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Praxistage 2012

Ausführliche Beschreibung der Workshops

14. November 2012
 

Kurzworkshops (5 UE / 6 Fortbildungspunkte)

1. Kinderhospizarbeit – Umgang mit Tod und Trauer in der Familie - AUSGEBUCHT ! -

Ulrike Adam, Mannheim

In diesem Workshop wird der Umgang mit trauernden Kindern und ihren Eltern im Vordergrund stehen. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung (Informationen, Theorien, Methodik, Praxis) in der Begegnung mit sterbenden Kindern, sowie trauernden Geschwisterkindern und trauernden Eltern, ist es wichtig auch auf die Wahrnehmung und Reflektion der eigenen Trauererfahrungen zu achten und um diese zu wissen. Die Anwendbarkeit der Trauerbegleitung in eigener Praxis soll erarbeitet werden.

2. Psychotherapie für Kinder und Jugendliche mit Intelligenzminderung

Dieter Irblich, Auel

Menschen mit Intelligenzminderung, d. h. einem IQ < 70 und deutlichen Einschränkungen in der alltagsbezogenen Selbständigkeit, weisen dreimal häufiger psychische Störungen und schwere Verhaltensstörungen auf als die Normalbevölkerung. PsychotherapeutInnen verfügen oft nicht über ausreichende Erfahrung im Umgang mit diesem Personenkreis und bewährte psychotherapeutische Methoden scheinen oftmals nicht zielführend zu sein.
Der Workshop vermittelt Grundinformationen über Kinder und Jugendliche mit Intelligenzminderung, es werden entwicklungsstandsgerechte Herangehensweisen erläutert und Möglichkeiten aufgezeigt, wie bekannte psychotherapeutische Methoden individuell modifiziert werden können. Die Vorgehensweise ist dabei methodenoffen und nicht manualisiert. Neben Informationsvermittlung und Falldemonstrationen sind die TeilnehmerInnen aufgefordert, sich in Übungen und Rollenspielen aktiv mit einzubringen.

3. Jugendarmut – kritisch-psychologische Aspekte - FÄLLT AUS! -

Hans-Peter Michels, Cottbus

Jugendliche sind die Gruppe, die in unserer Gesellschaft am stärksten von Armut betroffen ist. Diese Problematik wird in Psychologie und Psychotherapie noch zu wenig berücksichtigt. Im Workshop sollen die gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Zusammenhänge von Jugendarmut erörtert werden. Diskutiert werden soll, welche Konsequenzen sich für Beratung und Psychotherapie ergeben.

4. Wertereflexion in der Psychotherapie mit Kindern, Jugendlichen und Bezugspersonen

Nina Pflugradt, Naumburg

In mancher Therapiestunde kann man staunen, wie unterschiedlich die Werthaltungen der Kinder, Jugendlichen oder Bezugspersonen sein können und wie um die Anerkennung der eigenen Werte gekämpft wird. Wie können wir als TherapeutInnen, die wir ja auch aus unserer Sozialisation eigene Werte zwischen Individualität und Konformität mitbringen, mit diesem Spannungsfeld ganz konkret in der Therapie umgehen – ohne Verbiegungen oder Verhärtungen der Beteiligten?
Mittels verschiedener Methoden werden wir uns verdeutlichen, was wir als wertvoll bezüglich der Lebensbereiche Beruf, Familie, Freundschaft, Partnerschaft, Kindererziehung, Freizeit empfinden und wie wir die Wert-Diskrepanzen zu und zwischen den PatientInnen konstruktiv nutzen können.

5. Verstehen ohne Worte? Umgang mit Hörschädigung in der Therapie - FÄLLT AUS! -

Yvonne Stobinski und Sandra Faustmann, Leipzig

Kinder und Jugendliche mit Hörschädigung, begonnen bei Schwerhörigkeit bis hin zu Gehörlosigkeit, bringen nicht nur sprachliche, sondern auch psychische Besonderheiten mit in die Therapie. Häufig besteht ein besonderer sozialer und kultureller Hintergrund. PsychotherapeutInnen stehen deshalb vor speziellen Herausforderungen bei diesen KlientInnen. Der Workshop soll einen Einblick in die Auswirkungen von Hörschädigung und in den Umgang hiermit in Beratung und Therapie geben.
Möglichkeiten der TherapeutInnen (alternative Medien wie z.B. Hunde; abgewandelte Methoden der VT; eigene DGS-kompetenz) und der Einsatz geschulter DolmetscherInnen werden vor- und gegenübergestellt.

6. „Irgendwie anders“ – Pflegekinder im Spannungsfeld zweier Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Silvia Zabernigg, Feldkirch/Österreich

„Wie kann man das nur machen, dass man mich verschenkt hat, einfach so?“, fragt ein Pflegekind. Bezugspersonen des Kindes sind immer wieder verblüfft, überrascht und irritiert, wenn sie auf die Aussagen der Kinder achten. Pflegeeltern leisten emotionale Schwerstarbeit und dies primär ehrenamtlich. Herkunftseltern geben ihre Kinder in Obhut – dies nicht immer freiwillig.
In diesem Netz unterschiedlicher Bedürfnisse, Vorstellungen und Wünsche soll sich das Kind einen Weg in ein selbständiges und vor allem selbstbewusstes Leben bahnen. Ein Workshop über Chancen und Risken der Pflegschaft.


Foto: © ETM

Angebote für LehrerInnen

7. Gemeinsames Lernen durch inklusive Didaktik - FÄLLT AUS! -

Theo Klauß und Henrike Lenschow, Heidelberg

Im Rahmen der Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems gilt es Konzepte für einen Unterricht zu entwickeln, der allen SchülerInnen Teilhabe an Bildung ermöglicht. Auf der unterrichtsorganisatorischen Ebene spielen offene Lernformate und differenzierte Unterrichtsmaterialien sowie die Arbeit in Lehrerteams eine wichtige Rolle. Im Rahmen des Workshops sollen darüber hinaus zentrale Theorien zur Didaktik gemeinsamen Unterrichts vorgestellt, im Hinblick auf ihren Nutzen für die Unterrichtsplanung in einer heterogenen Klasse betrachtet und von den TeilnehmerInnen erprobt werden.

8. Mobbing, Bullying, Cyberbullying

Anton Walcher und Kirsten Zimmermann, Berlin

Mobbing an Schulen (Bullying) betrifft in Deutschland ca. 1,1 Millionen SchülerInnen wöchentlich, mit schwerwiegenden und langfristigen Folgen für die Opfer. Neben physischer Gewalt spielen dabei auch direktes Ausgrenzen oder das Streuen von Gerüchten sowie die Nutzung neuer Medien (Cyberbullying) eine Rolle. LehrerInnen, Eltern und MitschülerInnen stehen solchen Situationen oft hilflos gegenüber und wissen nicht, wie sie sich richtig verhalten sollen.
In dieser Veranstaltung wird ein Überblick über Entstehung und Auftretenshäufigkeit von Bullying gegeben, werden gängige Methoden auf Schul-, Eltern- und Individualebene vorgestellt, die sich bei der Prävention und Intervention von Bullying als wirksam erwiesen haben und es wird die Möglichkeit gegeben, das Wissen mit Hilfe praktischer Übungen zu vertiefen.


Foto: © FAU

Langworkshops (8 UE / 10 Fortbildungspunkte)

1. Behandlung von Adipositas im Kinder- und Jungendalter mit besonderer Berücksichtigung motivationaler Schwierigkeiten

Margarete Bolten, Basel/ Schweiz

Der Workshops soll neben der Darstellung des therapeutischen Vorgehens bei der Behandlung von Adipositas im Kindes- und Jugendalter auch einen Überblick über die verschiedenen Techniken zum Umgang mit Ambivalenzen, Widerstand und fehlender Kooperation geben. Anhand praktischer Übungen werden Strategien zur Motivierung von PatientInnen mit ambivalenter Therapiemotivation sowie konkrete Interventionsmaßnahmen aus den Therapiebausteinen Ernährungsumstellung, aktiver Alltag, Stressbewältigung etc. vermittelt und exemplarisch erprobt. Kritisch soll jedoch auch auf die Grenzen der Motivationsarbeit eingegangen werden.

2. „Ich lass dich, wie du bist, aber ändere dich!“ – Ein Dilemma von TherapeutInnen und PädagogInnen aus philosophischer Perspektive

Ates Gürpinar, Erlangen

Insbesondere die Arbeit mit Kindern, aber letztlich jede therapeutische Beziehung zu Menschen ist geprägt von verschiedenen Bildern vom Menschen, die wiederum direkte Einwirkungen auf therapeutische und didaktische Modelle hatten und haben. Schon der Begriff des ‚Behandelns‘ deutet auf ein bestimmtes anthropologisches Muster hin. Die Frage stellt sich, wie Einwirkungen in den Menschen möglich sind und wann überhaupt auf Menschen eingewirkt werden darf. In diesem Workshop soll aus kritischer Perspektive ein Blick auf die anthropologischen Grundkonzepte gewagt werden, die sich hinter den therapeutischen Modellen verbergen, um anschließend das eigene Arbeiten besser reflektieren zu können.

3. „Mein Papa lebt nicht mehr!“ Psychotherapeutische Begleitung von Kindern und Jugendlichen, die einen Elternteil verloren haben

Elisabeth Jürgens, Braunschweig und Ruth Jäger, Hildesheim

Der Verlust eines Elternteils im Kindes-/Jugendalter ist ein einschneidendes Lebensereignis, das von dem betroffenen Kind eine enorme Anpassungsleistung verlangt. Da Gleichaltrige eine solche Erfahrung noch nicht gemacht haben, fällt die Kommunikation mit ihnen schwer – das Kind/der Jugendliche fühlt sich anders und allein! Wissenswertes über Trauerprozesse, Todeskonzepte von Kindern, Auswirkungen des Elternverlustes, therapeutische Möglichkeiten der Vorbereitung auf den Verlust, Bewältigung durch therapeutische Rituale, Musik, Literatur und Gespräche.

4. Die Rolle der Familie in der Psychotherapie bei Menschen mit Migrationshintergrund

Jan Kizilhan, Villingen-Schwenningen

Die zunehmende Globalisierung und das Entstehen multikultureller Gesellschaften erfordern es, kulturelle Aspekte mehr als bisher in die medizinische und psychotherapeutische Versorgung einzubeziehen. In Deutschland haben bereits jetzt mehr als 19 % der Gesamtbevölkerung einen Migrationshintergrund, Tendenz steigend. Unterschiedliche Barrieren und Zugangsvoraussetzungen zur gesundheitlichen Versorgung und der Einfluss der Herkunftskultur auf das Krankheitsverständnis und die Krankheitsverarbeitung bei MigrantInnen erschweren eine adäquate und effektive medizinische Behandlung.
Die Einbeziehung von Familienmitgliedern bei MigrantInnen kann sowohl für die Diagnostik als auch für die Behandlung im Hinblick auf sekundären Krankheitsgewinn, Familiendynamik etc. wichtig sein. Die Familie kann bei der Verbesserung von Fähigkeiten im Sinne der sozialen Kompetenz und Ressourcen unterstützend in die Therapie mit einbezogen werden. Zur Gestaltung einer effektiven Psychotherapie sind Grundkenntnisse der Herkunftskultur hilfreich und notwendig.

5. Nicht-Heterosexuelle Identitätsentwicklung: „Wie geht eigentlich homo?“ - FÄLLT AUS! -

Ralph Kohn und Andrea Lang, Mannheim

Die gesellschaftliche Haltung gegenüber Schwulen und Lesben hat sich in den letzten Jahren zunehmend positiv verändert. Dennoch ist die Situation schwul-lesbischer Jugendlicher in vielerlei Hinsicht eine besondere, und nach wie vor geht eine nicht-heterosexuelle Entwicklung mit einer erhöhten psychischen Belastung einher. PsychotherapeutInnen sind angehalten schwul-lesbische PatientInnen weder zu pathologisieren noch zu diskriminieren, stattdessen Entwicklungsprozesse affirmativ zu begleiten. Der Workshop versucht Wissen um diese Besonderheiten praxisnah zu vermitteln, dabei zur Reflektion der eigenen Haltung zu sexuellen Identitäten anzuregen, und Handlungskomptenzen zu fördern.

6. Psychosexuellen Entwicklung und Geschlechtsidentität respektive deren Störung im Kindes- und Jugendalter - FÄLLT AUS! -

Alexander Korte, München

Der Workshop gibt einen Überblick über die verschiedenen theoretischen (neurobiologischen vs. entwicklungspsychologischen, lerntheoretischen vs. psychodynamischen) Erklärungsversuche sowie die empirischen Befunde zur Entwicklung der Geschlechtsidentität respektive deren Störung im Kindes- und Jugendalter. Wichtige Differenzialdiagnosen und die aktuelle Kontroverse um die frühzeitige Hormontherapie bei Vorliegen einer Geschlechtsidentitätsstörung werden erörtert. Die „Pros und Cons“ der unterschiedlichen Behandlungsstrategien sollen anhand von Fallbeispielen kritisch diskutiert werden.

7. Patchworkfamilien systemisch betrachtet

Heike Tittel, Tübingen und Christine Krug, Blaustein

Die Mitglieder einer Patchworkfamilie haben besondere Aufgaben zu bewältigen. Eine davon ist die Erfahrung von Trennung. Jede Familie und jedes Familienmitglied findet dafür individuelle Lösungen. Was brauchen TherapeutInnen in der Behandlung einer Patchworkfamilie? Ziel des Workshops ist es, sich als TherapeutIn die verschiedenen Rollen bewusst zu machen, um die Familienmitglieder in schwierigen Situationen begleitend unterstützen zu können.

8. Asperger-Syndrom: Einfach anders – Behandlung und Förderung betroffener Kinder und Jugendlicher

Katrin Russ und Annika Kalinowsky (ehemals Roop), Hannover

Im Seminar werden wesentliche Aspekte in Bezug auf Störungsverständnis, Diagnostik und Behandlung des Asperger-Syndroms erarbeitet. Durch Übungen und praktische Beispiele werden die wesentlichen Behandlungsstrategien erfahrbar gemacht. Dabei geht es um die Gratwanderung zwischen Akzeptanz der Besonderheit und Förderung von Fähigkeiten, die zu einer besseren Eingliederung in soziale Gemeinschaften (Schwerpunkt Schule) führen.


Foto: © FAU

Angebot für Studierende:

9. Der Weg ist das Ziel oder: Was soll ich nur nach dem Studium machen?

Ein Workshop für Studierende mit Interesse an einer Psychotherapie-/Verhaltenstherapie-Ausbildung

 


Nach einem Überblick über psychosoziale und therapeutische Berufsfelder im psychologischen und pädagogischen Bereich wird die Ausbildung zur Psychologischen PsychotherapeutIn bzw. Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn bei der DGVT vorgestellt.

Im Anschluss daran werden (Verhaltens-)TherapeutInnen aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern zu ihrem beruflichen Werdegang in Form von Interviews Rede und Antwort stehen. Die Interviews werden von den Workshop-TeilnehmerInnen vorbereitet und durchgeführt. Aus den Erfahrungen der InterviewpartnerInnen werden Anregungen und Tipps für die Planung der eigenen beruflichen Perspektive abgeleitet.

 

Judith Schild, Münster