unerträglich sein lassen PiD - Psychotherapie im Dialog 2006; 7(4): 345-350, DOI: 10.1055/s-2006-951849 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

 

 


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