Kammer für Pflegeberufe?
Während bundesweit viel über die Finanzierung der Pflege geredet wird, hat Bayern als erstes Bundesland die Verkammerung des Pflegeberufs ins Gespräch gebracht. Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder ist Ende Januar mit der Nachricht an die Öffentlichkeit gegangen, „die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen braucht unbedingt eine eigene Stimme“ und der Freistaat wolle als erstes Bundesland eine Kammer für Pflegeberufe einrichten. Nur eine eigene Berufskammer könnte Pflegende am besten organisieren, und dies sei außerdem mit einer ideellen Aufwertung des Berufsstandes verbunden. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe reagierte positiv. Man verspreche sich dadurch die Möglichkeit von einheitlichen Qualitätsstandards, und die Pflegekammer könne auch als Schiedsstelle bei Beschwerden auftreten. Die Reaktion bei den Pflegeberufen zeigt, dass Söder hier ein kluger Schachzug gelungen ist, der ihm viel Beifall bei den Pflegekräften bringt.
Die Stärkung der Pflege ist ohne Zweifel erforderlich, sowohl die beruflichen Rahmenbedingungen als auch die Bezahlung von Pflege müssen verbessert werden. Ob eine Verkammerung der Pflegeberufe die Situation für Pflegebedürftige und Pflegekräfte tatsächlich verbessert, ist zu hinterfragen.
Waltraud Deubert