Medizinstudierende fordern Reform des Staatsexamens
Die aktuelle Form des Staatsexamens im Medizinstudium sieht vor, dass sowohl der schriftliche als auch der mündlich-praktische Prüfungsabschnitt nach Abschluss des Praktischen Jahres (PJ) stattfindet.
Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) fordert in ihrem aktuellen Positionspapier eine zeitnahe Neugestaltung der derzeitigen Prüfungsform: Der schriftliche Teil der Prüfung solle auf einen Zeitpunkt unmittelbar vor den Eintritt in das Praktische Jahr vorgezogen werden. Der mündlich-praktische Teil solle weiterhin vollständig oder in Teilen nach dem Praktischen Jahr (PJ) stattfinden.
Um eine solche Umgestaltung realisieren zu können, ist es aus Sicht der bvmd notwendig, den Eintrittszeitpunkt in das Praktische Jahr so zu verlegen, dass ausreichend Vorbereitungszeit zwischen dem Ende des sechsten klinischen Semesters und dem Beginn des Praktischen Jahres besteht.
Die bvmd stützt ihre Forderung auf Ergebnisse einer im vergangenen Jahr durchgeführten Umfrage unter Medizinstudierenden: Von 1717 Teilnehmern sprachen sich 89,4 % dafür aus, den schriftlichen Teil des zweiten Prüfungsabschnitts vor den Start in das PJ vorzuverlegen.
Laut bvmd würden vor allem folgende Aspekte für die geforderte Umgestaltung sprechen:
Um bestmöglich von der Ausbildung im PJ profitieren zu können, sei ausreichendes theoretisches Wissen notwendig. Durch die Vorbereitung auf die schriftliche Prüfung vor dem Eintritt in das PJ würde das notwendige Wissen noch einmal zusammenfassend wiederholt werden, was zu positiven Effekten auf den Kenntniserwerb im PJ führen würde.
Faktisch seien PJ-Studierende bereits regelmäßig selbständig am Patienten tätig. Eine standardisierte Wissensüberprüfung vor dem Eintritt ins PJ würde zu einer weiteren Patientensicherheit beitragen.
Studierende, die sich parallel zum Ende ihres PJ auf die Multiple Choice-Fragen der schriftlichen Prüfung vorbereiten müssten, seien aus zeitlichen Gründen nicht in der Lage, sich der praktischen Ausbildung im PJ im vollen Umfang zu widmen.
Die bvmd weist daraufhin, dass sich nicht nur die Studierenden, sondern auch ärztliche Interessenvertretungen wie Marburger Bund und Hartmannbund, sowie zahlreiche Dozenten an den Universitäten und Fakultäten für eine Änderung des aktuellen Prüfungsablaufs im Medizinstudium aussprechen.
Die Änderungsvorschläge der bvmd erscheinen sinnvoll und zeigen, dass die betroffenen Personen in die Erarbeitung von Verbesserungsvorschlägen von Studien- bzw. Weiterbildungsbedingungen unbedingt mit eingebunden werden sollten. Die zukünftigen Entwicklungen werden zeigen, inwieweit verbesserte Ausbildungsbedingungen für Ärzte realisiert werden können.
Tina Tanšek