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Länderrat

Länderratsforum beim DGVT-Kongress - Meine Kammer und ich: Krieg ich fürs Geld nur Bürokratie oder wie?

04. Juni 2008
 

Die Frage, die Andrea Benecke und Jürgen Friedrich, beide sowohl LandessprecherIn, Länderratsdelegierte der DGVT wie auch Delegierte in ihren Landeskammern, der erlesenen Runde von Kammerdelegierten in den Landespsychotherapeutenkammern (LPK), Delegierten des Deutschen Psychotherapeutentages (DPT) der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und interessierten KongressbesucherInnen und DGVT-Mitgliedern gestellt hatte, sprach vielen Kammermitgliedern aus dem Herzen.
Kommen doch oft PsychotherapeutInnen erst über die Pflichtbeiträge, über die teilweise komplizierte Akkreditierung von Fortbildungsveranstaltungen oder gar durch Beschwerden ihrer KlientInnen bei der Berufsaufsicht, die die Kammer ja auch darstellt mit ihrer Kammer in Kontakt.

„Meine Kammer kann noch mehr“, war vielleicht die Idee, die Besucher der Veranstaltung mit nach Hause nahmen. Sie schützt PatientenInnen, sie verwahrt Daten für verstorbene PsychotherapeutInnen, sie berät in Sachen Schweigepflicht und ordnungsgemäße Ausübung ihres Berufes. So umfassend ist die Rolle, die ihr der Gesetzgeber übertragen hat und über diese Rolle hat die Veranstaltung informiert.

Frau Heinrich, Geschäftsführerin der rheinland-pfälzischen Psychotherapeutenkammer, klärte zu Beginn und am Ende der Veranstaltung auf, über Rahmenbedingungen der Schweigepflicht und des Datenschutzes, die für alle PsychotherapeutInnen gelten. Aus Ihrer Ausbildung in Verwaltungsrecht und ihrer Erfahrung durch ihre Tätigkeit in der rheinland-pfälzischen Landeskammer bot sie eine ausführliche und fundierte Grundlage, auch für Interessierte, die wenige Vorkenntnisse mitbrachten.

Johannes Broil, Sprecher der Fachgruppe Angestellte der DGVT, Vorstandsmitglied in der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalens und nun auch Mitglied im Ausschuss Institutionen der BPtK spannte das Feld der Weisungsbindung an den Vorgesetzten und der Freiheit in der Berufsausübung auf. Angenommen z.B. ein Vorgesetzter weist einen Angestellten an, ihm eine Auskunft über einen Patienten zu geben, der jedoch für diese Auskunft seinen/seine Psychotherapeuten/die Psychotherapeutin nicht von seiner Schweigepflicht entbinden will. Geht Weisungsbindung nun vor Schweigepflicht oder umgekehrt? Welche Konsequenzen hätten die jeweiligen Abmahnungen schlimmstenfalls? Er machte deutlich, dass die Entscheidung in dieser Situation letztendlich bei den PsychotherapeutInnen selbst liegt, dass er aber die möglichen Konsequenzen seiner Entscheidung im Vorhinein wissen sollte.  

Am Ende stellten Bernd Schäfer, Heiner Vogel und Andrea Benecke Themen vor, mit denen sich der Berufsordnungsausschuss, Schlichtungsgremien oder Vizepräsidenten befassen, wenn Verstöße gegen die Berufsordnung gemeldet werden. Wenn z.B. der Therapieantrag zu spät gestellt wird und dem Patienten dadurch Therapie-Kosten selbst entstehen, können sich Patienten zuerst an die Kammer wenden. Diese versucht dann ggf. außergerichtlich zu schlichten und wird ggf.. Sanktionen verhängen, noch bevor sich ein Berufsgericht mit dem Fall befasst.

Der frische Wind in der Veranstaltung, die früher als „DGVT-Kammerpolitik auf dem Prüfstand“ eine eher kammerkritische Auseinandersetzung beinhaltete, kam bei den BesucherInnen an. Es wurde viel Information aus den Kernbereichen der Zuständigkeit der Kammer vermittelt. Einzelne Regelungen wurden kritisch hinterfragt und es begann eine produktive Auseinandersetzung, auch zwischen den Ländern, die ja z.T. auch unterschiedlichen eigenen Regelungen unterworfen sind.

Die Diskussion und die Auseinandersetzung zwischen den „einfachen Mitgliedern“ der Kammern und den „Funktionären“ fiel dieses Mal kürzer aus. Dennoch war es sicher von Vorteil, die berufspolitisch Aktiven DGVTler zu sehen, sie zu identifizieren und in der Pause im Nachgang informelle Kontakte zu knüpfen.

Die nächste Veranstaltung zur Kammerpolitik wird es im Frühjahr 2009 (2. bis 4. April 2009) bei der DGVT--Workshoptagung in Tübingen geben, zu der wir interessierte Mitglieder herzlich einladen möchten. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Fragen schon im Vorfeld an die Geschäftsstelle zu schicken, damit sie in der Planung der kommenden Veranstaltung berücksichtigt werden können. Im Namen des Länderrats geht ein herzliches Dankeschön an Andrea Benecke und Jürgen Friedrich, die diese Veranstaltung vorbereitet und anregend moderiert haben. Nicht zuletzt dankt der Länderrat den Kammerdelegierten, die sich gerne und zahlreich in diesem Rahmen der Öffentlichkeit präsentierten und so die Möglichkeit boten, dass Mitglieder ihren berufspolitischen Vertretern unkompliziert und direkt ihre eigenen Anliegen anvertrauen konnten.

Für den Länderrat

Katja Kühlmeyer