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26. Deutscher Psychotherapeutentag wählt einen neuen Vorstand für die Bundespsychotherapeutenkammer!

27. April 2015

Der Haupttagesordnungspunkt des DPT am vergangenen Wochenende in Berlin war die Wahl eines neuen Kammervorstands, bei der sich auch die DGVT platzieren konnte.

 

Mit Spannung war der Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) erwartet worden, der am 25. April 2015 in Berlin stattfand: Spannung bei allen Beteiligten und Spannung auch zwischen den Verbänden und innerhalb der im DPT vertretenen Verbände. Dabei wirkte der letztjährige DPT noch nach. Im November 2014 war mit Zweidrittel-Mehrheit beschlossen worden, grundsätzlich den Weg zur Reform des Psychotherapeutengesetzes und zu einem Psychotherapie-Studium mit anschließender Approbation und nachfolgender Weiterbildung zu gehen. Die konkrete Ausgestaltung des politischen Weges war in den vergangenen Monaten vom Vorstand der Bundespychotherapeutenkammer (BPtK) in einem detaillierten Projektplan vorgelegt worden, der einen Zeitplan mit Arbeitsaufträgen vorsah. Zugleich wurde definiert, wie Verbände und andere Interessengruppen sich in den Prozess einbringen können.

Vor diesem Hintergrund war bereits vor dem DPT klar, dass die personelle Besetzung des Vorstands der BPtK Auswirkungen auf die Details des Weges zur Ausbildungsreform haben könnte. Folglich wurde in den Verbänden intensiv diskutiert und zwischen den Verbänden wurden Bündnisse überlegt.

Direkt zu Beginn des DPT referierte Ministerialdirektorin Karin Knufmann-Happe darüber, wie das Bundesgesundheitsministerium (BMG) den Koalitionsvertrag mit der dort vereinbarten Reform des Psychotherapeutengesetzes umzusetzen gedenkt. Dabei stellte sie klar heraus, dass die Umsetzung zusammen mit der Psychotherapeutenschaft erfolgen soll und deren Zuarbeit, z. B. bei der Approbationsordnung, gewünscht sei. Den Zugang zur PP- und KJP-Ausbildung in einer Sofortmaßnahme auf das Master-Niveau festzuschreiben, lehnte sie ab. Das BMG zögere bei diesem Weg, der den Bundesländern viel Einfluss gebe und dazu führen könne, dass sich die Länder und vor allem die Kultusministerien durchsetzen könnten, die einen Bachelor-Abschluss zur Voraussetzung der Psychotherapieausbildung machen möchten.

Wichtigster Tagesordnungspunkt des DPT war dann aber die Wahl eines neuen Bundeskammervorstands. Zeitweise waren neun Personen für fünf Positionen im Gespräch, was eine echte (Aus-)Wahl und spannende Sitzungszeit erwarten ließ. Alle Wahlen wurden dann aber doch im ersten Wahlgang und auch recht klar entschieden.

Die Wahl zum Präsidenten der Bundeskammer gewann Dietrich Munz (Kandidat der DGPT) mit 77 Stimmen gegen Nikolaus Melcop (Kandidat der DPtV) mit 54 Stimmen. Als erster der gewählten Vizepräsidenten erhielt Nikolaus Melcop dann 102 Stimmen. Bei der Wahl zum zweiten Vizepräsidenten erhielt Peter Lehndorfer (Kandidat der VAKJP) 97 Stimmen, seine Gegenkandidatin Andrea Benecke (Mitglied der DGVT, der DGPs und der DPtV) erhielt 34 Stimmen. Auf der Position der ersten zu wählenden Beisitzerin erhielt Andrea Benecke 92 Stimmen gegen Marion Schwarz (Kandidatin des BKJ) mit 33 Stimmen. Auf der zweiten zu wählenden Beisitzerposition erhielt Wolfgang Schreck (Kandidat der DGVT) 64 Stimmen und gewann gegen Heike Winter (Mitglied der DPtV und der DGPs) mit 43 Stimmen und Gerd Höhner (Kandidat der humanistischen Verbände) mit 13 Stimmen.

Aus der Darstellung wird ersichtlich, in welcher besonderen Situation die Delegierten der DGVT waren: Es galt, Wolfgang Schreck zu unterstützen, der der offizielle Kandidat des Verbandes war. Zugleich gab es mit Andrea Benecke eine zweite Kandidatin, die sich auch in der DGVT verankert sieht, aber auf dem DPT als unabhängige Kandidatin antrat.

So hat der DPT am Ende das für die DGVT erfreuliche Ergebnis, dass zwei Mitglieder des neuen Bundeskammervorstands in unserem Verband verankert sind. Das bietet meines Erachtens für die DGVT die Chance, mit großer Expertise u. a. den politischen Prozess zur Ausgestaltung der Ausbildungsreform innerverbandlich zu diskutieren und dabei alle KollegInnen, wie auch immer sie sich zur Ausbildungsreform positionieren, zu beteiligen. Darüber hinaus steht die DGVT für weit mehr Themen. Die Versorgungsrealität, verschiedene Wege einer guten Versorgung und die politischen Rahmenbedingungen von Gesundheit und Krankheit sind immer auch im Blickfeld unseres Verbandes gewesen. Somit kann die ganze Breite der Expertise unseres Verbandes in die Bundeskammer hineinwirken, und die Politik des Bundeskammervorstands kann auch unsere verbandlichen Diskussionen anregen.

Schade war es, dass die Gesamtregie des DPT ein wenig aus dem Ruder gelaufen war: Nachdem am Vormittag relativ viel Zeit für den Bericht des Vorstandes (der gleichzeitig auch zu einer kleinen Abschiedsrede des scheidenden Präsident Rainer Richter geriet) und die Diskussion verwendet wurde, und Frau Knufmann-Happe nach ihrem Vortrag ausführlich befragt wurden, wurde den beiden Kandidaten für das Präsidentenamt auch noch relativ viel Zeit für ihre Vorstellung und die Diskussion gelassen. Dies führte dazu, dass alle übrigen Wahlen und auch noch die übrigen vier unaufschiebbaren Tagesordnungspunkte beinahe im „Schweinsgalopp“ absolviert werden mussten: Die Kandidatenvorstellung bei der letzten Wahl durfte nur 5 Minuten dauern, eine Diskussion war gar nicht mehr zugelassen – eigentlich kein guter Stil, auch wenn angesichts der fortgeschrittenen Zeit ein anderes Vorgehen nicht möglich war.

Zum Ende des DPT hin wurden zwei von u. a. vielen KollegInnen der DGVT eingebrachte Resolutionen zur psychotherapeutischen Versorgung von Flüchtlingen und zur Finanzierung von DolmetscherInnen für Psychotherapien bei Menschen mit Sprachbarrieren einstimmig angenommen. Und es wurde auch einstimmig eine von Heiner Vogel eingebrachte Resolution verabschiedet, die – ähnlich wie eine aktuelle Stellungnahme des Psychotherapieverbändekreises GK II – die voraussichtlich katastrophalen Auswirkungen des Versorgungsstärkungsgesetzes auf die ambulante Psychotherapieversorgung kritisierte.

Karl-Wilhelm Höffler
Landesprecher Hessen

(Erläuterungen: DGPT: Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie; DGPs: Deutsche Gesellschaft für Psychologie; DPtV: Deutsche Psychotherapeutenvereinigung; VAKJP: Vereinigung der analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/innen; BKJ: Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/innen).