Bericht über den 41. Deutschen Psychotherapeutentag vom 18./19. November 2022 in Berlin

Delegierte der Fraktion von DGVT und DGVT-Berufsverband beim Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) haben die wichtigen Themen und Diskussionen zusammengefasst in nachfolgendem Bericht.


Das Ende einer Ära und der Beginn einer neuen Zeitrechnung für die Bundespsychotherapeutenkammer?

Bericht über den 41. Deutschen Psychotherapeutentag vom 18./19. November 2022 in Berlin, der ansonsten eigentlich Routinearbeit geleistet hat

Der 41. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) hatte seinen würdigen Höhepunkt eigentlich schon am Vorabend: Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat zum 13. Mal den Diotima-Ehrenpreis der Deutschen Psychotherapeutenschaft vergeben. Dieses Mal ging er nicht an eine/n verdiente Wissenschaftler*in oder Politiker*in, sondern an eine herausragende Persönlichkeit, die die Entwicklung und Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Berufe in den letzten 20 Jahren nachhaltig geprägt hat und die ganz wesentlich für den Erfolg der psychotherapeutischen Fach- und Berufspolitik verantwortlich ist: Die scheidende Geschäftsführerin der Bundespsychotherapeutenkammer, Dr. Christina Tophoven! Sie kam vor gut 20 Jahren zur BPtK mit einem dichten Netz an Verbindungen zu wichtigen Insider*innen und politischen Entscheidungsträger*innen und hat dieses Netzwerk in den Folgejahren sehr erfolgreich nutzen können, um die vom DPT beschlossene und vom Vorstand verantwortete Berufspolitik umsetzen. Mit dauerhaft höchstem Engagement, Zuverlässigkeit und pragmatischem Optimismus – die Psychotherapeut*innen sind ihr zu Dank verpflichtet!

Der eigentliche Psychotherapeutentag hatte sodann zwar ein längeres Programm, es standen aber keine grundsätzlichen Diskussionen oder Richtungsentscheidungen an. Er lief – auch wieder in Präsenz, aber mit der unvermeidlichen Maskenpflicht – in der üblichen Gesamtregie: Es trafen sich vorbereitend die Delegierten der Landeskammern, die Angehörigen der verschiedenen Verbände und die Mitglieder der Ausschüsse. Im Hintergrund gab es manche Abstimmungsrunden und Konsensgespräche. Und dann ging es los: Nach den Regularien war der Bericht des Vorstandes der erste inhaltliche Höhepunkt. Aus dem bereits zuvor für alle Beteiligten vorliegenden schriftlichen Bericht hat der Präsident der BPtK, Dr. Dietrich Munz, die wichtigsten Aktivitäten herausgegriffen. Die anschließende Aussprache bot traditionell die Gelegenheit zu grundsätzlichen Stellungnahmen zur Politik der BPtK – hier gab es sehr viel Zustimmung zur Vorstandsarbeit, beispielsweise zur engen Begleitung von verschiedenen Gesetzesvorhaben, speziell auch zu Suizidprävention und Suizidbegleitung und zur Drogen- und Suchtpolitik, zur Digitalisierungsstrategie und zur Reform der GOÄ/GOP, auch zum Engagement für die Ausbildungsreform im Studium und in der sich anschließenden Weiterbildung und viele viele andere Themen.

An dieser Stelle könnte man kommentierend auf die vom Vorstand als quasi alternativlos beschriebene und letztlich gefeierte Entwicklung hin zu der jetzt vorliegenden Reform des Psychotherapeutengesetzes kurz eingehen. Denn es bleibt abzuwarten, ob es hier in 1-2 Jahren noch die gleiche Euphorie gibt: Weder im ambulanten noch im stationären Bereich ist die Weiterbildung finanziert und es ist ziemlich unklar, ob und wie es in dieser Situation genügend Weiterbildungsstellen für die nachfolgende Generation geben soll.  

Ein zweiter Schwerpunkt des DPT war der Gastvortrag von Prof. Dr. Gerhard Reese von der Universität Koblenz-Landau „Wie kann die Psychologie zur Bewältigung globaler Krisen beitragen?“. Er zeigte sehr anschaulich einerseits die Dringlichkeit auf, mit der Umwelt und Nachhaltigkeitsthemen global, aber letztlich auch von allen gesellschaftlichen Gruppen und jedem/jeder Einzelnen aufzugreifen sind. Er verwies auf Handlungsmöglichkeiten und insbesondere (sozial-)psychologische Konzepte und Prozesse, die eine Veränderung von persönlichen Handlungstendenzen und Lebensstilformen im sozialen Umfeld wahrscheinlicher machen: Veränderungsprozesse in Richtung Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Ökologie können erreicht werden, wenn nicht nur die politisch Verantwortlichen adressiert werden, sondern zugleich sollen Gruppen und Communities für sich selbst und nach außen hin ökologische bzw. politische Standards definieren. Die globale  soziale Bewegung „Fridays for Future“ ist dafür ein gutes Beispiel. Reese warnte auch davor, sich – beispielsweise durch millionenschwere Werbekampagnen von Energiekonzernen zum Konzept des ökologischen Fußabdrucks - davon ablenken zu lassen, dass politische Veränderungen notwendig sind, die unsere Wachstumsgesellschaft grundlegend umformen.

Neben dem Gendern der Musterweiterbildungsordnung, der Wahl von zwei stellvertretenden KJP-Vertreter*innen im Länderrat, einer Anpassung der Reisekosten- und Entschädigungsordnung (inflationsausgleichende Erhöhung der Entschädigungen , Abrechenbarkeit von CO2-Kompensationskosten nach Flügen) sowie der Annahme des Haushaltsabschlusses für 2021 und des Haushaltsplanes für 2023 wurde dann wieder etwas ausführlicher über den letzten Baustein in der Regelung der Weiterbildungsordnung für die zukünftigen Psychotherapeut*innen nach dem neuen Gesetz beraten: Die Musterrichtlinien zur Musterweiterbildungsordnung für Weiterbildungsstätten und für Weiterbildungsbefugte, die Formulierung der verfahrensbezogenen Kompetenzen zum E-Logbuch und die Gegenstandskataloge für die Weiterbildung zur Psychotherapie für Erwachsene einerseits und für Kinder und Jugendliche andererseits. Das war nun sozusagen „höchste Eisenbahn“, um zu gewährleisten, dass die Anwendung der Weiterbildungsordnungen in den zuständigen Landeskammern weitgehend einheitlich geschieht, denn die ersten ca. 30 Psychotherapeut*innen sind bereits nach dem neuen Gesetz approbiert und möchten ihre Weiterbildung beginnen. Und etwa die Hälfte der Landeskammern haben ihre neuen Weiterbildungsordnungen bereits verabschiedet und diese werden überwiegend am 1.1.2023 in Kraft treten. Bei den anderen Kammern steht die Verabschiedung unmittelbar bevor. 

Zum Abschluss der Tagesordnung des DPT folgte, wie üblich, die Abstimmung über eine ganze Reihe von Resolutionen. Dieser Punkt ist immer wichtig, weil er die politische Positionierung der Bundespsychotherapeutenkammer beschreibt und weil hier auch aktuelle Akzente gesetzt werden: es gab Resolutionen zum Klimaschutz und zur besseren psychotherapeutischen Versorgung von Flüchtlingen, zum Abbau sozialer Ungleichheit durch die Förderung niedrigschwelliger und aufsuchender Psychotherapieangebote, zur Reform der Bedarfsplanung und zur Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung[1]. Aktuell eingebracht und ebenfalls mit großer Mehrheit abgestimmt wurden noch zwei wichtige Resolutionen, einerseits zur Förderung der verfahrensbezogenen und klinischen Ausbildung im Studium und andererseits zur Unterstützung der Psychotherapeut*innen in Ausbildung, die sich in den baden-württembergischen Universitätskliniken aktuell in Tarifverhandlungen befinden[2]

Heiner Vogel, Jürgen Friedrich, Karl-Wilhelm Höffler

 

 


[1] Die Resolutionen können über die Homepage der Bundespsychotherapeutenkammer eingesehen werden: www.bptk.de

[2] Siehe www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/streik-der-pias-an-unikliniken-meldung-100.html


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