Mitgliederversammlung 2009 der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG)
Die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) traf sich am 14. und 15 Mai 2009 zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung in Berlin.
Eröffnet wurde die Tagung von Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. In seinem Vortrag wies Prof. Rosenbrock vor allem auf die große Bedeutung der Qualitätssicherung für den Bereich der Prävention hin. Um den gesellschaftlichen und politischen Stellenwert präventiver Maßnahmen zu stärken, müsse deren Wirksamkeit wissenschaftlich eindeutig belegt werden. Die meisten Präventionsprojekte seien bisher lediglich als kurzfristige Modellprojekte angelegt. Für die Zukunft wünschte sich Rosenbrock kontinuierliche und langfristig angelegte Interventionen. Dieses Ziel sei nur durch professionelle Qualitätssicherung innerhalb der Gesundheitsförderung zu erreichen. „Die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen muss transparent gemacht werden“, betonte Rosenbrock abschließend.
Neben den üblichen Formalia einer Mitgliederversammlung wurde am ersten Versammlungstag der Jahresbericht 2008 verabschiedet. Der Bericht verdeutlicht, dass die BVPG ihre Aktivitäten im Jahr 2008 vor allem auf vier Bereiche konzentrierte:
- Vernetzung der Akteure im Bereich Prävention/Gesundheitsförderung bzw. Bündelung von Ressourcen
- Mitarbeit an Präventions- und Gesundheitsförderungszielen
- Ausbau der Evaluation und Qualitätssicherung in der Prävention und Gesundheitsförderung
- Kommunikation der Prävention und Gesundheitsförderung im öffentlichen und politischen Raum
Im Bereich Vernetzung konzentrierte die BVPG ihre Aktivitäten in der bundesweiten Gesundheitsinitiative IN FORM. Mit der Initiative IN FORM möchte die Bundesregierung mit Unterstützung der Länder optimale Bedingungen für ein gesundes Aufwachsen von Kindern schaffen. Die BVPG sieht ihre Rolle vor allem darin, den Beitrag der Zivilgesellschaft zu IN FORM sichtbar zu machen und die Vernetzung der verschiedenen Kooperationspartner innerhalb der Initiative zu stärken. Zu diesem Zweck führte die BVPG im Herbst und Winter 2008 eine Mitgliederbefragung durch, in der sich zeigte, dass sich die überwiegende Mehrzahl der bereits an IN FORM beteiligten Organisationen zukünftig vor allem mehr Unterstützung bei der Projektumsetzung wünscht. Für die BVPG folgt aus dieser Mitgliederbefragung, dass sie zukünftig diese Mittlerrolle verstärkt wahrnehmen möchte.
Nach der im Jahr 2007 erfolgreich vollzogenen Fusion der Bundesvereinigung für Gesundheit e.V. (BfGe) und des Deutschen Forums Prävention und Gesundheitsförderung (DFPG) zur Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. organisiert die BVPG seither ihre Aktivitäten in drei Arbeitsgruppen:
- die AG 1 „Gesunde Kindergärten und Schulen“
- die AG 2 „Betriebliche Gesundheitsförderung“ und
- die AG 3 „Gesund altern“
Eine der Hauptaufgaben dieser drei Arbeitsgruppen bestand bisher in der Ausarbeitung bzw. Konkretisierung von Präventionszielen.Dieses Vorhaben konnte von den drei Arbeitsgruppen im vergangenen Jahr weitestgehend abgeschlossen werden.
Im Bereich der Zielediskussion ändert sich somit die Rolle der BVPG: Zukünftig müssen für die einzelnen Arbeitsgruppen nicht mehr neue Ziele definiert werden, der Schwerpunkt der Arbeit kann sich zukünftig vor allem auf den Aufbau von Umsetzungsstrukturen konzentrieren.
Die BVPG überführt aus diesem Anlass die bisherigen Arbeitsgruppen ab 2010 in jährliche BVPG-„Status-Konferenzen“, in denen jährlich eine Bestandsaufnahme im Bezug auf die Umsetzungsfortschritte erfolgen soll. Diese Statuskonferenzen werden sowohl für BVPG-Mitglieder als auch für Nicht-Mitglieder geöffnet sein.
Die BVPG verfolgte 2008 die systematische Weiterentwicklung des Themas Qualitätssicherung bzw. Qualitätsentwicklung.
Hierzu wurde Mitte 2008 eine „Vor“- Arbeitsgruppe Qualitätssicherung/Qualitätsentwicklung“ ins Leben gerufen, die im Auftrag des Vorstands die folgenden Arbeitsfragen beantworten sollte:
- Wie kann Qualität in Prävention und Gesundheitsförderung (weiter)entwickelt und gesichert werden?
- Welche Erfahrungen haben die Mitglieder mit Qualitätsentwicklung in der Praxis gemacht?
- Welche Empfehlungen lassen sich aus diesen Ergebnissen ableiten und im Sinne des Wissenstransfers wieder für alle Mitglieder verfügbar machen?
Die „Vor“- Arbeitsgruppe konnte diese Fragen mittlerweile erfolgreich beantworten und hat dem BVPG- Vorstand für die Zukunft eine gestufte Vorgehensweise empfohlen:
Im August und September 2009 soll zunächst eine Mitgliederbefragung durchgeführt werden, um Begriffe und Vorverständnis zum Thema Qualitätssicherung zu klären. Anschließend werden den BVPG-Mitgliedern die Ergebnisse der Befragung im Rahmen eines Workshops vorgestellt und ein entsprechendes Rahmenkonzept entwickelt werden.
Auch der Geschäftführer der BVPG, Dr. Uwe Prümel-Phillippsen, betonte, dass die systematische Weiterentwicklung der Qualitätssicherung unumgänglich sei. Nur auf diesem Weg könne der Stellenwert der Prävention in der Öffentlichkeit gestärkt werden: „Es setzen sich nur die Methoden durch, deren Wirkung wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen werden kann“, erklärte Dr. Prümel-Phillippsen.
Schließlich gehörte auch das Thema „Kommunikation von Themen der Prävention und Gesundheitsförderung im öffentlichen und politischen Raum“ zu den Kernaufgaben der BVPG. Hierbei konzentrierte sich die BVPG im vergangenen Jahr vor allem auf den Austausch mit Multiplikatoren im Bereich der Politik und Wissenschaft.
Am zweiten Tag der Mitgliederversammlung ging die Präsidentin der BVPG, Frau Helga Kühn-Mengel, in Ihrem Impulsvortrag auf die bisherigen Bemühungen zur Verabschiedung eines Bundespräventionsgesetzes ein. Auch in dieser Legislaturperiode konnte die Verabschiedung eines Präventionsgesetzes zur Stärkung der Gesundheitsförderung in der gesetzlichen Sozialversicherung nicht realisiert werden. Im April 2008 hatten die BVPG-Mitglieder erneut im Rahmen einer öffentlichen Resolution die aus ihrer Sicht zentralen Inhalte eines Präventionsgesetztes dargestellt:
- Prävention und Gesundheitsförderung seien eine gesamtgesellschaftliche und ressortübergreifende Aufgabe; zu deren erfolgreicher Bewältigung müssten entsprechend viele politisch und fachlich Verantwortliche sowohl organisatorisch als auch finanziell angemessen und verbindlich eingebunden werden
- Prävention und Gesundheitsförderung seien eine Daueraufgabe; diese müsse deshalb nachhaltig implementiert und angemessen finanziert werden.
- Ein Präventionsgesetz sollte an bereits vorhandene und bewährte Strukturen und Regelungen anknüpfen.
- Zielorientierung und Qualitätssicherung müssten verpflichtend geregelt werden.
- Sozial benachteiligte Gruppen müssten besonders berücksichtigt werden.
In der sich anschließenden Diskussion erarbeiteten die Mitglieder der BVPG auf Grundlage dieser Kernforderungen zentrale, auf den Arbeitsbereich „Prävention und Gesundheitsförderung“ bezogene politische Forderungen der BVPG für die 17. Legislaturperiode:
Die anwesenden Mitglieder betonten, dass das Thema Prävention und Gesundheitsförderung über neue Wege angegangen werden müsse. Die Bemühungen um die Verabschiedung eines Präventionsgesetzes seien in den vergangenen 10 Jahren bisher immer gescheitert. Dies zeige, dass ein Sichtweisenwechsel in der Vorgehensweise unerlässlich sei: Das Thema Prävention müsse der Öffentlichkeit zukünftig als produktives Potential nähergebracht werden und dürfe nicht länger als „lästiger Kostenfaktor“ betrachtet werden. Schließlich sprachen sich die anwesenden Mitglieder auch für eine angemessene Vergütung der im Bereich Prävention arbeitenden Fachkräfte aus. Nur auf diesem Weg könne langfristig ein hoher Qualitätsstandard präventiver Maßnahmen sichergestellt werden.
Tina Tansek