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Aktuell  • Gesundheitspolitik  • Rosa Beilage 3/2007

Gesundheitsausgaben steigen in Industriestaaten rasant

29. September 2007

Die Ausgaben für die Gesundheitssysteme in den Industriestaaten sind in den vergangenen Jahrzehnten rasant gestiegen.

 

Wie die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)[1] am Mittwoch, 18. Juli 2007, in Paris mitteilte, gaben ihre 30 Mitgliedsländer im Jahr 2005 im Schnitt neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Gesundheitsdienstleistungen und Medikamente aus. 1970 seien es nur fünf Prozent gewesen. Die höchsten Ausgaben hatten zuletzt die USA mit 15,3 % der Wirtschaftsleistung. Es folgen die Schweiz (11,6 %), Frankreich (11,1 %) und Deutschland (10,7 %).
Damit wuchsen in den OECD-Staaten die Gesundheitsausgaben zwischen 1990 und 2005 deutlich schneller (um 80 %) als die Gesamtwirtschaft (um 37 %), wie die Organisation erklärte. Wenn sich diese Entwicklung fortsetze, „müssen die Regierungen entweder die Steuern oder Sozialabgaben erhöhen, die Ausgaben in anderen Bereichen senken oder die Menschen dazu verpflichten, mehr aus ihren eigenen Taschen für Gesundheitsgüter und -dienstleistungen zu zahlen.“ 
In Deutschland machen sich laut OECD aber Versuche zur Kostendämpfung bemerkbar: Demnach stiegen die Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben zwischen 2000 und 2005 real um durchschnittlich nur 1,3 % pro Jahr. Das war im Vergleich zu allen anderen OECD-Ländern der geringste Anstieg.
Die Zahl der Ärzte stieg laut OECD in den 30 Mitgliedsländern in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten um 35 % auf 2,8 Millionen. Grund seien fast überall die besser bezahlten Fachärzte, hieß es. Ihre Zahl erhöhte sich zwischen 1990 und 2005 um 50 %, während es nur 20 % mehr Allgemeinmediziner gab. Damit machten die Spezialisten in fast allen OECD-Ländern einschließlich Deutschlands bereits mehr als die Hälfte der praktizierenden Ärzte aus.
Seit 1990 sind der Organisation zufolge aber auch in Deutschland die Zahlen der Medizinstudenten gesunken. „Wenn die Ausbildungsanstrengungen in naher Zukunft nicht deutlich erhöht werden, werden viele Länder zunehmend auf im Ausland ausgebildete Ärzte zurückgreifen müssen, wenn die Baby-Boom-Generation der Mediziner in Rente geht.“ Die Abwerbung von Ärzten durch Industrieländer drohe aber zu einer Belastung für die noch im Aufbau befindlichen Gesundheitssysteme in Schwellen- und Entwicklungsländern zu werden.
Die niedrigen Ausgabensteigerungen im deutschen Gesundheitssystem sind nach Auffassung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden Württemberg[2] nur deshalb möglich, weil die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten weiterhin rund ein Drittel ihrer Leistungen ohne Honorar erbringen. "Jedes Quartal erbringen allein die baden-württembergischen Ärzte und Psychotherapeuten notwendige medizinische Leistungen im Wert von 170 Millionen Euro, für die sie kein Honorar erhalten", sagte der KV Vorstandsvorsitzende Achim Hoffmann-Goldmayer. „Wir brauchen dringend mehr Honorar, ansonsten wird sich der Trend hin zum Ärztemangel und zur Auswanderung von Jungmedizinern verstärken“, so der KV-Chef.
Quelle: www.aerzteblatt.de vom 18. Juli 2007


[1] http://www.oecd.org/pages/0,3417,de_34968570_34968795_1_1_1_1_1,00.html

[2] www.kvbawue.de