Gewerkschaft ver.di verstärkt Engagement für angestellte Psychotherapeuten
Dieser angenommene Automatismus hat sich jedoch leider vielfach als Illusion herausgestellt, denn Tarifverträge werden nach dem deutschen Arbeitsrecht zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ausgehandelt und haben hinsichtlich ihrer Rahmenbedingungen zumeist eine längere Laufzeit (Manteltarifvertrag). Die Einordnung von neuen Berufen in die gegebenen, teilweise sehr umfänglichen Vertragswerke ist somit ein größeres Unterfangen, welches umso länger dauert, je größer und älter ein bestehendes Vertragswerk bereits ist. Das Engagement von Verbänden und Kammern ist somit zwar löblich, aber relativ unbedeutend, denn Tarifverträge werden, wie erwähnt, von den Gewerkschaften ausgehandelt.
Insofern war es wichtig, dass die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, kurz ver.di, bereits im April d. J. im Fachbereich 3 (Gesundheitswesen) eine Fachkommission Psychotherapie eingesetzt hat, die gewerkschaftliche Positionen zur besseren Vertretung der Psychotherapeuten beraten und eine angemessene Einordnung in die Tarifwerke vorbereiten soll. Günstig ist es auch, dass ohnehin eine grundlegende Reform des Bundesangestelltentarifvertrags (BAT) zwischen den Tarifparteien vereinbart ist und in diesem und im nächsten Jahr die ausführlichen Beratungen über neue Vergütungsgruppen und tarifliche Einordnungen erfolgen werden. Die adäquate Einordnung der Psychotherapeuten kann dabei dann problemlos vorgenommen werden, vermutlich jedoch leider erst zum Jahr 2005, weil erst dann der neu gestaltete BAT in Kraft treten soll (hoffentlich nicht später).
ver.di ist natürlich auch noch für viele andere Tarifverträge bei Arbeitgebern zuständig, die nicht dem BAT unterworfen sind, wie Wohlfahrtsverbänden, freien Trägern, Klinikgruppen o. ä. Hier hat es bereits gelegentlich Erfolge für die Psychotherapeuten gegeben, wie beispielsweise beim Tarifvertragssystem mit dem Verband der Privatkrankenanstalten in Bayern oder bei der Klinikgruppe Damp. Derartige Erfolge hängen allerdings, darauf sei deutlich hingewiesen, davon ab, ob die Psychotherapeuten in der Klinik oder im Betrieb auch Gewerkschaftsmitglieder sind und ob sich einzelne von ihnen auch in der Gewerkschaft engagieren. Denn die Gewerkschaft handelt streng genommen nur für ihre Mitglieder Tarifverträge aus, Betriebe wenden diese aber in aller Regel auch für die übrigen Angestellten an.
Gewerkschaftsforderungen zur Psychotherapieausbildung: Die Fachkommission Psychotherapie hat sich bei ihrer letzten Sitzung am 11./12. Oktober in erster Linie mit der Psychotherapie-Ausbildung beschäftigt. Ausgehend von vorliegenden Ausarbeitungen und den Beratungen beim Experten-Hearing der DGVT zur Psychotherapie-Ausbildung in Berlin im Mai d. J. wurde ein Forderungskatalog beraten, der die gewerkschaftlichen Positionen zur Verbesserung der Psychotherapie-Ausbildung beschreiben soll. Aus gewerkschaftlicher Sicht wird die Forderung hervorgehoben, die Psychotherapie-Ausbildung entsprechend ihrem eigentlichen Charakter als Weiterbildung zu definieren, weil dies zahlreiche Verbesserungen in Bezug auf steuerliche Absetzungsmöglichkeiten, tarifliche Einordnung, Anrechnungsmöglichkeiten und Unterstützungsmöglichkeiten mit sich bringt. Die praktische Tätigkeit soll angemessen vergütet werden. Die bisherige Position des zuständigen Ministeriums, dass der Bundesgesetzgeber sich nur mit allgemeinen Ausbildungsregelungen beschäftigen dürfe, stellt nach juristischer Einschätzung von Ver.di demgegenüber eine viel zu enge Auslegung grundgesetzlicher Vorgaben dar. Im Weiteren werden die gewerkschaftlichen Positionen viele Forderungen von Aus-/Weiterbildungsteilnehmern und -verbänden aufgreifen, die eine Flexibilisierung und zielorientierte Gestaltung der Ausbildung ermöglichen sollen (Anrechnungsmöglichkeiten bereits geleisteter Bausteine, Unterbrechungsmöglichkeiten, verbesserte sachgerechte und zielorientierte Curriculums-Gestaltung und Ähnliches). Eine abschließende Beratung wird noch im Dezember stattfinden, so dass zum Jahresende die Gewerkschaftsforderungen zur Psychotherapeuten-Ausbildung veröffentlicht und in die Politik eingebracht werden können (vgl. auch: www.verdi.de).
Veronika Mähler-Dienstuhl (Hagen) & Heiner Vogel (Würzburg)