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Aktuell  • DGVT  • Rosa Beilage 3/2012

Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit vom 13. bis 15. Juni: Gesundheitsbereich als Wirtschaftsfaktor

23. Juli 2012
 

Rund 8.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer tummelten sich vom 13. bis 15. Juni 2012 beim sogenannten „Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit“ im Internationalen Congress Centrum (ICC) in Berlin, besuchten 180 Veranstaltungen mit über 600 ReferentInnen und informierten sich an den Ständen von Sponsoren und Anbietern in der Gesundheitsbranche über die neuesten Entwicklungen. Der jährlich stattfindende Hauptstadtkongress ist in verschiedene Fachkongresse gegliedert: Pflege-, Klinik- und Reha-Bereich, Gesundheitspolitik und Ärzteforum und bietet dadurch allen im Gesundheitssektor Arbeitenden Informationen aus ihrem Arbeitsfeld. Traditionell sind viele Persönlichkeiten aus dem Gesundheitswesen mit Rang und Namen vertreten, Kassenvorstände, Präsidenten von Ärzteverbänden, GesundheitspolitikerInnen, VertreterInnen der Selbstverwaltung und Vorstände von marktführenden Pharmaunternehmen.

Beim Hauptstadtforum Gesundheitspolitik 2012 setzte man sich z. B. mit Fragen auseinander, ob in Deutschland zu viel operiert wird, wie die Zukunft unseres Gesundheitswesens generell (Finanzierung, Rationierung, Priorisierung) aussehen wird, welche Perspektiven sich den Hausärzten bieten und was die Sachverständigen-Gutachten im Gesundheitswesen in den letzten zehn Jahren bewirkt haben.

Der Deutsche Pflegekongress widmete sich in diesem Jahr unter anderem dem Image und dem Wert der Pflege, den pflegerischen und medizinischen Innovationen, der Qualitätssicherung in der Pflege sowie den Perspektiven der Pflegeberatung in einer älter werdenden Gesellschaft.

Beim Deutschen Ärzteforum ging es vor allen Dingen um die neuen Gesetze wie das GKV-Versorgungsstrukturgesetz und das Patientenrechtegesetz sowie um Selektivverträge.

Im Rahmen des Kongresses „Krankenhaus Klinik Rehabilitation 2012“ wurden Themen behandelt wie Privatisierung oder Kommunalisierung der Krankenhäuser, Hygiene im Klinikbereich, Personalgewinnung und -sicherungsprogramme, die Chancen des „Zweiten Gesundheitsmarktes“ (Wellness und Fitness).

Obwohl als nationaler Kongress ausgeschrieben, gab es internationale Symposien, z. B. für Deutsch-Chinesische Kooperationen im Gesundheitswesen und ein Transatlantisches Gesundheitswirtschaftsforum, bei dem es um die Frage ging, ob mehr Kooperationen nötig seien.

Bereits zum vierten Mal haben die kassenärztlichen Vereinigungen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung alle niedergelassenen Vertragsärzte, -PsychotherapeutInnen und ihr Praxispersonal zum „Tag der Niedergelassenen“ eingeladen. Höhepunkt war die politische Diskussionsrunde unter dem Motto „Versorgung sichern für die Zukunft - Die neue Bedarfsplanung“.

Das erste Grußwort bei der Eröffnung hielt Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer. Er lobte die „gute Arbeit der Bundesregierung“, die viele Fehler der Vorgängerregierung unter Ulla Schmidt korrigiert habe – u.a. mithilfe des Versorgungsstrukturgesetzes. Es sei eine „fantastische Zeit“, dass eineinhalb Jahre vor der Bundestagswahl nicht nur über fehlende Gelder diskutiert werde.

Im Anschluss daran wartete man vergeblich auf einen Eröffnungsredner wie Professor Hüther im Jahr 2011 oder Dr. Lütz 2010; statt eines Vortrages folgte ein „Gesundheitswirtschaftsgipfel“ mit Roland Koch, Ministerpräsident a. D. und jetzt bei „Bilfinger Berger“, René Obermann, Deutsche Telekom, Hanspeter Spek, Sanofi, und Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Während man die Firma Sanofi noch mit dem Thema Gesundheitswirtschaft in Verbindung bringt, wunderte man sich zunächst über die Teilnahme von Roland Koch und René Obermann. Der frühere Baukonzern Bilfinger Berger ist, wie man dann erfuhr, in der Zwischenzeit in vielen Geschäftsfeldern aktiv und entwickelt auch Konzepte für die Gesundheitswirtschaft. Das Angebot reicht von der Analyse der Prozesse auf Krankenstationen bis zum umfassenden Patientenservice in Patientenhotels.

Für Roland Koch sind zwei Faktoren in der Gesundheitswirtschaft ausschlaggebend: die Demographie und der technische Fortschritt in der medizinischen Leistung. Das System werde immer teurer und die Bereitschaft kollektiver Finanzierung werde irgendwann an ihre Grenzen stoßen, und dann müsse ein immer größerer Anteil außerhalb der Solidargemeinschaft finanziert werden. Oder man müsse Kosten einsparen. Im Krankenhausbereich, dem größten Kostenfaktor im System, könne man bis zu einem Drittel der Kosten einsparen.

René Obermann, Telekom, erläuterte das Engagement seines Unternehmens auf dem Gesundheitsmarkt: Er nannte als Stichworte Telemonitoring, Vernetzung von medizinischen Spezialisten unterschiedlicher Fachbereiche, telemedizinische Lösung für ambulante Palliativbetreuung, elektronische Patientenakte usw.

Hanspeter Spek, Sanofi, betonte, dass seine Firma wie die anderen forschenden Pharmaunternehmen ein planbares Umfeld für Investitionen brauche. Durch die frühe Nutzenbewertung und die daraus folgenden Erstattungspreise werde das Wachstumspotential auf dem deutschen Markt jedoch erheblich gefährdet. Bei der Bestimmung des Nutzens und den Fragen der Wirtschaftlichkeit müsse das Aufrechterhalten von Innovationszyklen berücksichtigt werden.

Minister Daniel Bahr wies darauf hin, dass Belange von Gesundheit nicht nur eine Frage für das Bundesministerium für Gesundheit seien, sondern dass es dabei auch um Exportinitiativen des Bundesministeriums für Wirtschaft gehe. Die Deutsche Gesundheitswirtschaft genieße international ein hohes Ansehen, der Gesundheitssektor sei mit über vier Millionen Beschäftigten einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren Deutschlands. Die Investition hier lohne sich, da man darauf vertrauen könne, dass dieser Sektor noch wachse.

Waltraud Deubert