Bericht über die 18. Weltkonferenz der Internationalen Union für Gesundheitsförderung und -erziehung (IUHPE) in Melbourne/Australien vom 26. - 30. April 2004
Im Staat Victoria im Süden Australiens wurde bereits 1987 auf der Grundlage der Ottawa-Charta der WHO durch Parlaments-Beschluss die öffentliche Zigaretten-Werbung untersagt und das Geld der Tabaksteuer für den Aufbau eines Gesundheitsförderungs-Fonds
"Vic Health" verwendet.
Mit diesem Geld konnten nun auch Sport- und Kunstveranstaltungen unterstützt werden, die bisher von einem Sponsoring durch Tabak- und Alkoholfirmen abhängig waren.
Die Arbeit der "Victoria Health Foundation" ist weltweit Vorbild für ähnliche Stiftungsgründungen zur Gesundheitsförderung geworden, die inzwischen in einem eigenen International Network of Health Promotion Foundations kooperieren. (www.vichealth.vic.gov.au ).
"Vichealth" hatte zusammen mit der Australien Association for Health Promotion die Ausrichtung dieser vorzüglich organisierten Weltkonferenz übernommen.
Mehr als 2.500 Vortragsanmeldungen waren in einem internetbasierten Review-Verfahren von einigen Hundert Review-Personen beurteilt worden. 1.200 wurden als Poster-Präsentation und etwa 150 in der Form von Vorträgen ausgewählt und nach thematischen Schwerpunkten zugeordnet.
Herausgehobene Themen waren:
- Gesundheitsförderung in Transformationsgesellschaften
- Gesundheitsförderung in multikulturellen Settings
- Gesundheitsförderung in Städten und Gemeinden
- Gesundheitsförderung für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen
- Gesundheitsförderung in und mit Schulen
- Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Gesundheitsförderung
Deutlich wurde, dass die Professionalisierung und Institutionalisierung der Gesundheitsförderung vor allem in angelsächsisch geprägten Ländern wesentlich weiter vorangeschritten ist als in Deutschland. In Kanada und Australien hat sich vor allem auf der Ebene der Regionen und der Städte und Gemeinden eine vielfältig differenzierte Praxis der Gesundheitsförderung etabliert, die von einem Netz von regional engagierten Hochschulen in Ausbildung, Forschung und Entwicklung aktiv unterstützt wird.
Viele asiatische Länder orientieren sich an dieser Entwicklung und die beiden nächsten Weltkonferenzen der IUHPE wurden entsprechend für 2007 nach Vancouver und für 2010 nach Hongkong vergeben.
In Europa sind Schweden und England tonangebend. Insbesondere die neue schwedische Politik der Gesundheitsförderung, die im Jahr 2002 vom Parlament verabschiedet wurde und in 10 Punkten grundlegende Ansatzpunkte für eine intersektorale Gesundheitspolitik formuliert, fand viel Aufmerksamkeit. Sie wird auch im Mittelpunkt der nächsten europäischen IUHPE-Konferenz zum Thema "Best Practice for Better Health" stehen, die vom 1. - 4. Juni 2005 in Stockholm stattfindet. (www.bestpractice2005.se )
Eine koordinierende Funktion hat das Schwedische Institut für Volksgesundheit (www.fhi.se ) übernommen.
In England hat die nationale Health Development Agency zunehmend eine unterstützende Servicefunktion für den dezentralen Aufbau regionaler und kommunaler Strukturen der Gesundheitsförderung übernommen und eine Reihe qualitativ guter Internet-Informationsdienste eingerichtet. Besonders herausragend ist das Literatur-Informationsdienst (http://healthpromis.hda-online.org. )
Bemerkenswert interessante Webseiten für die Unterstützung einer professionellen Praxis der Gesundheitsförderung sind auch von der Schweizer Stiftung für Gesundheitsförderung entwickelt worden. (http://www.quint-essenz.ch ) In Kanada bietet die Webseite von Health Canada (www.canadian-health-network.ca ) einen guten Einstieg.
Seitens der IUHPE wird eine eigene Datenbank unter der Bezeichnung "HP-Source" aufgebaut. (www.hp-source.net ), die wesentliche Informationen zur Gesundheitsförderung in verschiedenen Ländern zugänglich machen soll.
Leider war bei der Weltkonferenz aus Deutschland nur der Bereich "Workplace Health Promotion" durch den BKK-Bundesverband und die BAUA gut vertreten. Weder BZgA noch BfGe waren als institutionelle IUHPE-Mitglieder präsent.
Mit der Vertreterin des Fonds Gesundes Österreich, Petra Plunger, und Ursel Brösskamp-Stone von der Schweizer Stiftung für Gesundheitsförderung habe ich in Melbourne verabredet, die Bemühungen um eine Kooperation im deutschsprachigen Bereich unter Einbeziehung der BZgA und der BfGe zu verstärken.
Als neugewähltes Mitglied des europäischen Regional-Komitee der IUHPE (Die DGVT gratuliert Professor Göpel zu seiner Wahl!) werde ich mich vor allem für den Bereich der Qualifizierung (Aus-, Fort- und Weiterbildung) und für Mitglieder-Werbung in Deutschland engagieren. Ziel ist, die Zahl der KollegInnen deutlich zu erhöhen, die den fachlichen Austausch und die persönlichen Kontakte der IUHPE als internationaler Fachgesellschaft als unterstützende Ressource für die eigene berufliche Praxis nutzt.
Für die fachliche Entwicklung einer gesundheitsfördernden Politik und Praxis in Deutschland hat die bereits 1951 gegründete IUHPE eine zentrale Orientierungsfunktion im internationalen Kontext, die hier noch zu wenig bekannt ist.
Die Weltkonferenz in Melbourne war eine informations- und sinnenreiche Ermutigung auf dem Weg zu einer globalen Verständigung über eine menschenwürdige und menschenfreundliche Politik der Gesundheitsförderung.
Die Organisatoren hatten sich große Mühe gegeben, für die weite Anreise zu entschädigen und die internationalen TeilnehmerInnen auf vielen Kommunikations-Ebenen anzusprechen: Jonglierbälle in der Tagungsmappe, Eröffnungs-Veranstaltung mit künstlerischen Variationen der Themen, abwechslungsreiche Veranstaltungsformen, Live-Musik in den Pausen, Bewegungsangebote zum Mitmachen, Informationsstände mit Kontaktbörsen, Ausflüge in die Stadt und die Region, Abschluss-Fest im Vergnügungspark am Strand - ein Kongress voll Vitalität und Lebensfreude, der viele Anregungen, Ideen und Kontakte für die Arbeit in Deutschland vermittelte.
Programm und Abstracts der Konferenz sind unter www.health2004.com.au einsehbar.
Kontakt:
Prof. Dr. Eberhard Göpel
Hochschule Magdeburg-Stendal (FH)
Breitscheidstr. 2
39114 Magdeburg
Tel.: 0391 - 886 4713
email: eberhard.goepel@sgw.hs-magdeburg.de