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Honorarkürzung

Nachbericht: Erfolgreiche Gesprächsrunde zur psychotherapeutischen Versorgung im Kreis Soest

19. Juni 2026

Wie regionale berufspolitische Initiativen wichtige Impulse setzen können, zeigte eine Gesprächsrunde zur psychotherapeutischen Versorgung im Kreis Soest, die auf großes Interesse stieß. Rund 50 Kolleg*innen sowie politische Vertreter*innen verschiedener Parteien nahmen an der Veranstaltung teil.

 

Initiiert und mitorganisiert wurde die Veranstaltung von Psychotherapeutin und DGVT-Mitglied Simone Folke, die gemeinsam mit weiteren engagierten Kolleg*innen die Idee entwickelte, aktuelle gesundheitspolitische Themen mit Vertreter*innen aus Politik, Profession und Betroffenenverbänden vor Ort ins Gespräch zu bringen. Sie übernahm die Einführung in die Veranstaltung und stellte die zentralen Herausforderungen der psychotherapeutischen Versorgung im Kreis Soest vor.
Bereits im Vorfeld war es gelungen, auf die Veranstaltung aufmerksam zu machen. Unter anderem berichtete Hellweg Radio über die Gesprächsrunde. Darüber hinaus wurden Kolleg*innen aus dem gesamten Kreis Soest gezielt eingeladen, sodass ein breites Spektrum an Erfahrungen und Perspektiven in die Diskussion eingebracht werden konnte.
Auch die Bundespolitik war vertreten: Der Bundestagsabgeordnete Jens Behrens (SPD) nahm persönlich an der Veranstaltung teil. Für den Bundestagsabgeordneten Oliver Pöpsel (CDU) nahm die CDU-Landtagskandidatin für die Landtagswahl 2027, Britta Feiler, an der Gesprächsrunde teil.

Zentrale Themen der Veranstaltung
Über zweieinhalb Stunden hinweg wurden in einer Podiumsdiskussion und den anschließenden Gesprächen zentrale aktuelle Themen der psychotherapeutischen Versorgung erörtert.
Im Mittelpunkt standen die Versorgungssituation im Kreis Soest, die Auswirkungen der geplanten Budgetierung, die aktuelle Debatte um Honorarkürzungen, die Situation in der psychotherapeutischen Weiterbildung sowie die Herausforderungen einer bedarfsgerechten Versorgung von Patient*innen.
Anhand konkreter Zahlen und Erfahrungen aus dem Kreis Soest wurde deutlich gemacht, dass statistische Kennzahlen allein die tatsächliche Versorgungslage nur unzureichend abbilden. Trotz einer auf dem Papier bestehenden Überversorgung berichten viele Patient*innen weiterhin von langen Wartezeiten und erheblichen Schwierigkeiten, einen Therapieplatz zu finden.
Besonders intensiv wurde die Diskrepanz zwischen den offiziellen Bedarfsplanungszahlen und der tat-sächlichen Versorgungssituation vor Ort diskutiert. Die Erfahrungen aus den Praxen machten deutlich, dass die Nachfrage nach psychotherapeutischer Behandlung in vielen Bereichen deutlich höher ist, als es die bestehenden Planungsinstrumente vermuten lassen.
Intensiv diskutiert wurden auch die konkreten Folgen der geplanten Budgetierung. Aus Sicht vieler niedergelassener Psychotherapeut*innen drohen dadurch Einschränkungen der Versorgungskapazitäten. Insbesondere bei vielen Psychotherapeut*innen mit halbem Kassensitz könnte dies dazu führen, dass Behandlungsangebote reduziert werden müssen und Patient*innen noch schwerer Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung erhalten.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Situation von Kindern und Jugendlichen. Dabei wurde deutlich, dass sich der Bedarf insbesondere seit der Corona-Pandemie und vor dem Hintergrund verschiedener gesellschaftlicher Krisen erheblich verändert hat. Gleichzeitig wurde auf die Grenzen der bestehenden Bedarfsplanung hingewiesen, die diese Entwicklungen bislang nur unzureichend abbildet.
Auch die Situation des psychotherapeutischen Nachwuchses spielte eine wichtige Rolle. Sina Schürkamp, Psychologiestudentin kurz vor dem Abschluss des neuen Psychotherapiestudiums, schilderte eindrücklich die Perspektive angehender Psychotherapeut*innen.

Fachliche Expertise, Versorgungspraxis, Nachwuchs- und Betroffenenperspektive
Auf dem Podium kamen bewusst unterschiedliche Perspektiven zusammen.
Nicole Heigl, Nora Hoffmann und Teresa Malberg brachten aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen sowie deren Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung ein. Die drei haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit den aktuellen Reformvorhaben beschäftigt und zahlreiche Informationen, Zahlen und Argumente aufgearbeitet.
Die erfahrene Psychotherapeutin Marion Hesse ergänzte die Diskussion um die Perspektive der ambulanten Versorgung vor Ort.
Ebenso wichtig war die Perspektive von Betroffenen. Vertreten war unter anderem Phoenix e.V., dessen Vertreter gemeinsam mit einem engagierten Betroffenen an der Veranstaltung teilnahmen.
Die Veranstaltung wurde von Dr. Michael Harnischmacher moderiert. Durch seine Tätigkeit im Bereich Journalistik und Kommunikationswissenschaft bringt er besondere Erfahrung in der Moderation, Gesprächsführung und Vermittlung komplexer Inhalte mit. Darüber hinaus hat er sich intensiv in die aktuellen gesundheitspolitischen Fragestellungen rund um die psychotherapeutische Versorgung eingearbeitet und an Analysen und Materialien im Umfeld von PsychoWatchdog mitgewirkt.

Kontakte und Vernetzung über die Veranstaltung hinaus
Die Veranstaltung führte über den eigentlichen Austausch hinaus zu weiteren Kontakten und Vernetzungen. So ergaben sich unter anderem Gespräche mit dem WDR sowie weitere Kontakte zu Betroffenenvertretungen.

Positive Bilanz
Die Organisator*innen ziehen insgesamt eine sehr positive Bilanz. Besonders hervorgehoben wurde der offene und konstruktive Austausch zwischen Politik, Profession, Nachwuchs und Betroffenen.

Ein Beispiel für erfolgreiche regionale Berufspolitik
Die Initiative ist zugleich ein gelungenes Beispiel dafür, wie DGVT-Mitglieder vor Ort berufspolitische Themen sichtbar machen, unterschiedliche Perspektiven zusammenführen und wichtige Dialoge mit politischen Entscheidungsträger*innen anstoßen können. Der DGVT-Bundesverband unterstützte die Veranstaltung finanziell und trug damit dazu bei, dieses erfolgreiche Format zu ermöglichen. Dank an Simone Folke, die die Veranstaltung mitorganisiert hat.

Text zum Download als PDF-Datei: Erfolgreiche Gesprächsrunde zur psychotherapeutischen Versorgung im Kreis Soest

 

Impressionen