Skip to main content
 
VPP 4/2005

Notizen zu dem Treffen Zugang zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie - Ausbildung am 16.09.2005 in Kassel

01. Februar 2007

Eingeladen hatte Prof. Mühlum (Deutsche Gesellschaft für Sozialarbeit, Sektion klinische Sozialarbeit). Neben ihm waren vertreten Frau Röpke (VAKJP), Herrn Lehndorfer, Frau Schwarz (BKJ), Herr Klett (BVVP), Prof. Zurhorst, Prof. Pauls, Herr Klein, Herr van Gifteren und eine Kollegin aus Österreich, deren Namen ich nicht verstanden habe.

 

Eröffnet wurde das Treffen mit einem Kurzbeitrag von Prof. Zurhorst, der die aktuelle Diskussion um einen Fachhochschul-Master of Social Work als Zugang zur Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie darstellte und bewertete. Er sieht bei den Landesbehörden Tendenzen zur Einschränkung der Zulassung, einmal unter dem Aspekt, dass zu viele Berufsgruppen Zugang hätten und dass dies wohl überdacht werden solle, zum anderen die relativ schlechten Prüfungsergebnisse (im Jahr 2003 25% Durchfallquote, davor und im letzten Jahr jeweils 15%, wobei Herrn Lehndorfer später einwandte, dass eine Analyse des IMPP (die im Psychotherapeutenjournal veröffentlicht werden wird) Hinweise darauf gab, dass es weniger auf die Vorqualifikation ankomme, sondern der entscheidende Punkt sei die Zeit, die seit dem Universitäts-/ Fachhochschulabschluss vergangen sei.
Wie gerechtfertigt die Überlegungen zu diesem Thema sind, zeigt sich auch daran, dass sich am 28.9.2005 die Länderreferentinnen und Referenten des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Weiterbildung der Kultusminister der Länder zu diesem Thema beraten werden ("Ausgestaltung der Zulassungsvoraussetzungen zur Ausbildung zum PP sowie zum KJP auf der Grundlage der bisherigen Prüfungsergebnisse"). Als problematisch in der weiteren Entwicklung sieht Zurhorst die Tatsache, dass die Universitäten die Ausbildung an sich ziehen wollen und insofern für andere Studiengänge (jenseits der Psychologie), die Möglichkeiten einer Ausbildung für den KJP Bereich eingeschränkt oder abgeschnürt werden würden. Unklar sei auch, wie sich die anstehende Studienreform auswirke, zurzeit spreche manches dafür, dass die Psychotherapieausbildung auf einen Master aufbaut, es gibt aber auch Tendenzen (zumindest für den Bereich KJP), den Bachelor vorzusehen, was eine Dequalifizierung bedeute und in der Endabrechnung dazu führen könne, dass Nicht - PsychologInnen, welche auf den Bachelor aufbauend ein Psychotherapieausbildung machten, zum "Heilhilfsberuf" für approbierte Psychologische PsychotherapeutInnen würden. Die deutsche Gesellschaft für Psychologie plant den Master of Science "Klinische Psychologie/Psychotherapie", was solch einer Entwicklung Vorschub leisten könne.
Problematisch sei, dass dem Master "Klinische Sozialarbeit" und ähnlichen Masterabschlüssen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch die Einheitlichkeit und damit die Durchschlagskraft fehle. Eine solche wäre anzustreben, da sonst längerfristig der Zugang zum höheren Dienst für FachhochschulabsolventInnen (lediglich Anerkennung eines Bachelorabschlusses) gefährdet erscheint. Die Länder und der Bund sähen in den vielfältigen Masterabschlüssen ebenfalls ein Problem, so dass es für die Fachhochschulen darum ginge, sich auf eine einheitlichere Herangehensweise zu einigen. Eine Novellierung des Psychotherapeutengesetzes wird wahrscheinlich notwendig sein, wobei es zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklar ist, wie umfassend solch eine Revision sein muss. In diesem Zusammenhang stellt Zurhorst noch die Frage, was "Abschluss in " im Gesetzestext bedeutet. Die diesbezügliche Definitionsmacht solle nicht allein den Universitäten/der Politik überlassen bleiben.

Als weitere Bedrohung sieht er Gerüchte, wie sie in Sachsen kursierten, dass seitens der KV angestrebt würde, den Erwachsenen- und Kinder und Jugendlichenpsychotherapeuten zusammenzulegen und ihn/sie nur noch für Diplom-PsychologInnen (bzw. der entsprechenden Folgequalifikation) zu überlassen.
Zurhorst denkt, diese vielfältigen "Flämmchen" müssten gelöscht werden, bevor daraus ein großer Brand wird." Es sei nötig, nunmehr die Unterstützung durch Berufsverbände, Psychotherapeutenkammern, Psychotherapiefachverbände und durch die Hochschulen zu bekommen. Um die Zulassungsoptionen offen zu halten, solle die Einschränkungsdiskussion offensiv geführt und konkreter zu definiert werden, welche Pädagogen z.B. Zugang erhalten sollten. Lehndorfer erwähnt in diesem Zusammenhang, dass die Diskussion in der Bundespsychotherapeutenkammer in solch eine Richtung liefe. Ohne Einschränkungen werde es wohl nicht gehen, eine Reduktion auf wenige Masterstudiengänge würde die Zulassungsprobleme aber erheblich reduzieren.
Klett argumentiert vehement gegen den BA als Grundlage für die KJP Ausbildung, da die politischen Implikationen erheblich seien. Die ÄrztInnen hätten schon immer die Gleichwertigkeit der PsychotherapeutInnen angezweifelt, wenn eine derartige Dequalifizierung umgesetzt werde, hätten sie wahrscheinlich sogar Recht.
Lehndorfer: "Man kann nicht nur sagen, man braucht für KJP den Master, man muss es auch inhaltlich belegen". Die österreichische Kollegin meint ebenfalls, dass jetzt "um die Inhalte gekämpft werden" solle.

Prof. Pauls spricht in seinem Beitrag über den berufsbegleitenden Masterstudiengang Klinische Sozialarbeit, der in Kooperation der Fachhochschule Coburg mit der Alice Salomon Fachhochschule Berlin angeboten wird. Es zeichnet sich ab, dass dieser Masterstudiengang, der am amerikanischen Modell des Clinical Social Worker orientiert ist, für das Konzept einer inhaltlich definierten Zugangsvoraussetzung zur Ausbildung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie dienen könnte. Im weiteren Gespräch wird beschlossen, dass die Konzeption eines Masters mit klinischem Profil von den Professoren Pauls und Zurhorst erstellt und dann in einem Arbeitskreis diskutiert wird. Dieser Arbeitskreis soll auch die vorliegenden Masterstudiengänge überprüfen und entsprechend "Akkreditierungsvorschläge" machen. Die Arbeitsgruppe soll sich im Wesentlichen aus den Anwesenden zusammensetzen. Herr Lehndorfer wird sich um die Einbindung des Länderrats der Bundespsychotherapeutenkammer kümmern, die Fachhochschulvertreter werden in ihrer Gruppe um Unterstützung werben, außerdem sollen neben den KJP Verbänden auch die Träger von Ausbildungsstättenverbünden eingeladen werden (DGVT, DVT, DFT).

Das nächste Treffen soll am 07.11.2005 in Frankfurt stattfinden (12.00 Uhr - 16.00 Uhr). Von Seiten der DGVT sollte eine profilierte, inhaltlich ausgewiesene Person aus dem KJP Bereich teilnehmen!
(dies habe ich der Gruppe schon angekündigt)