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Dr. Heinz Liebeck, Göttingen

5. Deutscher Psychotherapeutentag, 23. April 2005 in München - ein subjektiver Erlebnisbericht

22. Januar 2007

Bei beneidenswertem Föhnwetter begann am Morgen des 23. April 2005 der 5. Deutsche Psychotherapeutentag in München. Die DGVT war mit Jürgen Kuhlmann, Heinz Liebeck, Veronika Mähler-Dienstuhl, Wilfried Schaeben, Wolfgang Schreck und Heiner Vogel als Delegierte vertreten.

 

Nach begrüßenden Worten seitens des Präsidenten der Bayerischen Psychotherapeutenkammer, Dr. Nikolaus Melcop und des Amtschefs des Bayerischen Ministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Wolfgang Lazik, begann der Deutsche Psychotherapeutentag mit dem Bericht des Vorstandes, den Detlev Kommer als Präsident anschließend recht ausführlich präsentierte. Einige Nachfragen konnten Positionen noch klären. Zügig behandelten die Delegierten den Jahresabschluss 2004, so dass dem Vorstand Entlastung erteilt werden konnte. Problematisch erwies sich dann die Diskussion von grundlegenden Satzungsänderungsanträgen, wobei es hier vor allem um die Auflösung des Länderrates zugunsten einer Neustrukturierung der Bundespsychotherapeutenkammer (Bundesvorstand an Stelle des Länderrates sowie geschäftsführender Vorstand) ging. Bei sehr kontroversen Positionen wurde früh zu Beginn beschlossen, über diesen Sachverhalt erst auf dem nächsten Psychotherapeutentag zu beschließen und auf diesem nur zu diskutieren. Im Kern geht es möglicherweise um Fragen von gegenseitigem Vertrauen, Machtansprüchen sowie Kommunikationsproblemen und unterschiedlich erlebter Entscheidungskompetenz und Entscheidungsperformanz. Diese Diskussion währte über drei Stunden, wobei wirklich neue Positionen im Verlauf nicht erkennbar waren! Letztlich wurde ein Ausschuss (!) eingesetzt, der zum übernächsten Psychotherapeutentag einen Entwurf vorlegen soll. Zweifelsohne war die Diskussion wichtig, da es um Fragen der Struktur und Zusammenarbeit der Gremien ging, ob sie allerdings bei einer deutlich größeren und (auch zu fordernden) Diskussionsdisziplin diesen Raum hätte einnehmen müssen, bleibt überlegenswert. Schließlich dauerte die Frage, wie groß der Ausschuss denn sein sollte, weitere 20 Minuten, natürlich ohne die Wahl der auszuwählenden TeilnehmerInnen, die weitere Zeit kostete, da hier eine geheime Abstimmung beantragt worden war. Bei all diesem Aufwand muss erwähnt werden, dass der amtierende Vorstand neben dem Aufbau der Geschäftsstelle gerade einmal ein Jahr effektiv nach der gültigen Satzung arbeiten konnte. Insofern ist es sehr positiv zu beurteilen, dass die sogenannte Erprobungsklausel um zwei Jahre verlängert wurde.

Als erster inhaltlicher Punkt wurde dann eine Änderung der Musterfortbildungsordnung beschlossen. Hier wurden auch die von der DGVT eingebrachten Positionen (SupervisorInnen erhalten für ihre Supervisionstätigkeit keine Fortbildungspunkte und müssen nicht drei Jahre eine Dozententätigkeit nachweisen) angenommen. In den letzten 25 Minuten wurden bei bereits deutlich gelichteten Reihen noch Resolutionen (Novellierung der GOÿ/GOP, Kommunales Entlastungsgesetz, Prävention, elektronische Gesundheitskarte, Anerkennungspraxis des Gemeinsamen Bundesausschusses) mit großer Mehrheit beschlossen bzw. dem Vorstand zur weiteren Verwendung übergeben. Wichtige Tagsordnungspunkte (z. B. Musterberufsordnung) konnten nicht mehr behandelt werden, sondern wurden auf den nächsten Psychotherapeutentag im Oktober verschoben.

Stellenweise war der Verlauf der Sitzung nicht ohne Komik, was zumindest zur kurzfristigen Erleichterung bei den engen Sitzreihen führte. So hat ein Delegierter drei Mal während beginnender Abstimmungen versucht, noch das Mikrofon zu ergreifen, so dass er jedes Mal unverrichteter Dinge wieder seinen Platz aufsuchen musste. Ein Delegierter konnte offenbar trotz intensiver Hilfestellung durch den Justiziar die Geschäftsordnung des Psychotherapeutentages nicht verstehen. Diese letzten Anmerkungen habe ich nicht zur Diskreditierung des Psychotherapeutentages vermerkt, sondern weil ich daraus die Hoffnung ableiten möchte, dass die nächsten Psychotherapeutentage effektiver gestaltet werden können, was mindestens eine höhere Diskussionsdisziplin erfordert. Vielleicht hilft dazu auch die Zulassung von Fraktionen, die Vordiskussionen und damit weniger Wiederholungen ermöglichen könnten. Außerdem sollte entweder eine kürzere Tagesordnung vorgesehen oder der Psychotherapeutentag auf zwei Tage verlängert werden.

Die Effizienz des Ergebnisses dieses Psychotherapeutentages (Bildung eines Ausschusses zu Satzungsänderungsfragen, Verabschiedung der leicht veränderten Musterfortbildungsordnung und die Zustimmung zu fünf Resolutionen) möge jeder selbst in Relation zu den Kosten beurteilen. Geht man von insgesamt 100 TeilnehmerInnen (Delegierte, Geschäftsführer der Kammern etc.) aus, so hat der Psychotherapeutentag insgesamt die Mitglieder der Kammern den Betrag von über 80.000 Euro oder 178 Euro je Minute gekostet.

Gegen Ende des Psychotherapeutentages wich das wunderbare Föhnwetter vom Morgen (mit einem klaren Alpenblick vom Hotel aus) am Nachmittag einer festen Bewölkung, der dann bei Abfahrt auch die ersten Regentropfen folgten. Eine Bewertung des Himmels?