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VPP 2/2012  • Tagungsberichte 2012

"Arzt und Patient: wie viel Selbstbestimmung darf`s sein?" – KBV kontrovers am 26.10.11

04. Mai 2012
 

von Georg Krämer

Zu dieser jährlich zweimal in Berlin stattfindenden Veranstaltung kommen gerne die Größen aus der Gesundheitspolitik und den Landes- und Bundes-KVen. Es gilt, sich mit aktuellen gesundheitspolitischen Themen auseinanderzusetzen und mögliche Kontakte zu knüpfen. Solch eine Veranstaltung erachte ich gerade für die kleinen Berufssparten im KV-System (wie es die KJPler sind) als hilfreich, um sich nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein" ins allgemeine Bewusstsein zu bringen.

"Wir haben es heute mit wesentlich selbstbestimmteren Patienten zu tun". Die Zeiten der "Halbgötter in Weiß" seien vorbei. "Mehr Möglichkeiten der Selbstbestimmung führen auch zu mehr Selbstverantwortung. Wenn ich selbstbestimmt handle und entscheide, bin ich auch für das Ergebnis zumindest mitverantwortlich" so der KBV-Vorstandsvorsitzende A. Köhler zu Beginn.

In der anschließenden Diskussionsrunde kamen Themen wie die Selbstbeteiligung von Patienten, Arztbewertungsportale, Patienteninformationen u. a. durch das Internet, individuelle Gesundheitsleistungen, Patientenquittungen und die elektronische Patientenakte zur Sprache.

Dr. Müller, Vorstand der KBV und Hausarzt, erklärte, dass die Mündigkeit der Versicherten und Patienten auch Pflichten mit sich bringe; es reiche nicht aus, Medikamente zu schlucken, sondern der Patient müsse sich mit seiner Krankheit auseinandersetzen (z.B. indem er auf seine Ernährung und Bewegung achte). Notwendig sei eine Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Institutionen zur Bewusstseinsbildung (z.B. Schulen, Ämter, Beratungsstellen etc).

Candidus, Präsident der Bürgerinitiative Gesundheit und der Dt. Gesellschaft für Versicherte und Patienten, forderte, dass auch der Gesunde sich mit der Vorsorge beschäftigen müsse - Vorsorge als Eigenschaft des mündigen und mitdenkenden Menschen.

K. Stötzner, Patientenvertreterin im gemeinsamen Bundesausschuss und Patienten­beauftragte für Berlin, betonte, der Rollenwechsel des Patienten hin zu einem selbständigen und sich frei entscheidenden Patienten sei noch nicht abgeschlossen, denn ihm fehle es an Information zu Prävention und Behandlung. Zudem müssten die Selbsthilfegruppen mehr einbezogen werden.

G. Schillinger, AOK-Vertreter, artikulierte die Notwendigkeit der Krankenkassen, ihre Versicherten zu informieren, damit diese den Behandlern gegenüber souveräner auftreten.

Anschließend kam es - wie immer - zu einer anregenden Diskussionsrunde der Podiumsrunde mit den anwesenden TeilnehmerInnen.

Auffallend und sehr bedauerlich: auch nach mehr als 10 Jahren wird bei solchen Veranstaltungen immer noch ausschließlich von Ärzten gesprochen. Wir als nicht-ärztliche PsychotherapeutInnen werden bei solchen Treffen mit keinem Wort erwähnt, daher ist es notwendig, selber sich als solche ins "Spiel zu bringen".


[1]Quelle: bkj-Mitglieder-Rundbrief IV/2011, 23.11.2011; Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und des Autors.