Treffen des EU-Gesundheitsministerrates am 9. und 10. September 2004 in den Niederlanden


Bei diesem informellen Treffen, geleitet vom niederländischen Ratsvorsitzenden Hans Hoogervorst, stand die Frage im Mittelpunkt, wie eine hochwertige und allen zugängliche Gesundheitsversorgung in Anbetracht der demografischen und medizinischen Herausforderungen der Zukunft in allen EU-Mitgliedsstaaten unter Berücksichtigung der angespannten nationalen Haushalte gewährleistet werden kann.
Man sprach sich dafür aus - so auch Deutschland, das durch den BMGS-Staatssekretär Klaus Theo Schröder vertreten war - dass sich neben der bestehenden Kommission für Gesundheit auch eine Ratsgruppe mit der Gesundheitspolitik befasst.

Im Mittelpunkt des Ratstreffens stand ein Papier mit dem Titel:
"Gesundheitsvorsorge in einer alternden Gesellschaft eine Herausforderung für alle europäischen Mitgliedsstaaten".

Folgende Kernpunkte hat der gesundheitspolitische Informationsdienst1 (gid) herausgearbeitet:

  • Die Minister sind über die finanzielle und soziale Nachhaltigkeit und Effizienz ihrer Gesundheitssysteme ernsthaft besorgt. Die Alterung der Gesellschaften hat ihren Preis: Langlebigkeit bedeutet die Vermehrung von ernsthaften und chronischen Krankheiten.
  • Bei den jeweiligen Gesundheitsreformen hat jedes Land seine eigene Politik; gleichwohl bestehen Ähnlichkeiten, die im Wesentlichen auf eine Kombination der folgenden Faktoren hinauslaufen: 1. finanzielle Anreize zur Verbesserung von Effizienz und Produktivität, 2. patientenorientiertere Gesundheitsvorsorgesysteme, 3. mehr Eigenverantwortung, 4. stärkere Beteiligung Älterer an den Kosten/Versicherung, 5. stärkere evidenzbasierte Versorgung bei chronischen Krankheiten, 6. "neue Balance" zwischen persönlicher und öffentlich-rechtlicher Verantwortung zur Aufrechterhaltung bezahlbarer Gesundheitssysteme, 7. Verstärkung von Kostenbewusstsein und Mithilfe bei der Prävention, 8. stärkere Synergie zwischen Gesundheitsversorgungs- und Wirtschaftspolitik.
  • Diese Herausforderungen sollen mittels gemeinsamen Lernens angegangen werden, durch verstärkten Erfahrungsaustausch, den Austausch bester Praktiken, Setzung gemeinsamer Ziele, Entwicklung von Indikatoren und Nutzung der Benchmarkingmethode, kurzum: durch Offene Koordinierung im Gesundheitswesen.
  • Dieser Vorschlag soll dem Gesundheitsministerrat im Dezember 2004 vorgelegt werden.

Die Studie (http://www.minvws.nl/ ) ist im einzelnen recht umfangreich und behandelt im ersten Teil (Kap. 2) eine Zusammenfassung der verschiedenen Gesundheitssysteme der EU, im zweiten Teil (Kap. 3) den Stand der Reformvorhaben in den Mitgliedstaaten sowie im dritten Teil (Kap. 4) die Rolle der EU in diesem Prozess. Nach Gid ein wirklich lesenswertes Papier, in dem sowohl vergleichendes Zahlenmaterial im Hinblick auf die Alterung der Bevölkerung und die Kostensituation, als auch ein - kurzer - Abgleich der mitgliedstaatlichen Reformbemühungen zusammengestellt sind.

 


[1] Nr. 31, vom 27.9.2004, Seite 21 ff


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