Neues von den Mailinglisten - Umgang mit Wartelisten
Der Umgang mit Wartelisten ist ein Thema, das für TherapeutInnen häufig schwierig ist. Auf der einen Seite steht das Bestreben alle bedürftigen PatientInnen best- und schnellstmöglich zu versorgen, auf der anderen Seite stehen begrenzte Ressourcen für die „Pflege“ der Warteliste und die Erfahrung, dass PatientInnen, die sich vor Monaten auf einer Warteliste haben eintragen lassen, inzwischen häufig anderweitig „untergekommen“ sind, wenn man ihnen einen Therapieplatz anbietet. Einerseits wünscht man den PatientInnen ja, dass sie einen Therapieplatz gefunden haben, andererseits macht eine Warteliste, die vielfach nur ehemalige Therapieinteressierte umfasst, wenig Sinn. So finden sich in der Praxis verschiedene Herangehensweisen, die außer dem Verzicht auf eine Warteliste und dem Führen einer Warteliste auch noch diverse Zwischenformen umfassen. In letzter Zeit wurde dieses Thema auch ausführlich auf unserer Mailingliste Niedergelassene diskutiert. Dieser Artikel soll eine Übersicht über die häufigsten Herangehensweisen unserer Mitglieder geben.
Verzicht auf Warteliste
Das Führen von Telefonaten mit Therapieinteressierten und das Pflegen einer Warteliste nehmen viel Zeit in Anspruch, die alternativ zur Versorgung von PatientInnen genutzt werden könnte. Aus diesen Gründen entscheiden sich einige PsychotherapeutInnen gegen das Führen von Wartelisten. Um Wartelisten gänzlich zu vermeiden, wird in der Regel ein Anrufbeantworter eingeschaltet, der darüber informiert, dass man entweder nur zurück ruft, wenn man einen Platz anzubieten hat oder dass man niemanden mehr aufnimmt und auch keine Warteliste führt.
Führen einer Warteliste
Andere TherapeutInnen entscheiden sich dagegen für das Führen einer Warteliste. Dabei bieten sich verschiedene Vorgehensweisen an. Zum einen ist zu entscheiden, ob man den potentiellen PatientInnen ein schnelles Erstgespräch anbieten will. Dieses kann dazu genutzt werden, um eine erste Verdachtsdiagnose zu stellen, das weitere Vorgehen zu besprechen und die Passung zwischen TherapeutIn und PatientIn zu prüfen, um zu vermeiden, dass der/die PatientIn neun Monate auf einen Therapieplatz wartet, wenn hinterher doch keine therapeutische Vertrauensbeziehung denkbar ist. Alternativ gibt es auch die Variante wöchentliche telefonische Sprechstunden anzubieten, um potentielle PatientInnen kurz zu beraten. Andere PsychotherapeutInnen verzichten hingegen auf ein vorgezogenes Kennlerngespräch. Des Weiteren ist zu klären, wie die Warteliste gepflegt werden soll. In der Regel ist es sehr aufwändig für den Therapeuten oder die Therapeutin regemäßig die Warteliste abzutelefonieren. In der Praxis hat es sich daher bewährt, dass interessierte PatientInnen in regelmäßigen Abständen anrufen und eine kurze Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen, um auf der Warteliste zu bleiben. Generell stellt dies eine gute Lösung dar, kann aber bei PatientInnen mit starken Depressionen oder sozialen Ängsten zu Problemen führen, da sie durch das wiederholte Anrufen überfordert werden können.
Mischformen
Neben dem strikten Ja oder Nein zur Warteliste gibt es auch noch einen Reihe an Mischformen. So ist es zum Beispiel möglich einen Teil der PatientInnen als eine Art Springer einzusetzen. Das heißt, den PatientInnen, für die noch kein fester Therapieplatz vorhanden ist, wird relativ spontan ihr nächster Termin mitgeteilt, wenn z.B. gerade eine Stunde durch Absage frei wird. Das hat nicht nur den Vorteil, dass diese PatientInnen weniger lange auf eine Therapie warten müssen, sondern hilft auch den TherapeutInnen Leerlauf durch Ausfallstunden oder sich im Urlaub befindende PatientInnen zu vermeiden.
Insgesamt lässt sich also sagen, dass die Handhabung der Warteliste eine sehr persönliche Entscheidung ist, für die jeder Therapeut bzw. jede Therapeutin sein/ihr eigenes Maß finden muss.
Anna Millek
Quelle: Rosa Beilage 3/2014, S. 46