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Ralf Adam, Renate Hannak-Zeltner

Bericht der Landesgruppe Baden-Württemberg ('Rosa Beilage' zur VPP 1/2006)

23. Februar 2007

Inzwischen hat in Baden-Württemberg die Wahl zur Landespsychotherapeutenkammer für die KandidatInnen der DGVT erfolgreich geendet.

 

Wir danken unseren WählerInnen für ihr Vertrauen und versuchen, dem Auftrag gerecht zu werden. Die DGVT ist nun gefordert, in der Mitarbeit, auch an verantwortlicher Stelle im Vorstand, ihre Ideen und politischen Positionen einzubringen. Die Wahl verlief aufregend. Erst am 4.1.2006 wurden zwei Wahlanfechtungen durch den Wahlausschuss der Psychotherapeutenkammer abgelehnt, damit wurde das Wahlergebnis definitiv. Erste Verhandlungen mit anderen Listen fanden seit November statt. Die Liste Psychotherapeutenbündnis Baden-Württemberg - in der wir mit vertreten sind - hat gemeinsam mit der Liste Beratungsstellen haben eine Mehrheit in der Vertreterversammlung.
Der neue Vorstand der Landespsychotherapeutenkammer setzt sich wie folgt zusammen:

  1. Präsident: Dr. Dietrich Munz (DGPT)
  2. Vizepräsident: Martin Klett (BVVP/VAKJP)
  3. Rechnungsführerin: Renate Hannak-Zeltner (DGVT)
  4. Beisitzerin: Birgitt Lackus-Reitter (BVVP)
  5. Beisitzerin: Kristiane Göpel (VAKJP)

Unser Ausbildungsinstitut am Bodensee ist seit 1. Oktober 2005 offiziell anerkannt. Neben der Anerkennung des Trägerschaftswechsels sind aber auch negative Entwicklungen zu verzeichnen. In den kooperierenden Kliniken werden die Bedingungen im Rahmen der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapieausbildung immer weiter verschärft. In zwei großen psychiatrischen Kliniken wurde die Möglichkeit, die praktische Tätigkeit auch halbtags zu absolvieren, für die zukünftigen AusbildungsteilnehmerInnen gesperrt. Viele AusbildungsteilnehmerInnen sind darauf angewiesen, ihre Ausbildungszeit über einen eigenen Verdienst zu finanzieren. Hier waren die 50 %-Stellen innerhalb der praktischen Tätigkeit eine wichtige Voraussetzung, die Ausbildung überhaupt durchführen zu können. Auch für Mütter sind die Halbtagsstellen oft die einzig mögliche Form, die praktische Tätigkeit durchzuführen.
Eine weitere Entwicklung geht vom Regierungspräsidium aus, das das geschaffene Netz von Kooperationspraxen für die praktische Ausbildung zurückschrauben möchte. Es sollen nur noch wenige Kooperationspraxen genehmigt werden. 
Da die AusbildungsteilnehmerInnen aus ganz Baden-Württemberg und zum Teil auch aus Bayern kommen, wird es hier zu großen Problemen kommen, die praktische Ausbildung wohnortnah durchzuführen. Dies bedeutet einen erneuten finanziellen und zeitlichen Aufwand für die Betroffenen. Diese beiden Entwicklungen führen zu einer weiteren Verschlechterung Sozialverträglichkeit der Ausbildung. Es wird Zeit, dass sich die Kammer dieser Themen vor dem Hintergrund der in Zukunft absehbaren psychotherapeutischen Unterversorgung annimmt. Die DGVT-VertreterInnen der Psychotherapeutenkammer werden das Thema in die Kammerpolitik einbringen. 
In diesen Tagen wird in Baden-Württemberg von Seiten der Ärzte gestreikt. Organisiert wird dieser Streik von einer Ärztevereinigung, die nicht unumstritten ist. Hintergrund ist der sinkende Gewinn aus ärztlicher Arbeit, bei hohen Anforderungen hinsichtlich wirtschaftlichen Handelns, Dokumentation und Einhalten von Standards. Nicht zuletzt werden überlange Arbeitszeiten genannt.
Für weitere Aufregung im Land sorgt ein Fragenkatalog für einbürgerungswillige MigrantInnen. Mit 30 Fragen in Form eines sog. "Gesprächsleitfadens" will man die Verfassungstreue erkunden. Unsere freiheitlich demokratische Grundordnung ist ein hohes und schützenswertes Gut, gleichzeitig jedoch ein recht abstraktes Konstrukt. Seit Jahresbeginn müssen sich Muslime, welche sich um einen deutschen Pass bewerben, dem umstrittenen Gesinnungstest unterziehen, und sich u. a. mit Fragen zur Staatsform Demokratie abquälen, die dem Stil nach auch in Abiturarbeiten vorkommen könnten. Andere Fragen betreffen die Haltung zur Gleichberechtigung der Geschlechter, die Toleranz gegenüber Anderen; auch das Thema Homosexualität wird angesprochen. Diese Fragen, denen jegliche methodische Grundlage fehlt, sind völlig ungeeignet, Verfassungsfeinde zu ermitteln oder die jeweilige Integrationsbereitschaft festzustellen. Der Katalog wird vielmehr als Provokation wahrgenommen und trägt möglicherweise zum weiteren Rückzug in die eigene Kultur und Denkwelt bei. Da viele Fragen speziell für Muslime zugeschnitten sind, fühlen sich diese - wie in Radio- und Zeitungsbeiträgen deutlich wird - in besonderer Weise ausgegrenzt und gekränkt.
Etwas Erfreuliches aus der Landespolitik zum Schluss: Es wird ernsthaft überlegt, dass die baden-württembergischen Kinder erst später zur Schule gehen sollen. Es geht nicht, wie man zunächst annehmen könnte, um das Einschulungsalter, sondern um die Frage des morgendlichen Unterrichtsbeginns. Wer selbst mit den eigenen Kindern davon betroffen ist oder sich noch an den Morgenstress mit Kindern erinnert, kann das nur begrüßen. Ein etwas geruhsamerer Start in den Tag könnte für die Kinder Entlastung bringen und vorbeugend gegen stressbedingte Störungen wirken. Allerdings wird diese Idee von Ministerpräsident Oettinger bereits kontrovers diskutiert, denn die Stunden fehlen dann am Ende des Vormittags und weitere Änderungen hin zur Ganztagsschule wären die Folge. Wer sich über die Erkenntnisse der Schlafforschung und die Auswirkungen eines frühen Schulbeginns weiter informieren möchte sei verwiesen an: http://www.br-online.de/wissen-bildung/artikel/0402/19-langschlaefer-schule/index.html