Kleine Anfrage der GRÜNEN zu Arbeitsbedingungen und psychischen Belastungen
(am). Der Arbeitsplatz stellt für die meisten Menschen eine wichtige Quelle für Bestätigung und Anerkennung dar. Darüber hinaus wird Arbeit häufig als sinnstiftend erlebt und ist damit eine wichtige positive Ressource für die psychische Gesundheit. Auf der anderen Seite haben sich in den letzten Jahren durch die fortschreitende Digitalisierung viele Veränderungen sowohl im Privatleben als auch am Arbeitsplatz ergeben. Viele Abläufe werden zwar flexibler und schneller, aber die zunehmende Beschleunigung geht an den Arbeitnehmern nicht spurlos vorbei. Damit befasst sich auch die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu Arbeitsbedingungen und psychischen Belastungen vom Juni dieses Jahres.
2014 gab es fast 80 Mio. Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen. Mit insgesamt 17 Prozent aller Fehltage sind psychische Erkrankungen die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit (AU) nach den Muskel-Skelett-Erkrankungen, die 27 Prozent der Fehltage verursachen. Psychische Erkrankungen kommen generell häufig vor. Sie stellen sechs der zwanzig häufigsten Einzeldiagnosen mit Depression als zweithäufigster Einzeldiagnose. Besonders stark schlägt sich dies in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheits- und Sozialwesen nieder. In diesen Bereichen liegt die Anzahl der AU-Tage durch psychische Erkrankungen 1,5-mal höher als im Durchschnitt.
Laut Bundesregierung sind der Erhalt und die Förderung der psychischen Gesundheit eines der wichtigsten Ziele im Arbeitsschutz. Aus diesem Grund fordert die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), dass PsychotherapeutInnen in der geplanten psychotherapeutischen Sprechstunde auch Präventionsempfehlungen geben können sollen. BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz erklärte dazu: „Psychotherapeuten sind ausgesprochene Experten für die Vorbeugung und Früherkennung von psychischen Erkrankungen. Es ist deshalb unverständlich, dass sie nach dem Präventionsgesetz keine Präventionsempfehlungen ausstellen können.“
Quellen:
Bundestagsdrucksache 18/8587
dipbt.bundestag.de/dip21/btd/18/085/1808587.pdf
Artikel „Fast 80 Millionen Fehltage wegen psychischer Erkrankungen pro Jahr“ der BPtKwww.bptk.de/aktuell/einzelseite/artikel/fast-80-mill.html