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Kammern

Deutscher Psychotherapeutentag in Hamburg am 15. 10. 05: Richter zum neuen Präsidenten gewählt, Bauer neuer Vize

22. Januar 2007
 

Quelle: Vorabdruck zur 'Rosa Beilage' zur VPP 4/2005

Der 6. Deutsche Psychotherapeutentag in Hamburg war eigentlich gar nicht spektakulär, sondern für alle Beteiligten fast schon Routine (nur eine kleine Gruppe hat sich dann noch nicht mit den Spielregeln abfinden können, aber dazu später ...).

Der eigentlich vorgesehene Schwerpunkt des 6. Deutschen Psychotherapeutentages am 15. Oktober in Hamburg, die Beratung und wenn möglich auch Verabschiedung der Musterberufsordnung, fand gar nicht statt, denn die leider notwendigen Nachwahlen nahmen dann letztlich so viel Raum ein, dass für eine angemessene Beratung der inzwischen liebevoll abgekürzten MBO keine Zeit mehr blieb. Also kann ausführlich über die Wahlen berichtet werden.

Es begann - wie sich das gehört - mit einer Begrüßung durch den Präsidenten der gastgebenden Landeskammer, Prof. Rainer Richter, in der er unter anderem Hamburg als eine Wiege der deutschen Psychotherapiegeschichte und speziell auch der Entwicklungen zum Psychotherapeutengesetz herausstellte. Grußwort des Gesundheitsstaatsrates und die Regularien leiteten dann zum Thema über - den Wahlen! Zunächst musste die Versammlungsleitung neu gewählt werden.

Als neuer Versammlungsleiter wurde Jürgen Hardt, Kammerpräsident aus Hessen gewählt, der bisher bereits stellvertretender Versammlungsleiter war. Als neuer Vize musste damit (laut Satzung/GO) ein KJP gewählt werden, und hier gab es erneut eine Kandidatin, Inge Berns aus Niedersachsen, die auch ebenfalls weitgehend einstimmig gewählt wurde. Wolfgang Schreck, Delegierter aus Nordrhein-Westfalen, ist als stellvertretender Versammlungsleiter weiterhin im Amt.

Der folgende Bericht des Vorstandes zeigte, dass die Arbeiten der Bundeskammer im zurückliegenden halben Jahr nicht still gestanden haben, obwohl diese Zeit durch den Tod des Präsidenten Detlev Kommer und in den letzten Wochen den krankheitsbedingten Ausfall von Lothar Wittmann, einem der beiden stellvertretenden Präsidenten, geprägt war. Die BPtK konnte bei verschiedenen Gesetzes- bzw. Richtlinieninitiativen ihre Position einbringen (HPC, DMP's u.a.), und zahlreiche Kontakte zur Politik und der Gesundheitsszene knüpfen und verbessern (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Gemeinsamer Bundesausschuss u.a.) - das wurde ausführlich von Monika Konitzer, der "verbliebenen" Vizepräsidentin deutlich gemacht.

Dann ging es aber weiter mit den Wahlen: Zunächst die wichtige Wahl eines Präsidenten/einer Präsidentin. Zur Wahl stellten sich, das war auch vorher schon klar gewesen, Monika Konitzer und Rainer Richter. Beide sind erfahrene und geschätzte Fachleute, gerade auch im speziellen Feld der Kammerpolitik. Für die Kandidatenvorstellung und -befragung ließ sich die Versammlung relativ viel Zeit, was aber durch die Bedeutung dieser Wahlentscheidung gerechtfertigt war. Zunächst erläuterten beide in einer kurzen Rede ihre Überlegungen zur zukünftigen Politik der BPtK, anschließend wurden beide im Rahmen einer Fragerunde von den Delegierten befragt und gaben zu weiteren Themen oder auch zu kontroversen Punkten Auskunft. Konitzer setzte sehr auf Kontinuität, Fachlichkeit, Teamarbeit und Erfahrung in den speziellen BPtK-Belangen. Richter betonte sein besonderes Bemühen, die BPtK-Aktivitäten in engem Schulterschluss mit den Landeskammern zu konzipieren und umzusetzen. Er zeigte seine Wertschätzung gegenüber der bisher geleisteten Aufbauarbeit und meinte, dass er insofern auf Kontinuität setze. Er betonte aber auch, dass er besonderen Wert darauf lege, die zukünftigen Arbeiten in enger Kooperation mit den Berufs- und Fachverbänden sowie denjenigen abzustimmen, die in den Kassenärztlichen Vereinigungen als Vertreter der Psychotherapeuten Verantwortung tragen. In der weiteren Aussprache ging es um die Fragen, wie weit Ausschüsse der BPtK beratend in die Politik des Vorstandes einbezogen werden, wie der Vorstand sich für neue Versorgungsformen einsetzen werde und wie die Kooperation mit den Psychotherapeutenvertretern in den KVen und der KBV<//abbr> gestaltet werden soll. Insgesamt war es eine faire, engagiert geführte und sehr sachliche Kandidatenbefragung, die dem Anspruch des Amtes sicher gerecht geworden ist. Die geheime Wahl erbrachte anschließend eine deutliche Mehrheit (52:36) für Rainer Richter, der sich anschließend für das Vertrauen bedankte und darum bat, seine zukünftige Arbeit an den angekündigten Zielen zu messen.

Nach der Mittagspause entbrannte dann die Wahl des neuen Vizepräsidenten zu einem wahren Wahlkrimi. Von den drei Kandidaten verstand sich Hans Bauer, Vizepräsident der hessischen Psychotherapeutenkammer, der leider abwesend war und dessen Vorstellung verlesen wurde, eher als Vertreter der Nicht-Richtlinien-Verbände. Dr. Josef Könning, Leiter eines VT-Ausbildungsinstituts für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, äußerte sich als Kandidat der Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten und des Deutschen Fachverbands für Verhaltenstherapie (DVT<//abbr>) und Dr. Roland Deister, Vorstandsmitglied der Psychotherapeutenkammer Hessen, stellte sich als Vertreter des Bundesverbandes der Vertragspsychotherapeuten vor. Letzterer hatte seine Kandidatur offensichtlich recht kurzfristig überlegt, so dass diese vorher nicht bekannt war und auch sein Vorstellung eher kurz blieb. Gleichwohl: In der Kandidatenvorstellung und anschließende -diskussion konnten sowohl Könning als auch Deister ihre jeweiligen Schwerpunkte differenziert darlegen und ihr Profil verdeutlichen.

Ob die folgenden Wahlvorgänge eher ein Desaster oder ein Krimi waren, kann man vielleicht später entscheiden. Vielleicht waren sie beides. Nachdem der erste Wahlvorgang, bei dem einer der Kandidaten eine absolute Mehrheit hätte erringen müssen, für Bauer und Könning ein in etwa vergleichbares Ergebnis brachte und Deister etwas abgeschlagen war, gab es eine kurze Unterbrechung und anschließend zog Deister seine Kandidatur zurück. Im zweiten Wahlgang hatte zwar Könning eine Stimme mehr als Bauer (42:41), aber bei 6 Enthaltungen reichte auch das nicht zur nun erforderlichen absoluten Mehrheit.

Der dritte Wahlgang brachte zwar eine leichte Mehrheit von einer Stimme für Bauer. Er wurde aber erfolgreich angefochten, weil nachweislich nach Abschluss der Stimmabgabezeit ein Stimmzettel in die Wahlurne geworfen worden war. Der vierte Wahlgang wurde unmittelbar nach der Stimmabgabe vom Justiziar für ungültig erklärt, nachdem offensichtlich wiederum ein Delegierter seine Stimme nach ausdrücklichem Ende der Stimmabgabezeit abgegeben hatte.

Ein endgültiges Ergebnis gab es dann erst im fünften Wahlgang, bei dem jeder Delegierte namentlich aufgerufen wurde und dann seine Stimme unter Aufsicht in die Urne werfen musste/konnte. Diesmal wurde Hans Bauer - trotz Abwesenheit - mit einer hauchdünnen Mehrheit von 1 Stimme gewählt, was man durchaus als Erfolg einschätzen kann.

Die beiden neu gewählten Vorstandsmitglieder versprachen (Bauer wie erwähnt, in Abwesenheit), mit den noch im Amt befindlichen Vorstandsmitgliedern Monika Konitzer (Vizepräsidentin), Peter Lehndorfer (Beisitzer) und Hermann Schürmann (Beisitzer) zu vertrauensvoller Teamarbeit zusammenzuarbeiten.

Relativ rasch nach dieser Wahl verließen viele Delegierte, die sich der Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten zurechnen und auch die meisten Delegierten des Landes Rheinland-Pfalz, den Saal und wurden auch in der weiteren Sitzung nicht mehr gesehen.

Bei den weiteren Tagesordnungspunkte stand ein Nachtragshaushalt für 2005 sowie der Haushaltsplan für 2006 zur Abstimmung. Beidem wurde zugestimmt. Ferner wurde eine Resolution zur zukünftigen Gesundheitspolitik bzw. zu den Forderungen der BPtK an selbige beraten. Angesichts der in den Wochen nach der Bundestagswahl sich neu gestaltenden Gesundheitspolitik schien es den Delegierten wichtig, dass die BPtK eigene Positionen formuliert, um darüber mit den Gesundheitspolitikern ins Gespräch zu kommen. Der Text der Resolution wird in der Endfassung in Kürze in der Homepage der BPtK zu lesen sein (www.bptk.de ).

Nachdem anschließend - kurz aber immerhin - die Arbeit der Ausschüsse der BPtK vorgestellt und beraten wurde, ging es gegen Ende der Sitzung noch einmal um das Thema Zeitmanagement der Deutschen Psychotherapeutentage. Zur Beratung der Berufsordnung war zuvor bereits die Ausrichtung einer Sondersitzung des DPT beschlossen worden. Unabhängig davon war nun vorgeschlagen worden, generell 1 ½-tägige Sitzungen zu veranstalten, um die anstehenden Beratungen auch tatsächlich in der notwendigen Breite führen zu können. Dies ist aus Gründen der Transparenz und der Fairness gegenüber der demokratischen Struktur der Bundeskammer vermutlich unvermeidlich, sprengt aber andererseits den engen finanziellen Rahmen, der der Bundeskammer von den Landeskammern und den Delegierten zugestanden wurde.  Auch von anderer Seite (u.a. Ausschüsse) wurde ein höherer Ressourcenbedarf angemahnt. Somit ist zu erwarten, dass das Thema Kosten der Bundeskammer und Beiträge der Landeskammern bald wieder auf der Tagesordnung stehen wird.

Heiner Vogel, Würzburg
Heinz Liebeck, Göttingen