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Aktuelles

Frauen, Arbeit und Gesundheit Bericht vom 3. internationalen Kongress 'Woman, Work, and Health' vom 2. - 5. Juni in Stockholm

15. Januar 2007

Weltweit stellen Frauen 50% der Arbeitskräfte, in Europa 42%. In Afrika sind 75% der im Agrarbereich Arbeitenden weiblich. Frauen produzieren fast die Hälfte aller Nahrungsmittel weltweit. In den USA seien 48% der Frauen in traditionell weiblichen Jobs tätig, 44% in geschlechtsneutralen Bereichen und 8% in traditionell männlichen Feldern.

 

Quelle: Verhaltenstherapie & Psychosoziale Praxis (VPP) 3/2002

Diesen interessanten Überblick gab Marilyn Fingerhut von der Weltgesundheitsorganisation auf dem dritten internationalen Kongress Women, Work and Health, der vom 2. bis 5. Juni in Stockholm stattfand. Als Faktoren, die in traditionell weiblichen Arbeitsfeldern Stress erzeugen, nannte sie hohe Anforderungen, Rollenambiguität und Rollenkonflikte, Arbeitsplatzunsicherheiten sowie repetitive Aufgaben. Totschlag bzw. Mord sei in den USA der häufigste betriebsbedingte Todesfall bei Frauen. Durchschnittlich würden 196 Frauen pro Jahr am Arbeitsplatz umgebracht. Personal im Gesundheitsbereich sei weltweit einem hohen Gewaltrisiko ausgesetzt, z.B. durch körperliche Angriffe oder verbale Attacken.

Der Kongress, der vom Schwedischen National Institute for Working Life ausgerichtet wurde und mit 750 Teilnehmenden aus über 70 Ländern einen wirklich internationalen Charakter bekam, lieferte einen Überblick über die wichtigsten Probleme, die Frauen am Arbeitsplatz haben. Eine Hauptbotschaft war der Zusammenhang zwischen globalen Ungleichheiten und gesundheitlichen sowie Arbeitsplatzproblemen von Frauen. Globalisierung und deren Folgen für Frauen wurde in mehreren Schwerpunkten thematisiert. So seien z.B. Folgen der Globalisierung, dass Arbeiterinnen auf Blumenplantagen in Kolumbien, Korea und Thailand, die multinationalen Gesellschaften gehören, gesundheitsschädlichen Pestiziden ausgesetzt seien. In der Fischindustrie und der chemischen Industrie Indiens z.B. seien die Arbeitsbedingungen besonders hart. So sei die Anzahl der Toilettengänge pro Tag genau begrenzt und zählten nicht zur Arbeitszeit. Nur 5-10% aller Arbeitsplätze in den Ländern Afrikas hätten Gesundheitsdienste zur Verfügung. Sehr selten seien Gewerkschaftsstrukturen zu finden. Frauen, die in der Keramik- und Töpferindustrie arbeiteten, hätten eine höheres Risiko, an Tuberkolose zu erkranken, da sie dem Kieselerdestaub ausgesetzt seien. Die Vereinbarkeit von Familien- und Hausarbeit auf der einen und bezahlter außerhäusiger Arbeit auf der anderen Seite wurde unter gesundheitlichen Gesichtspunkten thematisiert. Reproduktive Gesundheit, gesundheitliche Probleme in einer ganzen Reihe von Berufen und Arbeitsplatzkonstellationen, rechtliche und ökonomische Fragen sind Beispiele für die Fülle an bearbeiteten Bereichen.

Die Debatte in Schweden fokussiert zur Zeit den starken Anstieg der Arbeitsunfähigkeitszeiten. Besonders problematisch sind lange Ausfallzeiten. Die Förenings Sparbanken hat die eigenen Langzeitkranken befragt und herausgefunden, dass bei Frauen das Gefühl, eine schwerere Arbeitslast tragen zu müssen als Männer, die Hauptursache in den Augen der Kranken war. Frauen fühlen sich oft verantwortlicher für ihre Familien. Außerdem wurde das Entwickeln eines Kompetenzgefühls als positiver Effekt von Langzeitkranken angegeben. Die Sparbanken entwickelte Programme, um dem zu begegnen, wie Wellness-Angebote, die Möglichkeit sich bezahlt fortzubilden oder zu studieren, sowie Beratungsangebote von außerhalb der Firma.

Eine Reihe von Präsentationen beschäftigte sich mit kommerzieller Sexarbeit. Die Plazierung dieses Themenbereiches war für die Organisatorinnen eine politische Aussage. Sie betonen damit, dass Frauen auf dem Hintergrund extremer Armut oft nur auf diese Art und Weise Geld zum Leben verdienen könnten. Armut mache Frauen ebenfalls zu Opfern von Frauenhandel. Die Organisatorinnen erklären, dass Prostitution niemals als Alternative zu normaler Arbeit gesehen werden sollte. Frauenhandel sei ein Verbrechen, die beteiligten Frauen seien Opfer, die Unterstützung benötigten. Kommerzielle Sexarbeit sollte auf die soziale und politische Agenda gehoben werden, das war hier die Botschaft.

Die European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions fand heraus, dass Frauen in den Beitrittsländern der EU in größerem Ausmaß an der bezahlten Arbeit partizipieren als ihre Schwestern in den EU-Staaten. Sie arbeiteten weniger Teilzeit, nämlich nur zu 7 % verglichen mit 32 % in den EU-Ländern, und seien häufiger in Managerinnenpositionen zu finden. Dies sind Ergebnisse des ersten Working Conditions Survey in 12 Kandidatenländern. Aber die Situation sei nicht nur positiv. Die Frauen in den Beitrittsländern arbeiteten länger und seien in höherem Ausmaß Gesundheits- und Sicherheitsgefahren ausgesetzt, wie z.B. Lärm oder schwerem Heben. Sie müssten in höherem Grad monotone Arbeiten verrichten und hätten weniger Möglichkeiten, bei der Arbeit zu lernen. Sie berichteten zudem mehr über arbeitsbezogene gesundheitliche Probleme: zu 40% litten sie unter großer Müdigkeit verglichen mit 23 % der Frauen aus den EU-Ländern.

Die Serie von Kongressen zum Thema Frauen, Arbeit und Gesundheit wurde 1996 in Barcelona begonnen. Ziel war, Zugang zu Informationen und Ressourcen zu verschaffen, die Frauen eine bessere Gesundheit und höhere Lebensqualität ermöglichen. Der zweite Kongress fand 1999 in Rio statt und lieferte ein Forum für eine größere Sichtbarkeit für die Produktion von Wissen. Er war zudem ein wichtiger Impuls für Brasilien und Lateinamerika, Arbeit und Gesundheit mit Fragen des Geschlechts in Beziehung zu setzen. Dieser Kongress im Jahre 2002 in Stockholm wollte verdeutlichen, dass die Fragen, die Frauenarbeit und Gesundheit betreffen, von weltweitem Belang sind. Das vielfältige Programm sollte verdeutlichen, dass die Organisatorinnen von einer ganzheitlichen Betrachtungsweise ausgegangen sind und die Arbeitsbedingungen in Beziehung zu gesellschaftlichen Fragen und zu organisationsbezogenen Sichtweisen setzen. Es wurden von verschiedenen Sponsoren 110 Stipendien für Frauen aus ärmeren Ländern bereitgestellt, so dass eine breite internationale Beteiligung und Kommunikation zwischen den Industrieländern und den sich entwickelnden Ländern möglich wurde. Die Tagung selbst begriff sich als ein Treffpunkt, der die notwendige Kommunikation zwischen Forscherinnen und Aktivistinnen ermöglichte. Der nächste Kongress soll 2005 in Indien stattfinden.

Der Kongress wurde mit einer Deklaration beendet. Darin wurde dazu aufgerufen, Netzwerke aufzubauen, um einen kontinuierlichen Austausch von Erfahrungen und Wissen zu gewährleisten. Die Aktivitäten der Gesundheitsdienste sollen verbessert werden, Strategien zur Prävention vor gefährlichen Stoffen identifiziert werden und multidisziplinäre Ansätze sowie Ansätze, die viele Ebenen einbeziehen (multilevel approaches), in der Forschung entwickelt werden.

Ute Sonntag,
Landesverein für Gesundheitspflege
Niedersachsen e.V.
Fenskeweg 2
20165 Hannover
Tel. 0511 3500052
Fax: 0511 3505595